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i86^kX
LATEINISCHE GEDICHTE
V^v.^
DES X. UND XI. JH. ^'
.dcn^
HERAUSGEGEBEIV VOIN
JA[C. GRIMM UIVD ANDR. SCHMELLER.
GOTTINGEN
IM VERLAGE DER DIETERICHSCHEN BLCHHANDLUNG.
18 38.
FREIHERRIN JOS. YON LASSBERG
ZU MERSBLRG AM BODENSEE.
V O R R E U E.
Di
'ie hier mltgellieilteii beilrage zur lateinischeii
poesie des initlelalters lioffe ich solleu ^villkoinmen sein
und vielleicht geeiguet, unhallbare gesiclitspuucte zu
verriicken, unter welchen diese gewohulich ius auge
gefafst wird. ISIan ist bereit gewesen sie geriug zu
«chatzen , ohne sle vorher ersl eiumal vollstandig keu-
nen zu lerueu. Sie hat fast nur duldung erlangeu kon-
nen, je uaher der classischen dichtkunst sie zu treteu
schien, und gerade das niiiste an ihr herausgestellt wer-
deii , was sie von jener zumeist eutferule und auf be-
sondere wege brachte. "SYo zwei elemeute sich biuden,
zieht uns der daraus hervorgeheude schmelz an, nicht
das eutschiedne iibergewicht des eineu , in welchcin
blofs eine uubehagliche allgemeiue triibuug zuriick gc-
blieben ist. Der ursprung der romausprachen aus dem
bediirfuis des volks, sich natiirlich uud ohne fessel aus-
zudriicken, rechtfertigt uud erklart zugleich den aller
neueren poesie, die sich der alteu enlgegeusetzle, uiid
sie endlich iiberwaud. Sicher hat der vulgarslil liir
uns grofsern reiz als der gelehrte, weil jeuer uaiv uud
eigen sein kaun , dieser kiinsllich uud fremd bleibl ; aii
absoluten vorziigen liegt es dabei uicht. Wie weuige
lesen Petrarchas laleinische biicher uud wie viele seiue
ilalienischen gcdiclile. Dem laleiu des mitlelallers, bci
allcr verdcrbnis, darl oll iioch wenn eiue ungeleuke
VI
iind sclnverfallige docli iilcht gaiiz uiilei-driickte naliir-
lichkeit zugeslanden werden ; als im sechzehnlcu jahr-
liundert liefere bekannlschaft niit den chassikern anfieng
iind der gescliinack sich reinigle, ^vurden die edelsten
krafle in erleicliterter und gehobner nachalinuing der
laleinischen poesie vergeudet. danials schiillelten alle
gelehrlen aus ihreni erniel lliefsende hcxdmeler, ^vel-
clien iiichls abgieng als natioiialitiit uud die feinheit des
iiachbiklens, dessen aiiforderungen durch forlgeselzte be-
tradiluiig der classischen Averke beslandig gesteigert vvei'-
den. solche verse vermochten iiie das volk zu erciuicken,
mir der bildung jener zeit genug zu thun , Nviilirend sich
die fort oder zuriickschreitende der folgenden bald wie-
der von iiinen abwandte. Was halle niclit die poelische
eingobung eiiies EobanusHessu?, Pelrus Lolicliius, Nicode-
nnis Frischlin und vieler anderer auferbauen iiiogen, wenn
sie der niutlersprache zu slatta^n gekommen ware. diese
dichter zogen das scheinleben einer vollendeleren , un-
nachalimliclieu form deni wahren vor, das sich auf ver-
wilderlem aber fruchlbarem boden des valerlandes selb-
staudig und schopferisch erzeugt halte. Seit , nach
liberlangem riiigen , iinsere sprache sich wieder los
inachte, ist die hervorbringung lateinisclier gedichle bil-
lig in eiige schranken gewichen , und mehr ein prob-
sliick erwoibner gelehrsamkeit , oder spielende lusl an
dem strauben und nacligeben einer fremden zunge als
freier trieb wirksamer poesie : sie tragen nicht aus was
sie erslreljen und laufen gefahr aufs schnellste verges-
sen zu werden.
INlit den einlliissen der laleinisclien sprache kreuzen
und begegnen sich diircli das ganze mitlelaller die ge-
schicke dcr einlicimischen. das steigende bediirfnis ver-
feineiler ausdrucksweise war hnlb geneigt und halb ge-
drungen sich des fremden miltels zu bedicnen. Pocsie
VII
glbt die grundlage lier zii dem gedeilieii aller llleratur,
vermag sie aber iiicht alleia iind oline liinzulrelende
geislige kraft der prosa aufzubrrngen. Naclidein das
chrislenlhuin die nocli aus heidnisclicr wurzel cnlspios-
sene dichlung des achlen und neunlen ialirlmnderls ")
verabsiiumt oder ausgerotlet halle, niusle die deulsche
poesie eine zeillang still slelin, einer pliaiize nicht uii-
gleich, der das lierz ausgebrochen isl , uiul ersl iui
zwulflen und dreizehnlen begann ihr sliel auszuschla-
gen : diesem frohliclien wachslhum ^var deunoch abzu-
vvelken beschieden , weil ihm keiue schiilzende prosa
zur seite trat. Als im sechzehnlen jahrhundert die
deutsche prosa sich ermannte , fehlte die niacht der
poesie, nnd der neuversuchlcn un\ollbiirligen poesie
des siebzehnten war die prosa abgestorben. Iliidlich
im aclitzehnlen gelang die vereinigung bcider, und (ort-
aij konnte nichls mehr dic bliile und fruchl uiisrer
literatur aulhallen,
Den samen laleinischer dichlkunst trugen Italiener
nach Gallien und Brilannien , crst von da ^vurde er
Dculschland zugefiihrl. Djaconlius , Sidonius ApoIIina-
ris , Venantius Fortunatus , in etvvas weiterem absland
Aldhelm und Beda reilien sich an die letzten zuglinge
der aussterbenden romischen poesie, uamenllich aii Au-
') die alliteration ist , iil)er Saclisen liinaus, (iir Hoclideutscli-
land erwiesen, und wer an der menge altiioclideutsclier , vorotfrie-
disclier gediclite zweifelii wiil, selie das voii Reginbert im j. 821
aufgestelite verzeicliiiis der biiciier zu Siiidleozesouwa (spilter Rei-
clieiiau) , worunter: 'in vige^iiiio primo lil)eilo continentur XII car-
mina theodiscae linguae (tlieodisca iingua) formata . . . in vige-
simo secnndo libello liabentur . . . cormina diversa ad docendam
tlieodiscam iiiiguam.' iseugart episcop. constant. p. 536. 547. 550.
iii ilirer mufsc scliiiebeii die nionclie nacli miiiidliclier iiberliefe-
ruiig deutsclie lieder auf, gewis aus uielir als eiaer absiclit, >iel-
Mll
soniiis untl Claudiaii , nian diirfle einzelue Nvie Boethius
noch hierher oder schon dorthin zahlen. ani richtig-
sten liebt die niiltellateinische poesie niit den christli-
chen dichtern an , und alle lieidnisclien fallen der rii-
uiisclien zu. \Yer den ^verlli der alleslen chrisllichen
poelen in das was sie, fast ohne eigiies verdienst , er-
eibt oder unverlernl haben , setzen v\ill, niag es thuuj
mir sclieint er niehr von deni stof abzuhangen, und da
\vo der oft liebliche Forlunalus das frankische konigs-
geschlechl oder auslrasische gegenden besingl , gewinnt
er gleich an leben , ^vie Claudians ungeineine elcganz
durch den leblosen iiihalt sciner gedidite gedriickt, die
jiicht geringere des Ausonius in seiner anniuligen Mo-
sella IjOher gefarbt wird. Fiir Deutschland *) fangeu
die laleinischen dicliler erst seit Hrabanus IMaurus an,
und in den schulen zu Fulda , IMainz, Sanctgallen, Con-
slanz, Slrafsburg, TuU , Piiini, Trier, Corvei , Tegeiyi-
see, Freisingen luid eiiiigen andern empfieng die kunst
■vs'eitere pllege. kaum muchte es einer an feincni talent
dcm Walafrid Stral^o zuvor gelhan haben, dessen hor-
tulus weiche verse von innigem gefiihl darbielet. volks-
mafsige ankiange scheinen ihm jedoch frenid.
Dafs diese auch spaler noch nichl verschoUen "waren
leiclit nncli ziim anbau deiitscher grammatik , nacli Carl dcs grofseii
beispiel (Eginliart cap. 29 inclioavit et grammaticam pntrii ser-
nionis.) Weiin ilirer sclion eine einzige abtei iiber ein duzend
verwalirte, wie viel mufs sicli anderwarts des aufgezeiclineten,
nnd gar im munde des volks unaufgesclirieben , damals gefunden
li;>ben?
•) hier abgesehn von Vandalen, Gotlien und Langobarden des
5. 6 7 jli. ; lateinische gedichte der africanisclien Vandalen unter
Tlirasamund und Hilderic von Tuccianns, Eteinundis und andern
hat Mevers aiitiiologie n*^' 545. 54G. 51*5 '^" 'I*^"' gct''- konig
Sisebiitus (a. GoO) n" 388.
IX
II nd tlie inouclie nebeu ihren geistlichen dichtungeu
aderu der einheiniischen sage , -welche in der gesamten
nation so iippig gewucliert hatte, zu hegen strebten,
bewahrt uusere, mit besoudrer vorliebe auf das zehnte,
einigei-mafsen aucli das eilfle jalirliundert gerichtele
sammluug; es macht freude dem verkannten wieder
einige gunst zu bereiten. denn schwerlich slelit irgend
eine zeit iibel beriiclitigter in der geschichte imsrer lite-
ralur, sie gilt sogar fiir die epoche des aufsersten ver-
falls aller kunst und wissenschaft. Wer mag sich aber
einbilden , dais uuler den saclisischen und frankischen
konigen, als das deulsche reich auf dem gipfel seiner
maclit, und in Widukind , Thietmar, Wippo , Richer,
Hermann iind Lambert ernsler siun fiir vaterlandische
geschichte -wach vvar, die laleiuische dichlkunst sollte
ungepflegt geblieben sein ? damals vvar die geistlichkeit
riiiiriger, uud welterfahrner als naclilier, wie liatte sie
die poesie unversucht gelassen ? Wenn auch die deut-
sche sprache selbst in diesen jahrhuuderten , uud aus
ursachen deren entwicklung nicht weiler liierher ge-
horl , keiner fortbildung tlieilhaft wuide ; bei dem volke
muslen noch altere lieder leben, sagen in menge und
fiille dauern , deren einflufs auf monchische naclidich-
tung nun nicht lUnger wird diirfen verkanut werden.
Die drei grofseren gediclite Waltharius, Rudlieb und /
ecbasis captivi , so ungleich sie sind , gehoren zusam-
nien und trageu die eigeuthiimlichkeit ihrer zeit in vol-
lem mafse an sich ; sie erganzen unsere vorstellung von
dem dichlerischen vermogen des zehnten jahrhunderts,
die wir lange nur aus dem werke der sachsischen
Hrosuilh *) eutnehmeu konnten. Alleu dreien liegt eiu- ,
*) oi\er Clamorialidus , wie sie sicli selbst ubersetzt : Hrosiiitli
fiir Hrotlisuitli, a!id. Hruudsuiii(J. die poesie der gaiideslieimer
heiinlsclier slof iinler, "\vle ilui ilie aleniannisclie , bai-
risclie uncl lotliriuglscbe iiberlieferung , \ielleicbt uoch
iu denlscbeu liedern , an haud reichte, welcben aufzu-
fasseu die geistlichen des ueunten jb. zu voruclini, ge-
lebrt und fromni wareu. dle kluster und scbulen, wc-
nigstens da wo deulsclie zimge hersclite, balteu ini
zehuten jb. uielu- heiterkeit und frobeu nuit gewonuen.
Hrabans und ^^'alafrids '*) diclitungen sliul nocli elwas
aullker, alleiu slreng und Irocken ; die des zebulen jh.
vergiileu ueuanselzeude roheit liln und wiedei' durch
einen baucli vou friscbe luid nnlur , der jcneu abgelit. In
ibrer bedeutsamen eigeulbiinillcbkeit wird zunial die
YOn Rudlieb, so liickenbaft sle hervortreleu nuifs , iiber-
jaschen ; vollslandlg erliallen -wiirde sie grijfseres auf-
sehu niacheu als was cs nur sonst in niiltellateiuischer
poesie gibt. Zwiscben ^"\ allbarius luid der ecbasls be-
slebt zufiilllg sogar orlllcbe beriiluuiig , iiisofcru boldc
ibre liandhing uacli deni ATas^au uud veriuullich gauz
iionne ist niilder und sclieuer als die der monclie, aber iiiclit uii-
gebildet : von weitliclier sage verrath sie gar niclits meiir. lieb-
lingsausdriicke des zelinten jli, wie quo fiir ut, fore fiir esse, po-
tis est, tuum velle, vestrum coniplevi velle jocundum , sibi fiir
illi, satagis tollere, satagis ponere , certabaiit se subdere, factor
fiir deus, gaza, plasma, protoplastus, sciolus , orcidiius, eous,
congaudere, glomerare, baccliica munera, Cainena, iiomullus, po-
pellus, im versscliluls eandem, eundem, mulierem , Imjiis, liorum,
im fiinften fufs bedeutungsloscs namque oder deiiique, iiifinitixe
praet. wie disposuit petiisse, jussit vixisse, posset rexisse fiir po-
tuisset regere , und anderes melir liat sie besoiiders niit Waltliariiis
gemein, einige ausgesuclite altertliumliclie formen , wie die prono-
niiiialen niis und tis , debriiis fiir ebrius sind ilir eigen. Eine neue
ausgabe ware erwiinsclit.
*) Walafrids werk ist gut, aber uiibequem , bei Caiiisius ed.
Basnage II. 2, 18-1-264 Iieiaiisgcgel^en ; iiiaii sollte es niit dcii nielir
zerstreuten gedicliteii Hrabyiis eiiinial besonders zutanimenstellen.
XI
dei'selben gegeiul legen. Das zog vlelleiclit nielir tlen
berausgeber an , als es antlern iiierkAviircHg sclieineii
wird. Die gemeiuschaft der drei gediclite bewahrt sicli
aber auch sonst. In jedeni weissageu schwere triiume
den endlichen ausgang : Haganons (Walth. 621), der
multer fliudl. 16, 8"9) und des wolfs (ecb. 230) und wie
Nib. 13. 14 zeigou bilder von thieren die kiuifligen ge-
scliicke an. Zwar geschielit dasselbe schon in uianchen
alleren, so wie jiiugereu sageu , doch ist jeue einslim-
muug zu beachten. Formliche 'gebete 'werden aiisge-
sprochen \Yallh. 1161. Iiudl. 10, 71. ecb. 795. Dafs
zwei der gedichte fischiianien verzeichuen, uud das drille
uah daran war , es auch zu thun, ist s. 327 wahrge-
uommeu, weuigsteus verslehn beide helden, "NVallher
und Rudlieb, sich auf den fischfang. lu Rudliel) und
der ecbasis wird durch ineiuauderfiigung von erzahlung
und begebenheit die darstellung eiuigemal verwickelt
und in liaufiger wechselrede beiuahe dramatisch *); die
des Wallharius ist uugleich eiufacher gehalten.
Dieser einfachheit einer deuuoch rcichen fabel wegeu
wird man kaum anslehu , der schijnen und fesseluden
glelchmafsigkeit des Wallharius den eislen raug unter
den drei dichtuugen einzuraumeu. es isl epische warme
darin , dcreu kraft selbst allere formgewalligere werke
der Rumer iiberbieteu kouute. soviel vermag ein ech-
ter gelialt dcr volkspoesie sogar in iiberselzungeu die
zur blofsen schuliibung augeslellt wurdeu. Y\ eit gciin-
geren werlh in anspruch uehmeu darf die ecbasls, iii
welche horazische verse eingeschallet sind , wle der
sancallische dlchler den yirgil nachahjut. Gar keiu
*) aucli die beigefiigten iinnien der redenHen (s. 295) geniali-
nen an den dialog zwisclien ^ usnciis uikI Rlienus bei Ernioldus
Nigellus (Pertz 2, 517. 5! 8.)
XII
solclies nnister schwebt dem eigeutliunilicheren veiTasser
des lUidlieb vor. hat nian sich einnial niit seiner selt'
sanien, aber nicht ungewandten handhabung des lateins
verlraiit geniaclit, so wird dem naiven , behenden uud
wirklich dichterischeu vorlrage der begebenheiteu voUes
recht widerfahten. Es ist kein gewohnliches talent,
was sich hier allenthalben kund gibt uud durch die uu-
bequemlieit einer frenideu spraclie bricht ; so viel feines
gefiihl, solches geschick eine versclihingne sage zu er-
greifen , durchzufiihreu und auszustalteu halle man um
diese zeit nicht erwarlet. sie ist, wenu ein funnhches
deulsches lied noch vorlag (was viel zweifelliafler schei-
neu wird als beim "NYahharius) von dem dichler wirk-
lich iu sich aufgenommen, verarbeitet und bereichert
worden , wiihrend im AYahharlus eher eiiie schwacliung
der deutschen queUe angenommeu werden mufs. Fro-
muuds kiihnere darstelhing braucht ihre gleichnissfe uicht
aus einem classiker zu borgen , sondern kann sie selbst
erfinden; sie verfallt dafiir schon auf ausmalihingen,
die dein gang der fabel einlrag lliuii aber durch sich
gefallen. \Yillkommne eiuzelheilen dieses gedichts wer-
deu noch lange auszubeuteu uud zu erlauteru seiu ; ich
beschrrinke mich liier auf naclilese einiger bemerkun-
gen. YN ie lebhaft sind die vergleiche des laufes oder
tauzes niit dem flug der schnellen schwalbe und dem
kreisen des falken (l, 51. 8, 49.) ' Vou deu vertrauteu
und taglicheu dienern des konigs wird 3, 197 gesagt :
vehili glandes semper flanl regis ad aures, wie unter
dem waldbaum das gerausch der eicheln bei jedem hift-
zug vernehmbar ist, schwebt um des konigs ohren der
dienendeu hoflinge geiliisler *'). INleiu bescheidner freuud,
*) icli wiistc iiiclit dafs olirriiige in eiciielforni getragen wor-
deti seien, woran sicli sonst denken liefse.
XIII
iler die idyllisclie wahrlieil vieler scliilderungen dieses
gedichts und dessen werlli fiir anfklarung der silten und
gebrauche unseres allerthuins (s. 229) vollkoninieu er-
kennt und bereils in das licht setzt, hat, -wie sein eig-
nes verdienst uin die bekanntniachung und erganzung
der bruchstiicke , wol auch den gewinn zu gering an-
geschlagen (s. 201), der sich fiir die altereu niythen und
sagen aus ihnen ergil)t. Was konnte dem forscher will-
konininer sein, als der aufschlufs aus so friiher zeit
liber die ansicht von der natur des zarrggeschlechts iin
siebzehnten fraginenl? die menschen inistrauen den triig-
lichen geschcipfen , die zwerge ini gegenlheil leiten ihv
langes lebeu und ilire gesundheil her von ihrer ein-
fachen kosl und treuherzigkeit. beides stimnit noch
vollig zu der bis auf heute forllebenden sage. die
zwerge verstelin sich auf die heilsanikeit der krauler,
und entweichen, ein gutes, slilles, friedliches volk, aus
ihrer heiniat Sor den boshaften menschen' (mythol.
s. 255), deren heinilicher blick sie belauscht und deren
neuerungen ihnen das land verleiden. auch die elbi-
sche schouheit und pracht der zwergin (parva, nimis
pulchra, sed et auro vesleque compta) wird ganz wie
spaterhin (mytli. 253) vorgeslellt. Das elngreifen der
hauptfabel von Rudlieb in die alideuiscJie heldensage un-
terliegt keinem zweifel, lafst sich abei; bei abgerissen-
heit der einzelnen sliicke und unvollstandigkeit unserer
fionstigen iiberlieferungen, bis jelzt niindestens, nicht
mehr geniigend uachweisen. Es ist nirgend liindeutung
auf eine vorgelegne schrift, aber die blofse sage kann
in eigennainen und umstanden gelreu gewesen sein.
Man erfahrt schatzbare nachrichten iiber das ofFent-
liche treiben zwischen kcinigen bei friedensunterhand-
lungen, die hin uud her gehendeu gesandtschaften iind
die gegenseilig gebotnen, zum theil aber unangenomm-
XIV
ncii gcsclieuke, wobei bosomlers die rangverlirilfiiisse
feiii beobaclilet werden. Icli hebe den vers liervor :
Obviiis ad pontem veiiit is tibi nos dinmenfem , Pax ibi
firnialur (3, 22.) es war iiraller brauch , dafs krieg-
fiihrende herscher iii der niille des llusses, der ilire
reiche schied, gleichsam jeder noch auf seinem giund
steliend, fiir den friedensbund zusaniinentrafen und ihu
beredelen. das alleste zeugnis bietet Tacilus (hist. 5,
26): 'pelito colloquio scindituv Nabaliae flnminis pons,
in cujiis ahrupta progressi duces.' daiin beini frieden
zwisclien Heinrich 1 und Carl dem einfaliigen von Frank-
reich , annal. lobiens. ad a. 923 (Perlz 2, 210): 'eotleiu
antio Karolus cuin Henrico rege Germanorum foedus
iuiit, et ab amore (ob aniorem) Henrici lothariensi
regno cessit. juratum est utrlmqiie ab episcopis et
comilibus in medio Reni fluminis apud Bonnam,' vgl. Ba-
luze capitul. 2, 299. Spater eiue zusammenkunft der
kcinige Friedricli uud Ludwig im j. 1162 (Helmold 1,
90): 'et misit caesar ad regeiu Frauciae Ludovicum, ut
occurrerct sibi apud Laonam , quae est in terra Bur-
guudiouum , juxla Ararim fluvium, ad redinlegraudum
iinitatem ecclesiae .... Ludovicus rex Franciae, cujus
praecipue exspectabatur adventus, ubi iiilellexit caesarem
appropiare cum exercitu et armis mullis, dubitavit oc-
currere ei. sei propler fidem sacramentorum venit ad
locum placili conslilulo die, hoc esl in decollatione Jo-
hannis baplistae et exhibuit se in ponfis medio , ab hora
tertia usque ad horain nouam quod rex Franciae acci-
piens pro oniine laoit manus suas in flumine, ob teslimo-
nium quasi qui fidem pollicitam reddiderit, et digrediens
iude abiit ipso vespere Divionein. veuiens ergo noclu
caesaretc, So noch unserer tage bei dem tilsiter frieden
trafen sich Napoleon und Alcxauder von Pmfsland auf dem
Memel in eiuem nacheu, und die geschichte kennt meh-
rere iibergnben von neiiverniahllen konigstoclitern aiif
(Jer mUle des grcnzflusses zweier gel)iele. jeclwedeni llieil
sollle die volle freiheit des enlschlnsses und die niug-
lichkeit des riickschritts gesichert sein. Nicht uuafinlich
sind zusainnienkiinfle benachbarter konige oder zwei-
kanipfc beiderseiliger Iielden auf insel/i. es geniigt hier
an die drei konige Lolhar, Ludwig und Karl auf der
Saoninsel Anille bei INlaron im j. 842 zu eriunern.
Grofsniiillg wiililt der machligere konig von den
gleichsani zuni tribut daigebrachten , umslandlich doch
lebhaft geschilderlen gaben des besiegten nur weniges,
kann aber dcr neigung nicht widerslchn sich ein
paar schneeweifser , schwarzfiifsiger biiren , so wie die
schwiilzende elsler imd den slaar fiir seine tochler an-
zueignen (3, 207. 208, vgl. 3, 84 If. 3, 136.) aiich im
achten bruchsliick ^verden mit vorliebe gelehrige slaaren
Yorgefiihrt, die jeneiu zeitaller selir behagt haben miisscn.
nicht weniger anmulig ist die ahrichiung der hiiren zu
aufrechteni einiertragen und belusligendem tanz niil sin-
genden spiehveihei-n dargeslellt ; das scheint mir uralle
heidnioche vergniigung, wider welche dic geisllichkeit
eiferte : ^nullus presbyter .... turpia joca vel cum urso
vel turnafricihus anle se facere .' . . consenliat.' (Regino
de eccl. discipl. 2, 213.) vom umfiihren des baren liabe
icli bei andrer gelegenheit geredet (mylh. 455) und eine
stelle aus Vilkinasaga cap. 121. 122 ist zumal merk-
wiirdig. Die sage vom luchsstein findel sich nirgend so
ausfiihrlich , wie hier, berichtel ; man erklart ihren ur-
sprung aus einer falschen etymologie des worles lyn-
curiuin, worin Xvy^ und ovQOV erblickt wurde. Beck-
niann zu INIarbod p. 50 hat sich nachzuweisen bemiiht,
dafs wirklich der harn einiger thiere erharte,
So gewandl die erzahlung dieser oiFentlichen ange-
legenheiten verflochlen ist, wird man doch die einfa-
VIX
cliPie von Rudlieb uud deni rollikopf, wie sic bei vcr-
scliiedneii vvirten niit dem allen und jungen \veib her-
bergen, uugeachtet des scbadens, den eine belracbtlicbe
liicke stiftet, bevvegter und ergreifender flnden. von
eineni stilleu hausbalt , der durcb den tod eiues geiz-
lialses in volle befriedigung ausgeschlagen ist , wendet
sicb das gedicht zu dem leicbtfertigen einer jungen stief-
muHer , die aber zulelzt in tiefster reue ihren felillritt
biifst. im fiinflen fragment begegnen einige freie stel-
len, die sicb aber im zehnten )h., ^vo ein grofser tlieil
der geistlichkeit von dem ehlichen leben sicli nicht ans-
schlofs, selbst ein nioncb verslatlen durfte. die ih-eierlei
strafen , unter ^velcben die verbreclierin dem mildgesinn-
ten gericbt selbst die Avabl lafst (6, 45-63), sind ganz
im geiste der poesie des alten recbts, das sie in mebr
als einem betracht erlaulern , und das ersaufeu in eineni
fafs Avird eben aucb im TJnibos 168. 169 verbangt. die
asche des verbrannten leichnams der missethateriu soll
ins wasser gestreut vverden, daniit sie nicbt als scbaden-
frobe liexe >volken sammeln, regen hindern , hagel stif-
ten konne. Aber aucli die ganze iibrige dichtung ist
reicb an einzelnen der erklarung werlhen und zum
theil nocb bediirftigen ziigen , aus vvelcben sich die
nicht einfarbige sondern lebensvolle sitte und denkungs-
art iener lange zu vvenig gekannten tiichtigen zeit er-
kennen lafst. Und VAer mag sie kurzab raub sclielten,
\venn er bier liest, -Nvie die liebende nuitter nach dem
abreisenden sobn durchs gitter ibre augen weidet und
das gesinde auf die zaune steigt , um ihm langer nach zu
schauen (I, 52. 53)? AVie hiibscb ist, bei der besclirei-
bung eines gastmabls, angebracbt , dafs die kinder erd-
beeren im -wald aufsuchen , in kleine gefafse oder in zu-
sammengebundnen bast (13, 85-87^? Solche erfreuende
einzelnheiten reiclit uns Waltharius nichl, dem docb
XVII
keineswegs elgenlluimllche vorziige abgehn ; todter iind
unausgestalteler, bis auf ein ])aar umstande iiber die
konlgliche hofhallung, blelbt die darstellung des loth-
ringischen monchs.
Im anhang werden kleiuere, nicht in der erzahlen-
den langzeile verfafsle, sclion melir liedermafsige , ge-
dlchle mitgethellt, deren bekannlmachung andere her-
ausgeber leicht ganzllch abgelelmt hatten , dle von mir
aber gern iibernommen worden ist, sle stehn in der
arbeit und im elndruck um elne stufe nledrlger als
jene grcifseren, sind ihnen jedoch meislens gleichzeitlg
und vervollslandlgen unsere anschaunng von dem poe-
llsclien bereich jener fernen jalirluinderte. es scheint
"Wiinschenswerth , dafs sie noch relchliclier aus hand-
schriften , in denen sle zerstreut verborgen liegen kon-
nen, hervorgesucht werden. icli halte sie fiir versuclie,
aus der menge deutscher volksgesange, dle damals auf
offenen sirafsen und wegscheiden erschollen , luid nlemals
niedergeschriebcn dcn nachlebenden gesclileclitern nicht
bekannt werden konnten, wenlgstens elnzelne, zur er-
helterung der gelstlichen welt, lateinlsch zu behandeln.
Lauter licichst elnfache, augenblickllch in dle sinne
folleude , aber immer anziehende, eincm gemischten
kreise der horer behagliche stoITe des manlgfalllgsten
gehalts, traglsch, comlsch, mythisch , aus der geschichte
oder der thierfabel enlnommen , am liebsteu aber
schwankhaft oder spottlsch , zuweilen avich wol mit an-
gehangter lehre inid geistlicher vermalinung. Ein sol-
cher vorlrag heifst bald cantilena , bald ^'ersiis , bald IikJus
oder jociis, nimur luid falmla '*) y woraus die deutschen
*) ein ludicrum carmen de convivio caelitum, das ein Franke
des neunten jli. gediclitet liaben mag, ist aus einer hs. des zehn-
ten von Endiicher codd. vindob. s. 296-298 mitgetheilt worden.
In des weit spatern Thomae Cantipratani bonnm nniversale de apibus
1>
XVIII
benenmiugcn licd , leich , mdri zu erralheu sind ; sie wiir-
tlen dem volk auf pliilzen und kreuzwegeu, dem rei-
chen iiber seinem gaslmabl vorgespielt und vorgesungen.
zeugnisse dafiir finden sich gesammelt in der vorrede
zum zweiten band deulscher sagen *), Wenn im ein-
gang des Unibos gesagt ist:
ad mensam magni principls
esl rumor unius bovis,
praesenlatur ut fabula
per verba jocularia,
so kann das nicht auf das lateinische lied selbst, wollle
man sich auch das feslgelag eines geistlichen herrn da-
bei denken , bezogen werden , sondern nur auf ein in
verslandlicher volkssprache gesungnes , spater lateiuisch
nachgedichtetes. dann aber mogen einzelue solcher lie-
der lateinisch entsprungeu seiu , ohne deutsches vorbild.
Lage uns ihrer eine grofsere zalil vor, besonders der
deutschen , fast ganz verlornen , wie manches licht wxirde
daraus hervorgehu iiber die alteu sagen , mythen und
marchen. es freule mich in den anmerkungen s. 344. 382
einige spuren ihres zusammenhangs mit jiingeren xiberlie-
ferungen, deren ausdauer, selbst in unscheinbaren ziigen,
dadurch bestatigung empfiingt, aufzuweiseu. an sich
geringfiigiges gewiunt sclion werth uach solcheu ver-
gleichungen weit abstehender zeiten.
Uoch ich breche diese betrachtungen iiber den in-
halt der herausgegebnen gedichte ab, ida es mir ange-
legner ist hier noch ihre form zu erwagen.
ed. Colveiier, Duaci 1627 p. 456. 457 ist gedacht des 'cantus tur-
pissimus de beato Martino , plcnus luxuriosis plausibus per diver-
sas terras Galliae et Teutoniae promulgatus;' doch wol in latein.
*) Ven. Fortunatus ad Bertechramnum episcopum (burdega-
lensem) ed. mogunt. p. 89 :
XIX
Den drel grofseren liegl der hexameter znni grund,
wclclier im Rudlieb und der ecbasls gewolinlich aucli
leoniniscli -vvird. Das zwolfte und dreizelinte jli. zielien
die elegisclie verbindung des hexanieters nilt dem pentame-
ter vor , selbst fiir die blofse erziihlnng, wie Isengrimus
und Reinardus*) zeigen. dafs aucli der luparius beiderlel
vcrse Iiat, widersprlclit vielleicht der annabme, INIarbod
babe ihn verfafst (s. 307), dessen grofseres gedicht reln
hexametrisch ist. Wenigslens scheinen die latcinlschen
dichter in Dcutscbland um die ieit des zehnten jh. vor-
zugsweise dem hexamelcr zu huldigen , aucli bci Abbo
lindet er sicb, IJrosuilh bat clcgiscbes mafs nur in ei-
nem ihrer gedicbte, abcr grade dcm ausgezelchnelslen,
dem Gangolf. der altere aquilaniscbe Ermoldus Nigel-
lus wahlte es , gleich dcm noch friihercn Venanlius For-
tnnalns fiir scine gcNVubnlichen kiirzeren gedichte, wiih-
reud dieser in der vita IMartlni den langeren flufs dcr
erzahlnng hexaniclriscb anshalt. Die verse des M\illha-
rins, diinkt micb , sind gescbickter gebiklet ; beide an-
dere dlchter zwangte daneben aucb dcr relm , doch bat
dle ccbasis hin nnd wieder einige nicht unebne bexa-
mctcr. die spracbe dcs balriscbcn mtinchs ist dafiir zu
eisenlhiimlicb und selbslandig. Icb habe den fiinffiifsler
Per loca, per populos, j>er ccmpita cuncta videres
Currere versiculos, plebe favente, tuos.
*) icli kann niclit uniliin vorliiufig eine entdeckung Laclimanns
iiber den bislier unbeknnnten dicliter des Ueinardus niitzutlieilen.
die berliner bibliotliek besitzt ein ms. der flores auctorum (Reiiib.
s, LVIII) aus dem U jli. (nis. Diez. occid. 60), worin von fol.
5a an excerpte aus Reinardus mit der rubrik:
Magr niiiardus de ysengrino et reinardo.
wo lci)te dieset rnogister Nirardu.s? bis jetzt weigert die belgisclie
und iiordfranzosisclie literargescliiclite alle auskunft.
b ''-
\x
ecb. 286 gelassen , weil er dem verfasser entschliipft
sein konule, sonst ware leichl zu bessern :
Hunc niorem repelam, nunc ad mea prlsca recurram.
Verletzungen der quantitJit konimen vor. iTve im
begiun des verses hatle viellcicht Wallh. 1053 sollen
geduldet \>'erden; ich wagte sogar Rudl. 4, 56 btTves
(fiir boves) zu erganzen , deun welches andere haus-
ihier kcinnte zur tranke gefiihrt werden , da schafe,
ziegen und schweine genannt sindl' auch mochte der dat
bobus (freilich slalt bovibus) verfiihren. 3, 199 offeu-
bar bona fiir bona. spera Walth. 1152 fiir sphaera,
sperulae Rudl. 3, 366 fiir sphaerulae lafst sich soust
nachweisen *), ecb. 682 wird sperula scandiert = sphae-
rula: der Baier kiirzt auch aenesis in enesis. dagegen
ecb. 70 septlma fehler fiir septima. ganz hergebracht
im miltellateiu ist dle production der penulllma iu mu-
lieri, mulierem , mulieres Walth. 324. 560. Rudl. 3,
387. 462. 487. 7, 34. 15, 14. Abbo 1, 182. Facelus 59.
]Marbodus de gemm. 281. 518 und Hrosuith durchge-
hends. Entschuldlguug verdient die verlangerung kur-
zer vocale in der caesur bei Fromund und IMalclujs,
zumal des a der nomiuatlve: Rudl. 1, 28. 31. 46. 77.
138. 141. 2, 46. 84. 137. 158. 229. 247. 3, 1. 2. 8. 9.
78. 115. 175. 193. 194, 199. 311. 320. 325. 342. 344.
362. 369. 398. 454. 458. 470 und durch das ganze ge-
dicht, beinahe gleichoft in der ecbasis : 37. 41. 105.
168. 221. 272. 390. 394. 428. 466. 470. 576. 627. 651.
696. 814. 818. 934. 947. 952. 986. 994. 1026. 1028.
1139. nirgeuds im Wallharius und bei Hrosuilh , wol
aber nicht alleiu bei spalereu, z. b. Saxo granim. 35, 51
*) Prudentius in apotlieosi :
Cujus ad arbitrium spliera mohiiis atqne rotunda.
und Walafrid p. 252 : declivique spherara loco.
XXI
iind liaiiflg Gollfried von Vilerbo, sondern aiicli bei
altereu , vvie z. b. Dracontius, ja liin uud wieder schon
bei classikern , z. b. Statius Theb. 12, 303. Ovid ars
ani. 1, 511. In alinlichem fall erfolgt production des e
zumal der iufinilive und vocalive Pvudl. 1, 5. 82. 85.
2, 15. 37. 50. 73. 131. 143. 150. 201. 204. 3, 4. 71.
252. 384. 560 u. s. vv. etwas sellner in der ecb. 70.
99. 706. Die arsis des drillen fufses eilaiigt durch die
ruhe des einschnitts melir gewicht und zieht so den
kurzen vocal in die lange. consonanlisclien endungeii
wie er, us, it, at geschicht selbst iu der classischen
melrilN. nicht selleu ein gleiclies. Die zweisilbigen vers-
schliisse aureis, aureum (\"\'allh. 335. 1059) sind in der
ordnung, vgl. ballei Virg. Aen. 10, 495. Nicht aljer die
kiirzungen des ablativischen o der gerundien im dacty-
lus des fiinfleu fufses, welche sich alle drei dichter ver-
stalten : recubaudo sequcnles, lolerando laboreni , lu-
dendo praeire (VYallh. 359. 425. 766); dando salutis,
])ro[)erando revisunt, expandendo crusenna (Rudl. 2,
55. 78. 5, 119); duceudo faligaut (ecb. 1052); \gl. pur-
gando rcsolvit, imilando labores (Marbod. de gemni.
318. 503.) *) Correption der zweiten silbe des wortes
ecclesia (eigentlich — w) Rudl. 4, 106. 6, 107. ecb. 857
fiiulet schon bei Venaut. Fort. p. 77 statt, und wird
uoch andre gewahr haben.
Der hauch H behauptet in deulschen eigennamen
die einheimische , consouantische scharfe uud verschmilzt
meistenthcils nicht mit dem vorausgehenden vocal, oder
eiuem INI uach vocal : uonuue Hlltguut (Walth. 36) ;
') im zweiten oder dritten fufs rlciitig : quae simulando spem
^Riidl. 1, 58); rufus ridendo (6, 22); aber sclion Walafrid iui
funfteu (p. 221):
More orbatorum placidum deflendS patronum.
x\n
dala Hagaiioni(1350); iil Hagano (1328); regno HiTno-
rum (155); *) elapsuni Haganonem (123); primum Ha-
gano (119); primatiTm Herricus (35); pace quidem
Huni (69); landem Hagano (1421); M und H ^virken
dann position. diesem brauch ziifolge ist auch bei ei-
nem lat. wort scandierl : stantem huic (^Yalth. 406),
wie AB gewahren, C suclit zu andern : slante hinc
atque inde. Rudl. 19, 13 verslaltete ich mir die er-
ginzung: quam hoc (zweisilbig unelidiert) , wer sie zu
kiihn fuidet, mag leseu quam et hoc oder allenfalls
quam iUud. Erm. NigelUis setzt aurea hostiola (Pertz
2, 505.) Umgekehrt wird elidiert ecb. 1185 qui hos =
qu'o8; Wahh. 477 ire Haganona = ir'aganona jubebat
in der aufgenommnen lesart, es hatle auch mit B ge-
schrieben werden diirfen : ire Haganon audebat. Haga-
nonem imitetur (129) ist Haganon'imitetur. Dies schwau-
ken gab den metrikern neue freiheit **).
Der worlverstelhingen im Rudlieb , die bei schnel-
lem lesen das verstaudnis beeiutrachtigen , ist s. 228 se-
*) autb bei Walafrid ofter, z. b. de visionibus Wettini :
Atque magisterio Hettonis traditur ainii,
elidiert aber p. 236 iii einem pentameter :
Praemia nos meritis veile Heribaide pntes.
**) wir liaben geselin, dafs der einsclinitt des hexameters kur-
zen vocal verlangern kann. im pentameter bewirkt er sogar, dafs
der auslautende vocal (oder M) von dem anlautenden vocal oder
H der andern verslialfte gesondert bleibt. Hrosuith hat pentame-
ter wie folgende :
et libat tumulo | oscula marmoreo.
raptus amore suae j iiidomitae dominae.
conjunx lasciva | affuerat subito.
und Ven, Fortunatus p. 38, 75. 164:
venit ad Iieredem | Iioc opus atque locus.
cingit te totum | liinc liouor, inde favor.
te petit illa sibi | , haec retinere cupit.
XXIII
(laclit wordeii ; sie liegen aber iin geschmack dei zeit
und zeigen sich auch auderswo, z. b. wenu Ermoldus
sagt (Pertz 2, 502):
x\d hanc, Ebo, fidem gentem revocare sludeto,
mufs construiert werdeu : hauc gentem ad fidem revocare.
Auch einzehie 'Nvorler uud besonders eigennamen durch
zwischenschiebung zu trennen liebt Erniold:
Er uiodulata tibi conscripsit carmina moldus.
Pertz 2, 523.
Nort quoque franclsco dicuntur nomiue manni
das. 2, 501.
Engilin ipsc pius placido tunc tramite fieim *)
das. 2, 504.
Abbo pflegt que niiltenhin zu driingen : 1, 361 ocqueci-
dens; 2, 54 iuquesulas; 2, 187 inquesulam fiir occi-
densque, insulasque , iusulamque. Derglelcheu lafst
slch noch vieles saninielu uud niag der iiberkiinsllichea
wortuntereinanderwerfung altnordischer scaldeu an seite
gesetzt vverden.
Das miltelalter hegt eine enlschiedne vorliebe nicht
blofs fiir hexauieler, sondern auch fiir gereimle d. i.
kon/niscJie , welche, obschou unrichtlge doch allgeutein
verstandllche und gefiige benennung ich beibehalle. der
schlufs des vcrses halt reim niit der hauptcaesur, also
meistenlheils der ersleu silbe des dritlen fufses.
Derglelchen reime lassen sich nun bereits aus clas-
slschen dichtern aufzelgen , aber nur spurweise , luid
elnigenial in absichlllcher forniel, z. b. in Vlrgils i)hai'-
maceulria 80 wo das auf Ilquesclt relmende durescil je-
doch die erste und zweite silbe des dritlen fufses fiillt. bei
spateren dlchlern hiiufigcr, z.b. Claudlan iu Prob. el 01} br.
93. Flava cruenlarum praeleudilur umbrajubarum.
*) aiso Ikiui , zweisilbig.
XXIV
102. Saiicia dividuis clarescunl mibila sulcis.
142. Sunt njiiii pubenles allo de seniine fralres.
:n des Ausonius INIosella sind die verse 273. 276. 279.
282. 286. 288. 304. 305. 321. 'leoninisch. uicht wenige
findet man bei TertuUian , Sedidius, Draconlius u. a.,
nur ininier vereinzelt und nicht ini ganzeu gedicht
durcligefiihrt. Uberhaupt aber sind sie doppellcr art,
iudem sie entweder die caesursilbe alleiu oder auch die
vorausgehende zweite des zweilen fufses ergreifen , je-
nes in dividuis : sulcis, dieses iu cruentarum : jubarum
erslere deu stumpfeu , letztere den klingenden rei-
meu vergleichbar. jene lindeu sich haufiger und uuge-
sucht schou bei classikern.
lu Deutschlaud erscheiueu leoniuische verse gleich
mit dem begiuu der lateinischeu dichtkuust, und sind
die liebliugsforni der monche vom neunteu bis zum
fuufzehnteu jahrhuudert. dichter , welcheu es gelaug,
geuauer iu das studium der classiker eiuzudriugen, such-
ten sich zwar des fesselnden reims oft zu entledigen
und ihre hexameter ohne ihu zu bauen ; sellen aber
setzeu sie das vollig durch und fast iminer laufen leo-
uinische dazwischeu. iu ihnen ergeht sich die kloster-
poesie am behaglichsten uud ihre feierlichkeit fordert
sie, daher inschriften fiir graber und glockeu , kleinere
spriiche *) uud memorabilieu fast nur in ilineu verfafst
wurdeu. sie toueu auch uicht selten klangvoll und
prachtig. Von Hraban und Walafrid Strabo ha-
beu sich mehrere erhalten , docli in des lelztgenannten
liortulus bililen sie weit die minderzahl (1. 3. 17, 31.
37. 43. 44. 47 u. s. w.) ; auch iu dem laugeren gedicht
de visionibus Wetlini. Leouine des stralsburger Er-
*) es sel nur an die iimsclirift anf Hen siegeln frankischer und
schwabischer konige als rOmischer kaiser erinnert:
Ronia caput mundi regit orbis frena rotundi.
XXV
kenbaltls (Waltli. s. 61) sind beiRonigsLofeii s.491.492
zu lesen ; vom vleiien Eckeliard wird ilirer ein ganzer
codex (u^ 393) zu Sanclgallea aufbewalirt (Perlz 2, 54)>
aus ■Nvelcliem die rliythmi (riclitiger versus) de sancto
Otmaro, welche er als knabe nacli Nolker Labeos dic-
taten geferligt hatte, bei Pertz 2, 55-58 gedruckt stehn.
die casus sancti Galli hebeu hin und wieder andere im
zehnteu jh. gedichtele aus (Perlz 2, 90. 91. 119. 122),
^vorunter auch einzelne unseres alteren Eckehards. darf
er fiir den hauplverfasser des Waltharius gellen, so ist
cr ihnen in dieser grofseren dichtung ziemlich ausge-
wichen , docli schleichen sich manche ein (28. 64. 157.
158. 159. 163. 170. 185. 202. 206. 217. 220. 221. 224.
233. 236. 237. 230. 242. 243. 246. 250. 255. 260.266
u. s. w.), soU man glauben aus nachlassigkeit oder zu
vermeiutem schmuck? in Geralds prolog herschcn die
leonine merklicher vor, und fasl mcichte man schliefsen,
dafs die iiberarbeilung sie heruach zu tilgen geslrebt
hatte, wievvol aiich der widmung sorgfaltigerer aus-
druck sie kouute al)sichtlich gehauft haben. Im Pvud-
lieb sind fast alle verse leoninisch '*) , doch mit vielen
freiheiten fiir vocale luid consouanten , dcnn auch ver-
schiedne vocale binden sich (4, 61. 66. 68. 83 u. s. w.)
und durch einzelne consonanten meiir oder weniger
wird uichts verschlagcn ; beispiele auf allen blalteru.
Fast ebeuso in der ecbasis, neben elwas streugeiem
reim ; die eingeschalteleu horazischen verse macht ge-
wohnlich schon der inangelnde kenullich *'•"'), luid ilui
lierbeizuziehen miissen sie sich eiuigemal abandem las-
*) der reitn felilt z. b. 4, 62. 73. 6, 4.
") aucii darum siiid die s. 318 angezogncn verse 593-95,
TOO. 721. 22 sciiwerlicli des verfassers. 723 ist nacli Ovid met. 1,
11, verandert, wo es lieifst:
Nec nova crescendo repnrabat cornua Plioebc.
698 ist aus Virgils Aen. 12, 677.
XXVI
sen, auderemal bot der Romer selbsl schon den slumpfen
reim, z. b. 119. 142. 155. 162. 186. 214; den leoiiin
zierl vorzugsweise der volle, klingende. Ungefahr wie
IMalchus hiilt es Hrosuilh, auch bei ilir sind klingreime
weit sellner als bei Fronnind *).
*) fiir die, welclie andere gleiclizeitige und jiingere leonine
vergleiclien miigen , sclireibe icli nocli beispiele lier. Tliietniars
von Merseburg (f 1018) prolog:
Pson adscribatur niilii , si qnid in lioc variatur
Libro vel desit, testis cuni parvuius adsit etc.
eine urk. von 1051 bei Scliaten 1, 543 liat auf die dreieinlieit die-
sen vers:
In deitate patris proli sit lionor generalis,
In nutu nati decus vel sapientia patri,
In vi paraclisis virtus sit utriusque perliennis.
Die nomina volucrum , ferarum etc. (altd. bl. 1, 348) sind leoni-
uiscli und vielleiclit sclion im 10 jli. entsprungen , denn bis ins 11
reiclien die hss. (vgl. s. 322.) Von Catos leliren gibt es wol melir
als eine leoninisclie bearbeitung, die iiltere wird Marbod (opp. col.
1634) beigelegt, wozu neulicli Eadliclier (codd. vindob. 1, 173)
supplemeiite herausgegeben liat; eine niclit viel jiingere mit lauter
klingenden reimen stelit in einem linzer cod. des 12 jli. (HoflTm.
fundgr. 2, 105.) bei Marbod de gemniis liersclien sonst reimlose
liexameter , docli mangelt es niclit an stumpfen reimen (7. 23. 32-
46. 49. 54 etc), selbst nicht an klingenden (93. 123. 247. 419.
421.) Macer Floridus (ein dicliter des zehnten jli., aber kein deut-
scher) hat wenige leonine (106. 110. 156. 193. 194. 195. 225.
226); desto hiinfiger werden sie in den spuriis Macri. Unter den
60 hexametern des 13 jli, , welche eine iibersetzung von Wolframs
AVilhelm versuchen (Lachm. varr. XLlll. XLIV), erscheinen die
leonine nur mafsig. Oie Saxonia des eimbeker und goslarer ca-
nonicus Dietrich Lange (Meibom 1, 806-812), liat meist klingende
reime , deren einige hier folgen miigen , weil sie der verschiednea
jahrhunderte ungeachtet (Laiige ist aus der zweiten lialfte des vier-
zehnten) an die darstellung iin Rudlieb erinnern :
p. 806. Non est exosus populus ueque stans otiosus —
Multi barones de Graecis nobiliores —
Hi per tres stabant turmas, pariter properabant —
XXVII
Wie niin in der classisclien poesie die liaiiptcaesur
ilire libliclie stelle verlassen kann, so ruckeu iiiit ilir
auch die reinie; es geniige liier die vYiclitigsten fiille an-
zugeben.
Seltner ist der reim sclion auf die Lebung des
zvveiten fuCses gelegt, ecb. 1221:
Laus doimntj qui nie salvarat dente lup/Wo,
wo Froniund leicht geschriehcn lialle :
Laus qui lue doniino salvarat denlc hipiiio.
llaufiger auf die licplhcmiiiieris , d. i. die hebung des
vierten, z. b. WaUli. 1304:
Hic rex Guntharius coepfilm niedilalur ineptiiin.
ecb. 566. 833:
Accelerare palatinJm quod conderel aulaw.
Dum rapit liunc judaea nian2<5 bene conscia cuj/ir^.
RudL 1, 10. 70:
Seu bello seu vena/ji seu quolibet ac/fi.
Ut non deseruisset sc nolitve perire.
Hrosuitb :
Francorum genlis dominoi- praeuohilis ahno*.
Graeci blavotas volucres tunc non bene notas,
Falcones , nisos, velut res (? volucres) non antea visos
Huc apportabant , ad terram dum properabant.
p. 807. Suntque pliilomelae (1. pliilonienae) jain Cliristi numine plenae,
Jsam voiucres tales sistunt Cliristi moniaies —
Est et avis kivit, quae beilat quam cito vivit —
Non est in mundo volucer volitans ut liirundo —
p. 808. Agricultura dant centesies sua jura.
Zuletzt nocli die weit alteren des Langobarden, der den
prolog zu Rotliars gesetzen abfarste:
Est error spretus , quo langobarda juventus
Errabat. verum loquitur nunc pagina sensum
Edicti, rectis quod strinxit Rotliar lialtenis.
Walcausus meritiis, ()uem laudat scriba disertus,
rsoslrorum regum suut liinc exordia legum.
XXVfll
Bei so weit nacli hinlen geschobnem rcini pllegt aber
auch wol einer zugleich die arsis des zweiten fulses
einzunehmen, so dafs sich dann drei vvcirter im verse
binden, Wallh. prol. p.59; Rudl. 6, 3. 7, 11; ecb. 658:
Ludendji'//? niagis est doiniuum quam sil rogiland»//?.
Poenilc«7 vel eum rugik/7 mala quae facieb/i/.
Et \evhiim profert plen///// ceu pollinis o\iim.
Ponia velu/7, niiranda candf , sed amigdala [^ondl*).
Abbo t, 343 niil unreiniendeni schlurs :
Ergo cvn regina pol/ componere quibo.
INlinder schicklich legt sich der drei reinie ersler auf die
ihesis des ersten fufses, ecb. 601:
Tam cito se sociare toro nec jungere disco,
oder auf die senkungen des zweiten luid vierlen, ecb. 813:
Condolui tib/, non parcens mih/ , cougrua vex/.
Am ungiinstigslen wirkt , wie niich diinkt, die theilung
des hexamelers in zwei genaue hiilften, wo reiche reime
den dritten fufs gerade wie den sechslen fiillen, sogar
iu den zweilen und fiinflen niilreichend, ecb. 232. 471:
]Me circumvoIi///i/i//^, dente sed asperi/«7/a«/.
Totus conlic»// gri-x, atque crucis siluit lex.
gehoren liierher auch, ohne reichen reim, und ganz
stumpf, aus Puidl. I, 47, 9, 4?
Nou abscondere quil w quin hanc mox reperire/
Ex illa sit quem di: fonle levaveris inqu<^.
Folgende beide sind luiter einauder ahnllch gebildet, Je-
doch verschieden, dercu halflen jede eigens fiir sich
reimen, Kudl. 6, 56. ecb, 158:
Fiscib//5 ut cili//5 vorer aut diris cocodrill/A-
Quid calid///// gelid///// , donuno/7/m quid famulo//////.
') virgilianisclien verseii vergieiclibar wie :
Congredior, fer sacra pater, et concipe focdiis.
\vo die zweite silbe voii patcr durcli den eiudruck der caesur pro-
diiclioa crlaiirt.
XXIX
Da die caesur anslofsende vocale oder ]M und vocal vor
elision schiitzt (s. XXII) ; sowirdaus gleichem gruud der
reim auf dem vocal oder dem M ruhen diirfen , wenn
sclion vocal folgt , Hrosuilh :
Exoplans vel summafim atlingere saliim.
doch Rudl. 3, 82 trift der abschnitl nicht liinter quin-
deni , sondern onagri, und man scandiere:
Et bis quinden' onagri tolidemque cameli,
weshalb hier nur einfaclier reim.
Dem hexameler widersteht zerschneidung in zwei
gleiclie lijilften ; dem peniameier ist sie wesenllich , indeni
drillhalb fiilse jeden seiner iheile bilden. Seiuc caesur
bietet sich also dem reim noch naliirlicher dar, als die
des hexametcrs, und in mittellateinischen , elcgisclies
niafs liallenden gedichlen, z. b. dem Gangolf der Ilrosuilh
trift man ihn fast allenthalben ; jiingere beispiele gewah-
ren die Reinli. s. 416 If. abgedruckten , ziemlich rohen
gedichle luid der raparius (kinderm. 3,241.) Doch l»a-
ben ihn altere pentamcter, wie Hrabans und Fortunats
sellen , ebenso wenig die spateren des 12 und 13 jh.,
z. b. im Reinardus. In Deutschland mindestens hat sich
der leoninische reim vorzugsweise dem hexameter zu-
gewandt.
Aus den bisher gepflognen untersucliungen sleigt
nuu die weitere und anziehendere frage hervor nach
dem verhallnis dieser leoninischen verse zu der natio-
nalen weise unserer deulschen poesie selbst, die auch
ihrerseits auf die lateinische einflufs geaufsert haben
konnte?
Durch Lachmanns erorterung der allhochdeutschen
belonung und verskunst ist die bahn gelichtet worden,
auf welcher hier vorgeschritten werden mufs. er hat
aus beobachtung der mittelhochdeulschen gedichte ein
gesetz der hebungen und senkungen entdeckt, das auch
XXX
tlen altliochdeulsclien sclion zum griincle liegt , und auf
deni accent, wie das nielrum der classischen dichler
aiif der quantitat , beides unabhangig von reim und
alUteralion, die jedoch liinzutreten konnen, beruht.
Dals der deulsche vers blols rbylhmiscli, nicht me-
trisch gebildet werde, erkannten bereils die sanclgaller
mOnche. ihre casus erzahlen (Pertz 2, 91), wie, unge-
fahr im jalir 917, am tage der unschuldigcn kinder,
nacli altem gebrauch , biscliof Salon)on von den schii-
lern scherzhaft zum meister gewahlt wurde luid die
knaben sich nun mit lateinischen spriichen bei ilim los-
kauften: 'parvuli latine pro nosse, medii nVimice, cae-
teri vero metrice . . . illum affantur.' die jiingslen bracli-
ten nichts als lateinische prosa vor, die mittlern be-
tonte verse (nach deutscher arl) , die erwachsnen nie-
trisch gemessene. ein paar dieser letztern werden zur
probe angefiihrt, hexameter mit leoninischemVeim ; man
sahe gern auch eiuen der rhylhmischen , wahrschein-
lich ebenfalls gereimten , verse milgetheilt. doch die
geistlichkeit schatzte nur das melrische dichteu (vgl.
Waltharius s. 58) und liels sich die rhythmische iibung
nebenher gefallen.
Es haben sich aber sonst solche lateiuische rhylh-
men erhalten , nanientlich das aus dem verlomen alt-
deutschen liede Rafperis getreu von dem vierten Ecke-
hard in latein iibertragne gedicht, welches hier aus je-
ner sangaller hs. 393 pag. 247 eingeriickt werden mag,
weil bei Pertz 2, 33 nur davon die zehn ersten zeilen
stehn *). Ratperls lebenszcit fallt in deu ausgang des
neunten jh., die des iibersetzers in das erste drittel des
eilften (Waltharius s. 57.) die rubrik lautet so :
*) ich verdanke die genaue ahsclirift wiedernm meinem frennde
Joseph von Latsherg.
XXM
Ratperlus nionacluis , Notkerl, qnem in sequenllis nil-
ramur, condiscipulus, feclt carnien barbarlcum populo
in laudem sancli Galli canendum. quod nos multo Im-
pares homini, ul tam dulcls melodla latine luderet, quam
proxlme potuimus, in lalinum transtulimus. nun das
lied selbst.
t NiMic inciplendum est mihi magnum gaudium.
Sanctiorem nuHum quam sancliun unquam Gallum
IVIIsIl fillum Hibernla , receplt palrcm Sueuia.
Exultemus omnes, laudemus Christum pariles
Sanctos aduocantem et glorificantem.
2 i^ursu pergunt reclo cum agmlne collecto,
Trla tranant marla , celeuniant Cluislo gloria,
Columbanus, Gallus, INIagnoaldus et Theodorus,
Chlllano soclo, post functo sacerdotio,
Gallos peruagantur, Francls immorantur.
3 Jrienouanl Luxouium in Chrlsli caulas ouium,
Passi mocho uarias Brunhildis et insidias,
Tristesspernunt FrancIam,conlendunt etlnSueuiam,
Castro de Turegum adnauigant Tucconium,
Docent fidem gentem , louem linquunt ardentem.
4 JL ucconio ingrato hinc excommunicato
Uadunt in dlrectum , examen ut collectum,
Qugrunt aluearia temptantes loca uaria,
Arbonam per lacum aduolllant potamicum.
CoIIIglt TJuilllmarus illos Chrislo carus.
5 JTerglt hlnc Brlgantium grex gentes baptlzantlum.
Columbanus amplum hlc Chrlsto sacrat templum,
Docet paruum clerum cantare deum iierum.
Latrones et duos occidunt fratres suos,
Fugit mox Italiam , terram procul aliam.
2, 4 iiber den worten Chiliano socio mit rotlier sclirift: sic
iii teutouico caiiitur.
XXXTI
6 Gallus infirmalur, ab uia relardalur,
Cui inandat niolus quod reslet Columbanus,
Missas numquam celebret se uiuum quoad sciret.
Repetit febricitans Arbonam, Chrislum supplicans
Egros alleuanlem , faciat se ualentem.
7 Jrresbiter Christo carus dat leclum Uuillimarus,
Conualescens Gallus siluarum fit mox auidus.
Dux fit Hiltibaldus, occurrit locus commodus,
^ Clamant damna dgmones, retentant Gallum uepres,
Diaconus accurrit, lapsaus illum distulit.
8 (jallus forle psalmum in ore tenet ahnum :
Requies hoc est mea per Sf^culorum spcula,
Semper hic liabiiabo, deiun meum inuocabo.
Hihibalt percare iam noli me uelare,
Libet sic iacere , noli suslinere.
9 Instat tandem triduo uir domini ieiuuio,
Consecrando locum litabat uota precum,
Fit ambobus ardor, procumbit omnis arbor,
Regnat uis ilammarum condensa per siluarum,
Infert ursus truncos igui passini aduectos.
10 "anem Gallus bestie mirando dat modesti^,
Mox ul hunc uorauit, in fugam festinauit
lussa siluis cedere , hic nullum posl hac l^dere.
Diacon iacebat soporans et uidebat,
Qua uirtute Gallus pollet dei famulus.
11 riinc de loco dgmones abegit et serpentes,
Ducis sanat filiam , quam salan uexat rabidam,
Exit ore toruus colore tamquam coruus,
OlFert Gallo dona pro mente uirgo sana,
Que dispersit sanclus, dedit et pauperibus.
7, 2 fiir siluarum am rand die correctur deserti.
8, 5 iiber sustinere: uel subleuare.
10, 3 es stelit c^dere.
xxxiri
12 Op'^"' illiim popuhis pontificem et clerus,
Qiiissacranduni proprium lohannem dat discipulimi,
Hinc superno numine in moutis stans cacumine
Spirilum abbalis locandum cum beatis
E conspeclu terro angelos uidet ferj c.
13 Uolum mox inliibiUim post patris litat obitum
Gaudet pisce magno pelroso caplo slagno,
Trabem breuiorcm dat prece longiorem,
Peigit hinc ad caslrum ob Michahelis feslum,
Egit missas more . spiritus tonat ab ore.
14 xLjgrotat iu castro eleclus deo nostro,
Posl lleliim, post gemilum defungens efllal spirilum,
IMichahel fidelis locauit hunc in colis,
Accurrit episcopus Ilens ad magislii corpus.
Caligas eius induit claudus et exiliit.
15 Cjorpus est nudatum , ut solet , ob lauatum,
Pienes et sacralos niiranlur uulueratos,
Capsam cKiusam panduut calenam et offendunt,
Cruore perfusum horrebaut et cylicium,
Clamant, o felicem suimet caruificem.
16 -tj(|uis liinc indomitis sacratum corpus marlyris
Prgsul in»ponebal , infreues et laxabat,
Currunt iu direclum ad cello palris tecUnn.
Sequitur cum clero lohannes alque populo,
Kyrieleison clamaut et delletum tumulant.
17 lohannes noli flere , magistrum crede uiuere.
Uiuit , inquam , Gallus, bealior iam uullus,
Uiuit per miracula, dans scutum ad obstacula,
ludex inter dextros sessurus in sinistros
lu tremendo examine. gloria libi domine.
Beim abdruck sind alle in der handschrift iiber die
fiinf erslen strophen , wechselnd mit rother und schwar-
13, 2 petrose.
zer dlnle, geselzlen musicalisclien zeiclien Aveggeblieben,
aus welchen sicli wiedeikelir der niclodie nacli je fiinl
zeilen klar ergibl. *) auf den bau der einzelnen verse
selbsl schcint dies strophisdie verhallnils keinen ein-
flufs zii haben. In Otfrieds altdeutscheni dichtwerke
herscht keine solche abtheilung, es zerfiillt, v>"ie die
nanienspiele der widniungen aussveisen , ganzlicli in
slrophen von zvvei langzeilen.
Sonst aber ist zwischen den olfrlcdischen langzeilen
iind denen dcs Galluslieds unverkeinibai e alinlichkeit,
jede halfte zeigt die vier hebungen niil den ausgedriick-
ten oder auch fehlenden senkungen. Jiian veigleiche :
7, 3. dux fit Hillibaldus. occurrit lucus cuinmodus.
IV. 23, 39. antwurlila Ifndu. ther l^eisor ewinigo tho.
6, 2. cui mandat motus. quod restet Culumbanus.
5, 3. ducet parvum cle'runi. cantare deum verum,
V. 23, 20. iillo thio scunf. wio wunnisiim tliar wJiri.
II. 17, 2 luweraz girali. scal salzan wuroltdali.
8, 5. libet sjc jacere. noii sustinere.
IV, 16, 2. libar e'inan l\Ijngun. sid tho thesen thingon.
nur daJs im ganzen die zweite lialfte der ersten meik-
lich vonvlrgt , d. h. in dieser die senkungen ofler man-
geln. soU ich es Jiach der silbenzahl ausdriicken , so
lindel sich, dafs die zweile halfle haufig aus achl und
sieben , sellner aus sechs silben besleht, die ersle dage-
gen oft aus sechs uud siebeu , nienials aus acht. Die acht
silben verleiheii der zweiten halfle jambischen klang:
in Chrisli caulas ovium
silvarum fit mox avidus
*) niclit uiinierkwiirdig. soilte das aufsclilufs zn bringen ver-
niogen iiber die nocli diinitle zerlegung mlid. erziilileiider gediciite
Wolfranis und Hartmnnns in abselinitte von dreilsig zeilen, deren
Jeder ziitn hpfiiif der recitatiou fiir sechs pentaden eingericlitet
wiire ?
XXXV
per seculoinini seciila
quam sataii vexat rabidam
in montis stans cacumine
defungens efllat spirilum *)
die seclis silben der ersten hiilfie des verses Irochaischen:
vadunt in direcliun
docent parvum clerum
regnat vis llammarimi
inferl ursus truncos
spiritum abbatis
gaiidet pisce magno
oder aucli dcr zweilen :
Francis imnioranlur
et glorificanlem
illos Chrislo caros
wie bei 0. in erster halfte: ilemes nu all^ J. 6, 15.
in zweiter: ubar burgi sino IV. 7, 81.
thar man inan pin«jt IV. 7, 77.
allerdings scheint die schhifszeile jeder slrophe sechs-
silbige halften zu liebcn
sanctos advocantem. et glorificantem.
Gallos pervaganlur. Francis immorantur.
docl» 3, 5 Joven) lintjuunt ardentem ; 4, 5 coUigit Wil-
limarus ; 7, 5 hapsans illum distulit u. s. w. schwcilich
soll 9, 5 nach der lateinischen regel gelesen werden :
igni pass' adveclos, noch weniger 15, 3 caten' et olfen-
duut. synalophe, uach Otfrieds weise, ware zuliissig:
in tremendo examine 17, 5.
Ein versuch lage nahe , Ratperts ganzes lied , dessen
*) vgl. O. 111. 18, 59: so er uns emmlzigen duat.
111. 18, 68: tliaz emmizigen fniina meid.
111. 18, 72: si tlialitun er tlies filu forn.
c*
XXXVI
aiisdrucken der iiberselzer sichll^ar aiif deni fufse folgt,
herziistellen ; an eiuigeni sei es hier gemig :
i, 4. frovvenies nu alle. lobunle Christ giljch^.
5. der die wiJion ladut. joh liarlo niicliillichut.
4, 2. farant gilicho iii riliti. susu b?ano iiiipi.
3. iro char io suochanlo. ubar al oiili llioganlo.
4, 5. samauut Wilinari. sie Chrisle lilii liuri.
5, 2. Cohinibaniis Nvilun. dar Chrisle wihit chilicliun.
5, 4. scachara dur zuene. irslaliant i^ruoder sine.
5. iliuhit paldo in Walholant. fciro in anderaz lant.
7, 4. wiofant scadon dursa. haltaiit Callon dorna.
8, 2. scal ih lar raNvun, fon ewon unz in ewon.
4. Hiltibalt liob niaii. ni cliuri niir firbiolan.
14, 4. der biscof suello liof. zi des nieistres lichi wiof.
5. sino liosun ana suanc. ein halzer inti dana spranc.
15, 1. ward diu lih intnachulot. zi wasganne so niau tuot.
2. dio heiligun lancha. sehant se all^ wunta.
4. jehant saligon. slnes selbes scarjon.
16, 5. kyrjeeleison singant. biweinotan bifelhant.
17, 1. Johannes ni churi weindn. den nieislar wizzis leb^n.
2. lebel sageii ih dir ein. saligoro nist nihein.
ich habe absichllich der ersten halfle iii 8, 2. 15, 4 fiinf
silben, in 17, 1 acht gestaltet, was iin lat. text uie ge-
schieht.
Richten wir nochnials den gedanhen auf jenes in
der canlilena sancti Galli deutlicher als bei Otfried wahr-
nelnnbare vorwiegen des zweiten halbverses oder kiir-
zen des ersten ; so scheint sich ein nicht unebner ver-
gleichungspunct zwischen der blols betonten deutschen
langzeile und der anlik geniesscnen des hexanieters her-
vorzuthun. der hexaineter legt die hauplcasur, wie wir
sahen, noch weniger in seine niitle, sondern nach der
ersten silhe des drilten fufses, so dafs zwei ungleiche
theile entspiingen, die sich wie 2Jt : 3,V verhalteu. Die
XXXVII
accenliuerle langzeile, obschon in jeder lialfle gleichviel
hebungen einschliefsend , pllegt nicht selten der erslen
lialfle seclis silben , der z^veiten sieben , oder jener sie-
ben, dieser acht zu erllreilen, was elwa den verhaltnis-
sen 3 :3.i oder 3tt:4 enlspraclie. die silbenzalil schwaukt
zwischen 13 \nid 15; der hexameter, zu silben berech-
net, vvird aber wenigslens 13 zahien niiissen , nieist 15
entlialten inid bis zu 17 waclisen kcMinen. iui tolalein-
druck treten sicli also beide versarten uahe , und es
geht gut an , otfriedische langzeilen, deren silben freier
laufen als das lat. Galluslied, in hexanieler zu waudeln,
wie aucli schon Lachniann gesagt liat. ich niochte so-
gar annehnien, dafs unsre vorfahreu den liexameter be-
giinstigten , weilseine hauplcasur (uach wenigstens 5,
aber auch 6 und 7 silben) deni einschiiill ihrer nalio-
ualen langzeile, der gerade so dcn reim enipfieng, auiser-
ordentlich gleicht. Insoferu hatte der verfasser des Wal-
tharius leichtes spiel mit deni deutsclien heldenlied, das
er uachaliuite. es gibt hexameter im Rudlieb die nian,
wie sie sind, ohne alle anderung fiir betoute langzei-
leu liallen diirfle, z. b. 6, 76:
a modu uon duniinani. sed me dicant huinicidani
wenn auch in zweiler halfle die hebungen anders lallcu
als z. b. Ratpert 2, 4 :
Cliiliano sucio. post funclo sacerdoliu.
Kudl. 6, 88 uiit gelilgtem 'aute':
mater et ut duminu. slt els uec lit nove'rca.
der Irochaische ausgang huinicidain , ut noverca ver-
slufst gegen die deutsclie betouuug. diese unahnlichkeil
abgerecliuet , liefse sich auch Wallh. 16 umselzen in :
nauique marem geuuit. c]uem Guuthari vocitavit.
iiberhaupt vergleichen sich viele erste halflen der hcxa-
meter, z. b. iudolis egiegiae; tempore (pio validis ; lio-
libus iusinuaut ; uomiue AVallharium; uud auf allen
\X\V!U
fall erhellt, >vie nnmiltelbar der inliaU nietrlscher lang-
zeilen in die begrenzung blofs belonler aufgenomnien
•werden konnte.
Die ganze saclfe gewinnt nbcli erliuhten reiz, wenii
Avir auf den zusammenhaiig der allhochdeutsclien ge-
reimten mit der alteren alliterierenden langzeile, andrer-
seits aber mit der gesamten mittelhochdeutsclien vers-
kunst achten.
Dafs die urspriinglicli auf blofsem accent beruliende
laiigzeile an sich weder mit deni reim des anlauls noch
des auslauts zu schaffen habe, wurde's. XXX gesagt. sie
kenut nur das leichtere band der belonung, -wie der
liexameter das der cjuanlitativen messung, nicht die
liistigere keltc des reims. wesenllicli uud gemein ist
beiden aber die luhe einer die zeile fast in zvvei hiilf-
ten theilenden liauplciisur, auf welche gerade der spa-
ter enlwickelle reim sich niederlafst, bis er alhiialich
das iibergewicht erlangen und den grundsatz der quan-
litfit wie des accent beeinlrachligen kann.
Auch iiber die hebungen und senkungen alllterier-
ter verse hat sicli die lachmannische forschung sclion
verbreitet, und muglichkeit des iibergaugs alliterierter in
otfriedische langzeilen durch eiu vvirkliches beispiel
schlagend dargelhan. 0. I. 18, 0
thar ist lib ana tod. lioht iina finslri
stammt buchstablich aus der alliteiMtionspoesie , sei es
niin blofs im gediichtnis iiberliefert oder gradezu aus
Muspilli 16. 17 enllehnt. sogar der mangelnde reim
verkiindet erborgung , wie in der ecbasis bei den hora-
zischen versen.
In dieser langzeile von acht hebungen und nirgend
anders haben -wir den iiralfen, volksmiifsigen i>ers des
deutsc/ien helden/iedes zu suchen, da?. vvie es scheint, bis
ins achte jh. seinen schmuck nus der alliteration. nach-
IIXIX
lier aber aiis deni reim entnalini. ein gediclit voii
Wallliari, >vie es saugaller moiiclien noch bekaniit seiii
koiinle, nuifs in einer von beiden weisen erkliingen
sein. Wer dcr niilseren veriindening unseres epos von
da bis ziini scbliisse des zwoHlen jli., weil die quelle
versiegt ist, ini gclste nocli nachspiiren will, hat zweier-
Jei anzuschlagen , die niinderung der langzeile um zwei
liebungen , iind die verlegung des reinis aus der casur.
Dafs der silbeiizahl und den Iiebungeu allnialicher
abbruch geschah , lafst sicli begreifen aus der vorschrei-
lenden schwachung und sliimpfung der ableiluugen und
llexionen. geselzt, iiii niunde der sanger waren alle
einzelncn ausdriicke und vvorler einer epischen zeile
treu durch den lauf der jahrliunderte forlgetragen vvor-
deii ; vvie viel voller und niachliger liaile sie im neun-
ten als im zwolflen jh. lijnen nuissen. die tradilion
inochle sich liin und vvieder auf allerlluiniliche fornien
erslrccken , das gaiize koniile sie niclit vor einer gewis-
sen verdichlung und zusanimenschriiinpfung bewahren.
Der allhochdeulsche vers weifs vou keinem eigenllich
klingenden reiin , inir voii slumpfem; den klingenden
begriindet eben , dafs bci langer penullima der accent
dcr letzlen silbe gescliwiichl uiid der hebung unfaliig
wird. eiiie njenge zweisilbige leime, die bei Olfried
zwei hebungen Irugcn, geslallelen dei; niittelhochdeut-
schen dichlkunsl blofs eine. lii don Nibelungen lial dio
langzeile meislens nur sechs hebnngen, fiir jeden tlieil
drei, im erslen wirkle der klingende einschnitt auf un-
lerdriickung einer hebung hin , beim zweilen forderlo
sie dann die durch gesang oder recitation bedingle
gleichmafsigkeit. nach silben bevechnet (was viel uii-
hicherer isl) wiirden sich gewohnlich sieben liir die
ersle, fiinl lur die zweile halbzeile finden , also jene,
nicht diese vorherschcn. dies alle? selzt vielfache an-
Xti
(lerungen voraiis , iind es niiisle iingcniein scli^vierig
scheinen , epische langzeilen des dreizehnlen jh. niit
seclis hebungen iimzuslellen in die des ncunlen niit acht
liehunGcn. Aber nif.hl zu iibeisehn sind die deullichen
spiiien vierter liebungcn sowol iin zweilcn llieil der
vieiien zeile jeder slrophe (Lachni. zu ]\ib. 4o, 4), als
zu^veilen auch noch iin ersten theil fiir alle zeilen (zu
Nib. 118, 2.) llegel der hofischen inhd. kunst war fvir
jiUe slumpfen rciine der kurzzeile an den vier hebun-
gen festzuhalten , den klingenden aber nur drei zu ver-
leilien , so dafs der stuni])fgereimle vers vollig dein ot-
friedischen , dcr klingeiide dein des Nibelungenliedes
entspricht : auf sieben zuriickgefiihit , vvird die slumpfe
zeile gewohnlich aclit , die klingende sieben zahlen. ]n
der nlid. poesie , schon seit Ilans Sachs , hal zwar die
slumpfe zeile aclit silben behallen , die klingende liin-
gegen ncun angenomnien, ^vas sich noch allgeineiner so
ausdriicken lafst , die kliiigeiule zeile pflegt inimer eine
silbe niehr als die slumpfe zu enipfangen, z. b. in den
iiblichen jamben jene eilf, diese zehn silben zu haben.
nach alid. vveise hiefse das der zeile, die jetzl klingend
ist , eine ganze hebuiig melir zulegen als ilir gebiihrt;
aber die iin mhd, gewohnlich anfgehobne gleichheit der ]ie-
buiigen fiirbeiderlei reime wurde dadurch nhd. hergcslelll,
daraus folgt klar, dafs sich die iiilid. ungleicliheit der
hcbiingen lediglich liislorisch erkliirl , d. i. die drei he-
bungen des klingenden reims miissen zuriickgeleitet
vverden aiif vier ahd. liebuiigen *).
IMit diesem aufkominen klingender reime in der
*) den iibergang von der n'li(l. weise znr nlid. bilden dentlicli
die reiinzeilen auf zweisilbige worter niit kurzer peiiultinia, welclie
stnmpfreiniigen zeilen gieicligeatlitet werden d. Ii. bei neun silben
vier liebungeii niatlicn. iiacli silben l)ereclinet siiid die nilid. kiirz-
zeiien dreifarli, von sieben, aclit iiihI iieun sill)eii. indeni sicli die
XLT
nilid. poesie sclieint niir niin aiich die verlegung des
innern reinis aus der casurslelle unnultelbar in zusani-
menliang. Das klingende, niclit niehr in beiden silben
•volllicbige wort versagle sich deni reim auf den slumpfen
sclihjfs der langzeile, und nian ^var gencilhigt fiir die-
sen ein band im schhifs der folgenden zeile zu suchen.
das lied vou den Nibelungen und von Gudrun lassen
die ersle und zweile, so wie dritte und vierte zeile
jedvveder slrophe auf einander selbsl reimen, stalt wie
friilier auf den einschnitt. Diese neuerung durchzufiih-
ren mufs •wieder genug in dem e]iOS umgebildel haben,
es wird schwer zu bcslinimen sein , in welcher zeit,
ob crst im zwolflen oder schon im eilften jh. innere
reime aufhorten, schlufsreime anhuben? Vielleicbt
dafs auch dabei ein analoges verhaltnis der miltel-
lat. dichlkunst darf erwogen werden : hexameter kom-
nien zum vorschcin , die ihren innern casuneim in den
schluls verriicken. so geschieht namentlich durcli das
ganze gedicht von Pilalus *), dessen erste slrophe lautet :
kurze jener penultima allmalicli anfliob, muste die spatere poesie
daliin strelien , deii siebensilbigen vers aucli in einen neunsiibigen
zu verwaiuleln. In den kurzzeiieii altrranzusi.sclier dicliter er-
sciieint liiiigst uiui iiberail das iilid. veriialtnis, dem stumpfen vers
werden aclit, dem klingenden iieun silben gegeben ; diese bemer-
kcnswertlie abweicliung von der glciciizeitigen mlid, regel berulit
darauf, dafs die romaiiisciien diciiter in die natur des kliiigenden
reims sirli leiciiter fanden als die miid. Ausnaiinisweise laiilen je-
docli fast bei allen nilid. diclitcrn (Conrad abgerecimet) sciion kling-
reimige ^erse niit vier liebungen unter,\vas den niid. braucli vorbe-
reitet und erklart.
*) Lcyser iiist. poet. nied. aevi p.2125. Endliciier codH. vin-
dob. lat. 1, 162 iind 277. da sicii das nilid. gediclit des 12 jii.
(Mnfsm. 147a) auf ein lateinisclies bucli bezieiit, so darf man wol
diese nietriscbe beaibeitung dafiir uelimen iiiid weiiigstens aucli
dem 12 jii. beilegen.
XLII
Urbs fuit anliqna, veleres lianc conslilueruiU,
Moganus atque Scia *) , llunien rivusque dederunt
Nomen , et inde fuit primiim JNIoguncia dicla
Nomine composito, non esl asserlio ficta.
ferner in dem sogenannlen Facetus '■*), ^velcljer anhebl :
Cum nil ulllius humanae credo saluti
Quam niorjim novisse modos et moribus uti.
Es lafsl sicli freilich niclit nachweisen , dals hier friilier
der leoninisclie reim , ^vie sonst, auf der casur haflele;
doch die neigung zum reim der zeilenschliisse scheint
in der lateinischen und deulsclien poesie zugleich vor-
zulreten. In den jiingeren epeii , und spurweise schon
den Nibelungen f.-illt auch wieder ein innerer reim auf
den einschnitt, doch niclit um ihn mit dem schliifs,
vielmehr dem einschnitt der folgenden zeile zu ver-
kniipfen , so dafs nunmehr die stunipfen reime von
klingenden gekreuzt werden , und alles gefiihl der allen
langzeile schwindet.
Langer, eiiigeschnlttner zeilen bedarf das epos, ca-
suren sind gleichsam seiiie beslandigen alhemziige; die
erzahlung in kurzzellen ist unepisch, iiud man kanii
von ihr sageii, dafs sie nicht reclit zu atliem koinnie '■'**),
*) der bacli Zi oder Zei, Fuclis besciir. von Maiiiz I,
302. 310.
**) VViggerts zweites sclierflein, Magdeb. 1836 s.6 — 27. der
iirspning des werks ist nocii unausgeniittelf, es gibt verscliiedne
bearbeitungen (Eiidlicher codd. lat. vindob. 1, 159. 160.) Eiii-
zelne stropiien bei Wiggert liaben aufser dein sclilufsreim nocli
einen innern, z. b. 24:
Omiiis liomo quacunque donio qua lege fruatur,
Provideat quando taceat vel quando loqnatnr
ebenso 133. 134; wogegen 136. 137 oliiie scliluisreim uiid ge-
wohnliclie leonine siiid.
*"'*) man niuls untersclieideii, dals lange zeilen sicli in liinze
cilcii aufl"'seii und dafs gediclilc urspriinglii h in kiir/en verCat^t
XLIU
Dle langzeile der allfranzoslschen epen war doppelt,
entweder von zehn silben, niit deni einschnitt nach der
vierten, oder von zwolfen, niit dem einschnitl nach der
sechslen. der eigentliclie reim hat sich ihr noch niclit
enlwickelt, blofs ein slreben nach ilim , die vocalische
assonanz. Aus deni zwolfsilbigen vers ist der neufran-
zosische gereimte alexandriner hervorgegangen , der in
zwei gleiclie sliicke zerfallt, wie der pentameter, was
beide gcgen den zehnsilbigcn vers iind den liexameler
in nachlheil slellt, doch bei klingendem ausgang lafst er
ii) der zweilen hrilfle cine siebente silbe iiberfliefsen,
wir haben gesehn, dafs auch der ahd. vers zur kiir-
zung der erslen halfte geneigte , weniger deutlich bei
Otfried , als Ratpert. die nibelungische slroplie thut es
zum mindesten enlschieden in ihrer vlerten zelle. Auch
des slavischen volkslieds sel noch gedacht, es hat zehn
sllben oder fiinf hebungen in jeder zeile, den elnschnlit
nach der zweiten hebung, also mit belrachllichem iiber-
gewichl der zwelten halfte. ich gebe beispiele aus ser-
bischen liedern :
schta se bjeli | u gorl zelenoj,
il se snieg |, il su labudovi?
nijesetz kara | zvljezdu danllzu,
dje si bila | , dje si dan gublla;*
gewohnllch kein reim , doch kann er zulrelen, uiul ei-
gveift dnnn scliliifs uud casur , wie in der lelzlen an-
gefiihrlen zeilc, oder in folgenden :
sinH ; denn sonst liiitten wir in zwei stiimpfen kiirzzeilen der klage
jedesmal deii aiten episclien vers. in den langzeilen der edda
fiililt si<li nocii der aucli aus der aliiteration liervorgeliende zu-
sanimeiiliang beider tlieile. weder die klage nocli der Parzivnl
liifst sicii in langzeilen darslellen , weil dann stumpfe mit a<lit iind
klingende mit seclis lieljuiigen neben einander liefcn ; wol aber
Otfried. der keine klingenden verse liat.
XLIV
da je vila | , iia \isclie bi bila.
na ranieua | , ka' sve ua kaiiieiia.
Ivo prosi I , diischde se ponosi.
dieser nacli innen hin gelegle, die langzeile selbst niclit
verlassende slavische reini slimnit zu deni allhochdeut-
schen wie zu dem leoninischen , weicht aber von den
romanischen endecasillabe ab , die in die folgende zeile
forl reinien , wie das lied von den Nibelungen.
Die klcincren gedichic des anliangs entfalten mehr-
fache melra , alle sind gereimt und in slrophen. Am
wenigsten einfach ist das lied auf ffeinrich II, dem wahr-
sclreinlich eine bestimmte melodie unlerlag; jede seiner
strophen endigl mit eineni leoninischen hexameter. He-
riger luid Alverad liaben sechszeilige slrophen von fiinf,
die drei iibrigen dichtungen vierzellige von acht silben,
in jambischem schvvung, wie es schon die millellatei-
nische dichtkunst friiherer jahrhiniderte liebfe. Unter
vielen beispielen nenne ich den hymnus des Venan-
tius Fortunatus de Leontio episcopo (l, 16) und deu
beriihmten in honorem sanctae crucis (2, 7):
Agnoscat omne saeculum
Anlislitem Leonlium,
Burdegalense praemiuni,
Dono superno redditum.
nnd Vexilla regis prodeunt,
Fulget crucis mysterium,
Qua carne carnis condilor
Suspensus est patibulo.
Die weise scheint besonders in Deutscldand luid na-
mentlich in lothringischem, niederlandischem gebiet, lange
zeilen hindurch, beliebt. Docen (misc. 2, 191) fiihrl
aus trieiischer gegeud folgcnden anfang eines liedes,
veinuitlich des dreizehnten ili. an :
XLV
Sol solis in slellifero
Stellas excedit radio,
Sed unica quani diligo
Mihi placet et populo.
Hierher gehcirt iiun auch das merkwiirdige neulich von
Leo enldeckle berliner bruchstiick des lateinischeu Gre-
goiiui*), der freilich der fabel nach von bedeutendereni
iinifang gewesen sein niufs. es erstreckt sich iiber die
verse 741-775 des hartniaiuiischen gedichts und zer-
fallt, wie niich diiukt, wiederuni in vierzeilige slrophen,
die ich folgenderniafsen herslelle:
1
Sic loca veniislissima
Caede vaslavit inaxima.
2. Urbs nulla fuerat,
Quani non bellans vaslaverat,
Una tanlum remanserat,
Quae principalis fuerat.
3. Quae vix sola subsisleret,
Si non totam protegeret,
Qui solus regit onuiia
Per seculorum secula.
4. Ul procedamus
Nunc Iiis fuiem faciamus;
Mente altendanuis,
Sic ad puerum redeamus.
5. Ergo per omnia,
Dum transit stagna marina,
•) blatter fur lit. uiiterli. Leipzig 1837 18 dec. no. .^53
p. 1431. 1432.
4, 2 ini abdruck liujus finem.
4, 3 urentis acta damus. vielleiclit aucli: ventis atteudamus,
auf die winde, die das kind uber die see fiilir^ten?
XLVl
Est conservalus,
Ut erat Jonas quarduaiuis.
6. 1« celi ventre,
Sensu typice famulante
7 gesla,
Quae post jfient nianifesta,
Nam defertur infanlulus,
Couservalus divinitus,
8. Cuni propria navicula,
Per jnarina pericula,
Veneralque ad insulam,
Quae continebat. cellulam,
9. Quam vilae venerabilis
Cum niullis sibi subditis
Piis ornalus moribus
Abbas rexit Gregorius.
10. Qui binis piscatoribus
Praeceperat allentius,
Ut praepararent
Se diluculo [et navigarent.]
Der stropliische grundsalz scheint mir bestatigt zu wer-
den durch 3, 4, welche zeile ganz zu dem schlusse des
Unibos stimmt, daun durcli den grofsen buchslaben der
hs. bei Ut 4, 1, womit ein neuer.absatz begann. Was
nun aber am meisteu auiTallt, die jamben (wenn man
sie so nennen will) verrathen sich als iibeiarbeitung
alterer leouinischer verse, die unverkennbar durch-
blicken *) :
4, 1. 2. ut procedanuis, nunc his finem faciamus,
*) liierdurch werden die vorliin s. XXXVII besproclinen beriili-
ningen des liexameters mit der volksweise crlantert.
XLVH
4, 3. 4. nienle attendamus, sic ad piierum redeanius
5, 2 dum transit stagna niarina
5, 3 est conserratus, ut erat lonas ....
6, 1. 2. in ceti ventre, sensu typice famulaute
7, t. 2 gesta, quae post fient manifesta
10, 3. 4. ut praepararent se diluculo navigareut,
wobei allerdings einigemal der prosodie gewalt ange-
than wird. Anfangs zvvar walinte ich , das fragment
konne nach dem deutschen gedicht, dessen reinliche,
der ersten bekannlmacliung sclinell gefolgle , ausgabe
wir diesen augenblick erlangen, versucht sein, etwa wie
die begonnene iibersetzung von Wolframs Wilhelni.
allein das gegentheil hat weit mehr fiir sich, Hartmann,
wenn nicht alles triegt, halte das lateiuische gedicht vor
augen , und sciue dichlerehre befahrt dabei so "wenig
etwas als bei den allfianzosichen texten , die er behan-
delte, so zu verscljonen und zu erhohen verstand er,
selbsl in treuer nachfolge, die stoife. das aufgefundue
lat. fragment bielet gerade eine slelle, wo dic erweite-
rung des umdichlei"s wenig erscheinen kann. Darf die
hs. noch dem zwolften jh. zugesprocheu -werden, so
niufs auch darum das lat. gedicht als alter vorangehen,
luid ich ware nichl enlgegen, es gar schon dem eilften
jh. beizulegen. Der lummehr gespannten aufmerksam-
keit gliickt es vielleicht eiuen volIstUndigen codex des
lat. Gregorius ausfindig zu n>achen.
Trochaischeu silbenfall Avird man in mittellateinU
schen liedern von deutschen dichtern selten antreffen ;
er scheint niehr in Italien , Frankreich und England zu
liaus, uud gewahrt eigenlhiimliche anmut. Ein altes
beispiel aiis zehntem jh. gibt das carmen de convivio cae-
lilum bei Endiicher, von dem ich einige stellen hersetze:
David cytharam percussit,
Et INIaria t^mpana,
XLVIII
ludilh choreas ducebat,
Et lubal psaUeria. —
Cumque omnes ire vellenf,
Rex ait respiciens
Nunc per omnem nuptlaruni
Frequenlate vos diem.
IJnde gaudens laetabatur
Imperator Karohis
Cuni francigenis poetis
Cum gallis *) bibentibus.
in diesem mafs ist bei Marlianus Capella die cautilena:
Scande coeli templa virgo
Digna tanto foedere,
Sed socer subire celsa
Poscit astra Jupiler.
Auch die 'versus de Aquilegia' bei Endlicher s. 300-302,
der sie niit recht in langzeilen darstellt , wie es ebenso
im carmen coelilum und bei Marlianus geschehn darf.
die erste mit A beginnende strophe lautet:
Aquilegia gloriosa quondam urbs et inclila,
Bellicosa, triumphalis, Venetum metropolis,
Attila quam saevus olim funditus everlerat
und so folgen andere slrophen durch alle buchstabeii
des alphabets, genau wie in den beiden dichtungen des
iieunten jh., welche icli altd. wald. 2. 31-34 aufge-
nommen hatte. das eine hebt an ;
Aurora cuni primo mane telram noctem dividens,
Sabbatum noii illud fuit, sed Saturni doliuni,
De fraterna rupta pace gaudet daemou impius.
das andere:
Audite omnes fines terrae errore cum tristitia,
Quale scelus fuit factum Benevento civitas,
Lhuduicum comprenderunt sancto pio augusto.
*) hier siiid iiocli Gallier deii Fr«iikeii entgegengestellt.
\LI\
das letzte gedicht ist einlgeinal bls zur iinverstandlicli-
keit roli , das zweite sclioii geglatteter, und doch nicht
ohue poetische kraft. Alle diese langzeilen haben funf-
zehn silben, in der zweiten halfte eine weniger als in
der erslen; reime brechen zufaUig und unregelniafsig
liervor, bisweilen in der niiUe :
Laude pugna non est digna nec canalur melode.
Pater niater soror frater, quos amici ileverant.
Ihnen am nachsten reicht der volkston spaiiischer ro-
manzen.
Ungleich Heblicher und formvollendeter slnd die
jiingeren lateinischen dichtungen des zwolften und drci-
zehnten jh., fiir welche WaUherus IVIapes das musler
gegeben zu haben scheint; in der gewohnlichen weise
stroplien von vier dreizehnsilbigen zeilen , mit demsel-
ben klingenden reim , dem einschnitt nach der sieben-
ten silbe. so die bekannten lieder:
Tertio capilulo memoro tabernam
und Aestuans interius ira vehemenli;
so auch in dem schijnen carmen de Phyllide et Flora*):
Susurrabat modicum ventus tempestivus,
Locus erat viridi gramine festivus,
Et in ipso gramiiie defluebat rivus
Vivus alque garrulo murmure lascivus.
Eine andere weise durchflicht die reime oder legt sie
nach innen , hat auch abweichende silbenzahlung :
Versa est in luctum cithara Waltheri,
Non quia se ductum extra gregem cleri
Vel ejectus doleat, ut abjecti lugeat
Vilitatem morbi,
Sed quia considerat, quod finis accelereat
Inprovisus orbi.
•) Dooen iii Aretins beitr. 9, 302 - 309.
In deulscher gegend zur zeit des dreizehnten jli. ver-
fafst ist folgendes lied niit ganz kurzen, frisch und leb-
liaft klingenden zeilen , die in deulsche ^vorle iiberge-
hen, >vie auch sonst ofter geschieht:
Stetit puella
Rufa tunica,
Si quis eam tetlgit
Tuuica crepuit. eia.
Stetit puella
Tanquam rosula,
Facie splenduit
Et os ejus floruit. eia.
Stetit puella
BI einem bounie,
Scripsit aniorem
An eiuem loube.
hier bequemt sich die fremde sprache ganz der landes-
arl und wirkt uni so sicherer.
Nach diesen ausfiihrungeu oder audeutungen, deneu
einhalt zu thun zeit ist, ergibt sich genugsam , was die
mittellateinische poesie erreicht und verfehlt hat, aber
auch, wie wenig vorbeigegangen werden kanu sie geuau
zu studieren, sie fliefst auf die heimische dichtkuust eiu
und empfaugt vou dieser eiudriicke, sie erhebt ihre stimme
da, wo jeue zum schweigeu gebracht ist, zu ihr hat sicU
eiue nienge vou slof gefliichtet, den jeue erzeugle aber
keiu niitlel mehr hatte zu erhallen. Ziehen beide ne-
beneiuander, so ist es lehrreich zu vergleichen, auf welclie
weise sie sich bald hemmen bald unterstiitzen. Eine be-
deuteude zahl lateiuischer gedichte des zehnten, eilfteu und
zwolfteu jh. war vorhauden, die mit dem aussterbeu der
althochdeutscheu uud dem aufbliiheu der mittelhoch-
deulschen poesie vielfacli zusammeuhangeu.
Ist es fiir solche ausichteu ueueu bodeu zu begriiu-
LT
den der ausgabe vorllegender denkmale des alterlluims
einigerniafsen gelungen, so darf man lioifen, dafs weitere
entdeckungen und forscliungen das hier geleistete bald
iibertreffen, berichtigen und vollfiihren vverden. Zu den
bediirfnissen gehort auch eine ganzliche uniarbeilung des
leyserschen werks , das selne guten dienste gelhan hat,
alleln schon lange nicht mehr ausreicht; es kunnte selir
ansehnlich vervollstandigt und dennoch zusammengezo-
gen werden. Fiir das mlUellateiuische worlerbuch brin-
gen Rudlieb und die ecbasls eiuigen nicht unverachtliclien
zuwachs ; aus Waltharlus, der weniger darbielet, lialle
doch noch mehr slch zusammenslellen lassen, was zufalli"
versiiumt wurde. Weder in ihm, noch in den iibrigen ist
alles schwierige erklart, und zumal leidet die ecbasis an
unverstjindlichen slellen. die erganzung der liicken inx
Rudlleb kann bei erneuerter durchsicht inimer welter ge-
trleben werden ; vorlaufig schlen es rathsam bei dem ver-
suchten es bewenden zu lassen. Um auch noch eine or-
thographische klelnigkeit zu beriihren, so ware ein leicli-
les gewesen slch in die gewohnheit der heutlgen phllo-
logie zu fiigen, und viele ae statt oe (caelum, maestus),
immer aber i, auch vor vocalen, statt j zu schreiben. deiu
jetzt vorriickenden ae wlrd es schwer fallen die grenze
zu slecken und elne reactlon des oe nicht ausblelben.
was den consonanten j anlangt, so dringen wir im alt-
deutschen auf seine unterscheidung, ohne welche sich die
nicht sellnen iibertrllle des i in ) (z. b. jetzt statt des iil-
teren ietzt) niclit deulllch machen Ilefsen, wie auch mil-
tellat. arjele fiir ariele vorkommt. wer allenlhalben i
schreibt, sollle ebcnsowenig v von u scheiden und letz-
terem treu bleiben. vor sechzlg, slebzig jahren schrie-
ben dle philologen gern im anlaut vt, vnus, vllus, vter-
que, lulautend aber nauls, niutault, prauum ; die danl-
schen, wenn Ich nichl irre , br.iuchen noch heute solche
LII
inlautende v stalt u. was fromml aber die schreibung
ieiunus, triiugus oder gar ieivnus, •wo gelesen werden
soll jejunus, trijugus ? die autoritat der handsctirirten
und selbst der inscriptiouen entscheidet nichts fiir unsere
ausgaben der classiker, inscriptionen werden iiberall ca-
pitales V, biicher des fiiuften, sechsleu )h. iiberall un-
ciales U fiir vocal wie consonant haben, und urs.priing-
lich sind beide ein unddasselbe zeichen. wie es aber niitzt
parui von parvi, voluere von volvere, deseruisse (Rudl. 1,
70) von deservisse (1, 5) zu sondern , wird auch iam-
bus von jam , lulus von Julius u. s. w. vortheilhaft ge-
schieden. Gezv/eifelt habe ich wegen dnrchfiihrung des
ae fiir e oder g; hatleu iiberall sehr alte und gleich-
zeilige handschriften vorgelegen , wie vorhin bei dem
Gallusliede, so ware ihnen gefolgt worden. weniger
schien daran gelegen das beslandige schwanken der spii-
teren copien zu achten. das blofse e fordern auch
nicht reime wie citharae: ipse ecb. 939; laetitiae : osten-
dere Unib. 42; tenipore: transfugae das. 48; diese dicht-
kunst nimmt es niit den vocalen ini reim nicht genau.
es war also vortheilhafler die vocative , iufiuitive und
adverbia auf -e von den eigentlichen -ae gesondert zu
halten.
Was sonst diesem buche maugelt wird man leich-
ter entschuldigen. es ist stiickweise, uuter oft abge-
wandten gedanken, aus collectaneeri ohne meine eignen
biicher fertig geworden. die nothwendigen ausschnitte
des zweiten bogens erinnern mich an den 16 decem-
ber, den letzten von mir in Gottingen zugebrachten tag.
Cassel 4. april 1838.
Jacob Grimm.
WALTHARIUS.
WALTHARIUS.
T
X erlK
ia pars orbls, fratres, Eiiropa vocalur,
IMoribus ac linguis varias et iiomine gentes
Dlstingueus cullu , tum rcUigione sequcslrans.
Inter quas gens Pannoniae residere probatur,
5 Quam tamen et Hunos plerumque vocarc solennis.
Hic populus fortis virtute vigebal et armis,
Non circum positas solum domitans regiones,
Littoris Oceani sed pertransiverat oras,
Foedera supplicibus donans sternensque rebelles.
10 Ullra millenos fertur dominarler annos.
Attila rex quodam tulit illud tempore regnum,
Impiger antiquos sibimet renovare triumplios.
Qui sua castra movens mandavit visere Francos,
Quorum rex Gibicho solio pollebat iii allo ,
15 Prole recens orla gaudens, quam postca narro :
jNamque marem genuit, quem Guntharium vocitavit.
X* ama volans pavidi regis transverberat aiires,
Dicens hostilem cuneum transire per Histrum ,
Vincentem numero stellas atque amnis arenas.
20 Qui, non confidens armis et robore plebis,
Concilium cogit, t[uae sint facienda requirit.
Consensere omncs: foedus debere precari,
Et dextras, si forte darent, conjungere dextrls,
Obsidibusque datis censum persolvere jussum;
25 Hoc melius fore, quam vitam simul ac regiouem
Perdiderint, natosque suos pariterque maritas.
9 donat sternitque G. 11 Etcilo 1, und immer so. 15 de te
recens A. 16 uocitarunt A. 18 liystrum B. jstrum C. 20
uel B. 23 Et si forte darent dextras I.
1 *
WALTHARIUS.
Nobilis hoc Hagano fnerat suh tempore tyro,
Imlolis egregiae, veniens de gerniine Trojae;
Hunc, quia Guntharius nonduni pcivenit ad aevum,
30 Ut sine niatre queat vitani retinere tenellani ,
Cum gaza ingenti decernunt niitlere regi.
Nec niora; legati censum juvenemque ferentes
Deveniunt, pacemque rogant ac foedera firmant.
xempore, quo validis steterat Burgundia sceptris,
35 Cujus primatum Herricus forte gerebat,
Filia huic tanlum fuil uuica nomine Hiltgunt,
Nobilitate quidem polleus ac slemmate formae.
Debuit haec heres aula residere paterna,
Atque diu congesta frui , si forte liceret.
40Jamque Avares firma cum Francis pace peracta
Suspendunt a fine quidem regionis eorum.
Altila sed celeres niox huc defleclit habenas,
Nec tardant reliqui satrapae vestigia adire.
Ibaut aequati numero, sed et agmine longo ;
45 Quadrupedum cursu telkis concussa geinebat,
Scutorum sonilu pavidus superintonat aether.
Ferrea silva micat totos rutilando per agros;
Haud aliter, primo quam pulsaus aequora mane
Pulcher in extremis renitet sol partibus orbis.
50 Jamque Ararim Rodauumque amnes trausiverat altos,
Atque ad praedandum cuneus dispergilur omnis.
r orle Cavillouis sedit Herricus, et ecce
Attollens oculos speculator vociferatur
'Quaenam condenso cousurgit pulvere nubes?
55 Vis inimica venit, portas jain claudite cunctas.'
Jam tum quid Franci fecissent ipse sciebat
30 nouellam I. 34-39 liat I nacii 51. 35 heriricus B. hen-
ricus I. 36 hildcund B. 37 formae C. 40 namque B. 42
illuc flectit C. 44 aequali C. 52 cabillonis sedit heriricus B.
54 consurgiint B. C.
WALTnARIUS.
Princeps, et ciinclos conipellat: sic seniores
'Si gens tam fortis, cui nos siniilare nequinius,
Cessit Pannoniae, qiia nos virtute putalis
60 Huic conferre manuni et patriani defendere dulcem?
Est satius, pactuni faciant censumque capessant.
Unica nata mihi est, quam tradere pro regione
Non dubito : tantum perganf qui foedeia firment.'
Abanl legali lolis gladiis spoliati ,
65 Hostibus insinuant, quod regis jussio niandat,
Ut cessent vastare rogaut. Quos Attila duclor,
Ut solitus fuerat, blande suscepit, et inquit
'Foedera plus cupio, quam proelia mittere rulgo.
Pace quidem Huni malunt regjiare, sed arniis
70 luviti fei'iunt, quos cernunt csse rebelles.
Rex ad nos veniens paceni del alijue resuniat.'
■T-Jxivit princeps, asporlans innunieialos
Tliesauros, pactumque feril , ualanique reliuquit.
Pergit iu exiiium pulcherrima gemma parenluni.
75 i- o&tquam complevit pactum , statuilque tributum,
Atlila iu occiduas promoverat agmina partes.
Namque .Aquitauorum tuuc Alphere regna leneJ)at
Quem sobolem sexus narrant liabuisse virilis,
Nomine AValtharium , priniaevo llore nitenteni.
80 Nam jusjurandum Herricus et Alphere reges
Inter se dederant, pueros quod cousociareut,
Cum prinium tempus nubeudi venerit illis.
Hic ubi cognovit, gentes has esse domatas ,
Coeperat ingenti cordis trepidare pavore.
85 Nec jam spes fuerat saevis defendier arniis.
'Quid cessemus' ait, ' si bella movere nequimus :*
58 siniulare C. 59 uos C. quam nos A. 62 milii quani B. 1.
63 firmant B. 66 cessant B. 71 dextraui det B. 1. T3 reli-
quit A. 1, 75 couijjletuni A. 78 sexus sobolem 1. Hl ut I.
6 WALTHAllIUS.
Exempla eii jiobis Burgunclia, Fraucia douant.
Non iucusaniur, sl talibus aequiparauiur.
Legatos inilto, foetlusque ferire jubebo,
90 Obsidis inque vicem dilectum porrigo nalum ,
Et jamnunc Hunis censum persolvo futurum.'
Sed quid plus remorer? dictum compleverat aclis.
Tunc Avares , gazls onei-atl denique multis,
Obsidibus sumplis Ilaganone , Hiltgunde puella,
95 Nec non Walthario redlerunt pectore laeto.
xxttlla, Pannonlas ingressus et virbe receplus,
Exulibus pueris magnam exhibult pletalem,
Ac velutl propilos nulrire jubebat heredes ,
Virglnls et curam reginae mandat liabere.
100 Ast adolescentes proprils conspeclibus ambos
Semper adesse jubet; sed et artibus imbult illos ,
Praesertlmque jocis belli sub tempore habendis.
Qui simul Ingenio crescentes meutls et aevo,
Robore vlucebaut forles, animoque sophistas,
105 Donec jam cunctos superarent fortiter Hunos.
JMilltlae prlmos tunc Allila fecerat Illos,
Sed liaud imnierito ; cjuonlam, si quando moveret
Bella, per insignes isli mlcuere triumphos.
Idcircoque ulmis prluceps dilexerat ambos.
110 Virgo etlam capllva, dco praestaute supremo,
Keglnae vultum placavlt, et auxit amorem ,
INIoribus exliniis operumque industria abuudans.
Postremum custos thcsauris provida cunctis
Efficitur, modicumque deest , quin regnet et ipsa ;
115 iSam, quicquid voluit, de rebus fecit el aclls.
JLnterea Gibicho defuugitur, ipseqiie regno
Guutliarlus successit , et Ih*co Paunoniarum
87 exemphim C. exempla in A. 91 Denicjue nnnc T. 92
demoror 1. 98 alnmnos 1. 99 felilt C. 1. 109 illos A. 117
Guntliarins regno .siiccessit 1.
WALTHARIUS.
Foedera dissolvit, censumque subire negavit.
Hoc ubi jam primum Hagano coguoverat exul,
120 Nocte fugam molitur, et ad dominum properavit.
Waltharius tameu ad pugnas praecesserat Hunos ,
Et quocunque iret, mox prospera sunt comitata.
Ospirin elapsum Haganonem regia conjux
Atteudens, doniino suggessit talia dicta
125 'Provideat caveatque, precor, sollertia regis ,
Ne vesti-i imperii labatur forte columna,
Hoc est, Wallharius vester discedat amicus,
In quo magna potestatis vis exlitit Hunis,
Nam vereor, ne fors fugiens Haganonem imitetur.
130 Idcircoque meam perpendite nunc rationem ,
Cum primum venial, haec illi dicite verba
"Servitio in nostro magnos plerumque labores
Passus eras, ideoque scias, quod gralia nostra
Prae cunclis temet nimiura dilexit amicis,
135 Quod volo plus factis te quam cognoscere dictis.
Elige de satrapis nuptam tibi Pannoniarum ,
Et nou pauperiem propriam perpendere cures.
Amplificabo quidem pariter te rure domique,
Nec quisquam, qui dat sponsam, post faota pudebit."
140 Quod si completis, illuni stabilire potestis.'
Complacuit sermo regi, coepitque parari.
W altharius venit, cui princeps talia pandit,
Uxorem suadens sibi ducere. sed tamen ipse,
Jam lum praemeditans , quod post compleverat actis,
145 luvestiganti his suggestibus obvius infit
' Vestra quidem pietas est quod modici famulatus
Causam conspicitis. sed quod mea sergia meutis
123 in Ospiria das letzte i radiert A, 128 Iiiilus B. C.
135 Nunc volo I. 138 ualde te B. I. 141 parare C. 145 His
instigaudi B. iusligauti 1. 147 seruia B.
8 WALTHARIUS
Intuilu feilis, nunquam meruisse valerem.
Sed preco:- ut servi caplatis verba fiJelis :
150 Si nuplam accipiam domiiii praecepta secundum,
Vinciar in primis curis et amove puellae,
Atque a servitio regis plerumque retardor.
Aedificare domos, cultumque intendere ruris
Cogor, et lioc oculis senioris adesse moratur,
155 Et solitam regno Hunorum impendere curam.
Namque voluptalem quisquls gustaverit, exln
Intolerabilius consuevit ferre labores.
Nil tam dulce mihi , cjuam semper inesse fideli
Obsequio domini; quare , precor, absque jugali
160 Me vinclo permitte meam jam ducere vilam.
Si sero aut medlae noclis mihi tempore mandas,
Ad quaecunque jubes securus et ibo paratus.
In bellis nullae persuadent cedere curae,
Nec uall aut conjuxretrahentque fugamque movebuut.
165 Testor per propriam temet, pater optime, vitam,
Alque per invictam nunc gentem Pannonlarum ,
Ut non ulterius me cogas sumere taedas.'
His precibus vlctus suasus rex deserlt omnes,
Sperans Waltharium fuglendo recedere nunquam.
170 V enerat iuterea satrapae certisslma fama :
Quandam, quae nuper superala, reslstere gentem,
Ac bellum Hunls confestim inferre paratam.
J- unc ad Wallliarium converlilur aclio rerum;
Qul mox mllitiam percensuit ordlne totam ,
175 Et bellatorum confortat corda suorum,
Hortans praeteritos semper memorare triumphos,
Promltlensque istos soHla virtute tyrannos
Sternere, et externis terrorem imponere lerris.
150 vincior C. 152 ciiris B. 157 doiores 1. 161 niedio A. I.
167 aiterius H. 169 luialtarius B. 178 inipeiidere C.
WALTHARIUS.
Nec niora, cousurgit sequiturque exerciUis omuis.
180 Ecce locum puguae conspexerat, et numeratani
Per latos aciem campos digessit et agros,-
Jamque iufra iactum teli congressus uterque
Constilerat cuneus ; tunc undique clamor ad auras
Tollitur, horrendam confundunt classica vocem ,
185 Contiuuoque hastae volitaut hinc indeque densae.
Fraxinus et cornus hidum miscebat iu unum,
Fuhninis inque modum cuspis vibrata micabat.
Ac, veluti Boreae sub tempore nix glomerata
Spargitur, haud ahter saevas jecere sagittas.
190 Poslremum, cunclis utroque ex agmine pilis
Absuujptis, manus ad mucronem verlilur omnis,
Fulmineos promunt enses, chpeosque revolvuut,
Coucurrunt acies denuim , pugnamque restaurant.
Pectoribus partim rumpuutur pectora equorum,
i'J5 Slernitur et quaedani pars- duro umbone virorum.
Wallharius tamen in medio furit agmine belli,
Obvia quaeque metens armis , ac limite pergens.
Hunc ubi conspiciunl liosles lanlas dare strages,
Ac si praesentem meluebant cernere mortem,
200 Et quemcunque locum seu dextra sive sinistra
WaUharius peteret, cuucti mox terga dederuut,
Et versis scutis laxisque feruntur habenis.
Tunc imitata ducem gens maxima Pannouiarum
Saevior insurgil caedemque audacior auget ,
205 Dejicit obslantes, fugientes prolerit, usque
Dum caperet plenum belli sub sorle triumphum.
Tum super occisos ruit et spoHaverat omues,
183 nfiqiie H. 184 horrenda confundit cl. voce H. 193
concurrit A. 196 beilo A. B. H.I. 200 dextrain siiie sinistrani B. H.
203 liunc mirata D. pannoniorum D. 204 felilt A. C. D. 1. 205
deicit A. B. 1. 206 capit et A. douec perciperet D.
10 WALTtlARIUS.
Et tandem tliiclor recavo vocat agmina cornii.
Ac primus frontem festa cum froude revinxit,
210 Viclrici lauro cingens sua tempora vulgo ;
Post liunc signiferi, sequitur quos cetera pubes.
Jamque triumphali retlierunt stemmate compti
Et patriam iugressi, propria se quisque locavit
Sede. sed ad solium mox Waltharius properavit.
215 Jticce palatiiii decurrunt arce minislri ,
lllius aspectu hilares, equitemque tenebaut,
Donec vir sella descendei-et inclitus alta.
Si bene res vergant? lum demum forte requlrunt.
Ille aliquid modicum narrans intraverat aulani ;
220 Lassus enim fuerat, regisque cubile petebat.
lUic Hiltgundem solam ofFendit residentem;
Cui post amplexus atque oscula dulcia dixit
'Ocius huc potum ferlo, cpila fessus anhelo.'
Illa mero talhim complevit mox pretiosum ,
225 Porrexitque viro , qui signans accipiebat,
Virgineamque nianum propria constriuxit. at illa
Astitit, et vullum reticens intendit herilem,
W^althariuscjue bibens vacuum vas porrigit olli,
Ambo etenim norant de se sponsalia facta.
230 Provocat et tali caram sermone puellam
*Exilium pariter patiinur jam tempore tanto,
Nou ignorantes, quid nostri forte parentes
luter se nostra de re fecere futura.
Quare diu tacito premimus haec ipsa palato?'
235 Virgo, per hironiam meditaus haec dicere sponsuui,
Paulum conticuit, sed postea talia reddit:
208 recavo ductor D. 216 equites C. 219. Qui tantum I,
224 calicem D. 227 couspexit D. 230 caram tali D. 231 patimur
pariter j. t. lougo D. 1. 232 ignoramus enim quod nostri quon-
dam H. 284 quam ne A. quid ne D. quam diu nos t. p tunc
i. p. I. 236 dixit D.
WALTHARIUS. Jl
'Quld lingua simulas, quod ab inio peclore damuas
Oreque persuades, toto quod corde refutas ?
Sit veluti talem pudor iiigeus ducere luiptam.'
240 Vir sapieus coutra respondit et iululit ista
'Absit, quod uiemoras ! dextrorsum poiTige sensum.
Noris, me nihilum simulata meute locutum;
Nec quiccjuam nebulae vel falsi iulerfore crede.
INullus adest, uobis exceptis namque duobus.
245 Si uossem temet mihi promplam inq^endere meutem,
Atque fidem votis servare per omuia caulis;
Pandere cuucla tibi cordis misteria vellem.'
A andem virgo, viri genibus curvata , jorofatur
'Ad quaecuuque vocas nie, domne, sequar studiose,
250 Nec quicquam placitis malim praeponere jussis.'
Ille dehinc 'piget exilii me denlque noslri,
Et patriae lines reminiscor saepe relictos :
Idcircocpie fugam cupio celerare latentem ;
Quod jam prae multis potuissem forte diebus,
255 Si non Hiltgundem solam remauere dolerem.'
Addidit lias imo virgimcula corde loquelas
'Verum velle meum, solis his aestuo rebus,
Praecipiat dominus, seu prospera sive sinislra,
Ejus amore pali toto sum pectore praesto.'
260 Wallharius taudem sic virginis inquit in aurem
'Publica custodem rebus te nempe poteslas
Fecerat, idcirco memor haec mea verba notato :
Inprimis galeam regis tunicam«|ue trilicem
Assero , loricam labrorum insigue fereutem
23r qiiod ab C. 238 ore milii fingis toto H. quod toto cordc D.
240 respondens rettulit D. 242 nolis me nicliilum D. 243 nel)uii D.
fraudis vel falsi 1. 245 temet num promtam D. 246 voris D.
249 at quocunque D. 250 mali D. 251 exitu (? exitii) D.
2.i3 meditor I. 255 liiitgundam D. 257 feiilt A. C. D. J. 260 iu
auie D. 261 te reljus uamque. 264 afTero (Vj A. alfer H.
12 WALTHARIUS.
265 Diripe, blna dehinc mediocria scrinia tolle.
His arniillarum tantum da pannonicarum,
Donec vix unum releves ad pectoris imum.
Inde quater binum mihi fac de more coturuum,
Tantundemque tibi palrans imponilo; vasis
270 Sic fors ad summum complentur scriuia labrum.
Insuper a fabris hamos clam posce retorlos.
Nostra viatica sint pisces siniul alque volucres ,
Ipse ego piscator, sed et auceps esse coartor.
Haec intra ebdomadem caute per singula comple.
275 Audisti, quid habere vianli forle necesse est.
Nuuc quo more fugam valeamus inire rechido :
Postquam septenos Phoebus remeaverit orbes,
Regi ac reginae, satrapis, ducibus, famulisque
Suniptu permagno convivia laeta parabo ,
280 Atque omui iugenio potu sepelire studebo,
Donec nullus erit, qui sentiat, hic quod agendum est.
Tu lamen interea mediocriter utere vino,
Atque silim vix ad mensam restiuguere cura ;
Cum reliqui surgant, ad opuscula nota recurre.
285 Asl ubi jam cunctos superat violentia potus,
Tum simul occiduas properemus quaerere partes.'
Virgo memor praecepta viri complevit, et ecce
Praefinita dies epularum venit, et ipse
Waltharius magnis iustruxit sumptibus escas ;
290 Luxuria iu media residebat d.enique mensa.
Ingrediturque aulam velis rex undique septam,
Heros maguanimus solito quem corde salutans
Duxerat ad solium, quod compsit bissus et ostrum.
267 onu3 H, 268 deinde D. 269 tantundem quanti paternis A.
patratoD. 274 inter liebdomadamD. 276 NecC. Hinc I. 277febusD.
278. 279 regi ac reginae satrapis couvivia laeta parabo D. 279
magnifico I. 281 hoc quid A. liic quid C. lioc quod D. I. 283 re-
stringere B. I. 292 more B. 1. 293 quem C. queui bissus compsit B. I.
WALTHARIUS. 13
Consedit, laterlque duces liinc indeque binos
295 Assedisse jubet. reliquos locat ipse minister.
Centenos siniul accubitus iniere sodales,
Diversasque dapes libans couviva resudat;
His et sublatis aliae referuntur edendae,
Atque exquisiluni fervebat niignia per aurum.
300 Aiirea bissino tantum stant gausape vasa,
Et pigmentatos crateres Baccbus adornat,
Illicit ad baustum species dulcedoque polus.
"VYaltbarius cunclos ad vinuni liorfalur et escas.
irostquam epulis absumpta quies mensaeque remotae,
305 Heros jam dictus dominum laetanler adorsus
Inquit 'in lioc , rogilo , clarescat gratia veslra,
llt vos inprimis reliquos nunc laetificetis.'
Et sinuil in verbo nappam dedit arte peractam,
Ordiue sculpturae referenlem gesta priorum ;
310 Quam rex accipiens baustu vacuaverat uno,
Confestimque jubet reliquos imitarier omnes.
Ocius accurrunt pincernae moxque recurrunl;
Pocula plena dabaut et inania suscipiebant,
Hospilis ac regis certant hortatibus omnes.
315 Ebrietas ferveus tola dominatur in aula,
Balbulit madido facundia fusa palato.
Heroas validos plantis titubare videres.
Taliter in serani produxit baccliica noclem
INIunera Waltbarius, retrabitque redire volentes;
320 Donec vi potus pressi somnoque gravati
Passim porticibus sternuutur bumotenus omnes.
296 inire D. 297 diversaque d. 1, convivia D. libat c. resudans I.
299 iuignam D. fervet pincerna 1. 300 bissina B. 301 pigmen-
tatus A. B. D. pigmentatas C. H. crateras D. 302 illic D. 303
in escas D. 304 postque C. D. Pepulas D. ostqnam epulis depulsa
fames sublataque mensa B. 1. 305 dictis I. 306 regno C. clarescit 1.
80r tunc B. 309 piorum A. B. C. 312 occius occurruut D.
316 balbutiit A. C. 319 felilt C. redire feblt A.
14 WALTIIARIUS.
Et iicet ignicremis vellel tlare moenia flamniis,
Niilliis, qui causam potuisset scire, remansit.
Inde dilectam Yocat ad semet mulierem,
325 Praecipiens causas cilius deferre paratas.
Ipseque de stabulis victorem duxit equorum,
Hunc" ob virtutem vocitaverat ille leonem.
Stat sonipes, ac fraena ferox spumantia mandit.
Hunc postquam faleris solito circumdedit, ecce,
330 Scriuia plena gazae lateri suspendit ulrique,
Atque iteri longo modicella cibaria ponit,
Loraque virgineae mandat iluilautia dextrae.
Tpseque lorica vestitus, more gigantis,
Iniposuit capiti rubras cum casside cristas,
335 Ingentesque ocreis suras complectitur aureis;
Et laevum femur ancipiti praecinxerat ense,
Atque alio dextrum, pro ritu Pannoniarum,
Is tamen ex una tantum dat vulnera parte.
Tuuc hastam dextra rapiens, clipeumque sinislra,
340 Coeperat invisa trepidus decedere terra.
Foemina duxit equum, nonnulla talenta gerentem ;
In manibusque simul virgam tenet ipsa colurnam,
In qua piscator hamum transponit in undam,
Ut cupiens pastum piscis deglutiat uncum.
345 Namque gravatus erat vir maximus undique telis,
Suspectamque habuit cuncto sibi tempore pugnam.
Omni nocte quidem properabant currere, sed cum
Prima rubens terris ostendit lumina Phoebus ,
In siivis latitare student et opaca requirnnt,
350 Sollicitatque metus, vel per loca tuta fatigans ;
324 tandem B. D. I. 325 ocins D. 32T Qnem ob C. quemque
ob D. ob uirtutem quem B. Ob quam I, 331 iteneri A. itineri I.
uteri B. 335 ingentes ocreisque D. suras ocreis I. 336 panno-
niorum D. 337 alium dextro I. 338 dat tantum C. ipse A.C. D. I.
341 dona gerentem D. nouaulium tale I. 345 Vualtarius erat C.
WALTHARIUS. 15
In tantiimque tinior niuliebria peclora pulsal ,
Horreat ut cunctos aurae ventique susurros,
Forniidans volucres, collisos slve racemos.
Hinc odium exilii , patriaeque amor incubat inde ;
355 Vicis diffuglunt, speciosa Dovalia linquunt,
Montibus intonsis cursus ambage recurvos
Sectantes; tremulos variant per devia gressus,
Ast urbis populus, somno vinoque solutus,
Ad medium lucis siluit recubando sequentis.
360 Sed, postquam surgunt, ductorem quique requirunt,
Ut grates faciant ac festa laude falutent.
Atlila nempe manu caput amplexatus utraque
- Egreditur thalamo rex , WaUhariumque dolendo
Advocat, ut proprium quererelur forle dolorem.
365 Respondent ipsi, se iion poluisse, ministrl,
Invenisse virum 5 sed princeps sperat, eundem
Hactenus in sonino tentum recubare quielum,
Occultumcjue locum slbi delegisse sopori.
Osplrin , Hlltgundem postquam cognovlt abesse ,
370 Nec juxta niorem vesles deferre suetum,
Trislior immensis satrapae clamorlbus inquit
*0 detestandas, quas lieri sumpslmus escas!
0 vlnum, quod Pannonias deslruxerat omnes !
Quod domiuo rcgl dudum jam praescia dixi,
375 Approbat isle dles, quem nos superai'e nequimus.
Eu hodle imperii nostri cecidisse columna
Noscltur, en robur procul ivit, et inclita virtus.
~-^ Waltharius lux Pannoniae discesserat inde.
Hiltgundem quoque mi caram deduxit alumuam.'
354 exilum D. Iiic I. 355 vicos effugiunt D. vicus I, 358
sepultus C. 359 lucis pressi iacuere sopore 1. 36i queretur D.
369 spirin B. 369 respicit liiltgundem postque D. 370 suetas D.
373 Pannoniam lianc d. . . omnem I. 374 jam dudum C. 375 abstulit
isteD. 377 hinc robur 1. 376uestriA. 378 dux A. 379mlliiB.D,
16 WALTflARrUS.
380 Jam princeps niniia siiccenditur eiferus ira,
IMulant laetitiam moerentia corda prioreni.
Ex humeris trabeam disciudit ad infima tolani ;
Et nuuc liuc animum tristem, iiunc dividit illuc.
Ac velul aeolicis turbatur arena procellis,
385 Sic iutesliuis rex lluctuat undique curis;
Et varium peclus vario simul ore imitatus
Prodidit exterius qulcquid toleraverat intus.
Iraque sermonem permisit promere nullum.
Ipso quippe die potuni fastidit et escani ,
390 Nec placidam membris potuit dare cura quletem.
Namque iibi nox rebus jam dempserat atra colores,
Decidit in lectum , verum nec lumina clausit,
Nuuc latus in dextrum fultus, nunc inque sinislriim,
Et veluti jaculo peclus transfixus acuto
395 Palpital;^ atque caput huc et mox jactitat iUuc,
Et modo subrectus fulcro consederat amens.
Nec juvat hoc, demum surgens discurrit in orbe,
, Alque thorum veniens simul atligit atque reliquit.
Taliter insomnem consunipserat Atlila noctem.
400 At profugi comites, per amica silentia euntes,
Suspectam properant post terga relinquere terram.
V ix tamen erupit cras rex patribusque vocatis
Dixerat 'o si quis mibi Wahharium fugienlem
Afferat evinctum , ceu nequam f orte liciscam !
405 Hunc ego mox auro vestirem saepe recocto ,
Et ellure quideni stanlem hinc inde onerarem.
381 mittant A.D. 383 fluifat B. (fluitat rex) 38fi imitatur C.
387 externe C. 388 sermonem dare non permiserat D. 390 placitam
m. poterat C. 391 jam rebus nox C. et cum nox terris depresserat D.
394 transfixnm C. 395 iacitat A. 396 subreptus B. et mane sur-
rectns D. 397 hinc C. decnrrit D. urbe A. nrbeTn C. D. H. orbe
ist vermutung, aus B iieine var. angemeriit. 401 Exosam 1. 404
Atferret I. 406 stante Iiinc atque C.
WALTHARIUS. 17
Atqiie viam penitus clausissem vivo talenlis.'
Sed nullus fuit in tauta regione tyrannus,
Vel dux sive comes seu miles sive minister,
410 Qui, quamvis cuperet proprias ostendere vires,
Ac virtute sua laudem captare perennem,
Anibiretque siniul gazam iufarcire crumenis,
Waltharium tamen iratum praesumpserit arniis'
Insequier, slrictoque virum mucrone videre,
415 Nota equidem virtus, experti suut quoque, quantas
Incolumis dederit strages sine vulnere victor.
Nec potis est ullum rex persuadere virorum,
Qui promissa velit liac condltione talenta.
Waltharius fugiens, ut dixi, uoclibus ivit,
420 Atque die saltus arbustaque densa requirens,
Arte accersitas pariter capit arle vohicres,
Nuuc fallens visco, niuic fisso denique ligno.
Ast ubi pervenit qua fliunina curva fluebant,
Immillens hamum rapuit sub gurgite praedam,
425 Atque famis pestem pepulit toleraudo laborem.
Namque fugae tolo se lempore virginis usu
Conlinuit vir Waltharius, laudabih*s heros.
■Eicce quater denos sol circumflexerat orbes,
Ex quo pannonica fuerat digressus ab urbe;
430 Ipso quippe die, numerum qui clauserat istum ,
Venerat ad lluvium, jam vespere tum mediante,
Scilicet ad Rlienum , qua cursus tendit ad urbem
Nomine Wormaliam regali sede nitentem.
Illic pro naulo pisces dedit antea captos ,
435 Et mox transposilus graditur properauter anhelus.
407 Molter p, 227 namque uiam penitus uoui ciausisse talentis,
doch uiuo stelit A. B. ipse I. 409 vel comes I. 413 praesumpse-
rat I. 415 quantos C. 416 incolomes A. incolumis B. incolumes C.
in hellis 1. 419 ibat C. 421 arcessitas B. Ipse accersitos partim J.
422 nec — nec C. 423 quo C. 431 flumen C. 432 qui cursum C.
2
18 WALTriARrUS.
Oila dies poslquani teiiebras discusserat atras ,
rortilor exsurgens praefatam venit in urbem,
Regalique coco, reliquorum quippe niagistro,
Delulerat pisces , quos vir dedit ille vialor.
440 Hos cuui pigmentis condisset et apposulsset
Ilegi Guutliario, miratus fatur ab allo
' Istius ergo modi pisces miLi Francia nunquam
Ostendit, reor externis a flnibus illos.
Dic milii quantoclus, cujas homo delulit illos?'
445 Ipseque respoudens narrat quod uauta dedisset.
Acccrsire hominem prlnceps praecepit euudem.
Qui, cum venlsset, de re quaesitus eadem
Talia dicta dedit causamque ex ordine pandit
'Vespere praeterito residebam litore Rheni,
450 Conspexique vialorem propere venientem ,
Et veluli pugnae certum per membra paralum ;
Aere eteuim penitus fuerat, rex inclile, cinctus.
Gesserat et scutum gradiens hastamque coruscam.
Namque viro forti similis fuit et, llcet ingens
455 Asportaret onus, gressum tamen extullt acrem.
Hunc iucredibili formae decorata nitore
Assequitur, calcemque terit jam calce puella.
Ipsaque robustum rexit per lora cavallum,
Scrinia bina quidem dorso non parva ferentem,
460 Quae , dum cervicem sonipes discusserit altam ,
Atque superba cupit glomerare volumiua crurum,
Dant sonltum, ceu quis gemmis illiseril aurum.
Hic mihi praesentes dederat pro munere pisces.'
^- xlis Hagano audilis, ad meusam quippe resedlt,
438 cocco A. quoco B, 140 dum B. I. 442 istiusce modi
nunquam ni. F. pisces C. 44} quanto ocius cuias iiuc C. quan-
titius B. 447 et cuni A. I. 452 cunctus A. intulit 1. 456 forma
d. puella C. 457 calce uatore C. 458 caballum B. 460 discus-
serat C. 461 at B. furit gl. v. curru 1. 462 geminis illiserat C.
WALT[1ARIUS. 19
465 Laelior in inediuni pronipsll de peclore verbum:
' Congaudele milii, quaeso, quia talia novi,
Waltliarlus collega meus remeavit ab Huuis.'
Vociferatur, et omnis ei mox aula reclamat.
Guntharius princeps ex hac ratloue supei'bus,
470 'Congaudele mihi jubeo, quia talia vlxi.
Gazam quam Gibicho regi Irausmisit eoo,
Hanc nunc cunctipotens huc in mea regna remlslt.'
Haec alt, ct mensam pedc percullt exlliensque
Ducere eqiium jubet, et sella componere sculpta
475 Atque omni de plebe vlros secum duodenos,
Vlribus inslgnes, animis plerumque probatos
Legerat, inter quos slmul ire ITaganona fubebat
Qui memor antiquac fidei soclique priorls,
Nititur a coeptis dominum transvertere rebus.
480 Rex tamen e contra nlliilomiuus instat et infit;
'Ne tardate vlri, praeclngite corpora ferro
Forlia, squamosus lliorax jam terga recondat.
HIc tantum gazae Francls dcducat ab orls?'
Instrucll tells, nam jussio regls adurget,
485 l',xibant porlis, te Wallbarlum cupientes
Cernere, et imbellem lucris fraudare putantes.
Sed tamen omnimodls Ilagano prohlbere studebat.
At rex infellx coeptis reslplscere non vull.
Interca vlr magnaulmus de flumlne pergens
490 Venerat iu sallum jam tum Vosagum vocilatum,
Nam nemus est ingens, spatiosum, lustra ferarum
Plurlma habens, suetum canibus resonare tubisque.
Sunt in secessu binl montesque proplnqui,
466 mecum 1. 468 (G)unfilianiis et omnis B. 469 noci-
feratur B. 470 «oui B. 472 nunc nonne A. 472 nunc milii I.
473 pertulit C. 476 annis C. 477 liaganon auHebat B. Iiaganona
ire I. 479 acceptis A. 481 precingere B. I. 483 Francis gazae
deduxit C. 490 iam tunc A. vosagus C.
2 *
20 WALTHAaiUS.
Inter quos, licet anguslum, specus extal amoenuni,
495 Non tellure cava faclum sed vertice rupum.
' Apta quidem stalio lalronibus illa cruentis;
Angulus liic virides ac vescas gesserat herbas.
Huuc mox ut vidit juvenls *linc' inquit 'eamus,
His juvat in castris fessum componere corpus. '
500 Nam postquam fugiens Avarum discesserat oris,
Non aliler somni requiem guslaveral idem ,
Quam super innixus clypeo ; vix clauserat orbes.
Bellica tum demum deponens pondera , dixit
Virginis in gremium fusus 'circumspice caute,
505 Hiltgunt et, nebulam si tolli videris atram ,
Attactu blando me surgere conimonitato;
Et licet ingentem conspexeris ire catervam
Ne subito excutias somno, mi cara, caveto.
Nam procul hinc acies potis es transmittere puras.
510 Instantem cunctam circa explora regionem.'
Haec ait, atque oculos concluserat ipse nitenles,
Jamque diu satis optata fruitur requiete.
Ast ubi Guntharius vestigia in pulvere vidit ,
Cornipedem rapidum saevis calcaribus urget;
515 Exultansque animis frustra, sic fatur ad auras: •
'Accelerate viri, jam nimc capietis eundem;
Nunquam hodie effugiet, furata talenta relinquel.'
Inclitus at Hagano contra mox reddidit ista
'Uuum dico tibi, regum forlissime, tantum,
520 Si tociens tu Waltharium pugnasse videres,
Atque nova tociens , quociens ego , caede furentem ;
Nunquam tam facile spoliandum forte pulares.
495 ruptum C. E, 498 huc mox B. 501 rcquiem somnl C.
502 orbem C. E. 503 tunc A. 508 mihl kara B; vielleicht:
somno me, cara ; oder: somnum mihi, cara. 513 cundharius
uestigia puiuere B. i 516 euntem B. 519. 520 versthiebt C.
WALTHARIUS. 21
Vidi pannonicas acies , cum bella ciereut,
Contra aquilouares sive australes regiones;
525 Illic Waltharius , propria virtute coruscus ,
Hostibus iuvisus, sociis niirandus obibat,
Quisquis ei congressus erat, mox tartara vidit.
0 rex et comites experto credite, quantus
In clipeum surgat, quanla \i torqueat hastam.'
530 Sed dum Guntharius male sana niente gravatus
Nequaquam flecti posset, castris propiabant.
tit procul aspiciens Hillgunt de vertice inontis
Pulvere sublato venientes sensit, et ipsum
Waltharium placido tactu vigiiare monebat.
435 Qui caput altollens scrutatur, si quis adiret?
Eminus illa refert quandam volitare phalangem.
Ipse oculos tersos somni glaucomate purgans
Paulatim rigidos ferro vestiverat arlus,
Atque gravem rursus parmam collegit et hastam,
540 Et saliens vacuas ferro Iransverberat auras :
Et celer ad pugnam telis praelusit amaram.
Cominus ecce coruscantes mulier videt hastas,
Ac slupefacta nimis 'Hunos hic' inquit 'habemus.*
In terramque cadens eflatur talia tristis :
545 'Obsecro, mi senior, gladio mea colla secenlur,
Ut, quae non merui pacto tlialamo sociari,
Nullius ulterius patiar consortia carnis.'
Tum juvenis 'cruor innocuus me tinxerit?' iuquit
*Aut quo forle modo gladius polis est inimicos
550 Sternere, tam fidae si nunc non parcit amicae?
Absit quod rogitas, mentis depone pavorem.
523 pannonias A. C. moverent A. am rande. 524 aquilonales B.
525 coruscans C. 527 ei fehlt B. 529 qua (quo) turbiiie B. surgit.
quantam A. 531 nec quicquam C. 534 iubebat A. 545 secede
A. C. E (recide ist Molters besserung). 548 dum — aa nocuus
alle hss. 549 ct B.
22 WALTIIARIUS.
Qui nie de varils eduxit saepe periclls,
Hic valet hlc hostes, credo, confundere uoslros.'
Haec ait, atque oculos lollens effatur ad Ipsam
555 'Non assunt Avares lilc sed Francl nebulones
Cultores reglonls,' et en , galeani Ilaganonis
Asplclt, el noscens injunxlt talla rldens
*Et meus liic soclus Hagano coUega veternus.'
Jrioc heros dlcto introitum stallonls adibat,
560 Inferius stanti praedicens sic niulleri:
'Hac coram porta verbuni modo jacto superbum:
Hinc uulhis rediens uxori dicere Francus
Praesumet, se impune gazae quid lollere tantae.'
Nec dum bermonem complevit, humotenus ecce
565 Corruit et veuiam peliit, qula taUa dlxit.
Postquam surrexlt contemplans cautius omnes
'Horum quos video nullum, Hagauone remoto ,
Suspicio ; namque ille meos per proelia mores
Jam didlcit, teuet hic etlam sat callidus arlem ;
570 Quam si forte volente deo iutercepero solam ,
Tunc' ait 'ex pugna tibi, Hlllgund sponsa, reservor.'
Ast ubi Waltharium tali stalione receptum
Conspexit Hagano , salrapae mox ista superbo
Suggerit 'o seuior, deslste lacessere bello
575 Hunchominem! pergantprimum,qui cunctarequlrant,
Et geniis et patrlam nomenque locumque relictum.
Vel, si forte pelat pacem, slue sangulne praebens
Thesaurum, per responsum cognoscere homonem
Possumus; et si Wallharius remoratur ibldem ,
580 Est saplens, forsan vestro concedet honorl.'
•traeclpit ire vlrum cognomine rex Camelonem,
555 non sunt A. 557 gnoscens B. 558 est — vetustns
Molters correctur gegen alle liss. 563 aiiqind C. nostrae C. E,
am rande tantae. 578 liumonenfi C. E. 580 nostro C. 581
Camalonem B. Kamelonem C.
W A L T H A R I U S. 23
Inclita nieleusi qtiem Francia iniserat urbi
Praefectum, qui dona ferens devenerat illo
Anteriore die , quam princeps noverat ista.
585 Qui dans frena volat, rapidoque simillimus Euro
Trauscurrit spatium canipi, juvenique propiuquat,
Ac sic obslantem compellat 'dic , lioino , quisnaiu
Sis? aut unde venis, vel quonam pergere tendis?»
Heros magnanimus respondit talia dicens
590 'Sponte tua venias, an huc te miseril iillus,
Scire velim ? ' Camelo tuni reddidit ore superbo:
'Noris Guntharium regein tellure potentem
JMe misisse, tuas quaesitum pergere causas.'
rlis auscultatis suggesserat lioc adolesceus
595 'Jgnoro penllus, quid opus sit forle viantis
Scrutari causas ; sed promere non trepidamus.
Wallharius vocor, ex Aquitanis suni generatiis.
A genilore meo modicus puer, obsidis ergo,
Sum dalus ad Hunos; ibi vixi , nuncque recessi,
600 Concupiens palriam dulcemque revisere gentem.'
Missus ad liaec: *tibi jam dictus per me jubet heros,
Ut cum scriniolis equitem des atque puellam ;
Quod si promptus agis, vilam concedet et artus.'
Wallharius contra fidenler protulit ista
605 'Slullius elTalum me non audisse sophistam
Arbitror. en menioras, qviid priiiceps nescio vel quis
Promittat, quod non retinet, nec fors retinebit.
An deus est, ut jure mihi concedere vitam
Possit ? num manibus tetigit, num carcere Irusit ?
610 Vel post lerga meas torsit pcr vincula palmas?
Attamen ausculta : si me cerlamine laxat,
582 mettensi B. 584 nouerit A. E 588 iienis qiio A. B. E.
594 iiaec C. 596 dubitartius B. mit iibergescliriebneni trepidamus.
603 arcem C. 605 sopliistae Molters iinnotliige anderung, alle liss.
sopliistam.' 608 coiicedere possit B. 609 Hitam B.
24 >V ALTHARIUS.
(Asplclo, ferraliis adcst , ad proelia veuil)
Arniillas ceiitiiiii ile rubro (jiiippe nielallo
Factas transmillain , qiio nonien rcgls lioJiorem.'
615 Tali responso discesseral IUe recepto.
Principibus narrat, quld protulit atque resuinpslt.
Tuuc Ilagano ad regeni 'porreclani suscipe gazani,
Hac potls es decorare , pater, te conconiilautes;
Et modo de pugna palmam revocare memeuto.
620 Ignotus tibi ^Yallharius, et maxima vlrlus.
Ul mihi praelerlla porlendil \isio nocte,
Non, sl conserimus, nos prospera cuncta sequcntur.
Visum quippe mihi te colluclarier urso,
Qui post conlliclus lougos tlbi mordicus uuum
625 Crus cum popllle ad iisque femur decerpseral omue,
Et niox auxIHo subeuntem ac tela ferentem
]Me petlt, atque oculum cum deulibiis eruil uuum.'
Alis auimadversls clamat rex ille supei'bus :
'Ut video, geuitorem imitaris Agacleu ipse.
630 Hic quoque perpavidam gelldo sub pectore meutem
Gesserat , et multis fastidiit proelia verbis.'
X unc heros magnam juste conceperat iram,
(Si tamen iu dominum licitum est irascier ulhim.)
'Hic' ait 'iu vestris conslstant oninia telis.
635 Est in conspectu quem vultls. dlnilcet omnis.
Comiuus aslalls , uec jam tlmor impedlt ullum ;
Eventum videam , nec consors slin spoliorum.'
Dixerat, et coUem petiit mox ipse propluquum,
Descendeusque ab equo consedit et asplcit illo.
640irost haec Guutliai-ius Cameloui praecipit ajens
'Perge et ihesaurunj reddi milii praecipe totum.
Quodsi ciiuctetur, scio tu vlr forlis ct audax,
625 poblite A. 626 et C. 628 liis auleni C. 629 Iiaga-
lliien A. Iiagallliien B. agacien C. E. 631 fastidit A. B. 63i
en ait B. 639 illos C. 640 calanioni B.
W A L T H A R I U S. 25
Congretlere, et bello devictum mox spoliato.'
Ibat rnelensis Ganielo nielropolilanus,
645 Verlice fulva micat cassis, tje peclore fliorax,
Et procul acclanians 'lieus audi' dixit 'amice !
Regi Francorum tolum Iransmilte melallum,
Si vis ulterius vilam vel liabere salulem.'
V-/outicuit paulum verbo forlissimus heros,
650 Opperiens propius hostem advenfare ferocem.
Advolitans missus vocem repetiverat islam
Tvegi Francorum lotum transmille melalluml'
Tum juvenis constans responsum proUilit islud
'Quid quaeris? vel quid reddi, imporUme coarlas ;
655 Nunquid Gunthario furabar talia regi?
Aut niihi pro lucro quicc|uam donaverat ille,
Ut merito usuram me cogat solvere tantam?
Num pergens ego dampna tuli vestrae regioni,
Ut vel hinc juste videar spoliarier a le?
660 Si tantam invidiam cunctis gens exhibet ista,
Ut calcare solum nulli concedat euuti,
Ecce viam mercor, regi trausmilto ducentas
Armillas ; pacem douet modo , bella remittens.'
-H-aec postquam Gamelo percepit corde ferino
665 'An)pliflcabis' ait Mouum , dum scrinia pandis.
Gonsummare etenim sermones nunc volo cunctos;
Aut quaesita dabis, aut vitam sauguine fuudes.'
Sic ait et triplicem clipeum coUegit in uluam,
Et crispaus hastile micaus vi uititur omui,
670 Ac jacit. at juveuis devitat cautior ictum.
Hasta volaus casso tellurem vulnere mordet.
Waltharius tandem 'si sic placet' inquit 'agamus.'
650 supeibutn B. 652 felilt A. 6G5 aut quid B. 659
\i(teas C. 668 ac B. 6T 1 niordit B. 672 camus E, beij;e-
chrieben abcr a"an»us.
26 W A L T II A R I U S.
£t slinul in dictis haslani trausmisit. at ilia
Per laevuni laliis unibonis transivit, et ecce
675 Palmam, qua Canielo mucronem educere coepit,
Confixit femorl, transpungens terga cavalli.
Nec inora ; dum vulnus sensit soiiipes, furit atque
Excutiens dorsum sessorem sleruere tempfat,
Et forsan laceret, ni lancea lixa teneret.
680 Interea parmam Cameio dimisit et liastam
Complexus laeva satagit divellei-e dextra.
Quod dum perspiciens currlt celeberrimus lieros,
Et pede cornpresso capuloteuus ingerit ensem,
Quem simul educens hastam de vuhiere Iraxit.
665 Tuuc equus et doniinus liora cecidere sub una.
At dum forte nepos conspexerat lioc Camaloals,
Fillus ipsius , Rimo cognomine, fratris,
Quem referunt quidamScaramundum nomlne dlclum ;
Ingemlt et lacrlmis compellat Irislior omnes
690 'Haec me prae cunctis heu respicit aclio rerum.
Nuuc aut commoriar vel carum ulciscar amicum.'
Namque angusta locl solum concurrere soll
Cogebant, nec quisquam alil succurrere qulvlt,
Advolat infelix Scaramundus jam morilurus,
093 Bina maiiu lato crispans haslilia ferro.
Qul dtim VValtharlum nullo terrore videret
Permotum fixumque loco consistere Iii ipso,
Sic ait infrendens et equiuam, vertice caudam
Concutiens 'In quo fidis? vel quid tua spes est ?
700 rSion ego jam gazam vel rennn quidque tiiarum
Appelo , sed vitam cognati quaero perempti.'
IUe dehinc 'sl couvincar, quod proelia primus
682 cucurit A. 683 comprenso B. 686 et B. 689 coin-
pellit B. 690 hic C. 693 olii C. 699 quae B. E. 700 nec
rerum B.
WALTHARIUS. 27
Teniptarim, seu quo merul, quod talla possim
Jure pati; absque mora tua me Iransverberet hasta/
705 Necdum sermonem concluserat, en Scaramundus
Unum de binis bastile retorsit in illum,
Confeslimque aliud. quorum celeberrinius lieros
Unum devilat, quatit ex lunbone secundum.
Tiuic aciem gladii promens Scaramundus aculi,
710 Proruit in juvenem, cupiens praescindere fronlcni;
EiTrenique in equo propius devectus ad illum,
Non valuit capiti libratum infindere vulnus.
Sed capulum galeae impegit, dedit illa resullans
Tinnitus, ignemque simul transfudit ad auras.
715 Sed non cornipedem poluit girare superbuni;
Donec Wallharius siib nienlum cuspidis iclum
Fixerat, et sella moribundum sustulit alta.
Qui caput orantis proprio niucrone recidens,
Fecit cognatum pariter Iluitare cruorem.
720 Hunc ubi Guntliarius conspexit obire superbus,
Horlatur socios pugnam renovare furentes.
'Aggrediamur eum, nec respirare sinamus,
Donec deficiens lassescat, et inde revinctus
Thesauros reddet, luet et pro sanguine poenas.'
725 Terlius en Werinhardus abit belUimque lacessit.
Quamlibet ex longa generatus slirpe nepotum,
O vir clare ! tuus cognatus et artis amalor,
Pandare, qui quondam jussus confundere foedus
In medios tclum torsisti primus Achivos !
730- Hic spernens hastam pharetram gestavit et arcum.
Eminus emissis liaud aequo Marle sagittis
Wallharium turbans. contra tamen ille virilis
703 quid A. E. qiiod C. 705 compleverat B. Iiunc Sc. C.
709 iibiluni C. 713 illi A. 718 attollens B. docii Qbergesciir.
orantis. 720 obisse B. 722 ne B. 723 labescat C. 725
wurliardus A. wirmliardus B. werliardus C. 727 arcis C. E.
28 WALTHARIUS.
Conslitit, opponens cllpel scptemplicls orbeni,
Saepius eludens venientes providus ictus.
735 Nam modo dissiluit, parmam modo vergit in austrum,
Telaque discussit, nuUum tamen attigit illum.
Postquam Pandarldes se consunipsisse sagiltas
Incassum videt, iratus niox exerit ensem,
Et denium advolilans has jactilat ofe loquelas
740 '0 si ventosos lusisti callide jactus,
Forsan vibrantis dextrae jam percipis ictum.'
Illi Waltharius ridenti pectore adorsus
'Jamque diu satis exspecto certamina justo
Pondere agi. festina. In me mora non erit uUa.'
745 Dixerat, et toto connixus pectore ferrum
Conjicit. hasla volans pectus reseravit equinum ;
ToUit se arrectum quadrupes et calcibus auras
Yerberat, efTundensque equitem, cecidit super illuni.
Accurrit juvenis et ei vi diriplt cnsem.
750 Casside discussa crines complectitur albos,
Multiplicesque preces nectenti dixerat heros
'Talia non dudum jactabas dicta per auras.'
Haec ait , et truncum secta cervice rehquit.
Sed non dementem tria visa cadavera terrent
755 Guntharium , jubet ad mortem properare vicissim.
En a Saxonicis oris Ekevrid generatus
Quartus temptavit belhim , qui pro nece facta
Cujusdam primatis eo difFugerat exul,
Quem spadix gestabat equus maculis variatus.l
760 Hic ubi Waltharium promptuni videt esse duello
*Dic' ait 'an corpus vegelet tractabile temet,
Sive per aerias fallas, maledicte, figuras?
742 olli B. 745 corpore B. 752 ludum C, 756 ekiurid B.
75T qua reus C. 759 uariatum E. 760 bunc ut Waltliarius C.
tiic E.
WALTHARIUS. 29
Saltibiis assnetus faimus mihi qulppe vlderls.'
Illeque sublato dedit haec responsa cachinno
765 'Cehica liugua probat te ex illa geute creatum,
Cui natura dedit reliquas ludendo pi^aeire.
At , si te propius venientem dexlera nostra
Attiugat, post Saxonibus memorare valebis,
Te nunc in Vosago fauni fantasma videre.'
770 'Attemplabo quidem, quid sis' Ekevrid ait, ex mox
Ferratam cornum graviter jacit. illa retorto
Emicat amento, quam durus fregerat umbo.
Wahharius conlra respondit cusplde missa
*Haec tibi siluanus transponit niuncra faunus.
775 Aspice, uum mage sit telum penetrabile noslrum.'
Lancea taurino contextum tergore lignum
Diffidit, ac tunlcam scindens pulmone resedit.
Volvitur infelix Ekevrid, rivunique cruoris
Evomit, en mortem fuglens incurrit eandem.
780 Cujus equum juvenis post tergum in gramen abeglt.
Tunc a Gunthai'io cllpeum sibi postulat ipsum
Qulntus ab Inflalo Hadawartus pectore lusus.
Qui pergens hastam socils dimlsit habendam,
Audax in solum confisus inaniter ensem.
785 Et dum consplceret dejecta cadavera totain
Conclusisse viam, nec equum Iransire valere,
Desiliens parat ire pedes. stetit acer in armis
"Waltharlus, laudatque vlrum, qui praebult aequani
Pugnandi sortem. Hadawartus dixit ad illum
790 *0 versute dolis, et fraudls conscle serpens!
Occultare arlus squamoso tegmine suetus,
766 reliqiios C. E. 770 attentabo C. 772 ammento A.
773 fidenter protulit ista A. 774 transpondit A. C. 782 ha-
deuuartus A. hadawardus B. 785 qui C. 787 alle hss. dissi-
liens. 787 petit A. C. 788 aequum C. 789 hadawart tum B.
hadawartum E. 790 ac B. 791 astum A. artem C.
30 WALTIIARIUS.
Ac vcliili coluber girum colleclus In unuiii ,
Tela tol evilas, tenuis sine vulnerls iclu ?
Atque venenatas ludis sine niore saglllas?
795 Nuuiquld et iste , initas, aslu vllabilur ictus,
Quem propius stanlis certo Ilbranilne mlltit
Dextra manus? neque enim is telorum vulneris auclor,
Audi consllium , parmam deponlto plctam :
Hanc mea sors quaerlt, regis quoque sponsio palraf,
800 Nolo quidem laedas, oculls quod complucet Islls.
Sln allas, llcet et lucem nilhi dempseris almam,
Assunt hic plures socli carnisque propinqui,
Qui, quamvis volucrem simlles pennasque capessas,
Te tamen immunem nunquam patlantur abire.'
805 Belliger at contra nll lerrltus intullt Ista
' De rellquis taceo , clipeum defendere curo.
Pro merlils, mihi crede, bonis sum debitor IUi.
Hosllbus Iste mels se obponere saepe solebat,
Et pro vulnerlbus susceplt vulnera nostris.
810 Quam sit oporlunns liodie mihi cernls, et Ipse
Non cum Wallharlo loquererls, forsan abesset.'
'Vlrlbus o summls hostem depellere cures ,
Dextera ne raplat tibi propugnacula murl.'
*Tu clavum umbonls sludeas retlnere slnlstra,
815 Atque ebori digitos circumfer glutine ilxos.'
llle dehlnc 'Invitus ages, si spoute recusas.
Istic deponas pondus, quod tanta vlarum
Portastl spatia ex Avarum nam sedlbus allls.
Nec solum parmam, sed equum cum virglne et auro
820 Reddes, tum demum scelerum cruclamina pendes.'
T93 tenui A. B. C. 79T nec C. T9T teli seu A. B. C,
telorum vermute ich. T99 sponsio praestat B. 803 simules C.
808 ipse C. 813 propugnaculi B. 814 clivum C. E. sinistrum C.
816 stelit in allen liss. erst nacli 817.818. 816 agis A. B. C.
817 ne ponas B. quod tanta pondus A. 820 cruciamine C
WALTHARIUS. 31
ITaec aif , et notuin vagiiia diripit enseni.
Iiiter se variis terrarum partibus orti,
Concurrunt. stupuit Vosagus liaec fulmina, el ecce
Anibo sublimes animis ac grandibus armls,
825 Hic gladio fidens, liic acer et arduus liasta,
Inter se mulla ac valida vi proclia miscent.
Non sic nigra sonat percussa securibus ilex,
IJt dant tinnitus galeae, clipeique resultant.
Mirantur Franci, quod non lassesceret lieros
830 Wallharius, cui nulla quies spatiumve dabalur.
Emicat hic, inipund pulans, jam ^vormatiensis
Alle, et sublato consurgit fervidus ense;
Hoc iclu memorans semet finire diiellum.
Providus at juvenis ferienlem cuspide adacla
835 Intercepit, et ignarum dimitlere ferrum
Cogebat. procul in dumis resplenduit ensis.
llic, ubi se gladio spoliatiim vidit amico,
Accelerare fugam frulicesque volebat adire.
Alpliarides, fretus pedibus viridique juventa,
840 Insequitur dicens 'quonam fugis? acclpe sculiim.'
Sic ait, alque haslam manibus levat ocius ambis,
Et ferit. Ille cadit, cllpeu* superlntonat ingens.
Nec tardat juvenis; pede collum pressit, el hasla
Divellens parniam tellurl infixcrat illum.
845 Ipse oculos verlens anlmam sufflavit in auras.
Sextus erat Patavrid. soror hunc germanaHaganonfs
Protulit ad lucem. quem dum procedere vidit,
Vocibus et preclbus conatur avunculus inde
Flectere, proclamans 'quonamruis? aspice morlem,
850 'Qualiter arridet! desiste. eu ultima Parcae
Fila legunt. o care nepos, te nieus lua fallit.
823 uosegus B. et ictus B. 827 non sic nigra ilex pemissa
securibus sonat A. 833 hic C. 845 auram A.
32 WALTFIARIUS.
Desine. Wallharii tu deiiique \iribiis inipar.'
Infelix tamen ille means haec oninia sprevit.
Arsit enim juvenis, laudem caplare cupiscens;
855 Trislatusque Hagano suspiria pectore longa
Traxit, et has imo fudit de corde loquelas:
*0 vortex mundi, fames insatiatus habendi,
Gurges avaritiae, cunctorum libra malorum!
0, utinam sohan glutires, dira, metalhim
860 Divitiasque alias, homines impune remiltens.
Sed tu nunc homines perverso numine perflaus
Incendis, nullique suum jam sufficit. ecce
Non trepidant mortem pro lucro iucuri-ere turpem.
Quanto plus retinent tanto sitis ardet habendi.
865 Exteruis modo vi, modo furtive potiuntur ;
Et quod pkis renovat gemilus lacrimasque ciebit,
Coeligenas animas Erebi fornace retrudunt.
Ecce, ego dileclum nequeo revocare nepotem;
Instimulatus enim de te est, o saeva cupido.
870 En coecus mortem properat gustare nefandam,
Et vili pro laude cupit descendere ad umbras.
Heu mihi, care nepos matri quid perdite mandas?
Quis nuper ductani refovebit, care, maritam ,
Cui nec raptae spei pueri ludicra dedisti ?
875 Quis tibi nam furor est? uude haec dementia venit?'
Sic ait, et gremium lacrimis conspersit obortis,
Et 'lougum, formose, vale!' singuUibus edit.
Waltharius, licet a longe, socium fore moestum
Atteudit, clamorque simul pervenit ad aures,
880 Unde incursantem sic est alTatus equestrem
*Accipe consilium, juvenis fortissime , nostrum,
854 enim uenis A. 865 extremis C. 8fi6 clebis B. 869
est de te B. 872 quid matri B, 874 ludicrum C. 876 lacrimis
gremium A. 877 famose A. 880 unum C. 881 clarissime B.
WALTHARrUS. 3:}
Et te couservans, nielioribus ulere fatis.
Desine, nam tua te ferveus fiducia fallit;
Herouni tot cerne neces et cede dnello,
885 Ne suprema videns hostes facias mihi plures.'
'Quid de morte mea curas' ait ille 'liranne?
Est modo pugnandum libiinet, non sermociuandum.'
Dixit, et in verbo nodosam destinat haslam,
Cuspide quam propria divertens transtulit heros,
890 Quae subvecla coris ac viribus acta furentis
In caslrum vcnit atque pedes stctit aute puellae.
Ipsa metu perculsa sonum pronipsit muliebrem.
At, postquam tenuis redit in praecordia virlus,
Pauluin suspiciens speclat, num viveret heros.
895 L unc quoque vir fortis Francum decedere bello
Jussit. al ille furens gladuun nudavit, et ipsum
Incurrcns pcliit, vulnusque a vertice librat.
Alpharides parmam dcmum concusscrat aplam ,
Et spunumlis apri frendens de morc tacebat.
900 Ille ferire volens, se pronior omnis ad iclum
Exposuit ; sed Waltharius sub tegmine flexus
Deliluit, ccM^pusque suum contraxit, et ecce
Vulnere delusus juvenis recidebat ineplus.
Finis erat; nisi quod gcnibuS tellure refixis
905 Belliger accubuit, calibemque sub orbe cavebal.
Hic dum consurgit^ pariter se subrlgit ille,
Ac cilius scutum trcpidus sibi praetulit, atquc
Frustra ccrtamen renovare parabat. at illum
Alpharides fixa gladio petit ocius hasla,
910 Et mediam clipci dempsit vasto impete parlcm ,
Hamatam resecans loricam atque ilia nudans.
Labitur infelix Patavrid sua viscera cernens,
890 choris C. 893 praecordia sangnis B. 902 contesit C.
90.1 oibe acuel^at (Moitcr). 911 amatam A. armatam C. re.seran3E.
34 WALTLIARIUS.
Silvestrique ferae corpus, anin)am dedit Orco.
Hiinc sese ulliiruni spondens Gervvicus adivit;
915 Qui forti subvectus equo supravolat omneni
Stragem, quae auguslam concluserat obvia calleni.
Et dum bellipotens resecaret coUa jacentis ,
Venit et ancipitem vibravit in ora bipennem.
Istius ergo modi Francis tunc arnia fuere.
920 Vir celer objecit pellam, frustravit et ictum;
Ac retro saliens hastam rapiebat amicam,
Sanguineumque ulva viridi dimiserat ensem.
Hic vero metuenda virum tum bella videres.
Sermo quidem nuUus fuit iuter marlia tela ;
925 Sic erat adverso mens liorum inteuta duello.
Is furit, ut caesos mundet vindicta sodales ;
IUe studet vitam toto defendere nisu ,
Et, si fors dederit, palmam retinere triumphi.
Hic ferit, ille cavet, petit ille, reflectitur isle;
930 Ad studium fors et virtus miscentur in unum.
Louga tamen cuspis breviori depulit hoslem
Armalum telo, girat sed et ille cavallo,
Atque fatigatum cupiebat fallere homonem.
Jam magis atque magis irarum mole gravatus
935 Waltharius clipeum Gerwici sustulit imum ,
Trausmissoque fenuir penelraverat inguine ferrum.
Qui post terga ruens clamorem prodidit atrum,
Exitiumque doleus, pulsabat calcibus arvum.
Huuc etiam truncum caesa cervice reliquit.
940 Hic in Wormatiae campis comes extitit ante.
JL um primum Franci ceperuut forte morari,
913 corpusque E. 914 Gerwilus C. 915 et fortis C.
917 recidisset B. 919 istiusque C. 922 saiiguineum ulva C.
923 Sic uero A. 924 inertia tela C. E. 929 petit iste — iile B.
935 Keruuiti B. Gerwiti C. uiium C. 936 transmissum C.
938 exiuitque B. 940 idem wormatiae B.
W A L T H A R I U S. 35
Et magnis precibus domiuum decedere piigiia
Deposcunt. fui-it ille miser, coecusque profalur
'Quaeso, viri forles et pectora saepe probafa ,
945 Ne fors haec cuicunque melum, sed couferat irani.
Quid niilii, si Vosago sic sic inglorius ibo?
Mentem quisque meam sibi vindicet. eu ego partus
Anle mori sum, Wormaliani quarn talibus actis
Ingrediar. petat hic palriam sine sanguine viclor ?
950 Hactenus arsistis liominem spoliare metallis;
jNunc ardete, viri, fusum mundare cruorem,
Ut mors abstergat mortem, sanguis quoque sanguen»,
Solelurque necem sociorum plaga necantis. '
Jrlis aiium dictis demens incendit, et omnes
955 Fecerat immemores vilae simul atque salulis.
Ac vehit in hidis alium praecurrere quisque
Ad morlem studuil; sed semita, ut antea dixi ,
Cogebat binos bello decernere solos.
Vir tamen ilhislris dum cunclari videt ilios ,
960 Vertice distraclas suspendit in arbore cristas,
Et ventum captans sudorem.tersit anhehts.
Jlicce, repenlino Randolf athleta cavallo ,
Praeverlens reUquos hunc imporlunus adivit,
Et mox ferrato peliit sub pectore conto.
965 Et nisi duralis wielandia fabrica glris
Obstaret, spisso penetraverit iha hgno.
J-lle tamen, subilo stupefactus corda pavore,
Munimen chpei objecit menlemque recepit;
Nec tamen et galeam fuerat sunipsisse facuhas.
970 Francus at emissa gladium nudaverat iiasla
Et feriens biiios Aquitani verlice crines
i)44 felilt C. E. 945 fors vel C. 947 meritem quippe C.
en ego partus A. B. C. E. 956 ac iitl C. 958 decedere A. C.
952 rantolf I. 963 liuc C. 964 ac riiox I. 965 uuelandia
A. C. 967 corde I.
3 *
36 W A L T II A R I U S.
Abrasit, sed forle culem praeslringere sumniam
Non licuit, rursumque aliuni vibraverat iclum,
Et praeceps animi directo obstamine scuti
975 Impegit calibem, nec quivit viribus ullis
Elicere. Alpharides relro se, fulmlnis inslar,
Excutiens, Francum valida vi fudit ad arvum,
Et super assislens peclus conculcal, et inquit
'En pro calvitio capitis te vertice fraudo,
980 Ne fiat ista tuae de me jactantia sponsae.'
Vix haec efTalus truncavit colla precantis.
At nonus pugnae Helmnod successit, et ipse
InserUim tiiplici geslabat fune tridenteni ,
Quem post terga quidem socii stantes lenuerunf;
985 Cousiliumcpie fuit, cuspis dum missa sederet
In clipeo , cuncti pariter traxisse studerent,
Ut vel sic hominem dejecisseut furibundum,
Atque sub hac certum sibi spe posuere triumphum.
Nec mora; dux totas fundens in brachia vires,
990 Misit in adversum magna cum voce Iridenlem
Edicens 'ferro tibi finis, calve, sub isto!'
Qui ventos penetrans jaculorum niore coruscat;
Ut genus aspidis cx alla sese arbore tanlo
Turbine demittit, quo cuncta obstanlia vincat.
995 Quid moror? umbonem scindit, j)eltaque resedit.
Clamorem Franci tolhint, saltusque resullant,
Obnixique trahunt restim simul alque vicissim ,
Nec dubitat princeps tali se aplare labori.
Manarunt cunctis sudoris Ihiniina membris.
972 prestingere A. 973 rursiiiiique aliumque A. 975 ullum C.
977 iii aruum 1. 980 fuat B. 981 effatus liaec B. 982 Et
nouus A. heimnod A. lielnal I. 983 infestum I. 981 stantes
socii C. 985 dum cuspes C. 989 tota 1. 991 finis ferro
tibi C. 992 coruscans A. 993 quod genus A. B. C. 995
sciserat B. sciderat I. 996 resultat A. C. 996 fehlt 1. 998 labore 1.
WALTFIARIUS. 37
1000 Sed larnen liic inlra veliit aescilus astilit lieros,
Quae non plus pelit aslra comis quani tartara fibris,
CoDtempuens omnes veutorum imniola fragores.
Certabant hostes horlabanturque virilini ,
Ut si non quirent ipsum tlelrudere ad arvum,
1005 Munimeu clipei sallem extorquere studerent,
Quo dcmpto vivus facile capcretur ab ipsis.
Nomina quae restant edicam; jamque trahenlum
Nonus Eleulher cral, Hehnnod coguomine dictus.
Argentina quidem decimum daut oppida Trogum,
1010 Extulit uudecimum pollens urbs Spira Tanastum,
Absque Haganoue, locum supplevit rex duodenum.
Quatuor hi adversum summis conatibus unuui
Conteuduut pariler multo varioque tumultu.
Interea Alpharidi vanus labor iuculit iram.
1015 Qui quia jam pridem uudavit casside frontem,
lu framea tuuicaque simui confisus aena,
Omisit parmam , priuiumque iuvasit Eleutlirim.
Huic galeam findens cerebrum diirudit, et ipsam
Cervicem resecaus peclus patefecit ; at aegruni
1020 Cor pulsans auimam liquerat mox alque calorem.
Inde petit Trogum haerentem iu fune uefando.
Qui subilo atlonitus recidentis morte sodalis,
Horribilique hostis couspectu coeperat acrem
Necquicquam temptare fugam , vohiitque relicta
1025 Arma recoliigere, ut rursum repararet agouem.
Nam cuucti fuuem tracturi deposueruut
Haslas cum clipeis. sed quanto maxinuis heros
1000 lios inter I. 1001 qui C. 100-1 nequirent C. 1008
eleuter A. C. eleuthir B. Iieiinnod A. Iielnod I. 1009 trogunt
A. C. 1011 rex suppleuit B. L lOli intulit C. 1015 et qui
iam A. I. 1015 naidarat B. nudarat A. lOlT obmisit C. eleutrum
A. eleutrhin B. eleutrin I. eleutrim C. E. 1021 trogunt A. C.
trocdunt E. 1022 subita C. 1025 hagouem }i.
38 WALTHARIUS.
Fortior extiterat, tanto fiiit ocior olli ,
Et cursii capto suras niucrone recidit ,
1030 Ac sic tardatum praevenit et abslulit ejus
Sculum. sed Trogus, quamvis de vulnere lassus,
» Meute tainen fervens, saxum circumspicit ingens,
Quod'rapiens, subito obnixum conlorsil in hoslem,
Et proprium a summo clipeum fidit usque deorsum.
1035 Sed retinel fraclum pellis superaddita Hgnum.
INIoxque genu posito viridem vacuaverat aedem,
Atque ardens animis vibratu terruit auras.
Et si non quivit virlutem ostendere factis,
Corde tameu liabitum patefecit et ore virilem.
1040 Nec manes ridere videns audaciter infit
'0 niilii si clipeus, vel si modo adesset aniicus !
Fors tibi victoriam de me, non inclita virtus
Contulit, ad scutum mucronem toUito nostrum!'
i. um quoque subridens 'venio jam' dixerat heros,
1045 Et cursu advolitans dexlram ferientis ademit.
Sed cum athleta ictum libraret ab aure secundum,
Pergentique animae valvas aperire studeret;
Ecce Tanastus adest, telis cum rege resumptis,
Et socium objecta protexit vulnere pelta.
1050 Hiuc indignatus iram convertit ad ipsum
Waltharius, humerumque ejus de cardine velh't,
Perque latus ducto suffudit viscera ferro.
Salve ! procumbens submurmurat ore Tanastus.
Quo recidente preces contempsit promere Trogus,
1055 Conviciisque sui victorem incendit amaris.
1028 ol!is I. 1031 lesiis A. laesiis C. 103.5 scissum A.
1036 ensem A. 1037 vibratas C. vibravit terniit I. 1038 qiiasi C^
1039 tantum C. 1040 maneiis I. 1043 mncronem liic B. I.
1046 sedentem C. 1048 tbanastus A. 1048 telum C. 1050
in B. 1. 1052 postque C. 1053 aue B. C. E. 1. tlianastus A.
1055 convictusque sui I. 1055 suis C.
WALTHARIUS. 39
Seii virtule aninil , seu desperaverat. Exin
Alpharides ^morere' iuquit 'et baec siib tartara transfer,
Enarrans sociis, quod tu sis ullus eosdem.'
His dictis torquem collo circumdedit aureum.
1060 Ecce simul caesi volvuntur pulvere amici,
Crebris foedatum ferientes calcibus arvum.
His rex iiifelix visis suspirat, et omni
Aufugiens sludio falerali terga cavalli
Scandit, et ad moeslum citius Haganona volavit,
1065 Omnimodisque illuni precibus flexisse sategit,
Ut secum pergens pugnam repararet. At ille
'Me genus infandum prohibet bellare parentum,
Et gelidus sanguis mentem mihi dempsit in armis.
Tabescebat enim genilor dum tela videret,
1070 Et timidus multis rcnuebat proelia verbis.
Haec dum jactasses, rex, intcr te comitantes,
Extilit indignum nostri tibi quippe juvamen.'
Alle recusauti precibus nihilominus instaus
Talibus aversum satagit revocare loquelis
1075 'Deprecor per superos, conceplum pone furorem.
Iram de nostra conlractam decute culpa,
Quam vita comitante, domum si venero tecum,
Impensis tibimet beuefactis diluo multis.
Nouue pudet sociis tot cognatisque peremptis
1080 Dissimulare virum? magis, ut niihi quippe videtur,
Verba valent animum quam facla nefanda movere.
Juslius in saevum tumuisses niente tyrannum,
Qui sohis hodie caput infaniaverat orbis.
Nou modicum patimur dampuum de caede virorum,
1056 despiraverat I. 1062 iiissis C. 1063 Effugieiis I.
1065 omnimodis illiim I. 1068 ademit B. in aruis I. 1070 tu-
midus I. 1071 inter se 1. 1072 nomen tibi quippe vivamus C.
1075 Te rogo C. Deprecor ob superos I. 1073 deluo B.
40 WALTIIARIUS.
1085 Dedecus al tanlum superaljlt Francia nuuquam.
Anlea queis fuimus suspecli, sibila dantes,
"Francorum" dicent "exercitus omnis ab uuo
Proli pudor! ignotum vel quo, est impune necatus!"
C-unctabatur adhuc Haganon, et pectore sponsani
1090 Waltliario plerumque fidem volvebat, et ipsum
Evenlum gestae recolebat in ordine causae.
Supplicius tameu infelix rex inslilit illi,
Cujus subnixe rogitautis aciimiue niolus
Erubuit domini vullum, replicabat honorem
1095 Virlutis propriae, qiii fors vilesceret indc,
Si quocunque niodo in rebus sibi parceret islis.
Erupit tandem, et clara sic voce respoudit
'Quo me, douuie, vocas? quo te sequar, inclite priuceps?
Quae uec[ueunt fieri spoudet fiducia cordi.
1100 Quis tam desipiens quandoque fuisse probatur,
Qui sallu baratruni sponte attemptarit apertum?
Nam scio Wallharium per campos sic fore acerbum,
Ut tali castro uec uou slatioue locatus,
Ingentem cuneum velut uuum tempuat homuUum.
1105 Et licet huc cuuctos equites simul atque pedestres
Fraucia misisset, sic his, ceu fecerat istis.
Sed cpiia couspicio te plus doluisse pudore,
Quam caedis damno, uec sic discedere velle;
Compalior, propriusque dolor succumbit honori
1110 Regis, et ecce viam couor reperire salutis,
1085 at tamen A. at terra C. tantum Iiat ancli F. 1086
snbiecti C. (|ui fuerant subiecti 1. 1088 qni est C. vel qnod
impnne negatnr I. 1089 adlioc I. 1091 Evento F. 1092 sup-
pliciter 1. 1094 repiiravit C lionore A. C. 1097 eripuit C. E.
erubuit 1. 1098 domine A. C. 1099 coniis C. 1100 qnicnn-
(jiie C. 1101 attcniptaret A. attemptnrit B. E. acce|)tavit C.
Altum ()uis baratrnm sponte attiMiiptarit apertnm 1, 1104 teniptat 1.
1106 sic liic 1. IIOT quod A. 1109 compatiar C.
WALTHARIUS. 41
Quae lanien auf nunquam ostendet se sive coacle.
INam propter caruni, fateor tibi, donine, nepotem
Promissam fidei norniam corrumpere nollem.
Ecce in nou dubium pro te, rex, ibo periclum,
lil5 Ast liinc me penitus confliclu cedere noris.
Secedamus, eique locum praestemus eundi;
Et positi in speculis toudamus prala cavaliis ,
Donec jam castrum securus deserat arlum,
Nos abiisse ratus; campos ubi calcet aperlos ,
1120 Insurgamus, et attonitum post terga sequanuu-:
Sic aliquid virtutis opus temptare valemus.
Haec mihi iu ambiguis spes est cerlissima rebus.
Tuni bellare potes , belli, rex, si tibi mens est,
Quippe fugam nobis nuncjuam dabil ille duobus;
1125 At nos aut fugere, aut acrum Jjellare necesse est.'
Laudat coiisilium satrapa et conipleclilur illum,
Oscilioque \irum demulcet. Et ecce recedunt,
Insidiisque locum circumspexere sat aptum,
Dimissique ligant animalia gramine laelo.
1130 -l-nterea occiduas vergebat Plioebus in oras
Ullima per notam signans vestigia Thilen,
Et cum Scoligenis post terga reliquit Hiberos.
Hic poslquam oceanas scnsim calefecei'at uudas,
Hespera el ausoniis obvorlit cornua terris ,
1135 Tum secum sapiens coepit tractare satelles ,
Utrum subtuto per vasta silentia castro *
Sisteret, an vaslis lieremi commilleret arvis.
Aestuat inimensis curarum iluclibus, et quid
1111 quain C. niisquam B. ostendere I. 1112 propritini C.
1115 hic A. 1. conflicUini C. I. credere I. 1119 ui canipos A.
campos vi C. 1123 pugnare B. tibi si rex B. 112.5 acrum A.
B. E. atruin C. 1129 demissisque I. 1131 tylen B. 1132
quae cum C. 1133 lii A. 1134 hesperos ausonidis B. Ausonidis
ob. . . . coriiua 1. 1136 deusa B. 1. 1137 conimittere B.
42 WALTHARIUS.
Jani faceret sollers arguta indaghie quaerit.
1140 Solus enini Hagano fuerat suspectus, et illuJ
Oscilluni regis subter coniplexibus actuni.
Anibigerat prorsus, quae sil sententia nienti
Hostis, et an urbem vellent renieare relictam,
Pluribus ut sociis per noctem forte coactis
1145 Prinio niane parent bellum renovare uefandum?
An soli insidias facerent propiusque lalerent.
Terret ad liaec triviis ignoti silva meatus,
Ne loca fortassis iucurreret aspera spinis,
Immo quippe feris sponsamque amitteret illis.
1150 rlis ita provisis exploratisque profatur
'En quociuique modo res pergant liic recubabo,
Donec circuiens lumeu spliera reddat amatum.
Ne patriae fines dicat rex ille superbus
Evasisse fuga, furis de niore, per umbras.'
1155 Dixit, et ecce viam vallo praemuniit artam ,
Undique praecisis spinis simul et paliuris ;
Quo facto ad truncos sese convcrtit, amaro
Cum gemitu, et cuicumque suum caput applicat, atque
Contra orientalem prosiralus corpore pai'tem,
1160 Ac uudum retinens ensem liac cum voce precatur
'Rerum factori, sed et omnia facta regenti,
Nil sine permissu cujus vel denique jussu
Conslat, ago gfates, qui me defendit iniquis
Hostilis turmae telis, nec nou quoque probris.
1140 suspensus I. aspera silvis I. 1142 ambierat B. I,
1145 recreare B. 1147 terrent adliuc C, 1148 Ne A. Nec B.
Haec C. Ac I. 1149 felilt iliis I. 1152 spera reddat A. B.
Spera reddit I. spacia redit C. 1153 ipse I. 1156 palinuris I.
1157 amaros C. E. 1158 et circumque A. et quicunque B. cir-
cumque C. et cuicunque I. 1160 Ac ensem nuduin retinens hac
uoce A. hac sic voce I. 1161 Verum factoris et o. f. regentis I.
1162iussoB. 1163quodmeC. 1 164 nec non quoque rite probati» 1.
WALTHARIUS. 43
1165 Deprecor at domiuum contrila mente benignuni,
Ut, c{ui peccantes uon vult, sed perdere culpas,
Hos in coelesti praestet mihi sede videri.'
i^ui postquam orandi lincm dedlt , ilico surgens
Sex giravit ecjuos et virgis rite retortis
1170 Vinciit. lii tantum remanebant, nempe duobus
Per tela absumptis, trinos rex Guuthere abegit.
Jrlis ila compositis procinctum solvit, et alte
Ingenli fumans leviabat pondere corpus.
Tum moestam laeto solaus affamine spousam ,
1175 INIoxque cibum capiens aegros recreaverat artus
(Oppido enini lassus fuerat) clipeoque recumbens,
Primi custodem somni jubet esse puellam,
Ipse matutiuam disponeus tollere curam ,
Quae fuerat suspecta magis ; tandemque tjuievit.
1180 Ad cujus caput illa sedeiis solilo vigilavit,
Et dormitantes cautu patefecit ocellos.
Ast ubi vir primum jam expergiscendo soporem
Ruperat , absque mora surgens dormire puellam
Jussit, et arrecla se fulciit inipiger hasta.
1185 Sic reliquum noctis duxit, modo quippe cavallos
Circuit, inlerdum auscultans vallo propiavit,
Exoptans orbi species ac lumiua reddi.
JLiucifer iuterea praeco scandebat Olimpo,
Lucens Taprobane clarum videt insula solem.
1190 Hora fuit, gelidus qua terram irrorat Eous.
Aggredilur juvenis caesos spoliaricr armis
Armorumquc habitu, tuuicas et cetera linquens,
Armillas tanlum cum bullis, ballea et euses,
1165 ad A. C. E. 116T praebet C. 1169 Exgyravit I.
llTt lernos B. 1. guntlier A. IITS levabat I. 11T6 nam I.
1183 orbis sp. ac culmina 1. 1186 oscultans B, 1189 Dicens B.
1189 tliaprobane A. C. zaprobane I. 1190 irrora B. inrorat 1
1191 spojiarier omncs ]. 1192 armorum liabitu I.
44 WALTEIARTUS.
Loricas quoque cuiu galeis delraxerat ollis.
1195 QuaUior liis oneravit equos, sponsamque vocalam
Imposuit quinto, sextum conscenderat ipse,
Et primus vallo perrexerat ipse revulso.
At, dum conshicli penelratur semila callis,
Gircuniqnaque oculis explorans oninia puris,
1200 Auribus arrectis ventos captavit et auras,
Si vel niussantes sentiret vel gradientes,
Sive superborum crepilantia frena virorum ,
Seu sallem ferrala sonum daret ungula equorum.
ir^ostqiiam cuncla silere videt, praevertit onustos
1205 Quadrupedes, mulierem etiam praecedere jussit.
Scrinia geslantem comprendens ipse cavallum,
Audet inire viam consueto cinctus amiclu.
INIille fere passus transcendit, et ecce puella,
Sexus enim fragilis aninio trepidare cO(?git,
1210 Piespiciens post terga videt desceudere binos
Quodam colle viros raptim et sine niore meantes ;
Exsanguisque virum compellat voce seqaentem
'Dilatus jam finis adest. fuge, domne, propinquant!'
Qui mox conversus visos cognovit et inquit
1215 'Incassum multos niea dextera fuderat hostes,
Si modo supremis laus desit, dedecus assit.
Lst satius, pulchram per vuluera quaerere mortem,
Quam solum amissis palando evadere rebus.
Verujn uou adeo sunt dcsperanda salulis
1220 Commoda cernenti cjuondam majora pericla.
Aurum gestantis tute accipe loi-a leonis.
119i quas cum C. 1201 niussantes pariter D. . 120i oiiustas
A. E. 1206 conipreliendens C. 1207 amicto C. 1209 sexus
liaec C. 1210 terga viros D. 1211 colie videt D. 1212 se-
<iuente A. C. 1216 si nunc in fine D. adsit I. 1218 baiando D.
1219 verum enim adero sibi desp. D. 1220 pericli E. 1221
accipit 1.
WALTHARIUS. 45
Et cilius pergens liico succede propinquo.
Ast ego in asceusu niontis subsistere malo
Eventum opperiens, atlventanlesque salutans. '
1225 Obsequitur diclis virguucula clara jubenlis.
Ule cclcr scutum collegit cl excutit liastam,
Ignoti mores equilis templando sub arr.us.
Hunc rex incursans, comilanle satellite, dcn\ens
Emiuus aflatu compellat valde superbo
1230 'Hostis atrox, nisu deluderis! ecce latebrae
Protinus absistunt, ex queis, de niore liciscae
Dentibus infrendens rabidis, lalrare solcbas.
En in propatulo, si vis, conlligilo campo,
Experiens , finis si fors queat aequiparari
1235 Principio. scio, forlunam mercede vocasli,
Idcircoque fiigani tempnis seu dedilionem.'
Alpliarides contra i-egi non reddidit ulla,
Sed , velut hinc siu'dus, alio convertitur ajens :
'Ad te scrnio mihi, Hagano, subsisle parumper.
1240 Quid, rogo , tam fidum subito mutavit aniicum ?
Ut discessurus nuper vix posse revelli
Qui nostvis visus fueial complexibus ultro,
NuIIis nempc malis laesus nos appelat armis.
Sperabam , fateor, de te, sed deuique fallor.
1245 Quod si de exilio redeuntem nossc valcres ,
Ipse salutatum mihimet mox obvius ires,
Et licet invilum hospitii requiele foveres ,
Pacificeque in regna patris deducere vellcs.
1222 secede C. 1223 accessu 1. 1225 felilt A. 1228
Tunc D. 1230 deludens C. 1231 Vndique defensus fragilis de
more liclscae I. 1231 et qui de more D. 1232 Seutibus I.
solebat I. 1232 rahidi D. 1233 mecum confligito D. 1233
Ex in I. 1234 equiperari A. D, 1236 diminutione B. 1238 alias D.
1241 reuerti A. et discessurus D. 1242 nisus C. usus D. E. 1243
appetit C. 1247 requie refoveres D. 1248 pacificumque D.
46 WALTHARIUS.
SollicUiisque fui quorsurn lua niunera ferreni ;
1250 Namque per iguotas dixi pergens regiones :
''Francorum vereor, Haganone superstile, nullum."
Obsecro per ludos, resipiscilo jam , pueriles,
Unanimes quibus assueli fuinuisque periti,
Et quorum cultu prinios altrivimus annos.
1255 luclita quonam niigravit concortlia nobis?
Semperin liosle domique manens, nec scandala noscens,
Quippe tui facies palris obliviscier egit,
Tecum degenti mihi patria viluit ampla.
Nuncpiid meute fidem abradis saepissime pactam ?
1260 Deprecor hoc abscide nefas, neu bella lacessas ,
Sitque inconvulsum nobis per tempora foedus.
Quod si consenlis, jam nunc ditatus abibis
Eulogiis, rulilo mnbonem complebo nietallo.'
Contra quod Hagano vultu haec airamiua torvo
1265 Edidit, atque iram sic iusinuavit apertam
'Vim prius exerces, Walthari, postque sophari?.
Tute fidem abscideras. cum memet adesse videres,
Et tot stravisses socios, immocjue propiuquos,
Excusare necjuis, quin nie tunc alFore nosses.
1270 Cujus si facies laluit, tameu arma videbas
Nota satis, habituque virum rescire valebas.
Cetera fors tulerim , si vel dolor unus abessel :
Unice enimcarum, rutiUim, blandum, pretiosum
Carpsisti florem mucronis falce tenellum.
1275 Haec res est, pactum cpia irritasli prior almum,
Idcircocjue gazam capio pro foedei-e nullam.
Sitne libi soli virtus, volo discere, in armis.
1254 attriiierat B. 1260 Iiic C. 1260 iacesses D. 1262
ditatis D. 1264 contra quem D. 1266 ne nos iiiciises milii vim
qul tu prior infers D. 1271 iialeres A. C. 1273 unice mi
caruro A. unicum enim carum rutilum plandum preciosum D. 1275
alumuum A.
WALTHARIUS. 47
Deque tiiis manibus caedem perquiro nepotis.
Eu aut oppeto , sive aliquid memorabile faxo.'
1280 Dixil; et a tergo saltu se jecit eqiiino,
Hoc et Guntharius, nec segnior egerat lieros
Wallharius , cuncti pedites bellare parali.
Slabat quisque, ac venluro se providus ictu
Praestruxit, trepidant sub pellis martia menibra
1285 Hora secunda fuit qua tres hi congrediuntur ;
Adversus solum conspirant arma duoruni.
Primus maligeram collectis viribus haslani
Direxit Hagano, dirupta pace. sed illani
Turbine terribilem , tanto et sliidore volaulem
1290 Alpharides semet ceruens tolerare nequire,
Sollers obliqui dehisit tegmine scuti.
Nam venieus clipeo sic est ceu marmore laevi
Excussa, et collem vehementer sauciat, usque
Ad clavos inlixa solo. Tunc pectore magno,
1295 Sed modica vi, fraxineum haslile superbus
Jccit Guntharius, volilans quod adhaesit iu ima
Wallharii parma, quam mox dum conculit ipse,
Excidit ignavum h'gni de vuluere ferrum.
Omine quo moestl. confuso pectore Franci
1300 Mox stringunt acies, dolor est conversus ad iram,
Et tecti clipeis Aquitanum invadere certant.
Streunuus ille tamen vi cuspidis expulit illos,
Atque incursantes vullu terrebat et armis.
Hic rex Guntharius coeptum meditatur ineptum,
1305 Scilicet ut jactam subito terraeque relapsam.
1281 enauit A. B. 1281 liic C, 1284 perstrinxit sub penis
(am rande: sub pectore) D. 1286 aduersum A. C. 1287 ma-
lignam D. maligenam A. C. 1288 disrupta B. 1291 secuti B.
solers obiique D. 1295 fraxineiimque A. E. 129T quia mox D.
1300 iras C. 1301 ac tecti D. 1302 strenuus B. 1304 quan-
quam C.
48 WALTFIARIUS.
(Anle pedes herois enim divulsa jacebat)
Accedeus tacite furlim sustolleret hastam.
Quandoquidem brevibus gladiorum denique telis
Armati nequeunt accedere cominus illi,
1310 Qui tanj porrectum torquebat cuspidis ictum.
Innuit ergo oculis , vassum praecedere suadcns,
Cujus defensu causam supplere valeret.
JNec mora; progreditur Ifaganon acprovocat liostem.
Rex quoque gemmatum vaginae condidit enseni
1315 Expediens dexlram furlo actutum faciendo,
Sed quid plura ? manun) pronam trausmisit in liastain,
Et jam comprensam sensim subtraxei-at ipsam ,
Forlunae majora petens. sed maximus lieros,
Utpote qui bello sempcr sat providus esset,
1320 Praeter et unius punctum cautissimus horae,
Hunc inclinari cernens persenserat actum,
Nec tulit obstantem sed mox Hagauoua revellens.
Denique sublato qui divertebat ab ictu ,
Insilit, et planla direptum hastile retentat,
1325 Ac regem furto caplum sic increpitavit,
IJt jam perculso sub cuspide genua labarent;
Quem quoque contiuuo esurienti porgeret Oixo,
Ni Hagano armipotens citius succurreret, alque
Objecto dominum scuto muniret, et hosti
1330 Nudam aciem saevi mucronis iu ora tulisset.
Sic dum Waltharius vulnus cavet , ille resurgit ,
Atque tremens trepidusque stetit, vix morte reversus.
Wecmora, necrequies, bellum instauratur amarum,
13tO jam D. 1311 falsiim D. 1314 vagina D. 1315 ex-
tendens D. tiitiim A. tiitam C. furtum tutum D. 1316 pronus D.
1320 praeterit C. unius liorae pnnctum cautissimus B. Fretus et
hujus per pnnctum cautissimus lieros D. 1321 iiidigoari D. pre-
senscrat A. 1322 Hagano B. 1323 ab iectn B. 1328 porigeret D.
1329 bellumque restaurat amarum D. 1332 stupidnsqiie B.
WALTriARIUS. 49
Incurnml Iioniiiiem luinc aiiibo, niiucqiie vicissini ;
L335 Va (lum progresso se impenderet acrius uni,
En de parte alia subit alter et inipedit ictuin.
liaud aliler, numidus quam duni venabilur ursus,
Et cauibus circumdaUis aslat et arlubus liorrel,
Et caput occuhaus submurmiirat, ac propiautes
1340 Amplexans unibros miserum luulire coarlal;
Tum rabidi circum lalraiit liiiic iiide molossi
Cominus, ac dirae nieluunt accedere behiae.
Taliler in nonani conllictus fluxerat undam,
Et triplex inerat cunctis maceralio leli ,
1345 Terror et ipse labor bellandi, solis et aidor.
Jnterea herois coepit subrepere mcnti
Quiddam, qui tacilo preniit lias sub corde ioquelas
'Si forluna viani non comniulaverit, isti
Vana faligalum nieniet per ludicra fallent.*
1350 Ilico et dala Haganoni voce profatur:
'0 paliure, vires foliis, ut pungere possis,
Tu saltando jocaus artu me ludere temptas:
Sed jam faxo, locum propius ne accedere tardes;
Ecce tuas scio praegrandes in corpore vires ,
1355 INIe piget incassum tanlos suiferre labores.'
Dixit et exsilieus coulum conlorsit in illum ,
Qui pergens onerat clipcum dirimilque aliquautum
Loricae, ac niagno niodicum de corpore striugit;
Deniqiie praeclpuis praecinctus fulserat armis.
1360 A-t vir Wallharius, niissa ciim cuspide currens,
Evagiiiato regem importuuior ense
1335 proj^ressu D. 1337 diiiniHns quia D. 1341 rapidi A. D.
1312 coniniiiius B. D. 1343 liorani A. D. 1344 cunctis inerat B.
1346 surepere B. 1348 istis D. 1349 fugitatum D. 1351
uirens A. vel pungere D. 1354 tuns cito pergrandes D. ostendito
uires B. D. 1356 ipsum B. 135T pungens D. 1359 pro-
cinctus A.
50 WALTElAaiUS.
Impetil, el sculo dexlra de parle reviilso
Ictiiin praevaliduin ac iniranduni fecit, eique
— Crus cum poblile ad usque femur decerpserat oinne.
1365 Ille super parniam anle pedes mox coiicidit Imiiis.
Palluit exsanguis domino recidenle salelles.
Alpharides spalam tollens iterato cruentam
Ardebat lapso poslremum infligere vulnus.
Immemor at proprii Hagano vir forle doloris
1370 Elatum caput iuclinans objecit ad iclum.
Exteusam cohibere manuin non qulverat lieros;
Sed cassis fabrefacta diu meliusque peracta
Excipit assuluim, mox et scinlillat iu altum,
Cujus durilia slupefactus dissilit eusis
1375 Proli dolor I et crepitans partini micat aere et herbis.
JDelliger ul fraineae murcalae fragmina vidit,
Indigne tulit, ac nimia furit elTerus ira ,
Impatiensque sui, capulum sine pondere ferri,
Oiiamlibet eximio praestaret et arle nietallo
13.S0 Prolinus abjecit, monimentaque tristia sprevit :
Qui dum forle maniim jain enormiter exeruissel,
Abstulit hanc Hagano sat laetus vulnere proinpto.
In niedio jactus recidebat dextera fortis,
Genlibus ac populis nuillis suspecla tyrannis,
1385 liinuinerabilibus quae fulserat ante trophaeis.
Sed vir praecipuus, nec laevus cedere gnarus,
,.-■ Sana niente polens carnis superare dolores
1362 remilsit D. depulso B. 136:i perualidum A. admiraiidum D.
1364 polliteD. 1365 pedes cadit et miser luijus D. 1368 postremo
infigere D. 1369 ac liagano proprii fit forte doloris D. 1370
iratiiin A. eratum D. 1371 nequiuerat A, 1372 cassissis B.
nielioque D. 1374 excintillat 0. 1373 Pro B. D. acer in lierbis D.
1376 mucrate D. 1379 qualibet ex nimio prestaret arte D. 1381
manum miser exeruisset inermem D. 1382 sat telus vulnere
proniliij D. 1383 In niedio(|iie ictu D. 1386 leuis .\. laeuis I"-.
WALTHARIUS. 51
Noi) desperavit, ueque vultus coucidit ejus,
Verum vuluigerani clipeo inserlaverat ulnani
1390 Incolumique manu niox eripuit semispatam,
Qua dextrum cinxisse latus memoravimus illum ,
llico viudiclam capiens ex hosle severam.
Nam feriens dexlrum Haganoni effodit ocellum,
Ac tempus resecans parilerque labella i'evelleu8
1395 Olli bis trinos discussit ab ore molares.
A ali negotio dirinuuitur proelia facto.
Quemque suum vulnus atque aeger anhelitus arma
Ponere persuasit. quisnam hinc immunls abiret?
Qua duo magnauimi heroes tam viribus aequi
1400 Quam fervore animi steleranl iii fulmine belli.
A ostquam linis adest, insignia cjuemque nolabant;
lllic Guntharii pes regis, palnia jacebat
AVallharii , uec non trejnulus Haganonis ocelliis.
Sic sic armillas parliti sunt avarenses !
1405 L^onsedere duo, nam tertius ille jacebat,
Sanguinis undanlem lergentes florlbus amnem. V
Haec inter timidam revocal clamore puellam
Alpharides, veniens quae saucia quaeque ligavit.
ilis ita compositis sponsus praecepit eidem :
1410 Mani misceto merum, Haganoni el porrige primum,
\:sl athlcla bonus . fklei si jura reservet ;
Tum praebeto niihi, reliquis qui plus toleravi;
Poslremuni volo Guntharius bibat, utpote segnis
liiler niagnaninuun qui parult arma virorum,
1415 Et qul Marlis opus tepide alque enerviter egit.'
Obsequitur cunctis Herrici filia verbis.
Francus at oblato licet arens pectore vino
*Defer' ait 'prius Alpliaridi sponso ac seniori
1401 queque A. 1402 regis pes B. 1407 liic .4. B. 1414
niagiinm iiim A. 1416 lierirlci B.
• 4 *
52 W A L r IJ A R I U S.
Virgo tiio, quoniai)» f.iteor inc forlior ille est ,
1420 Non soUiiu niihi sed cunctis super einlnel ille.
Hic tandem Hagano spinosus, et ipse Aquitanus
Mentibus invicti, licet onini corpore lassi,
Post varios piignae strepitus, iclusque treinendos,
Inter pociila scurrili cerlamine ludunt,
1425 Francus ait ')am deliinc cervos agitabis, ainice,
Quoruin de rorio wantis sine fine fruaris :
At dextrum moneo tenera lanuglne comple,
Ut causae ignaros palmae sub imagine fallas.
Wali I sed quid dicis, quod rilum infringere genlU
1430 Ac dextro femori gladium agglomerare videris,
Uxorique luae, siquando ea cura subinlrat,
Perverso amplexu circumdabis euge sinistram?
Jani quid demoror? enposthac tibi.quicquid agenduinest,
Laeva manus faciel.' Cui Walthare talia reddit :
1435 'Cur tam prosilias admiror, lusce Sicamber,
Si venor cervos, carnem vltabis aprlnam;
Ex lioc jam famulis tu suspectando jubebis,
Heroum turbas transversa luendo salutans.
Sed lidei memor anliquae libi conslllabor:
1440 Jam siquando domum venias larlbusque propliiques,
Effice lardalam de mulclra farreque pullem,
Haec pariter victum tibi conferet atque medelam.
.rlis dictis paclum renovant iteralo cruentum,
Atque simul regem lollentes yalde doleuteni
1445 Lnponunt equiti, et sic disjecti redierunt,
Fianci Wormaliam, patriamque Aqiiitanus adlvit.
lllic gratifice magno susceptus honore
Publica Hiltguudi fecit sponsalla rile,
1420 Nec soluin iiie sed cuiictos super eniinet arniis B. 1424
scurruii B. 1431 quaiido cura A. 143T uidebis A. 1441 pul-
tam A. 1442 lioc pariter til>i uictum confert A. 1443 coartuin B.
1448 fcliK A.
WALTriARILS. 53
Oinnibiis et carus post niortem obitumque parentis
1450 Ter denis populum rexit feliciter annis.
Qualia bella dehinc, vel quantos saepe triumplios
Coeperit, ecce styhis renuit signare retusus.
rlaec quicunque leges stridenli ignosce cicadae,
Kaucellam nec adhuc vocem perpende , sed aevum,
1455 Utpote quae nidis nondum pelit alla relictis.
Haec est Waltharii poesis. iios salvel I H C.
1450 Feliciter popiiliim ter deiiis rexerat ;innis B. 14.^2
retunsus B. 1455 niduni A. 1456 iesus B. der sclireiber von A
fiigt die zeile liinzu: Waltarius clarus uirtutibus, at iiir nraarus.
54 WALTriARIUS.
Der aiisgabe des Waltliarlus liegeii sechs liaiul-
sclirifleii zum gruiide, deren nur zwei vollslandig sind :
A die carlsrulier, B die pariser, C die vornials nioshei-
mische, D das wiener, E das sluttgarler, I das engel-
berger bruchstiick. F, G, H bezeichnen die benulz-
ten steilen bei Freher, Aventin und im clironicou no-
valiciense. Des freihei-rn Josepli von Lafsberg mitlhei-
lung danke ich alle sechs abschriflen und vergleichun-
gen , keine riihrt von mir selbst her.
Aufser diesen neun texteu mufs es noch manchen
audern codex des gedichts gegeben liaben. zu Briissel liegt
ein vermutlich ganzer uud alter, dessen collation mir
eutgeht. Seltsam, dafs Sanclgallen keinen bevvahrt; zu
TuU besafs man im eilften jli. ihrer zwei*), hatten sie
sicli erhalten , jetzt die alteslen.
Der band, worin sidi A findet, fiihrt in der carlsru-
her bibliothek die zahl 103, ist in klein octav, und enl-
halt nach mehrern andern meisl theologischen tractatcn
zuletzt auf 24^ blaltern den Waltharius, oder ysia die
rubrik lautet 'liistoria Waltharii'; der schriflzug kiin-
digt ungefahr den beginn des zwcilflen jli. an.
Wenig jiinger scheint , wo nicht aller, B, luim.
8488'' der koniglichen blbliothek zu Paris (olim cod.
reg. 10316 und Colbert 6388), gleichfalls in octav. hier
wird mit des Geraldus prolog begonnen , am schlufs von
') catalog der Ijibiiotliek des Beiiedictinerklosters S. Apri voin
j. 1084, mitgetdeilt voii Doren iin neiien lit. <iiiz. 1807 p. 73.
W A L T H A R I U S. 55
dem sclirelber zugefiigt: 'explicit Hber Tifridi episcopi
crassi de civitate nulla.'
C reicht bis vers 1337 und stammt aus einem bai-
rischen kloster; vor sechzig jahren elgenthum Gotllieb
Christians von IMoslieim *) zu Sluttgart, von welchem
Fischer den cod. zur lierausgabe empfieng. In wesseii
handen ist er jetzt? er soll aus dem 13 jh. gewesen
sein. **)
I, iiberbleibscl elner guteu hs. des 13 jh,, die das
klosler Engelberg in Unterwalden aufhebt; dreizelin
oclavbh^tter zusammen fiilien noch 764 verse, 1 — 4'J2
und 960—1233.
D, im cod. 228 der kaiserlichon bibl. zii V\ ieii, ;iiil
papier, und wahrscheinlich des 14 jh., umfasst clie
zeilen 203 — 406 und 1198 — 1385.
E, vlerzehn pergamenlblaller eliier stultgarler hs,
des 13 jh. (llieol. et phllos. nr. 41 der oll. bibl.^, sich er-
streckejid auf z. 483 — 1335, dle vergleichung gcllefert
Iial Mone in seinem anz. 1836 s. 415. 416.
F, ehdem in IToIdelberg beiFi-clior, dor iloii codox
herausgeben wollle und iii selne ongines palatinas II.
cap. 13 (ed. 1612) p. 62 einige verse riicken liefs. jelzl
nicht mehr in der pfiilz. bibl,, und schwerlich nach Hom
gelangt. in Grellhs spicileglum vatlcaniim p. 31 werden
als inhalt einer hs. , aber der christinischen samlung,
versus Giraldi monachi , die eher auf eliien andern la-
teinisch dichtenden Giraldus beziiglich siiid , angegeben.
G , vor zeiten gehorig dem klosler Emmeran zu
Regensburg, und von Aventin elngesehn , welcher ann,
Bojor. lib. 2 p. 130 cap. 53 ed. Lips. 1710 p. 194*^ eine
•) solms des beriiliniten gottinger canzlers, vgl. Liicke uar-
ratio de Joanne Lanrentio Mosliemio. Gott. 1837 p. 59.
") nacii Fischer liebt niit v. 413 eiii andrer. doch gleiclizeitiger
fechieiber an.
56 WALTriARIUS.
kiirze, (loch fiir deii scliltifs Iiinlangeiule slclle(v. 10. 11.)
aushebt, dafs cler codex eiii von C abweichender \var.
zu Miinchen liegt er gegenwarlig nicht.
In eine chronik des jiieniontesischen kloslers Aova-
lesa, tuuveit Susa , buch 2 cap. 9 isl ein unistaudliclier
auszug des erslen driltels der dichliuig eingegangen , nu't
anfiihrung vieler einzelncr verse. Die cla'onik scheint
luiter llcinrich 3, lun die milte des eilflen jh. verralsl,
setzt also elnen allern text des AAallharius voraus. sie
wurde zuerst von Duchesne (script. hisl. franc. 2, 223.
3, 635) theilvveise, vollslandiger bekannl geniacht von
Muralorl (script. rer. ilal. II. pars 2 p. 700 iT. und anliq.
ital. med. aevi 111. diss. 40 p. 964 11.) die hieraus verglich-
neu slellen merke ich mit H.
Zuerst drucken liefs das gedichl Friedrlch Christoph
Jonalhau Fischer, Leipzig 1780 in cjuart, inid z%var
blofs aus C. den mangelndeu schlufs erganzle darauf
nach A Fiiedrich JMolter in IMeusels hist. lileralur 1782
6. 370, und Fischer wlederholle ihn als nachtrag zu seiner
ausgabe, Leipz. 1782. Da indessen A fiir das werk
iiberhaupt vorziigllchere lesarlen bot, so riickte es Molter
vollslandig iu selne beltrage zur geschichte und Iltejatui-,
Frankfurt 1798 s. 212 — 268; Avelche ausgabe jedoch
den carlsruher codex lauge nicht Ireu darslellt, sondern
INIoltcr hat vleles aus C, was Ihn besser dauchte, ja
einzelne vermutuugeu, ohne es irgend anzumerken, auf-
genommen. Die iibrigen lexte, abgesehen von F G H,
welche langst zuganglicli waren , wuiden erst spiiter
entdeckt.
Kelne der handschriflen Ist so gut uoch so alt, dafs
sie ausschliefsend fur eine bessere rocension des gedichts
dienen diirfte ; iiberall slnd ei-hebliche abweichungen.
ich habe also ausgewiihlt. jedesmal werden die von
meinem lext slch entfernenden lesarlcn luUeu angegebeu,
WALTHARIUS. 57
dle nlclil genannten handschrlflen aber stimnien zu Ihm
■Und besllninien ihii , insoweit icli aur vollslandigkeit iind
scliarre der verglelchungen bauen kann; einzelncs, icli
hoffe weniges, wird slch nacli erneuerler priifung der
handschrlften berlcliligen lassen.
Den lext aufzuslelleii erscliwerl auch der zweifel
iiber des gedlclils nrlieber so wle dle slcherlieil iiielir
als einer uniarbellung, die es erfahren liat. Die iueisten
Iiandschrlften, nanienllich A, C und 1 noniicn keiiien
verfasser , >veder In rubrlken noch am schUifs; aucli
deni novaleser clironisten l^ann keln texl mit des dicli-
ters iianien vorgelegen liaben , er wiirde ihn sonst iiicht
als 'nietricauorus quldani' oder ' verslcaiiorus quidain
sapiens' bezeichnen. ebensowenlg liatlen Fieher und
Aventln ermangelt elnen solcheii nanien niitzulheilen,
ware cr in Ihren handsclirlften gewesen. Alleiii Iii B,
und in dem briisselcr cod., fiiidet sicli eln ])rolog , der
einen bestlmmten verfasser angibt. licvor icli ihn licr-
selze isl aber der aufsclilufs anzufiihrcn, den elne merk-
^viirdige stclle der aUeii sanctgaller clironik iiber die
enlstehung iinseres werks gewahit. iiemlich dle cnsus
saiictl Galll des vierlen Eckeliardus (der um 080 gcboren
1036 starb) , indem sie der scliriften des iiltesten odcr
enten Eckehardus nieldung tliun , sagen folgendes *):
'scrlpsit et In scolls inetrlce inagistro, vacIUaiiler (piideni,
qula in afFectione non in habltu erat piier, i'ilam 7f'o!f-
harii manufoiilsy quam Magontiae positi, Arlbone arclii-
episcopo jubente, pro posse et nosse nostro covrexinius.
barl)arles enlm et idlomata ejus Teutonem adhuc af-
feclantem repente latiiium ficrl noii patiiintur. unde
niale docere soleiit dlsclpulos seinlinagistri dlceutes : vi-
dete, quo inodo diserlissime coram Teutoiie alI<(uo pro-
•) GolJast 1, 39. Pertz 2, 118.
58 WALTHARTUS.
loqiii ileccal , el eaileni scrie in laliiuim verba verlite.
qnae deceptio Eckcliardum in opere illo adhiic puevuni
fefellil:, setl postca iion sic' IMan liielt also zu Sanct-
gallen, in der ersten liiilfte des 11 jli., das gedicht fiir
eine jugendarbeit des iilleslen Eckeliards, der nni 14 jan.
973 gestorben , dessen geburtsjabr niir aber unbekannt
ist. liiei-nacli fallt die abfassung jedenfalls zwiscben 920
iind 940, scliwerlicli kam dieser Eckeliard , welclicr im
stift die angesebne wiirde cincs decans beklcidete (Pertz
2, 117) nach 920 zur welt. 'scripsit nielrice inagistro'
wird von Arx erkliirt: vilam Wallliarii a niagistro suo
dictatam elaboravit metrice. Goldast las 'metrico nia-
gistro ,' und nian konnle aucb vorscblagcji 'metricae
niagistro ,' in der scbule , unter dem lebrcr der metrik.
es sei eine scbuliibung gcwesen, die ungleicb und nian-
gelbaft gerietb , Eckeliard , wiewol scbon dem geistli-
cben stande bestimmt, babe damals nocb jugendlicb an
der deulsclien Aveise der poesie gebangen. so fasse icb
die nicbt sebr deullicben ausdriicke, welcbe aucb dcr
folgende satz zu verstandigen scbeint, dafs ungescliickte
lcbrer ibren scbiilern deulscbe pbrasen (oder gar versc ?)
vorsaglcn und sie nuii glcicb in derselben wortfolge
(eadein serie) laleiniscb iibcrsetzen biefsen. Der dicb-
ter selbst spricbt sich ani schlusse seines gcdichts (v.
1453 — 5!i) bescheiden iiber den )ugcndlichcn yersuch aus.
Ob aber unsere liandschriften mebr diesen, wie er war,
oder mit den besscrungen und vielleicht verschlinune-
rungen des jiingeren Eckeliards gewahren? ist schwer zu
entscbeiden. Des viertcn Eckebards eigne prosa in der
fortsetzung der rafperlischen casus zeugt weder von cor-
reclheit noch besoiidrei" aiisbildnng des lateinisclien slils.
erzbischof Aribo, von dem er nach JMainz berufen wor-
den war (Perlz 2, 75), und auf dcssen betrieb er sicli
iener durchsichl des "VNaltharius unlci/.ogen hatte, starb
WALTHARIUS. 59
1030 otler 1031. ') sollle das gediclit auch in der maln-
zer scbule gebraucht und vorgetragen werden ';*
Halte nian sich den ersteu Eckeliard als eigentliclien
verfasser, den vierten Eckehard als nachbesserer zu den-
keu ; so bliebe die vorstellung von dem ursprung der dich-
tung noch ziemlich einfach. Verwickelter wird sie aber
durch eiuen prolog der pariser und briisseler liandschrift,
worin mit giinzHcher verheimlichung Eckehards , ein an-
derer geistlicher, namens Geraldus, als dichler auftrilt.
Die an einen bischof Erkanbald gerichleten zueignuugs-
verse, deuen ich noch keine stelle vor dem gediclile selbst
einriiumen mochte, lauteu so :
Omuipotens genilor, sununae virlulis amator,
Jure pari natusque amborum spiritus ahmis,
Persouis triuus, vera deitate sed unus,
Qui vita vivens cuncta et sine fiue tenebis,
b Pontilicem sunumun tu salva nunc ct in aevum
Claro Erckambaklum fulgentem nomine diguuni ,
Crescat ut interius saucto spiramlue plenus,
■ Mullis infictum quo sit medicamen in aevum.
Praesul sancte dei nunc accipe munera servi ,
10 Quae tlbi decrevit de larga promere cura
Peccalor fragills Gcraldus nomlne vilis,
Qui libi nam certus corde eslque fidells alumiuis,
Quod preclbus dominum iugiter precor omnitonanlem,
Ut nanciscaris factls, c|uae promo loquells,
15 Det pater ex summis coelum terramque gubernans.
Serve dei sununi, ne desplce verba libelli,
Non canit alma dei, resonat sed mlra tironls ,
Nomlue Wallharlus , per proella multa resectus.
Ludeudum magis est^ dominum quam slt rogltandum,
') Pertz 2, 243, Leibnitz 1, 852. 2, 494.
8 niultis ut iatictum B. 12 cerlus lidus corde B.
GO WALTHARIUS.
20 Flexus longaevi dimi slringit iii ainpla diei.
Sis fellx sauclus per tempora plura sacertlos,
Sil tibi menle tua Geraldus carus adelfus!
\^'er vvar dieser Geraldus? im calalogus codd. mss.
bibl. regiae, lom. 4 Par. 1744 p. 532 Nvird er bei num.
8488^ bezeicliuet als iloriacensis , vit videtur, monachus.
in den (ehmals colberlisclien) codex selbst ist nendich
von spaler liand bcigeschriebeu : S. Gerauld nioine de
Fleuri, comme il semble. der eiufall scheint aber grimd-
los und uuhaltbar, sclion die verfasser der hisloire lit.
de France, tome 6 Par. 1742 p. 438 bemerken , dafs die
geschichle von Fleuri gar keinen solchen Geraldus kenne.
wie sollle auch in dem (siebeu stunden von Orleaus)
au der Loire gelegeuen Benedictinerkloster eiu ganz
auf deulsclier iiberlieferung ruhendes , die urllichkeit
des Oberrheius voraussetzendes, iiberall deutsche eigeu-
nauieu darbielendes gedicht eutsprungen sein •'
K.aum halte eiu friinkischer geistlicher des zehnten
ili. seine niiihe auf eine sage gewandt, iix der cin Fraii-
keukouig gejdemiitigt erscheint und alle fraiikischen hel-
den besiegt werdeu ; viel eher konnte das ein Alemanne.
Damit zerfallt auch die gleich miifsige vermulung,
Erkanbald sei ein erzbischof von Tours , der iim 986
lebte, und aus dessen lebenszeil lediglich man die des
Geraldus abzusehn wagle. Noch vveniger gedacht vver-
den darf au Erkenbald, abt von S. ^laixent, ^velcher
um 1044 erzbischof iu Bourdeaux vvurde und bis nach
1068 lebte; eher konute man sich einen gleichuamigen
abt von S. Tnitpert, an niederclsafsisrher greuze, in
20 flectiis loiigeui striiigit B. 'diinr liabe icli erganzt. sinu
des 19.20 verses sclieint: weiiii sicli iler lange lebeiistag ins weite
ueigt, so ist aucli gestattet zu spielcn statt zu beten. >'acli '22
die lialberbiicline rnbrik 'versns (luidam" und duraut' beginnt das
gediclit sclbtt.
WALTriARIUS. 61
iler coiislanzer diocese gefallcu lasseu , desseu zeit
nicht genau erniillelt ist, iind elwa in die erste
liiilfle des zehnten jli., um 935, fallt. "^) es gibt noch
andere hohere geistliclie dieses naniens ini hiufe des 10
oder 11 jh., eiu Erkenbald folgle zu IMainz im jahr
1011 auf Willigis.**) Docli die walii kann nicht scliwer
sein: vou 965 — 991 safs auf dem slrafsburger slulii
ein Erkanbald. ausgezeiclinet durcli seine neigiuig liir
gelelusanikeit und poesie, wie er selbst inehrere laleini-
sche gedichte hinterlassen liat. ^*"**) ilun und keinem an-
deru mufs die zueignung gelleu. dieser Erkanbald nun
war mit sanctgaller moucheu in verkehr und Ijekaunl-
schafl , er liatte aus ihrer reilie den gelehrteu , auf be-
fehl des abtes Craloli -J-) geblendeleu Victor uach Strals-
burg gezogen.-|"l-) Nebeu dem alleren Eckehard neuuen
aber die sanctgaller casus Nviederlioleutlicli einen ihm
gleichzeitigeu Geraldus (Gerhaldus, Kemhlus), vvelcher
zeitlebeus magister scolarum vvar und dessen in liohem
greiseualter erfolgler tod , oliue angabe des iahrs, schon
gescliiidert \vird.-{"J"f) Wahrscheinlich Nvar er durch Vic-
tor oJer lieber vorlier sclion dem Erkanbald genau be-
kannt gcNVorden, und iibersandle ihm , was erst uach
965 gcschehu seiu kanu, den ^Vallharius, Die worte,
dafs er das bucli aus langer pflege entlasse (de larga
promcre cura) hiudern eine blofse zuseudung des ecke-
liardischen vverkes auzuuelimen. Gerald mufs irgeud auf
eine art bclbst darau theil geuommen haben. V\ ie sind
•) hisf. lit. de Fraiice 6, 221.
*-) Pertz 2, 242.
•••) Iiist. lit. fle Fraiico 6, 467 ft', Pertz 2, 116. .Scliiiters
KOiiigslioveii p. 241. 487 — 494.
•j-) liersclite zwisclieii 942 — 958. Pertz 2, 35.
■|-[) Perfz 2, 116.
fff) Pertz 2, 114. IIT. 122. 123. 136. 137.
62 WALTHARHJS
aber luiu sclne anspriiche mil cleneii ]'.ckeharils zu ver-
einbaren? ein plagiat, nberhanpt eine un^vahrlieit lafst
sich weder \on deni sillliclien und gelehrten cliaracler
Geralds argwbhncn, noch bei Erkanbalds unbezweifel-
barer verlraulheit niit allen sanclgaller vcrhaltnissen
glauben. Enlweder liallen beide, Eckehard und Gerald
in gemeinschafllicher jugend die arbeit vorgenommen,
iind lclzlerm ist sie in der schule langerer , fortgesetzter
sorgfall Nveilh geblieben ; oder der vierteEckehard konnle
sich , Nvenigsteiis funfzig jahre nachher, iiber den eigenl-
licben verfasser irren , freilich giade bei einem \verk,
das ihn selbst naher beschaftigte. Waren ilim , zu INIainz
und Sanctgalleii , abschriften des gedlclits mit dem geral-
dischen prolog verborgen geblieben ? eben die glaublich
alteste aller jetzt erhaltnen liandschriften , die pariser,
liat ihn, und keine einzige tragt Eckehards namen an
ihr5r spilze. halten blofs die schlufsverse des gedichls,
die einen jugendUchen versuch bekennen, den gedanken
auf Eckehards jugend gefiihrl? schon ienes alters der
pariser, vvahrscheinlich auch der briisseler handsclirift
Avegen , aus vielen andern griinden , \vare hbchst bedenk-
lich einen Geraldus aufserhalb Sanctgallen , oder gar ei-
uen spateren , ei^st nach dem vierten Eckehard lebenden
aufzusuchen. die ganz kahle vermutung eines Geraldus
floriacensis habe ich voi^hin weggeschaft. an der Loire
kann keine dichtung umgearbeitet , uud erueuert worden
sein, die am Rhein und in den Vogesen spielt, die durch-
gangig auf einen deutschen urheber liiu weist. Wir
miissen gestehn, dafs dies alles fiir den sanclgaller Ge-
raldus spreche, und sein prolog gi'ofseres gewiclit habe
als des spiileren Eckehards aussage.
Der allerdings beslehende widersprucli zwischen dem
schlufs des gedichts, das eiiien jungen anfiinger verkiin-
digt, und den worlen llexus longaevi diei in anipla,
WALTHARIUS. 6'i
(lie ein lebensniiider greis *) ausspricht, tlieser Nvider-
spriicli lafst sicli diircli die annahme auflosen, dafs Ge-
rald in hoheni aher, et\va in den jaliren 970 oder 980
dem slrafsburger biscliof, der es vielleicht gewiinschl
liatle, seiiier friihen jahre Averk iibersandte. So bekaine
der ausdruck de larga proniere cuia recliten sinn.
Doch soU aucli des iihern Eckehard Iriiherer antheil da-
niit Jiicht ganz abgewiesen sein.
^'Nill jnan aber, aufser des vierten Eckeliards nacli-
helfender und andernder iiberarbeitung des iilleren werks,
in den abweichenden lesarten beider des ersten Ecke-
hards und Geralds gemeinscliaflhV]! oder auch nach eiu-
ander angelegte hand wieder aufspiiren, so sclieint das
fast iinerreichbar. Weder ist im ganzen dle Yerschie-
denheit so bedeutend, dafs der nacharbeiter viel daniit
gewonnen haben konnte, noch so einformig oder glei(h-
arlig, dafs er sich bestimmt genug zu erkennen giibe.
avtch hindert die unvollstandigkeit mehrerer liandschrif-
ten den genauen iiberl)lick.
B, a»if jeden fall ein geraldischer text, hat nur sechs
eigenthiimliche verse, deren vier 204, 257, 661, 1448
allen iibrigen zu mangeln sclieinen , d. h. in A fehlen
sie gewis, 204, 257, 661 gehn auch in C, 204, 257
in DI ab; 1448 fallt in die liicke von CDI, 661 in
die von D I. keine dieser vier zeilen ist dem zusam-
menhang nothig, aber aucli keine stort iiin. Zwei
audere, 99 und 944 hat B mit A gemein, sie niangeln
in C, 99 zugleicli in I, "wahrscheinlicli wiirde I auch
944 nicht aufweisen. Bezeichnete uns also A eine nicht-
geraldische recenslon . und etwa des alteren Eckeliard
arbeit, so konnten CI, vlelleicht CID, die correcluren
des iiinoeren Eckehard darbielen ? Jene vier verse liat-
*) loiigo seiiio fessus. Pcrt/. 2, 137,
64 WALTFIA R [ L S.
ten llim ilami gar iiiclil voigelcgeii , wcil slch kaiim eiii
gniiul ilenken liisst, ^veslialb er sie sollte von der liancl
geNvIesen Iiaben ;* docli ^varum lelinte er 99 iiud 944
ab , wenu sie Ilim in A vorlagen? iind wie tliellt er Iii
zelle 652 dle eplsclie wledeiholung vou 647 jnll B,
nicht mlt A ':*
Erwrigt nian die librigeu varlanlen insgemelu , so
Irllt freilich elne merkhche einsllmmung zwlscheu A iind
C, Iin gegensatz zu B vor (316. 774. 787. 958. 965.
1008. 1009. 1021. 1094. 1098. 1180. 1212. 1271.1287),
so dafs fiir die In C vorllegeude umarbellung dle grund-
lage vou A glaublich vvlrd. dagegen nalieru slch B
und I (62. 138. 283. 292. 293. 304. 440. 481. 1011.
1043. 1050. 1142), vviihreud A uud I seltner slunmeu
(73. 161. 447. 1015. 1115). C und I verralheu folgllch
elue verschledne uachbesserung, so dass C mehr zu A
lilnuelgt, I mehr zu B ; 1115 IrelTeu C uud I zusam-
meu. D stimmt bald mit A (381. 1234. 1341. 1343)
uud C (397), bald niit B (379. 1342. 1354. 1375) und 1
(231); allelu dlese abschrift liat vlel elgenlhiimliches,
und konute leicht grufsereu auspruch auf den jtiu-
geren Eckehard macheu als C? Unbedeutender ist E,
vvelches 495. 502. 545. 563. 578. 629. 727. 766. 814.
924. 944. 1017. 1157 mlt C theilt, 584. 703. 1204. 1295
nilt A, doch 699. 1101 aiich zu B stlmmt.
Alle dlcse ergebnlsse diirfen uur fiir unslchere gel-
teu , ulrgends erhellt, dafs vvlr deu zuverlasslgen text
Geralds oder eines der belden Eckeliarde vor augen
habeu ; dle abwelchung kann, wle bei deulschen ge-
dicliten des mlllelallers, unter den lianden blofser ab-
schreiber enlsprungen sein. VYare ich des hiJheren al-
ters der recenslou A gewis geweseu , so halle ich aus
ihr 773 die ^viederhohing des verses 604 slelui gelassen.
beachlenswertli scheiuen die variaulen zu 760 (vvovon
WALTHARIUS. 65
weiter unten), 1101, 1231, 1266, 1369; sehr oft wer-
den einzelue vvorter nur anders im vers gestellt, z. b.
827. 1160. 1450. versuchte man ia den klosterschuleu zu
Sancfgallen, Slrafsburg und JNIainz metrische xibungeu
an diesem gedicht ?
Der laleinische dichter, welchen verfasser und viel-
leicht nachfolger im auge liatten, istVirgil. nicht wenice
ausdriicke, redensarten und weuduugen, selbstganze vcrse
werdeuihm abgeborgt. trabea 382 ; Aen.7, 188. 612. 11,
334. spadix 759; Georg. 3, 82. polis es 509 ; potisest4l7.
550.618; nec potis fluctus aequare scquendo Aen. 3, 671.
fama transverberat aures 17; ferro transverberat auras
540; tua me transverberet hasta 704; transverberat ha-
sla , cuspis Aen. 10, 336. 484. crispans hastile 669; der
ganze vers 695 ist aus Aen. 1, 313. ibaut aequati uumero
44; Aen. 7, 698. tellus concussa gemebat, sculorum
sonitu pavidus super intouat aeiher 45; clipeus supcr
intonat ingens 842; dat tellus geniiUim, et clipeum su-
per intonat ingeus Aen. 9, 709. slat sonipes, ac frena
ferox spumantia maudit 328; Acn. 4, 135. glomerare vo-
lumina crurum 461; glomerare gressus Georg. 3, 117;
glomerare manum Aen. 2, 315. 9, 792; volumina cru-
rum Georg. 3, 192, dexlras conjungere dexlris 23 ; dex-
trae jungere dexlrara Aen. 1,408. tuiiicam trilicem 263 ;
trilicem loricam Aen. 3, 467. 5, 259. 7, 639. equinam
vertice caudam concutiens 698; crista equina Aen. 10,
869. postquam epulis absumpta qnies, niejisaeque re-
motae 304 AC; postquam epulis depulsa famessubla-
taque mensa 304 BI; postquam exemta (al. excepia, ex-
slincla) fames epulis, niensaeque remotae Aen. 1, 216;
postquam prima quies epulis , mensaeque reniotae Aen.
1, 723; man sieht, daCs den monchen beide virgiliani-
sche verse vorschwebten. tellurem vulnere mordet 671 ;
momordit humum ore Aen. 11, 418. sumere taedas 167;
5
66 WALTHARIUS.
si uon pertaesuni thalaml taedaeque fuisset Aen. 4, 18.
infra jactum teli congressus 182; intra jactum teli pro-
gressus Aen. 11, 608. fulminei enscs 192; Aen. 4, 580.
9, 442. laxae habenae 202 ; Aen. 1, 63. Georg. 2, 364.
victrices lauri 210; Bucol. 8, 13. festa cuni fronde re-
vinxit 209 ; festa fronde revinclum Aen. 4, 459. septeni
orbes 277; Aen. 8, 448. lux Pannoniae 378; hix Dar-
daniae Aen. 2, 281. dare slrages 198; Aen. 12, 454.
Georg. 3, 247. 556. lerrani irrorat Eous 1190; terras
irrorat Eous Georg. 1, 288. aequo INIarle 731; Aen.
7, 540. insoninis nox 399; Aen. 9, 166. evinctus 404
Aen. 5, 269. 364. 494. 774. infrendens 698 ; Aen. 3, 664
8, 230. 10, 718. lacrimis obortis 876; Aen. 3, 492
4, 30. 6, 868. ullima Parcae fila legunt 850; fila ex
trema leguut Parcae Aen. 10, 815. bacchica nuinera 318
Bacchi munera Geo. 3, 526 ; nec bacchica niunera no
rat Boeth.de consol. lib.2 metr. 5. spumanlis apri 899
Aen. 4, 158. 665. finis erat 904 ; et jam finis erat Aen
1, 223. ulva viridi 922; viridi in ulva Bucol. 8, 87. in
glorius ibo 946; ingloriiis remeabo Aeu. 11, 793. por
geret 1327; porgite Aen. 8, 274. hamatam loricam 911
loricam consertam hamis Aen. 3, 467. tondamus prata
1117; tondentur prata Georg. 1, 290; tondentes campum
late equos Aen. 3, 538. ullima signans vestigia 1131;
ultima signaut Aen. 5, 317; summo vestlgia pulvere sig-
nent Georg. 3, 171. ludis sine more 794; sine more
furit Aen. 5, 694, d. i. immodice, siue exemplo. fatur
ad aiiras 515; ad aethera fatur Aen. 10, 458; vgl. dicta
per auras 752 uud auras verberat 748; animam sufflavit
in auras 845; trausfudit ad auras 714; wer lesen vvoUte
ad aures, konnte iuquit iu aurem 260 und fatur ad au-
rem Aen. 5, 547 beibringen. sequitur quos cetera pu-
bes 211; Aen. 5, 74. sed tamen hic intra velut aescu-
lu8 astitit heros, qui non plus petit astra comis, quam
WALTHARIUS. 67
tarlara fibris 1000; aesculus in primis, quae quaulum
verlice ad auras aetlierias, tantum radice in tarlara teu-
dit Georg. 2, 29». emicat hic 831; Aen. 5, 319. 337.
9; 736. magnanimum 1414; Georg. 4, 476. amica si-
lentia 400; Aen. 2, 255. das longum formose vale! 877
stammt aus Bucol. 3,79; nocli kuhner wird in den ver-
sen 728. 729 aus Aen. 5, 496. 497 (vergl. 11. 5, 245)
sogar der eigenname des trojanischen Pandarus in die
deutsche fabel eingefiilirt, gleich als sei er uralinherr des
frankischen Werinliard , auf den selbst seine bogenkunst
forlgeerbt habe. vs'ar Hagano 'de germine Trojae' (28)
entsprossen , so konnte auch Werinliard 'ex longa stirpe
nepotum' mit Pandarus verwandt scheinen. Die zugleich
beibehaltne formel der anrede Pandare ! ist aufserdem v.
485 gebraucht. *) Nacligealmit der classischen poesie
siud auch die gleichuisse vom Boreas 188, vom numidi-
schen baren 1337, vom umbrischen hunde (canis umber)
1350; die ausdrucksweisen fiir anbruch des tagos, der
nacht und des morgens 277. 348. 1130. 118S.
Andere alleilliiimliche ansdriicke sind nicht gerade
von Virgil erborgl , sondern dcm friiheren latein iiber-
liaupt eigen : olli fiir illi , ollis (1194) fiir illis. Jwmiillus
1104 fiir homunculus ; Iionio, //omo«/5 578. 933 statt homo,
liominis. iute 1221. 1267, verstarkung des tu , und
nicht das adverb sicher. eijues 216. 602. 1227. 1443
fiir equus, vgl. Fveinh. 412. stenunale formac 37, iiobi-
*) iind liaufig Iiei andcrn lateinisclien dirlitern des niittelalters
(Reinh. XCI. m)tli.oi. 18;), 186). die lesart 'de te' 15 A iafst
sich schwerlich auf llildgiind l>eziehen, welche mit Waltliariiis,
niclit Guntharius verlobt wiirde, wie hatte sich Gibicho ihrer geburt
freuen sollen? das 'qnam postea narro' bleibt freiiich seltsam,
weil Guntlicrn gleieli der folgeiide vers nennt. ist dieser sechzehnle
in keiner handschiift fehlende vers ein falscher zusatz der nach-
arbeiter ?
5*
68 WALTHARIUS.
lilate; triunipliali slenimate 212, serlo , corona, in der
eigentlidieu bedeutung von OTt'/'/'". gausape 300, eine art
tuchs. ich -weifs nicht, ob sicli partits 947 als kiirzung von
paratus schiilzen lafst, oder die bedeutung von geboren,
bestininit, ausersehen behaupten darf? nian hatte leicht
certus, oder mit Molter: ecce paratus setzen kbnnen.
auch parare sermonem 141 fiir instruere, iustituere scheint
uuverwerllich.
Von alleni dem siicht nun , grell genug, ab vras
deutsche wendungen verrath, dem verderbten und eut-
slellteu lateiu des miltelalters angehcirt.
Zu jeuen rechue ich folgendes. mortem gustare 870
gemahut an das biblisclie todes koron (gramm. 4, 650)
wie an das heidnische den tod kiesen (gramm. 4, 608.)
inferius stare 860 scheint, iihnlich dem mhd. hoher stan *),
nicht sowol einen uiederen oder hoheren , als weiter
abliegenden stand zu bezeichnen. damna iuli 658 fiir
iululi, wie wir sagen scliaden bringen, mhd. schaden
paii fiir perpeli: magnos labores passus eras 133;
bern. ohVwhcieY egit 1257, machte vergessen , fit oublier.
prospera sive sinistra pati 259. quia talia \>ixi 470, weij
ich solches erlebte. laucea pulmone resedit 777; tridens
pelta resedii 995; cuspis sedet in clipeo 985, d. i. safs,
blieb stecken in der lunge , am schild , silzt fest im
schild; vgl. 1046 ictuiu ab aure sedenlem, wo ich je-
doch secundum vorziehe, weii sich die prap. ab nicht
*) anm. zu Iw. 5288, aufserdem aber norli iii vielen alidern
stellen: die zwene stuonden liolier Nib. 2144, 1; so heiz uf lioher
wichen Nib. 1966, 2; sorge lieizen uf holier sten (secedere) Ms.
1, 1543; stet hoher! Ms. 2, 67^; wachter und dorwachter muosten
hoher stan Hugd. brautf. 856; stuond lif hoher do (trat zuruck")
Trist. 2794; hoher sten Gudr. 6105 vgl. 5909; ubir hoher gan
Alex. 3807 ; Pez glossar zu Ottoc. s. v. holier. ahd. hohor iiz-
zentemo (elatiori) N. Cap. 47; hohor standiu N. Bth. 253. goth.
usgagg hauhis Tnjoquvui^rjd^i dvciniJov Luc. 14, 10.
WALTHARIUS. 69
wol zu setlere scliickt. ima sedit iuguine Virg. Aen. 10,
785. palmam de pugna rei>ocare 619, die hand vom
streit abziehen, revocare pedein a pugna ware gut latei-
nisch. Hunos Lic hahemus 543 , hier haben vvir die
Hunen. vix erupit cras 402 , kaum brach der niorgeude
tag au. verum velle meuni 257, das ist mein vvalirer
vville , wie Ftuodl. 1, 113 tuum velle benignum. ardens
animis 1037, ahd. lieizmuoli (gr. 2, 663), arens pectore
iAil , doch ardens oculis hat Virgil. Aen. 5, 277. auch
ignamm ferrum 835. 1298, das unwirksame, jiichts aus-
richteude schwert scheint eine altdeutsche redensart, ob-
gk'ich ich sie jetzt nicht nachweiseu kann. Erebi for-
nax 867 , das feuer der hOlIe , christlichheidnische vor-
stellung (mylh. 464), ovan, auhns, fornax, ignis. ' esu-
riens Orcus 1327, hungrige, unersallliche hcille (myth.
196.) et simul in \?erho 308, et in verho 888 uud bei,
mit diesem worte, haec diceus; et simul in diciis 673.
auch Virgil : et in i>erho vesligia torsit (Aen. 6, 557.)
more gigantis 333, in riesen weise; furis de more 1174;
de more liciscae 1231. deutsch scheint der entschliipfte
fehlerhafle gebrauch von fames als masc. (der Jjunger) •
fames insaliatus habendi 857, wie die hss. leseu , insa-
tiata ist Mohers anderung. dieser hat ebenso 139 quem-
quam fiir quisquam bei pudebil gcbessert ; wir sagen
personlich ich schiime mich , ich beieue , und selbst das
lat. pudeo stalt me pudet ist nicht ohne beispiel. spo-
liarier 659 fiir spoliari wird 1191 fiir spoliare gesetzt ;
famulis jubebis 1437 fiir famulos, wenn nicht jener dat.
mil suspeclando zu verbinden ist. \Yas aber einen ent-
schieden deutschen eindruck dtirch das ganze gedicht
macht, ist die luirichlige verweudung Aer tempora. weil
nemlich imsere alte sprache keine abstufung der ver-
gangenheit kennt, sondern ihr prat. fiir das lat. imp.
perf. und phisq. braucht (gvauun. 4, 148. 149. 189); so
70 WALTIIARIUS.
zeigt der dlcliter kciu deulliches gefuhl fiir die lat. for-
meu dieser drei lenipora, uud verwirrt sie haufig. zu-
nial liebt er phisq. anstatt der perf. zu setzen , z. b«
deslruxerat 373, cousunipserat 399; discesserat 378.
615; toleraverat 387; dixeral 404 ; gesserat 453. 497.
631; dederat 463; legerat 477; suggesserat 594; disces-
serat 615; decerpseial 625; couceperat 632; couspexe-
rat 686; recreaverat 1175 u. s. w. uicht anders steht
clausisseni 407 fiir clauderem; dedisset 445 fiir de-
derit ; umgekehrt praesumpserit 413 statt praesunipsis-
set. auffallend siud die priil. inf. assedisse jubet 295;
respondeut se non potuisse invenisse 365; pugnasse vi-
deres 520; traxisse studerent 986; flexisse sategitl065;
conspicio te doluisse 1107; nieruicse valereni 148; fue-
rat sumpsisse facultas 969; fiir assidere jubet , potuisse
inveiiire, pugnare videres, Irahere sluderent, fleclere
Sategit, conspicio te dolere u. s. w. verschiedne tempora
folgen aufeinander, z. b. 1142-46 sit, vellent, parent,
facerent, laterent; 201 dederunt, feruntur; 207 ruit ej
spoliaverat. In allem dem blickt eiu deulscher verfas-
ser durch.
Was nun sein eigues lalein betrift, so lassen sich
vorerst einige Jlickworter nicht iibersehen, die libermafsig
oft wiederkehren : denique 93. 251. 290. 422. 852.1162.
1244; forie 23. 35. 39. 218.232. 254. 522. 549. 570.
577. 686. 1144.1369. 1381; fors 370. 607.1095. 1234.
1272; forsan 679. 74l. 811. denique nieist im fiinften
fufs (wie Virg. ecl. 2, 7), einmal im vierten: aucli fors'
forsan , forte erscheinen bei den classikern, nur spar-
samer und bedeutender. eundem 446. 516, eandem 77 9^
eadem 447, cosdem bringt der dicliter gern iu deu vers-
schUirs. ^i/rtm//7/<'/ =: quamvis 726. 1379 ; quo rz: quod 994,
Von audern ausdriicken niogeu hervorgehoben wer-
den : domne! iu der anrede 249. 1098. 1213,^ denn sonst
WALTHARIUS. 71
slelit dominus 258. 633. 1094; scliwacber als domiuus ist
senior , das zwar deni kdiiig 574, dem brUutigam 1418,
aber auch den voruehmen 57 gegeben Avird. iu huste
manere 1256 bezeichnet deu bekannten frankischen ge-
gensatz zu domi. maceratio 1344, subactio. migma 299,
fi/y/ita, eigentlich mischung iiberhaupt, hier vom ge-
trank, die vulg. hat das ^vort Esai. 30, 24; vgl. Du-
cange s. v. nappa 308, trinkschale, unser napf, das
aber manulich ist und in der alteren sprache mit HN
anlaulet, vgl. franz. hanap. oscillum 1127. 1141 ge-
braucht der dicliter fiir osculum , in der cla&sischeu
spraclie ist es gauz etwas anderes : bewegliche larve,
gefleclit an baumeu aufgehangen (myth. 49.) pietas 97.
146 gnade, lierablassung. res et acta M'erden 115 ein-
auder zur seite geselzt, vgl. 144, sergia 147 gleichviel
mit servilia, wie auch B se/v/a liesl; den sinu der verse
146-48 fasse ich so: es ist gnadig von euch, dafs ihr
nieinen geringen dieust anselit, nie werde ich verdie-
neu kounen, dafs ihr euch meuie leistungen so zu herzen
uehmt , menlis iutuitu ferlis. Fischer will : mei sergia-
menti. sophista 104. 605 ein weiser, verstiindiger mann,
ohue den nebensinn welchen wir heute mit sophist verbin-
den , vgl. Pertz 1, 364 und sophari (weise reden) 1266.
talhis 224 \vieder trinkschale oder schale iiberhaupt, viel-
leicht unserm teller verwandt und deui mittellat. taliare,
tal. tagliare, frauz. tailler , weil auf dem teller zerschnittea
wird. vassus 1311 dienstmann, vasall. wantus, haudschuh
1426. substaulivbildungeu auf-amen, in audern dichtungen
des mitlelallcrs selir beliebt , hier uur zweimal : affa-
men 1174; cruciamen 819. wenig adj. fallen auf, modi-
ceUus 331 findet sich schon in Suetons Nero 48, nach
einigen lesarten; auch oceanus 1133 hin und wieder bei
classikern. Verba: caoere 905. 929. 1331 dem streich
au«weichen. coartari 273, coarclari , cogi; coarfare 654«
72 WALTHARIUS.
1340 cogere, driingen. congaudere alicui 464. 470,sich
mit einem freuen ; Tertullian : gaudcle, et congaudele
iTiilii, vgl. ahd. epanvrewan. palrare 269. 799 gewah-
ren, ausrichten , conficere. sequesirare 3 trennen , un-
terscheiden. siispendcre 41, den ziig einhalten, einstel-
len. iransponere hamuni 343, die angel einseuken ; mu-
nera transponere 774, die gabe (den geworfnen speer)
iiberfiihren , zuriiclisclileudern.
Nicht weuige und schatzbare aunielkingen des al-
terlhums ergeben sich aus dem gedicht *). Besonders
erscheiut nocli das kriegerleben in einfacher roheit.
Dem erlegnen feinde pHegt der sieger ge\vohulich das
an den locken erfafste haupt ahzuhauen (718. 753. 917.
939. 981. 1019); oder er setzt ihm den fufs auf den
uacken und heftet ihn mit dem speer, gleichsam dem zei-
chen seiner gewalt , an deu boden (844.) zwar ge-
mahnt dies pede colhim pressit (843) an Yirgils laevo
pressit pede exanimem, aber rapiens immania jiondera
baltei (Aen. 10, 49.5), avo es also gebarde des wafFen-
i'aubenden ist, wahreud Waltliari seine beute erst spa-
ter nimmt (1191.) eine dritle art der tcidtung war mit
der goldspange zu erdrosseln: torquem collo circumdedit
aureum (1059), was an Hattos beriihmte kette erinnert,
die stelle kann durchaus niclit von einer goklspange
verstanden werden , die der sieger um seinen eignen
hals gehangen habe. Den merkwiirdigen gebrauch des
iviederanfvgens der todten hiiupter an die leichname wird
*) Fischer, der mit Eckehards «nd Geralds anspriichen auf
die dichtung voliig iinbeliannt , sie sogar dem seclisten jii. zuzu-
gpreclien wngte, liat iii den anmerlinngen seiner ausgal^en , so wie
in einer besondern schrift iiber sitten iind gebrauclie der Eiiropaer
im 5 und 6 jh, Frankf. an der Oder 1784 eineii schwai! gelehrter
nnd fleifsiger erliiuferungen zusammen getragen, die jedoch aiizu
viel iiberfliissiges uud allzuwenig treffcndes enthalten.
WALTHARIUS. 73
der ausziig des gedlclits hervorheben. Die erschlagr.en
wurden koslharer ivaffensiikke lerauht , uicht vu]h*g eut-
kleidet (207. 1191-94.) ihrer /"^ie slch alsbald zu he-
niachllgen saunite der iiberwinder nie (780. 1 169.) W ie
sonst das loos liber genielnscliaflllche kncgsheute gewor-
feu wird, so lafst sich hier eiuer der franklscheu kiim-
pfer, eh er Wallheru angreift , dessen schild vom konig
zusichern (781. 798. 799. 840) , gleichsam seinen theil
(sors 799) im voi'aus anvreisen. auch iu andern sagen
kommt vor, dafs riiuber unter sicli die ^vaiTen des hel-
deu bereils ausllieilen , deu sle uberfalleu ^volfen.
Blutrache 691. 701. 926, 951-54 uud geheijs des
herrn trelben in dle gefalir des kampfes. bcl Ilaganons
benelinien spricht der dichter seluen zweifel aus , .ob es
gestallet sei dem herrn zu zurnen, 633. das weist auf
die slrenge des allen dienstverlialtnisses. Eiu Sachse,
der iu der heimat einen vorueliuien erschlagen liatte,
war zu deu Frankcii gcflolieu uud in Guutiiaris dienste
aufgeuounnen 755-59.
Gold wiid iu r/rigen oder spangen dargeboleu. Walt-
liari will dem kcinlg, zur ehre und fiir frelcn durch-
zug, erst armilhis cenlum de rubro nietallo (613) iiljer-
sendeu , dann die summe verdoppehi (662.) das sind
die gewundiieu '■houga' des Hildebraudliedes , die ge-
schlofsuen 'beagas' ags. gedlchte (gramm. 4, 752. 963.)
einzelue aruiriuge wurden auf der spitze des speers
dargereichl und empfangen ''') ; vlele zusammeu aber in
deu sclilld gescliiiuet : rulilo umboneui complebo nie-
lallo (1264); der schild wog scliatze luid knoclien ab
(RA. 77. 78.) 'manegen scliilt i^oUen nian dar schatzes
truoc, er teille es ane wage sinen friunden gnuoc bl
fiinf hundert marken' Nib. 316, d. h. als schon geldwa-
*) Laclinianii uber das Hild. lied «. 40.
74 WALTHARIUS.
gen ilblicli war, wurde den lielden noch nacli alleni
brauch golJ auf schilden ausgetheilt; ^g\. Roth. 3046.
aber eine andere erniessung dargebotnen goldes, im sinne
des hijchslen alterthums , soll uns das gedicht hernach
uocli kennen lehren.
Eiiien eigenthiimlichen ausdruck, obglelch nur les-
arl von B , liabe ich nicht tilgen diirfen : taliter in no-
nam conllictus lluxerat imdam 1343 , der kanipf walirte
])is zur neunten welle , wobei auch fluxerat ('vvogte) zu
erwagen ist. die iibrigen hss. geben horam , weuiger
gut, der letzte kampf zwischen den dreien hatte friih-
morgens zur zweiten tagesstunde angehoben (1285), wie
hiitte er, nach allem was davon erzahlt wird, acht
stunden lang bis zur neunten , unsrer weise zu reden
gemafs weit in den nachmillag . sich erstrecken sol-
len? jene redensart enthalt eine viel kiirzere, aber
dichterische zeilbestimmung, welche abschreiber oder
nacharbeiter nicht mehr verstanden nnd mit einer ge-
wiihnlichen vertauschlen. Die wellen halten dreischlag:
die drille {rQtzv/tUi) ist starker, als die beiden ersten,
die sechste noch stiirker, die neunte am allerslarksten,
daher decumanus fluctus *). es soU also dadurch die
schnellheit des rascheu streites, nicht seine lange dauer
bezeichnet werden.
WafTen und riistung. Der speer heifst hasta , ha-
stile , cuspis, lancea , contus. beiworler: longa cuspis
931; nodosa hasta 888; coruscans hasta 542 (hastani
coruscat Virg. Aen. 12, 431); coulus ferralus 964; fra-
xineum haslile 1295 (escliiner schaft) ; hasta amica 921.
nialigera hasta 1287 (vgl. vulnigera ulna 1389.) fraxiuus
*) Ovid. Trist. 1. 2, 49.
qiii veiiit hic fluctus , fluctus supereininet onities :
posterior uoao est, uudecimoque piior.
WALTHARIUS. 75
el corniis liidiim niiscebat in iiniiin 186, die nnmen der
baunie fiir die aus ihreni holz gefertigten speere ; legt
hier der dichler dem einen lieer schafte aus fraxinus,
dem andern aus cornus bei ? auch 771 wird gerade die
ferrata cornus dem Saclisen zugetheilt, iind sie ist mit
einem amenlum ausgeslattet, dessen sonst bei dem speer
keine meldung geschieht. Virgil hat ilala cornus Aen. 9,
698. slridula cornus 12, 267. der tridens triplici fune
983 ist ein besonderes vvurfgeschofs , das mehrere zu-
gleich handhaben. Sclnveit : ensis, spala, niucro, cha-
lybs. ensis gemmatus 1314; zweischneidig und an die
linke hiifte gegiirlet 336 , verschieden von dem eiii-
schneidigen, hunischen, an der rechten seile hangenden
halbschwerl337. 1390; vgl. 1430. framea 1016. ist gleich-
bedeutigmit schwert, nicht niit hasta, vgl. Auguslini eplst.
120, 16. denhaftdesschwerlsziertkuiistreiche arbeit 1379,
jenes gemmatus lafst sich auf ihn beziehen , oder auf die
scheide. viridis aedes 1036 in einer interlinearglosse
von C und E wird vagina *) gedeutet, und A hat ensis)
ich nehme es lieber fiir das griine gras , die ulva viri-
dis, worin Walthari (922) sein schwert liegen gelasseu
hatte , welches nun der wallenlose Trogus beim niedcr-
knieu aulfindet **j. Als Gerwigs eigenthiimliche waffe
erscheint die ziveischneid/gc , kurze axt (918. 931) und
die bemerkung des dichters 919: 'islius ergo modi
Francis tunc arma fuere' driickt seiiien absland von der
zeit der bcgebenheit aus. Sc/ii/d: scutum, clipeus , par-
ma, pelta. triplex 668; septemplex 733 (Aen. 12, 925);
gravis parma 539; parma picta 798; tauriiio contexlum
*) aedes pegma ligneum , Sueton. Caes. 8t.
**) unterdessen liatte sicli AValthari seines zweiten schwerts
hedient; freiiicli ist vacuare ungewolinlich gebraucht , Has findeij
sollte melir hervorgehoben sein , und Trogua sagt 1043 mueronem
nostruif/.
WALTnARIUS.
tergore ligiuim 776; pellis superaddila ligno 103,5. le-
derbezogne scliilde sind allen volkcrn gemein, doch
septeniplex fiilirt sich auf das homerische adxoe inra-
^oiiov zuriick. umbo ist das iu des schildes niitle vor-
rageade, daher vou pelta unterschieden 995; clavus
umbouis 814, die liaudhabe aus elfenbeiu 815. IleJm:
cassis , galea ; fabrefacta 1372. Ilarnisch : lorica, thorax,
tunica ahena 1016; lunica trilix 263 (trilix lorica Aen*
3, 467. 5, 259. 7, 639.) Giiriel : balteuni 1193; span-
gen armillae 1193; halsspange torques 1059. bullae 1193
sind wol zierrat, der an spange oder giirtel hangl?
(bullis aurea cingula Aeu. 9, 359; nolis cingula bullis
fulserunt 12, 942.) pJialerae erscheineu am pferd : ca-
ballus faleratus 1063; faleris circumdedit sonipedem
329 (phaleris insigneni equum Aen. 5, 310.)
KJang und scJiaJJ werden hervorgehoben : danl tin-
nltus galeae clipeique resultant 828; dedit (galea) re-
sullans tinnitus 714; dant sonitum, ceu cjuis gemmis
illiserit aurum 462. auch das ist altepisch: sonilum dat
slridula coruus Aen. 12, 267. lute erklang ir gewant
Nib. 435, 4. ferrata sonum daret uugula equorum 1203 ;
horlen hiieve klalTeu ]\ib. 1541, 2.
Der flieliende weudet den schild, und lafst dem
ros die ziigel 202 (laxae habenae Aen. 1, 63.) auf dem
schild ruht der miide: clipeo recumbeus 1176; auf den
speer stiitzt slch der wachende 1184. Schreitet der an-
greifeude vom pferde, so thut es auch der angegrifne
1283, damit der kampf gleich sei ; es gilt fiir edel und
gereclit, den strelt niclit anzuheben , nocli den frieden
zu brechcn, 702. 1287. 1288. Der sieger kehrt be-
krauzt heim 209; hornblaseu ruft , die haufeu zu-
ruck 208.
Die helden praJiJen, sputten und scJieJien. den fraueu
riihmeu sie ilire thaten: ue fiat isla tuae de nie jactan-
W A L T H A R I L S. 77
tla spon^ae 980; sponsa ist briit, fraii , ehfrau; rediens
vixori dicere 562. eiu schmahlich besiegter ■wird oiTent-
licli ausgezischt 1086. vorwnrf der zagheit und abkunft
von feigen lafst sich schwer versclinierzen 630. 1067.
Walthern nennen seine gegner triigerischen waldgeisl
762. 763 und schlange 790; leibliche verstiinimhing
•Nvird alsogleich aufgeriickt, kauni sind ihm einige locken
vom liaupte geliauen , so scliilt ihn der nacliste kampfer
kahlkopf 991, und Hagano, nach dem verlusl soines
auges, wird der scheele angeredet. rauh, aber Ireflich
gehalten ist die letzte wechselrede beider haupllielden.
selbst der besiegte und slerbende stofst schmahungen
aus 1055; andere jedoch fl^hen 718. 751.
Hildburg, Waltharis verlobte, erschelnt treu und
unterwiirfig. dem ermitteten bcreilet sie labelrank 223,
und schaut ihn schweigend an ; seine liebeserklarung
nimmt sie erst als spott auf. aber sie gehorcht seinen
befehlen anstalt zur llucht zu trelTen , und lenkt das mit
ihm zugleich besliegne ros. sie wacht iiber dem iu ihren
schofs gelagertcn 504; und ^vill von dem geliebten ge-
tbdtet sein , um nahenden feinden nicht zur beute zu
werden. unter dem kam])f bleibt sie abseits stehn ;
als ein speer vor ihren fiifsen in die erde fahrt, erzit-
tert sie weiblich aufschreiend. nachts iibernimmt sie
die erste wache 1180 und erschrickt vor der verfol-
geuden gerausch 1209. zuletzt kredenzt sie den wein
und bindet die wunden. INlerkwiirdig ist auch, dafs
Walthari sich eine braut unter den vornehmen huni-
sclien geschlechlern aussuchen und von Attila ausgestat-
tet werden soli (136-139); ganz nach den byzanlini-
schen und friinkischen ehgeboteu (RA. 436. 437.)
Den freuudesbund zwischen Walthari und Hagano
schildern die verse 1251-58 riihrend : tui facies patris
obliviscier egit (dich anschauend vergafs icli des eigneu
78 WALTflARIUS,
vaters) sagt jener. sle waren hluthnlder (RA. 118. 192);
denn 1444 lieifst es : his dictis pactum reuovant iterato cruen-
ium, wiederholt war ihr bhit im gegenseiligen, zulelzt
versohnenden kanipfe geflossen , wie es den ersten ein-
gang des bundes bekraftigt hatte.
Viele dieser brauche reichen offenbar in das liei-
dentlium. des cliristlichen , von dem dichter hinziige-
thanen, ist nur wenig; ich recline dahin das bekreuzeu
des dargereichten weinbechers 225 (aber auch die Hei-
deu machten dabei ihr hammerzeichen) ; das venie fal-
len nach dem aussprechen trotzlger worte (corruit et
veniani petiit) 565 ; das gebet fiir die getodleten feiude
1160; des Tanastus ausgestofsnen todesseufzer sahe!
eine abschiedsformel 1053, weiui nian nicht lieber ^a/ca/
lesen will, gleichsam : Christus refte meine seele! ave!
«
scheint unpassend , und schon des kurzeu vocals der
erslen silbe wegen verwerflicb.
Weileren betrachtungen , welclie ich iiber die dich-
tung von Wallharius anzustellen habe, will ich eine
ausfiihrliche iuhaltsanzeige voraussenden.
Die miichtigen Huuen, unter dem siegreichen Attila,
andere vcilker bezwingend uud sich zinsbar juachend,
begannen iiber die Donau an den Rhein gegen die
Franken , an die Saone und Rhone gegeu die Burgim-
den , von da weiter uach Aquitanien vorzudringen.
Gibicho dcr frankische konig herschte zu Worms, He-
ririch der burgiuidische zu Chalons (an der Saone),
Alpharis , des aquitanischen , hauptstadt ( Bourdeaux. ?
Toulouse?) bleibt ungenannt. alle diese reiche zogen
dem kampf freiwillige uuterwerfung vor, gaben zins
und geiseln. Da Gunlhari, Gibichos sohn , allzu juiig
war, so wurde Hagano von Troja vergeiselt; von bur-
gundischer seite Hiltguud, die konigstochter, aus Aqui-
WALTtlARIUS. 79
tanien Wallliarl, der kcinigssohn *). Froh solcher beute
kehrteu die sieger nach Pannonien heini.
Die gelsehi , freundlich gehalten , "Nvusten sich bald
in Attilas gunst festzusetzen. Ospirin , die kouigin, ge-
wann Ilillguudeu lieb, uud die gefaugue erlangte zu-
letzt das anit eiuer schatzmeisteriu. Hagano und \YaI-
tharl raglen In kriegsziigen hervor. Uuterdessen -svar
Gibicho gestorben und Gunthari nachgefolgt; dieser
Itiste alsobald das hunische biinduis und weigerle den
zius. Hagauo, kaum davou beuachrichtigt, eutfloh aus
der gefaugeuschaft.
Seiue Ilucht erweckte Ospirins besorgnisse; sle er-
mahnt Ihren gemalil auf ^Vallharl zu achteu, er miige
suchen ihn durch die heirat mit einer liuulschen fiir-
steulochter zu fessehi. Walthari, als es Atlila Ihm vor-
schlagt , \veicht kliiglich aus, uuter dem vorNvaud dafs
er vermahlt herrudienst Im krlege versiiumen miisse.
Nlcht lauge uachlier brlcht \>'Ieder ein krleg aus,
welchen Wahharis tapferkeit entscheldet. Der riick-
kehrende siegcr stofst in des kouigs gemach auf Hill-
guud allein , uud lafst sich vou ihr deu becher reichen.
da- eutspiunt sich zvvischeu ihneu eiu trauliclies ge-
sprach : beide vvusten , dafs Ihre vater sle elunals eiu-
ander verlobt liatten. der bund wlrd erueut, die
schmach der knechtschaft erwogen und gemelnschaft-
llche fluclit verabredet. Hiltguud soUe aus dem kciuig-
lichen schalz koslbare stiicke der riistuug uehmeu, zwel
mafsige schreine jeden so schwer mit spangen fiillen,
dafs sle Ihu kaum bis zur brust aufheben kouue", danu
acht paar schuhe hiueln , und oben auf bis an den
raud gefafse legen **), aufserdem belm schmled krumnie
') ibant legati totis gladls spoliati 64 ; im demutigen aufzug
v.nterworfner.
'•) die entwendung dieser scliatze Lalteu wol beide flieliende
80 WALTHARIUS.
angeln bestellen, ■well sie auf der reise von gefangnen
-fischen iind vogeln zeliren niiisten. binnen acbt tagen
soll ein grofses gelage, und der gaste trunkenlieit die
lluclit begiinstigen.
So wird es ausgefiihrl. Als alleHunen, vom welne
schwer, ihrer sinne unmachtig vvaren, zog Wallhari
ein kostliches ros aus dem stall, legte ihm beide schreine
uber , und schwang sich , vollgeriistet, mit der jung-
frau , auf dessen riicken. Hillgund lenkt die ziigel und
hait die fiscliergerle in der liand, der lield selbst ist
mit waffen belastet, weil er allenthalben kampf ahnt.
Sie fliehen bei nacht , bergen sich tags im duukel
der walder, nieiden bewohnte stalten und gebautes
land , auf umwegen ziehen sie iiber bahnlose gebirge.
Unterdessen erwachten die trunknen und gewahr-
ten der entweichung. Ospirin war untrcistlich und At-
tria verhiefs jedem, der ihm Waltliari gebunden zuriick
fiihren wiirde, schatze von geld. Dies wird 405-7
nacli der sinnlichen weise alter compositiouen (RA.
670-673) so ausgedriickt : ich wiU ihn niit gelautertem
gold bekleiden und, wenn er aufrecht am hoden stelit,
von beiden seiten so mit gold beladen, dafs ihm da-
durch der weg ganz gesperrt sein soll *). *vivo' heifst
es, im gegensatz zu dem leichnam, der sonst auf solche
weise, zur biifsung der schuld , niit gold zugedeckt und
darum fiir reclitlicli, weil sie darin eine wiedererstattung des ih-
rem vaterland abgedrungnen zinses selin. Aus gleicliem grund
aclieint nachlier Gunthari anspruch zu erheben auf AValtharis schatz,
ia welcliem er noch einen hunischen erblickt.
') Hervararsaga (Rafn p. 494): mun ek tliik sitjanda silfri
maela en gdnganda tliik gulii stejpa, sva d i-egu alla velti bau-
gar. die stelle ist schon RA. 677 beigebracht und erlautert uuser
gedicht vollkommen.
VVALTHARIUS. 81
zugeslellt AYlid. Reiner fand slcli , der diesen goldliau-
fen zu verdienen lust hatte.
Waltliari lockte die wilden vogel nilt leinirutlien
iind gespaltnen liolzern , an kriiinmuugen der fliisse
senkte er selue augel in die flut, und so welirte er dem
liunger. Aui vierzelinten tag erreichten die fliichtlinge
abends den Rhein bei Worms, dem konigssitz, da gab
Walthari dem schlffer zum fahrgeld vorher gefangne
fische. diese flsche trug des andern morgeus der ferge
dem kiichenmeister hin , der sie wiirzte und dem kojiig
vorsetzte. Verwundert rlef Gunthari, dafs Frankreich
keine solche fische kenne. der koch wies an den fer-
gen , der ferge erzafilte von deni slattliclien helden, der
glanzenden jungfrau, die des weges gekomnien, und
von dem starken rosse , auf dessen riicken zwei schreine
erklungen selen : der liabe die fisclie zuin fiihrgeld ge-
geben. Da rief Hagano : ATalthari, mein geselle, kehrt
lielm von den Hunen. da rief Gunthari : der schatz,
den mein vater daliin entsandte, der kehrt heim. Also-
bald hiefs er seine mannen sich riisten und, wie selir
axicli Hagano enJgegenstreble, den helden verfolgen. "
Walthari, uach dem Rhelniibergang unablasslg fort-
eilend, hatte am folgenden abend den WasichenvN'aId er-
reicht. da ragen zwei berge dicht aneinander, zwischen
sich eine enge, anmutige schlucht blldend, oben vom gipfel
der felsen iiberwolbt: eine hole fiir rauber, mil griinem
grase bewachsen. 'dahln, rief Walthari, lafs uns gehn, den
iniiden leib In dieser burg erquicken!' seit der llucht aus
Hunenland hatte der lield keinen andern schlaf gekostet als
zu pferde iiber deu scliild gelehnt , und kaum die au-
genlieder geschlossen. Jelzt das schwere streilgewand
ablegend streckte er sein haupt lu den schofs der jung-
frau, uud sprach : 'schaue wachsam umher, Hildgund,
und siehst du eine dunkle staubwolke sleigeu, so weckc
6
82 WALTfiARILS.
mich sanft aiif, doch nichtrasch, nahe gleich ein grofser
haufej vveit durchspahen deine reinen blicke rings die
gegend.' Er schlofs die leuchtenden augen iind genofs
der ersehnten ruhe.
Guuthari spur im sand gewahreud spornte seiu ros :
'eih, dafs wir ihn faheu iiud ihm die entwendeten
schalze abnehmen.' 'nicht so leicht,' versetzte Hagano,
'■wiirde das abnehmen dich diinken , hiittest du , wie
ich , ihn streiteu und erlegen gesehn.' doch der konig
war uicht abzulenkeu und sie nahten jener felsenburg.
Vom gipfel des bergs erblickte Hildgund staub sich
erheben und reiter nahen j leise beriihrte sie den schla-
fenden, der sein haupt aufrichtete. 'fernher scliwebt
eine schar', sprach die jungfrau. Wahhari rieb die au-
gen , wafnete seiue glieder und schwang den speer in
der luft. erschreckt, als sie von weitem die spiefse
glanzen sah , rief das weib : 'da haben wir die Hunen !'
vuid zu bodeu faliend : 'o ich flehe dich , herr, lafs
dein schwert meinen hals durchschnejden, dafs , die
ich dir niclit vermahlt werden soll , kein andrer mich
beriihre!' 'ferne sei', sprach der jiiugling , 'dafs schuld-
loses blut micli beflecke ; lege alle furcht ab, der mich
aus so manclien gefaliren rettete kann aucli ^diese feinde
:' niederwerfen. Nicht Hunen , Fi^anken Nibehmgen siud
l es , die hier im lande wohnen ', und Haganons helm
1 erkennend fiigte er lachend hiuzu 'liier ist Hagano,
{ mein alter geselle ! '
Bei diesen worten nahm er seineu staud am ein-
gang der hole hoher , Hildgund blieb weiter hinten
stehn , 'vor diesem ihor rede ich das stolze wort : hin-
nen soll kein Franke heimkehreu und seijier frau sagea
konnen , dafs er ungestraft elwas von meinen schiitzen
w^eggetragen habe.' gleich aber venie fallend bat er
gotl diese worte ab. dann richtete er sich auf und
WALTHARIUS. 83
betraclilele sorgfaltig sie alle : 'uuler diesen fiirchle icli,
Hagano ausgenommen , keinen , der kennt meine kampf-
sitle uud weifs listeu genug; weiclie icli ihnen aus , so
liast du nichts, o Hildgund, fiir deiueu briiuligam zu
befalireu.'
Als Hagauo jeueu vor dem felseulhor stehn sah,
draug er deu konig abzulassen luid wegen des scliatzes
friedliche miltel zuversuchen. Da eutsaudte Gunthari
deu Gamelo, der erst tags zuvor von IVIetz gekommen
war und gaben an den hof gebracht hatle.
Gamelo sprengte nach dem jiingliug uud fragte :
*wer bist, vvauneu kommst uud Nvohin gedeukst du?'
Waltliari: 'erst will ich wissen , ob du von selbst nahst
oder ein andrer dich sendet?' Svisse, dafs Gunthari,
der machtige kijnig mich geschickt hat zu fragen.' 'ich
aber weifs nicht wozu es uoth ist waudrer auszufor-
scheu : Wallhari heifs ich von Aquitania , als knabeu '
gab niich meiu vater zu geisel , in Hunenlaud Jeble ich,
jelzt enlwicli ich uud kehre zur iheuren lieiinal.' 'dich
heifst der kunig das ros mit den schreiuen uud die
juugfrau lierausgeben , dann wird er leben uud glieder
dir lasseu.' 'thoreu glcich redest du ; ein konig, den
ich nicht kenne, sagt mir zu , was er uicht hat und
nichl haben wird. ist er eiu gott, dafs er mir lebeu
gewahre? habeu seiue hande mich ergriireu ? halt er
mich gefessell? doch licire, will vom streit er abslehn,
geb ich ihm liuudert goldrothe spaugen; dem kcinigs-
namen zur ehre.'
Gamelo hiuterbringl das erbieleu , Hagauo riilli zur
anuahme , ihm ahnt soust uuheil. er eutliiillt seiucu
niichllicheu traum : der kijuig hatte einen biireu zu be-
stelin, der ihm eiu beiu bis zur hiifle abrifs und dauu
dem zu hilfe eilenden Hagano eiu auge nut den ziihuen
ausstach. Da schilt ihu Gunthari : 'du artest deineni
6 *
84 WALTHAllll S.
vater nach ! aucli Agallii tnig ein zages herz in dei'
brust und weigerte sich, nacli langem gerede, des kani-
pfes.' Ziirneud antwortete der held : 'ihr seht ihn ja
vor augen , bestreitet ihn , ich will des ausgangs harreu
und sage mich los von der beute.' Nach solchen \\'or-
leu ritt Hagano abseits auf einen nahen biihel, stieg
nieder und schaute zu.
; Zum andernmal entsandt begehrt Gamelo Waltha-
/ ris gesamten scliatz. ' wie' verselzt der held 'habe ich
ihn euerm konig gestolen ? oder hat er niir geld geborgt
dafiir ich so ungeheure zinsen zahlen soll? ist vou mir
euer land geschadigt wordeu? doch es sei, imi friedli-
chen durchzug will ich zweihuudert sijangen gebeu.'
'du wirst mehr miissen! gewahre die forderuug oder
verlier dein leben.' bei diesen worleu nahm Gamelo
den dreifaltigen schild auf deu arm , schiitlelte seineu
speer uud warf. Wahhari ausbiegeud liefs des gegners
geschofs unniitz in deu bodeu fallen , 'vvolan, wenn cs
so seiu soU ! ' und enlsandle seinen speer, der die liuke
seite des schilds traf, Gamelous hand , die ebeu das
schwert ziehen woUte, durchbohreud au die hiifte hef-
tete uud in den riicken des rosses drang. dies , ver-
wundet, strebte seinen reiter abzuschiittehi , welchen
der speer festhielt. Gamelo liefs nun den schild nieder
und suchte mit der linken die reclite zu ledigen; da
stiirzle Walthari heran , sliefs ihm das schwert in den
leib und zog es zugleich mit dem speer aus den wun-
den. mit einem mal saukeu das ros uud seiu herr
zusammen.
Diesen fall schaute Gamelous neffe Gimo, den an-
dere auch Scaramund ueunen, alsogleich erliob er sich
mit beideu handen den speer schwingend. Walthari
stand uuerschrocken. 'mir' schrie der unseelige Scara-
mund, 'sollsl du keinen schatz ausliefern, sondern des
WALTHARIUS. 85
llieiuen olieiiiis leben biifsen.' 'kann icli iiberfiihrt
werdeu , des kanipfs begiuner zu sein und solche be-
gegnung zu verdieneu, so nioge dein speer niich durcli-
bohren.' Da flogen Scaramunds bcide speere hinter-
einander, den einen mied, den auderen schiiltelte Wal-
thari ab vou seinem scliild. Nun zog Scaranuind sein
schwert und schlug nach dem helden , dessen fester
helm widerstand. eh Scaramiind wenden kounte liatte
Wallharis lanze ihu uuter das kinn getroffeu und aus
dem sattel gehoben. deu slerbeuden enthauptete der
held.
Gunthari trleb an, durch fortgeselzlen kampf ihu
zu ermatten. Werinhard trat auf, speerwurf verach-
teud, kcicher luid pfeile tragend , gegen welche der held
sicli niit siebenfachem schilde deckte ; als die pfeile ver-
gebens entsandt siud, greift Werinhard zum schwert:
'kanust du hifligeu geschossen kliiglicli entgehn, so fiihle
dcu schlag meiner rechte.' 'darauf wart icli lange, dafs
dem kampfe sein recht gescliehe.' Waltharis speer trift
des rosses brust, das sich baumt, seinen trager abwirf»
und iiber ihu herstiirzt. jener uaht, enlreifst ilim ge-
wallsam das schwert, zieht deu helm nieder , fafst die
blonden locken, uud haut dem fruchtlos flehenden das
haupt ab.
Drei leichname schrecken nicht Gunlhari; sein
vierter kampfer erscheint, Eckefrid von Sachsen , der
eiuen vornehmen niann erschlageu und aus seiner hei-
uiat die flucht ergrifl^en hatle. als dieser den heldeu
kampffertig slehu sielit, rufl er ihm zu : 'ist auch be-
riihrbar dein leib, unseliger, oder teuschest du durch
luftgebilde? ein sclirat scheiusl du mir, der iu wiildern
hauset.' 'und du', antvvortet Walthari hohnlachend,
'dich verriith deine welsche sprache, triigerischem volke
enlslamnist du; doch wagsi du dlch uaher mid erreiclu
86 WALTIIAlinJS.
clich meiue rechle, so kannst du einmal den Sachsen erzali-
len, dafs ini Wasichenwald ein scliral dir erscliienen sei.'
'icli wills versuchen, was du bist' sagt Eckefrid , und
sclileudert die eisenbeschlagne lanze, welclie gebrochen
voni harlen schilde am rienien zuriickfahrt. Wallhari :
'dies dein geschenk sendel der vraklsclirat dir wieder ;
sleh nun zu, ob mein geschols besser durchdringe !' *)
den hautbedeckten schild spaltet der speer, zerreifst das
gewand und silzt fest in der hinge. Eckefrid stiirzt
und vergiefst einen strom von blut, sein pferd wird
von Walthari gefafst und hiulcn auf die weide gelrieben.
*) in den versen 760-774 ist die bestimmung der re.^eaden
'schwierig , iind dafs schon afjschreiber zweifelten , ergibt die ver-
schiedenlieit der Jesart zu 760. nieine annalime griiiidet sich da-
raiif, dafs ^V. an seinem felsen stehend die kampfer herannalien,
sich von ihneu anreden und angreifen lafst , eh er antwortet und
zur wehre schreitet. dem E. konnte W. im Vosagus als geister-
hafte erscheinung vorkommen und v. 774 nennt er sich selbst ei-
nen waldschrat. celtica lingua ist wol nichts anders als welsche,
unverstandliche, das muste fiir W. , der blofs mit Franken ver-
kehrt hatte , die slichsische sprache sein. auch scheinen die worte
propius venientem (767) nur auf E. , dextera nostra blofs auf W.
beziiglich. Ware umgekehrt hunc ubi VValtharius recht , und be-
giinne W. das gesprach , so hatte man vorauszusetzen, ihm sei E.
als verbannter waltgengo faunisch erschienen, oder als wilder
Sahse (Gndr. 366, 4, 5003, 4. Lohengr. 150 vgj. feroces Saxo-
nes Pertz 2, 3^67, docii Franci feroces Pertz 1, 282. kiindic alsein
Sahse, Amis 1043.) aber W. kannte von allen kampfern Guntha-
ris allein den Hagano, wie hatte er, bevor E. noch ein wort ge-
redet, ihn als Sachsen erkannt? etwa nur an der ferrata cornus?
und wie soll celtica lingua auf den Aquitaner (Wascen) gehn, des-
sen und Alpharis name, so wie die verbindung mit Hildgund ge-
nug zeigen , dafs die sage ihn als einen Deutschen betrachtet ?
der mit den Franken wie mit dem Sachsen deutsch redet? 767-
769 diirfen nicht in Fj. mund gelegt werden ; wie konnte er dem
W. , der gar nicht zu Sachsen gelangt, znmnten, von ihm , wenn
ihn das fantasma bezeichnen soll , den Sarhscn zu erzjililen ?
WALTHARIUS. 87
Kadawart, der fiinfte, uaclidem er sicli vom konig
des geguers schild erbeten hat, lafst seinen speer den
gefahrten, uud baut aflein auf des schwertes scharfe.
die leichen sperren ihm den zugang zum feinde , lieiu
ros kann dariiber, da springt er ab uud kommt zu
fufs. Wallhari lobt den maun , der ein gleiches ge-
fecht eingehe. 'du schlaue schlange' ruft Hadawart,
geschofse und pfeile fehlen dicli , gleich der natler liegst
du im kreise, wahnst du auch dem schlage auszuwei-
clien , den dir meine reclite fiihrt? soll icli dir ralheji,
so lege deinen gemahlten schildab, der mir vom kcinige
zugetheilt wurde ; ich miJchte ilm nicht geschadlgt sehn,
so wol gefiillt er meinen augen. ergienge es aber an-
ders, unterlage icli dir, so stehn hier gefahrten luid
freunde , die dich nimmer entrinnen lassen nnd w'an-
deltest du dich in eineu gefiederten vogel.' 'meinen
schild/ erwidert der held , 'lasse ich nicht, er hat mich
oft geschiitzt , und was er mir heute fromml, wirst du
seheu *) , du selbsl wvirdest uicht mit Wallhari reden,
weun er weg ware.' 'sorge nur deinen gegner dir ab-
zuwehren , damit nicht meiue rcchle dir deine schulz-
wehr der felsenwand benehme.' 'du aber trachte mit
deiner linke finsern den schild fesl zu halten.' Ecke-
*) liier steiit man wieder und nocli melir an , von 810 bis
820 den wechsel des gespriiclis zii ordnen und dessen slnn zu fas-
sen. sclion 811 ist niclit reclit verstandlich , wenn auch 'forsa»
abessel' bedeuten kann: si forte abesset. denn sollte niclit H. den
*kanipf aucli abgeselien vom scliilde , dessen besitz er sicli freilich
wiinsclit, bestanden liaben? die zeilen 812 tf. der einredenden
Hildgund beizulegen scheint unmoglich ; zwisclien beiden lielden
mag dramatisches gesprach, ohne wiederholte nennung der namen
gelten , die jungfrau aber, wenn ihr die kampfsitte eiiimischung
erlaubte, liatte nothwendig vom dicliter genannt werden miissen.
vielleicht mangelt eiii vers oder raelircre , doch kelne lis. hat Iiier
usalze oder liicken.
88 WALTHARIUS.
frid: *was du frei\villig -weigerst, wirst du gezwungen
tliun ! lege ab die last, die du von den Hunen bis hier-
lier so weile •wege bindurch gelragen liast , iiiclit nur
den schild , auch das ros mit der jungfrau sanit alleni
golde sollst du uns ausliefern.'
Nach diesen reden beginnt der hefligsle kampf, von
Hadawart mit deni scbwert gefiihrt, von Wallhari mit
dem speer. Hober sleigt der 'SYormser das schwert er-
Iiebend, eiu gewaltiger streich soll entscbeiden. docb
der jiingling fangt ibn auf und scblagl ihm die klinge
aus der hand , fern im gestriiucbe scbimmert sie. da-
liin fliebt Hadawart, wird aber von Wallbari eingeboh,
dessen beide bande den speer scbwingen. 'wohin Diebsi
du? da nitnm 'den scbild ! ' ruft der beld und scliliigt
ilin nieder. Waltbari selzt ihm den fufs auf den nacken,
sein speer beftet scbild und leib des gefalluen an die
erde.
Der secbsle naht Patafrid, Haganons schwesler-
sohn. 'wobiu rennst du, neffe?' ruft ihm Hagano ent-
gegen, 'siehst du den Tod nicbt lacben?' allein der
ruhmsiicblige jiingling veracbtet die mabnung. Da weh-
klagt Hagano ob des unersattliclien geizes, der die men-
scben ins verderben stiirze, und vergiefst thranen iiber
den ungliicklicben neifen. Diese klage des alten freuu-
des dringt durch die ferne zu Waltharis ohren, und ge-
riibrt redet er den kiibnen jiiugling an , abzustebn vom
slreit, ibm durcli seinen tod uicbt nocb mehr feinde zu
wecken. 'was kiimmert dicb mein slerben? ficlit und*
rede nicht ! ' Patafrid schleudert den speer , welcben
Waltharis speer abschlagt; des wurfes gewalt und die
kraft des wiudes trug den scliaft weiler fort bis in die
burg zu den fiifsen der jungfrau, von furcbt bewegt
scbrie sie weiblicb auf, doch bald sich erholend schaute
sie. ol) der hekl lebe. Nochmals erniahnte dieser den Fran-
WALTHARIUS. 89
ken abzulassen. Patafrid aber entblijfsle das sdiwert
und grif an in unvorsichtiger wut, so dafs Wallhari
sich schirmte und jeuer hinsliirzte und vergebens zu
wehren suchte. ihn traf des helden speer.
Diesen zu rachen gelobte Gerwig, dessen niachti-
ges ros iiber alle leichen sprengte, die den engen steg
sperrten. eben als der krieger des erlegten haupt voni
runipfe trennte •warf schon Gerwig die zweischneidlge
frankische axt; der schnell vorgehaltne schild vereitelte
den streich. zuriicktreteud grif Walthari seinen speer
und sleckte das blutige schwert ins riedgras. keine
reden wurden uuler beiden kampfern gewecliselt ; der
eiue wiitele seine erschlagnen gefahrlen zu rachen , der
andere strebte sein leben zu vertheidigen. Zuletzl er-
sah cs Walthari, dafs er Gerwigs scliild liob und ihm
das eisen in den leib stiefs ; das haupl schnitt er ab
und liefs den runipf liegeu. Dieser Gerwig war ein
graf des worniser gaues.
]\iin erst zauderten die Franken und baten ihren
lierrn einzuhalten. Gunthari hingegen : ' eh will icli
sterben , als so ruhnilos nach Worms zuriickkehren ;
soll dieser siegreich entrinnen? auf, meine helden, das
vergossene blut zu suhnen ! ' Diese worte entflamuiten
alle und einer suchte dem audern in den tod , wie iu
ein spiel , voran zu eilen ; doch der schmale steg ge-
statlete inimer nur zwei streiter.
Unterdessen sie ztigerten halte der ruhmvolle held
seinen helm abgenommen und an einen baum gehiiiigt,
in der luft sich zu kiihlen, da sliirmte auf schuellem
rosse Randolf heran und traf mit schwerer eisenstange
Waltharis brust. hatle das wielaudische geschmeide
nicht widerstauden , so ware das holz eingedrungen.
doch er fafste sich und hielt den schild vor, den helm
/u nehnien war keine zeit. der FVanke aber halle
90 W A L T ri A R r u s.
das schwerl gezogen, iiacli deni sclieitel geliauen iiiul
zwei locken abgeschoren'; sein zweiler hieb drang so
fest in den schild , dafs er mit allev niacht den stahl
nicht wieder lusen konnte, dem blitzo gleich sprang
Walthari riickwarts und wieder auf den Franken los,
den er zu boden driickle und die brust ihm trelend
anrief: 'fiir die glatze nehm icli dir den sclieitel, dafs
du delner braut nicht vou mir prahlest !' bei diesen
worlen trennte er des flehenden liaupt.
Neunter kampfer war Helmnot, der eiuen drei-
zack schleppte an dreifachem seil, welches im riicken
slehende gefahrten hiellen. so dachten sie, wenn die
geworfneu haken im schilde fest safsen , alle zugleich
zu ziehen und den helden nieder zu slrecken. Helm-
uot warf: 'unler diesem eisen , kahler, findest du den
lod !' Gleich der sclilange , die sich von liohem bauni
lierab wirbelt, fuhr das glanzende geschofs und zer-
rifs den nagel des drohnenden schildes. Der wald er-
schallt von der seilziehenden Franken geschrei , selbst
Gunlhari hat mit hand angelegt. Unerschiitlert, wie
der esclibaum, sleht Walthari ; sie streben ihm weuig-
slens den schild abzureifsen.
Die namen der ziehenden sind : Eleuther der
neunte, aucli Helmnot genannt, Trogus von Strafsburg
der zehnle, Tanastus von Speier der eilfte , und der
kdnig, weil Hagano abgieng, erselzte den zwolften.
Wahrend diese vier tobend sich abniiihten , enlbrannte
der held in zorn, baarhaupt, aiif riisfung, speer und
schild verlrauend , griff er zuerst den Eleuther an, luid
spallete ilim helm und nacken. Dann iiberfiel er Tro-
gus , welcher im unseligen seil verwlclselt, umsonst zu
iliehen und seine waifen zu liolen trachlete, denn alle
seiiziehenden hallen speer und schild abgelcgt. Wal-
thari liiob dejn fliehenden die .waden ab und fafsle des
WALTHARIUS. 91
Trogiis scliild, eh er ihu ergreifen konnte. der wuude
und wiilende ersah sich einen ungeheueru stein , den
er auf Wahhari sclileuderte und damit seineu eigneu
schild vou obeu bis unten spaltete. kniend aber faud
Trogus ini grase das schwert (v. 922) und zog es aus
der griineu behausung, heifsniiitig schwang es die liiftej
konnte ev durch thateu keiue mannheit beweiseu, oflen-
barle er sie doch in herz und mund. uud als er keiue
geister lachen sah*), da rief er kiihn: *o dafs ich eineu
schild oder eiueu treueu freiuid hatte! zufall nicht
tapferkeit gab dir den sieg, hole dir zum scliihl auch
die kliuge!' 'ich komme' sprach Walthari, llog her-
zu uud hieb die rechte des hauendeu ab. libeu sollte
ein zweiter streich der scheideudcu seele das thor ijf-
nen, als Tanaslus, der, gleich deui konig, die walFea
wiedererlangt hatte , erschien und mit vorgchaltucni
schild den gefaiirleu schiitzte. Unwillig wandte sich
der held gegeu ilwi, rifs iljm die schulter vou oben ab
und iifuete die seite. init lautem schrei stiirzte Tana-
stus, Trogus aber siiefs bittere sclimahuugen aus. 'slirb
rief Wallliari, 'und melde deinen geselleu , wie du sie
geracht hast'. sprachs , uud driickte ihin die goldspange
um den hals. da lagen beide freunde hiugestreckt in
dem staub.
Seufzend schwiimt sich der ktJnig aufs ros uud eilt
*) iiec manes ridere videns ABC 1040; unlialtbar ist mfi-
nens I. lachlen die geister niclit? oder sali er niclit dafs sie
Inchten? gaben geisterliafte wesen , vieiieiclit die seelen abge-
scliiedncr, zuscliauer ab bei kampf und gefeclit? bedeutete ilir
laclien Iieil oder unlieil? merlvwurdig stiinmt das lachen der gei-
ster ini zuge des uordisclien Gurorysse (mytli. 531.) manes sind
liei N. unlioldon, vgl. Mart. Cap. 53: maiiibus refutatis, dieii
unlioiden ferworfenen; nianium, dero unlioldou goto." Aucli vou
(lcm Tod liiefs e:- 850 : qualiter arridet, in uuIieiUvolieni siiin.
02 WALTHARIUS.
zu Ilagaiio, ihn endlich zuni kanipf zn bewegen. ^niicli'
sagl dieser 'hindert der ahnen ruhmloses gesclilecht,
mir hat das kiihle blut den niut genommen : mein va-
ter erblich , wenn er speere sah, und sclilug mit vielen
redeu den streit aus. als du dies, l^onig , unter dei-
iiem gefolge prahltest, war meine liilfe deiner luiwiir-
dig'. Da drang Giuilhari in ihn mit erneuten bilten,
nimmer vervvinde Frankreich solchen schimpf, zischend
werden die Franken sagen , von einem einzigen luibe-
kannteu sei das gau«e lieer ei-legt '. Hagano zauderte,
bedachte die ehnials Wallhari geloble treue. endlich,
als der konig nicht nachliefs, brach er in die worte
aus: 'wohin rufest du mich, lierr? welclier tlior sliirzt
sich in das ofne grab ? uicht des iheuern neffeu tod
hatle mich vermoclit die treue zu brechen, fiir dich ko-
nig begebe ich mich iii unzweifelhafte gefahr. doch
von hier scheide ich aus dem kampf: lafs uns weiler
ziehen und auf der warte lauschend die rosse weideu;
dann wird er uns fortgegaugen wahnen und seine enge
burg verlassen, im riicken folgen wir nach '. Diesen
ralhschlag lobt der konig, umfjingt und kiifst den hel-
den, dann weichen beide zuriick, erspiihn sich deu hin-
terhalt uud lassen die rosse grasen.
Mittlerweile war die dunkle nacht eingebrochen,
und Wallhari, der weise held , begann zu iiberlegen,
ob er in der sichern burg verweilen, oder in der ciden
wUdnis fortziehen solle. blofs den Hagano scheute er
luid jene umarmung des konigs. wollen die feinde
nachts in die stadt zuriickkehren , neue krieger sam-
meln luid friihmorgens das gefecht erneuern? oder lie-
gen sie allein auf naher lauer? aber auch den unweg-
samen wald fiirchtet er, wilde thiere und die gefahr
fiir die )uiigfrau. alles erwogen beschliefst er zu blei-
ben , b;s der tag das licht wiederbringe, * der stolze
VVALTHARIUS. 93
kouig soll uicht sagen , dafs icli iu diebes weise aus
dein gebiete entwichen sei.'
Dornen und gestrauche liaut er und verbaut den
engen pfad. daun mit bitterem seufzen naht er sich
den leichnainen , fiigt jedein lunipf sein haupt an und
gegen osten kniend, das baare schwert halfend, betet
er also : 'dir, o schupfer, oluie dessen willen nichts
geschieht, danke ich , dafs du mich scliirmtest vor den
geschofsen ungerecliler feinde; verleili o giitiger lierr,
der du die siinde, nichl den sjinder vernichten willst
dafs ich alle diese *) dereinst iu dem hinunlischen sitze
schauen moge.'
Nach diesem gebet erhob er sich , trieb die scchs
rosse ein und band sie mit weiJen fest. nur sie waren
iibrig, zvvei von speeren durchbohrt und drei von Gun-
thari weggefiihrt. danu loste er seine riistung, sprach
mit frohen worlen der jungfrau mut ein, genofs speise
und bereitete sich , auf dem schilde lagernd, die mat-
ten gliedei' auszuruheu. beim erslen sciilaf solle die
jungfrau wachen , er, wo niehr gefahr drohe, gegeu
morgen. endlich eutschlief er.
Sie aber, ilim zu haupt sitzend, wachte und hielt
die schlrifrigeu augen oiFen mit gesang. Der mann brach
seinen schlaf, stand auf und hiefs die jungfrau schlum-
mern, und am speer gelehnt brachte er die librige nacht
zu, bald die rosse umgeheud, bald iiber den wall hiu
lauschend. AIs nun der tag dammerte uiul thau die
erde benetzle, gieng der held den erschlagnen waiTen
und kiiegschmuck zu rauben , spangen, giiriel , helme,
schwerter uud harnische , das iibrige gewand lassend.
mit jenen lud er vier rosse, hob aufs fiinfte die braut,
•) hos 1167 geht auf truiicos 1157. trnncus ist der haupt-
lose leichnam, Vlrg. Aen. 2, 557. Die schwertenthlofsung bei die-
sem feierlichen hergang bewahrt heiduische heldensitte.
94 WALTUARIUS.
uiul besclirilt tlas seclisle. Zuersl verlicCs er selbsl die
umwallung, spalile aiif dem eiigeu slcge niil liellen
augen und liorchte niit aufgereckten oliren uacli sclial-
leudeu ziigelu und hufsclilag. alles scliwieg, da liefs
er die vier saunirosse voraus, dann das Aveib niit den
schreiuen folgeu, und er beschlofs deu zug. Rauinwa-
reu sie tausend schritte, als die zuruckschauende juug-
frau zwei mauuer von eineni hiigel reuneu sah , und
vor schreckeu erbleichend zur Ihicbt ermahnle. Wal-
lliari sich weudeud erkanute die feiude: 'besser ist es
zu harreu uud deu streit zu beslehu; du, ergreif deu
ziigel des schatztragenden rosses uud bleib im uaheu
haiu , ich werde sie am "^hhaug des bergs erwarten.'
Der kouig uud seiu gefahrle rannteu ihn an :
'jelzl ist der schlupfwlnkel dir benommeu , aus Avel-
chem du, wiitender feiud, einem huude gleich, belllest;
nuu gilts in ofnem felde zu fechlen uud zu erproben,
ob dem anfaug der ausgang entspreche. wol weifs ich,
das gliick hast du um lohu geduugeu und verachtest
flucht oder ergebuug.'
Walthari, taub gegeu des kouigs worle, weudet
sich au Hagauo und mahut ihu der alteu treue, er be-
schwort ihu bei ihren jugendlichen spielen, bei ihrer
unbefleckten freundschaft , abzustehu vou dem augrif:
' daun will ich dich preiseu uud deu scliild dir mit ro-
them golde fiillen.'
Fiuster und zornig verselzt Hagauo: 'erst iibst du
gewalt, Wallhaii , und dann vei'suchst du iiberredung;
du brachst die Ireue. sahst du mich nicht zugegen uud
erschlugst mir freuude und verwaudle? deinen schatz
sclilag ich aiis, vou deiuer haud fordre ich den tod des
theuern ueffen.'
Hagano schwang sich vom riickeu des rosses, ebeu-
so Gunlhari; alle standen zu fufs, zwei wider einen.
WALTHARIUS. 95
Den frieden ziierst brach llagano , nill furchtbarer ge-
walt seinen speer werfend, der aber ani schragen schilde
des helden abprallte und bis an den nagel in den na-
heii liu°el eiubohrte. drauf ^varf den eschenschaft
Gunthari, beherzt doch niit schwacher kraft, Wallhari
schiiltelte vom rand das malte eiseu. BetrofTen vou
dena schlinimeu zeicheu ziehn die Franken ihre schwer-
ter und greifen an ; tapfer ab wehrle des helden speer
iind schreckender blick. Und weil ihre kiirzcn kliu-
gen nicht an ihn reichten, bedachle Gunlhari seincn
speer, der vor Waltharis fiifseu lag, heimlich aufzu-
nehmen und winkte dem dienflmann voranzuschreilen.
Kaum aber halte des kouigs hand den speer ergrilfeu,
so drangte Wallhari Ilaganou plotzlich zuriick und
hielt mit dem fufse noch dcn entzogngn speer fcsl, dais
Gunlharis knie sankeu. da nuu halle ihn der held
auch erschlagen, wiire nicht Hagano mit schirmendem
schild und geziicktem schwert vorgespruugen, so dafs
jeuer aus\vich,und der zillernde kiinig enlrinneu konnle.
Walthari fiirchtele den lislen beider zu erliegen.
laut rief er aus: * du , o hagdorn , griinst in laub,
dafs du stechen ktinnest, strebst mit schlauen spriin-
gen mich zu teuschen ; doch ich will dich schon naher
heranbriugeuj!' Miichtig schleudert Walthari den speei',
und trift, und nimmt ein sliick der riistung weg^ leioht
Hagano streifend, aber dem wurf nachspringend ihut
er ploUlich eineu ungeheuern schwertschlag auf deu
kiinig, dafs er ihm bein und schenkel bis zur hiifte
weghaul, und Guuthari iiber den schild hinstiirzt. und
das schwert vou neuem ziickend ist Wallhari im be-
grif den todesstreich zu verselzen , als Hagauo mit eig-
nem haupt ihn auffangt ; au des herlichen helmes harte
bricht sich klirrend die klinge , dafs ihre {riimmer iu
der luft und im srase funkeln. zornis wirft auch den
96 WALTHARIUS.
kiinstlicli gesclimiedelen grif der lield zu boden ^veit-
weg; diesen augenblick *) ersieht Hagano und haut die
vorgestreckte, volkern und konigen durch ihre siege
furchtbare rechte hand iiieder. Unerschiittert und auch
mit der linken unkundig zu weiclien , schiebt Walthari
den bluteuden slunipf in den schild und zieht niit der
unverselirten hand ein iini die rechte hiifte gegiirletes
halbschwert, dessen slreich alsobald Haganons rechtes
auge ausstijfst, die schlafe durchschneidet , die lippen
spaltet vuid ihni zweinial drei backenziihne aus dem
munde reifst.
So nun endete der kampf, aus welchem zwei grofs-
mutige , an kraften gleiche helden , keiner unversehrt,
hervorgiengen. dort lag Guntharis fufs, hier Waltha-
ris rechte und Haganons zitterndes auge ! so tlieilten
sie die hunischen*spangen! Es safsen die beiden, der
dritte lag, und trocknelen den bkitstrom mit bkimen.
Wakhari rief die furchtsame jungfrau , sie kam und
verband alle wuiiden.
Drauf hiefs sie der brautigam wein mischen: 'den
reiche Haganon zuerst, ein guter kampfer ist er, wenn
er treue hak; dann reich ihn mir, der ich mehr als
die andern duldete ; zuletzt trinke Gunthari , der unter
tapfern mannern lassig und lau dem kriegswerk oblag.'
In allem gehorchte Heririchs tochter. Aber der Franke,
obwol diirstend nach wein : 'bring ihn zuerst, jungfrau,
deinem brautigam und herrn , der, ich bekenn es, slar-
ker ist als ich , und nicht nur iiber niich , iiber alle
hinausragt.'
Unbezwungen im mut, ermatlet am leib, scherzlen
unter den bechern Hagano der dornige und der held
') den einzigen , wo "Walthern seine gewolinliclie vorsiclit ver-
lassen hatte; praeter et unius punclum cautissimus heros 1320,
vgi. 1380 ff.
WALTFIARIUS. 97
aiis Wascciilaud. Der Franke spracli: 'jage Jir hirsclie,
o freiind, voii dereu leder du handscliuhe ohue zalil
habest , doch den recliten ralli ich niil zarter wolle zu
slopfen, dafs unkundige voni schein der liand gefeuscht
w^erden ; und den brauch des volkes Nvirst du brechen,
das schwert an die rechte liiifte giirten , uud dein ge-
niahl verkelirt niit der linken hand uniarmen ; was du
zu thun hast wird die linke verriclilen.' 'iNIicli wun-
dert dein vorspringen, einaugiger Sicaniber! jag icli
hirsche, so wirst du eberfleisch nieidcn *) : luid niis-
trauisch den dienern befehlen, querblickend die rei-
hen der hehlen griifsen. doch eingedenk alter freund-
schaft Nvill ich dir rathen , sobald du heinikehrst, lafs
dir gespickten brei von milch luid niehl kochen , der
dient beides zur heilung und kost.'
jNlit diesen •\vorten erneuerten sie den blutigen bund,
hoben den konig, dessen wunde heftig schnierzte, aufs
ros und giengen von einander, die Franken nach
Worms, der Aquitaner in seine heiinat. ehrenvoll eni-
pfangen feierte er die vermahlung mit Hildgund , und
beherschle, allen iheuer uud lieb , nach des vaters tod,
sein volk in dreimal zehn gliicklichen jahren.
Dieser auszug gibt kund welche forlschreitende
eplsche kraft iu der ganzen dichlung enlhalten sei; nir-
gend ist die handlung miifsig , sondern in besliindigcni
wachsthum begriffen und der antheil sleigt bls ans
ende. Den mittelpunct bilden aber die kampfe des hel-
den mit den einzelnen Franken, und hier hat das ge-
dicht ungemeine gewandlheit und manigfaltigkeit ent-
wickelt. keins dieser gefechte gleicht dem andern, son-
dern ist durch die sinnesart der jedesmal auftretenden
') galt die alte helHenspeise einatigigen fiir ungesund? blofser
melilbrei soll iiinen frommen. nian selie untcn s. 105.
98 W A L T FI A R I U S.
kanipfer, durch die veischieilenlielt der gebraucliten
waffen iind durch den fiir Walthari zwar immer sieg-
reichen , in den nebenumslanden aber abweichenden
ausgang eigenlliiimlich ausgebihlet. Die wechsehidsten
gefiihle werden dadurch angeregt ; ein lield erscheint
als treuer dienslmann, der andre als racher seines ge-
fallnen verwandten, ein dritter als landfliichtiger fremd-
ling, und fiir jeden veriindern slcji die beweggriinde
des angrifs, Besonders zu preisen ist die nacli deni
tode des eilften streileis einfallende pause, bevor auch
Gunlliari und Hagano slcli elnlassen. diese schllderung
der nacht, in welcher Walthari dle haupter der von
ihm erschlagnen felnde mit den leichnamen zusammen-
fiigt und in feierliclier slllle fiir ihre seelen betet, dann
wie Hildgund und er wache halten, gehort zu dem
erhabensten was unsei'e alte poesie aufzuweisen liat.
in jener feler , zumal der schwertentblofsung beim nle-
derknien, ist noch heidnlscher anslrlch*), iiber welclien
nahei"e aufscliliisse wiinschenswerth waren, zuglelch
aber dle verst3hnliche gesinnung des betenden hel-
den echt christlich. Nlcht wenlger schiin , wiew^ol
rolier und wenu man will barbarlsch ist der aus-
gang des ganzen. nnr durch theilweise und gegensei-
tige besiegung konnten dle beiden hauptgeslalten des
gedichts versohnt werden und auf das befrledigendste
ist ihre anerkennung ausgedriickt in dem anbieten und
ausschlagen des ehrentrunks, so wie durch dle helter-
keit der folgenden scherze. Hildgimd , dle iiberall im
lied weder zu wenig noch zu vlel auftrltt, hlnterlafst
wunden blndend und weinbereltend am sclilusse einen
wolthuenden eindruck. selbst die auf den konig ge-
worfne, obgleich schonende verachtung thut ihre rechte
') Oddr bestattet die eilf vou ilmi ersclilagnen berserker (Her-
var. saga cap. 5. p. 421». )
WALTHAllIUS. 99
\viikiii»g. Dafs Altila und Ospirn , in das erste dritlel
des gediclits eingreifend, hernach falleu gelassen wer-
den, scheint vollkoninien episch.
Eine diclrtuug, so fest iu einander gefiigten in-
lialts , kauu nicht von eiiieni nionche ersonneu seiu, sie
njufs vorher schon als deutsches gedicht unter dem volk
gelebt habeu, iind auf dieser grundlage beruht der ver-
such der halbgelehrteu umarbeituug, die klostergeist-
liche *) zu erheileru uud iu der nietrik zu iiben be-
stiiumt war. \Yie sicli aber die gestalt eines lauge iiber-
lieferteu und fortgetragnen deutschen epos im beginn
des zehnteu jh. vorzustelleu sei, ist aus den formen
eiuer solchen vou eiuJliissen lateiuisclier construclion
uud lateiuisches versbaues beherschten nachbildung
scliwer zn erratheu. Eiuzehie spuren von alliteralion
scheineu zvs'ar vorzublicken, z. b. selbst in der bezeicli-
nung des helden Wahhari fona Wascom (WaUharius
vocor, ex Aquilanis sum geueratus 599), iu uebenein-
auder fiiguug von Wallhari und Wormaza (144) , von
Haririh und Hildguud, oder dem mit Scaramund 709 zu
verbiudenden adj. scarf. Im lied vou den Nibelungen
riihren die nebeneiuauder stehenden eigeunameu Sigmunt
und Sigelint, Guuther luid Gernot, Liudeger und Liude-
gast noch aus einer friihereu alliterierenden gestaltung. Ha-
gai^o spinosus 1421 konnle auf Hagano hagauin zuriick-
fiihren; vitam et artus 603 ware Iip iuti lidi, uud soreihleu
sich fisch und vogel 272 ; fiscli und ferge 434. 463 ; und ahn-
*) der beginn des gediclits ist an ^ie fralrrs gericlitet; iiber-
lianpt sclieineii die zelien ersten verse blofs moncliiscli; und das
deutsclie lied wiirde niclit elier als niit dem eilfte» anlieben, vers
1 erinnert au Corippus J, 47: tertia pars miindi fumans perit
Africa fTammis , vgl. mytliol. 179. Einigemal tritt die person des
dicliters vor : narro 15; edicam 1007; am meisten 1452-1455;
in den ausdriickeii narrant 78; referunt 688 scliimmert der deutsclie
vortrag diircli. vollig deulscli kliiigt dcr sclilufs : Iiaec est Walt-
liarii potisis, daz ist Waltliaries liod.
100 W A L T n A R I U S.
liches niehr. hierbei wiire dennoch blofser zufall nioglicli ;
in andern fast entscheidenderen fiillen ist keine allileralion
zu ahnen , zumal zwischen den ordinalzahlen und den
namen der einzehien zwolf lielden, vro sicii das urspriing-
liche verhallnis fast nicht halte verwischen lasseu. wenn
daher iu versen , deren inhalt beinahe keine abweichuug
von der grundlage gestallete, einigenial das alliterierende
baud waltet: illic Guntharii pes regis, palma jacebat
Waltharii 1402, wo sogar pes iind pahua, wie fuoz
und folma stimmen ; so fallt niir doch fiir die folgen-
den worle: nec non treimilus Haganonis ocellus weder
ein vocalisch noch mit H anlauleudes adj. eiu , an des-
sen slelle das uneulbehrliche und sicher echte trenuilus
geselzt ware. Uud zu jeuer zeit diirfle auch iu Siid-
dentschlaud schwerlich eiu episches lied uiit voller al-
literation, hochstens eiu iiberrest derselben, deu die
veranderte form der poesie nicht gelilgt halte, der aiis
ihr theilweise sogar in die lateinische nachahmuug eiii-
gegangeu ware, zugestandeu vverden. Die frage sleht
dauu wieder nach der gestaltung , welche das deutsche
volkslied seit dem neunleu und zehuteu jh. fiir sich
angeuommen hatte ? und auch sie ist schwer zu
beantworlen. lch werde iu der vorrede suchen meine
ansiclit von dieseni gegenslaud ausfiihrlicher nutzulhei-
len uud nachzuweisen, wie sowol das altere allitqpie-
rende mafs als auch die spatere epische laugzeile des
zwolften uud dreizehuten jahrhunderts niit derjenigeu
zusanuneuhaugeu, woriu Otfried und der verfasser des
Ludwigliedes dichteten , unerachtet diese iunere reime
haben , in deu Nibelungen und Gudruu -aber die
schliisse der langzeileu gebuudeu siud und stropheu
vou vier zeilen eutspriugeu , iu der ahd. periode nur
vou zweien. Das steht fest , aus dem olfriedischeu
vers ist uumittelbar der erzahlende, aber uuvolks-
WALTOARIUS. 101
malsige liervorgegangeii, den die hofisclie dicblkunst rei-
uigle iind fortbildete. In wiefern jene vierzeilige slrophe
sich etwau an wiederkehreude abschnitte alliterierender
gedichte schliefse? niiislen eher die alluordische poesie,
als die allsachsiscbe oder angelsachsische lehren. ich
nieine in den wechselreden des Waltharius hiu und
wieder noch entsprechende sonderungen von je vier
liexanietern wahrzunebnien , z. b. in deu versen 627-
630, 634-637, 640-643, 649-652, 664-667,668-
671, 1435-1438, 1430-1442, 1443-1446, 1447-1450.
dies wiirde ciuigen der vorgetraguen uiiilniafsungen, ob-
schon iuiiner iiur schwach , zur liilfe koinnien.
In welcher aufseren gestalt aber aueh den sauct-
galler nioucheu ein deutsches lied vou Walther uud
Hildguud bekannt gewesen sei; ein solches nuifs uebea
ihrer lateiuiscbeu uachbilduug, und gar nicht eininal
vou iiir beriihrt, uoch spater bis ius dreizebnte jb. und
vielleicht langer forlgedauert haben. ware es ims, selbst
aus 80 junger zeit , iu irgend einer haudschrift erhallen,
was fiir wichtige aufschliisse iiber das ganze bisher erdr-
terle verhiiltuis niiisle es gewahren. Das lange forlle-
ben der ohne zweifel in lieder gefalslen sage geht aus
sicheru zeuguissen hervor. Walther von der Vogel-
weide hat seineu gleichen nanieu iiu sinn, uni seiue
geliebte unter dem von Hildegund zu verslecken *). das
war jedem zeitgenosseu alsobald verstandlich. Es niogen
sogar niehrere und abweichende, kiirzere und ausfiihrli-
chere auiTassungen der sage uingegangen sein , wie sich
schon aus jenem verse 688 des lateinischen werks ent-
nehmen liifst. In unsern Nibelungeu stehn verschiedne
anspieluugen. 1693-1695," 1734-1736 wird die gesel-
lenschaft zwischen Hagene uud Wallher, der hier vou
*) 74, 19; rgl. Uiilands selirift s. 17.
102 W A L T 11 A R I U S.
Spdne heifst, iiiicl Walllieis fliiclit iiiit Ilililcgiintl aiis
Hunenland erwalinl; aucli niiirs die lesart 'jnine gisel'
1694, 2 BCJh erwogen ^verdcn. das isl aber schon an-
ders , dafs Hagene nichl cnlronnen , sondern voii Ktzel
selbst heim enlsandl vvar. noch beinerkenswcrlher ist
2281 der Hagen von Hildebrant geinaclile vorwurf, er
hajje vor dein Wasgenslein mif dein schilde gesessen iind
sich vonWalther seine freuude erschlagen lassen. auch
iin lat. gedicht 638. 639 ersclieint Hagano als ru-
higer zuschauer des kanipfs; nur das niederselzen
auf den scliild isl der lebeiidigere , episclie ausdruck
von llieilnahndosigkeit unter slreilenden , und wahr-
scheinlich iu aller silte hergebracht. INirgends in deu
INibelungen tritt Walther selbst auf, vvol aber geschieht
es iu dem gediclit vou Bilerolf und Dietlieb, auch da
v\'ird er genannt von Spanilani 576. 615. 3045. 5086.
6223. 6854. 7649. 10399. 12650; und Alpkers kint
9951, vvas ein ahnlicher, alieiu verschiedner nanie vou
Alpher =. Alphari, Albheri ist. auf ein lied beziehen
sich die verse 577, 578: ' der w^as von Hiunen her
bekonien, als ir ivul haht e vernumeu.^ Walther erzahlt
dem Biterolf von Etzels maclit und freigebigkeit, wie
der konig und Helche ilim land und kroue augebo-
ten, wie Hagene und er von Etzel scliwert genommen
hatten 752 ff. auch seines riihmlicheu kampfes am Rhein
mit den Franken wird gedacht: 'wie sich des heldes
hand ha;t ervohten (im kampf hervorgethan) an dem
l\in', 716. Walthers schild und waffen werden als
weitbekannt angegebeu 613 ff. , sein schwert JVaske
12285 genannt , was mit der benennung W^asken-
land fiir Aquitanien iii verbiudung gebraclit werden
kann; Nib. 1988, 4 gilt Waske iiir Irings scliwert,
W^altiiers verllechtung in die fabel von Biterolf scheinl
mehr erfunden , als volksmiifsig , Bilerolf Irift auf ihu
WALTHARIUS. 103
iiiiwell Paiis in Kerliiigen, gerath niit ilini in kanipf,
erkennt ilui aber baltl , und nennt ihn seiner schwester
sohn. Diellieb sippet an ^'^"althern 3043. daruni heifst
Walther in audern gedicliten (Dlelrichs flucht, Alphart,
Rosengarten , aucli im anhang des heldenbuchs) von
Kerlingen', hier ini Biterolf wird er als oberherr dreier
kcinigreiche, Rerlingens, Arragoniens und Navarras vor-
gestellt *), was, glelch jenem von Spanien aus dem al-
len nanien von Aquiianien erklarlich ist. Biterolf, ko-
nig von den bergen , zu Etzel ziehend , bestellt AYalt-
hern wiihreud dieser abwesenheit zum ' frldenieister '
seines landes. AIs, im verfolg, Etzel die Franken iiber-
ziehen wlll, ralh llagen den Wallher nach Worms eiu-
zuladen, und Wallher eilt aus Kerlingen den Rhein-
franken zu hilfe. Hildgund ist im gefolgc und erkun-
digt sich bei Ruedegcr, Etzels boten , nach Helchen
6891. diesen Riiedeger slellt Hildebrand, Etzels schar-
meisler, hernach 'NValthcrn im kanipf eutgegen , er soll
Hildgundeus eulfiihrung an ihm rachen 7651; wenig
froh dieser zuweisung isl Riiedeger, er kennt des hel-
den tugend: 'er riinite mlues herreii lant gar an alle
schande' 7667. nachher kommt es doch zum gefecht
zwischen beiden , und jeder machl dem andern viel zu
schaffen. ' mich hat gemachel im su zam', sagt Riiede-
ger, ' der degen iiz Spauelant, hcct ir hie twalm an
der hant, den truiikich, uud gebiiter daz' 12649. Dafs
hier Walther auf Giiuthers seile auftritt ist dem sinne
der alten dichtung unangemessen.
Weit helleres liclit verbreiten iiber sie andere
aufnahnien, forlfiihrungeu und umgestallungen derWalt-
herssage.
Vor allem gehort dahiu die arl und woise, wie sie
*) deutsche hcldensage 95.
104 WALTII ARIUS.
iu die Vilkinasaga , niis norddeiitsclier qiiellc , einge-
flossen ist, zuerst cap. 84-87. J^altari af faskaaUmi,
Ermenrichs gcliwestersohn , ^\ird von dieseni niit zwolf
andern rilleru dem Anila vergeiselt. zsvei jahre nach-
her gelangt aucli Hihlegund , toditer des llias von Grie-
cheuland zu den Huneii uiul vvlrd dienerin der koni-
gin Erka. bei eiuem grolseu feslmahl geslelui siclj beide
ihre liebe und verabreden gemeinsanie fluchl. am an-
dern niorgeu besleigen sie ein ros und Ilildegund uinuut
aus Erkas schatz koslbarkellen mit. Allila enlbielet
zwcilf belden, den Iliichtigeu nachzuelleu : darunter Ilogjii,
Aldrians sohn. als sich Valtari eingeholt siehl, sprliigt
er vom pferd iind bereitel slch zum kampf, der bis zur
nachl wahrt. Vallaj-i erlegt eilf rilter, der einzige Ilogiii
entkommt in den wald. Der wunde, ermiidete Vallari
scldagt feuer uud hnil einen eber , daun setzt er slch mit
Iliidegund uleder uud beide verzehren das flelsch bis
zu den knochen. da erspaht Hildeguud dep helmlich
uahenden Hogni, der sein schwert gezogen liat und
Valtari erschlagen vvlll ; sclinell warnt sle den lieldeu,
der ein eberbruslbein greift luid den Hogni dainit zu
bodeu wirft. der schlag trift dle wange so hart , dafs
dem Hcigni ein auge ausspringt; doch raft er sich auf
luid entkommt wieder uach Susa. Valtari aber gelangt
gliicklich heim zu Ermenrich , der ihn aucli spiiter
durch gesclienke mit Alllia versohut. Hler bei grofser
eiusllmmung isl doch vieles anders. Walthers und
Ilagens geselleuschaft mangelt , auch Hagens friihere
flucht; vielmehr gehort dieser zu den nachellenden rlt-
leru Attilas. Giinlher und die Franken blelben ganz
aus dem spiel. der kampf mit den zwolfeu erfolgt
uicht am Rhein , sonderu in einem ungenanuten wald.
dle nachth'che wache beim feuer, nachdem eilf ersclila-
geu slnd und nur Hcigni von den feinden iibrig bleibt,
WALTHARIUS. 105
slimnit zu der alten diclituug. clas Iraten des ehers, nitt
dessen knocbeu Hoguis auge ausgeworfen wird , >veiclit
vollig ab, sclieiut aber sebr altertliiinilicli , uncl erklait
vielleicbt Wallbaris spottendeu ausruf ' carnem vitabis
aprinaml'' besser als das lateiniscbe gedicbt (oben s.97.)
der verlust des auges ist in der sage >vesentlicb ; Hagauo
aber weit edler gebalteu als dieser Hogui. Vallaris
wunde wird nicbt niiber bezeicbnet, und im verfolg der
sage erscbeint er nie einbandig. seiue verwaudlscbaft
zu Ermeuricb, als dessen dienstmaun er aucb uacbber
auflrilt, entfernt sicb vom lat. gedicbt , das weder Er-
luenriclis nocb Dielriclis iiberbaupt nieldung tbut. docb
dafs er nicbt auf Dielricbs seile slebt, slimmt uiit der
darstelluug im Biierolf.
Weuiger bedeulend siud die iibrigen slellen. cap.
104-106 zur Dielliebssage geborig setzen Vallari iii
nacblbeiliges licbt. er bestebt mit Dietlieb eiuen w^ett-
strelt im steinwurf und speerscbwiugen, und unterliegt;
so dafs sein baupl dem sieger verfallt. Ermenricb kauft
ibn los. dies widerspricbt dem gedicbt von Biterolf,
welcbes ibn niit diesem , uicbt mit dessen sobn zusam-
menbriugt. cap. 130 bestellt Ermenricb den Valtari iiber
die burg Gerimsbeim. cap. 308 scbildert sein lebens-
ende. ini trelTen Dietricbs mil Ermeuricb ist er des
letzteren falintrager uud streitet mit Vildifer. beide
erlegen einander gegenseitig. dieser ausgang wider-
spricht sowol dem lateiniscben gedicbt , als der italie-
niscben sage.
Nemlicb die novaleser cbronik (oben s. 56) tbeilt
den auszug des lateiuiscben gedicbts nur darum m it,
weil die letzten tbaten des helden in ibrem kloster vor-
geben uud seiue gebeiue da begraben liegen. Waltbers
gliicklicbe beimkelir aus Hunenland und vermablung
mit Hildgund scbliefsen lange uocb nicht den kreis «ei-
106 WALTIIARIUS.
ner rulunvollen scliicksale. der lateinische dichter miifs
viel nielir davou gewiist haben , es war nicht sein zweck
zu erziihleu, wie viel kriege Walthari in den dreifsig
jahien seiner herschaft iiber Aquilanien gefiihrt, wie
viel siege erfochleu habe. Die anspielungen im Biterolf
und in der Vilkinasaga lassen einiges von diesen spUte-
i-eo begebeulieilen vermuteu. Ohne zweifel bildele doch
die fhicht aus Huuenlaud deu eigentlicheu lichtpunct
der sage, aus welchem wol auch alleiu epische bedeut-
samkeit hervorgehu konnle. ob noch einiges andere
aus ihr anflug iu liedern gewann , vermogen wir nicht
mehr zu wissen. Weun icli aber dem sangaller bear-
beiter weitere bekanntschaft niit der fabel zutraue , so
ist daruuter nicht gerade Walthers klosferleben zu ver-
stehn, auf das der niouch wenigstens hinzuweisen nicht
uuterlasseu haben wiirde. diese entwickUing der sage
veruahm er also nicht ; sie rnufs jedoch nicht viel spa-
ter begonuen habeu , wenn die chronik dem eilften jh.
anhiirt.
Sie meldet nun, cap. 7 — 13, folgendes. *) Nach-
dem held Walther viele kriegsthaten in der vvelt
verrichtet hatte" und hochbejahrt war , dachte er
seiner siindeu uud beschlofs, durch ein strenges geistli-
*) cap. 7 Iiat der chroiiist uoch acht schleclite verse in elegi-
gchem niafs, die einem andern, nicht unserni lat. dicliter gehoren:
Waitliarius fortis , quem nullus terruit hostis,
Colia superba domans, victor ad astra volans.
Vicerat hic totum duplici certaniine mundum,
Insignis bellis, clarior ast meritis.
Hunc heroa (per)tremuit quoque torridus Indus,
Ortus et occasus sclis eum metuit,
Cujus fama suis titulis redimita coruscis
Ultra caesareas scandit abhinc aquilas.
das lautet wie der versuch ei^ies epitaphs, und lafst nicht auf eine
anderwelte lateinlsche bearbeitung schliefsen.
WALTHARIUS. 107
ches lebeii die verzeiliuiig des himmels zu erwerben.
Sogleich suchle er sich eiuen scliunen slab aus , an des-
sen spilze er niehrere riuge uud iu jedeu riug eiue
schelle lieflen liels, uahm pilgerlraclil luid durch^vau-
derte fast die ganze welt. er ^vollle die regel luid weise
aller monche geuau erforscheu uud gieug iu jedes klo-
sler. wenu er aber iu die kirche getreteii ^var, pllegle
er zwei oder dreimal mil seiuem stabe hail auf deu
boden zu slofseu , dafs alle schelleu erklaugeu. hierau
priifte er die slreuge der klosterzucht. Als er uun
auch ia das kloster Novalesa gekommen war uud da,
seinem brauche nach, den pilgerstab auf deu bodeu
sliefs, drehte sich eiuer der zoglinge (puer alumnus)
neugierig um uach dem schall , alsbald sj^raug der schul-
nieister zu luid verselzte ihm eiue ohrfeige. Da seufzte
Waltlier uud sprach : 'nun biu ich schon lange tage
durch die welt gewandert und habe dergleicheu uicht
gefuuden.' darauf nieldete er sich bei dem abt zur
aufuahme, legte die tracht dieses ordensau, luid wurde
seiuem willeu uacli zuni gartner des kloslers bestellt.
er nahm zwei lange seile und spauule sie durch den
garteu , eins der lauge , das andre der quere nach , luid
hieng des sonnners alles unkraut darauf, die wurzeln
gegen die souue , damit sie diirrteu und nicht wieder
lebeudig wiirdeu.
Es war aber iu deni kloster ein holzerner wagen,
iiberaus schon gearbeitet, auf welchen nian nichts an-
ders legte als eiue grofse, oben mit eiuer hellklingen-
den schelle versehne stauge. zuweilen wurde diese auf-
gesteckt, so dafs sie jedermann schauen und ihren klang
lioren kounte. Alle hofe uud dorfer des kloslers hat-
len nuu auch ihre wagen , auf deneu der monche dienst-
leute koru und wein dem klosler zufiihrten; jener wa-
gen mit der stange fulir daun voraus, uud huudert
108 WALTFIARIUS.
oder funfzig anclre wageu folglen nacli , und jeder er-
kannle daran , dafs der zug deni beriihnilen kloster No-
valcsa gehorte. und da war kein hex'zog, graf, herr
oder bauer, der es ge^vagl hatl-e ihn zu schadigeu ; ja
die kaufleute auf den jahrmarkteu solleu ihreu liandel
nicht eher ercifnet habeu , als sie deu sclielleuwagen
heraufalireu saheu. Liinmal geschah es , dafs diese \va-
geu beladen ins kloster zuriickkehrteu uud auf des kci-
iiigs leute, welche pferde auf eiuer wiese weideten,
sliefsen. diese hochmiiligeu fielen iiber das klostergut,
iiud nahmeu alles weg. vergeblich \viderselzlen sich,
die dienstleute , liefsen aber augeublicklich was gescliehu
war dem abt iiud deu briideru kuud thun. Der abt
versammelte das gauze kloster und berichtete den vor-
faU. damals war vorsteher der briiderschaft einer ua-
nieus Asmarius, von herkuuft eiu Frauke , ein tugeud-
hafter, versliindiger uiann. Dieser, auf Wallhers rath,
man miisse zu deu rauberu khige briider abseudeu uud
ihueu die sache gehurig vorstelleu lassen , sagte so-
gleich: 'so sollst du , Walther, schuell dahin gehn,
denu wir habeu keineu kliigeren, weiseren bruder.'
Wallher aber, der sich wol bewust war, er werde den
trotz und hochniut jeuer leute nicht ertragen konuen'
versetzte: 'sie werden mir mein nionchskleid auszie-
hen.' 'zieheu sie dir deiu kleid aus, sprach Asinarius,
'so gib ihueu noch die kutte dazu, also sei dir von deu
briideru befohlen.' Svie soli ich niit pelz und uuter-
kleid thun?' *sage, vou deu bi'iidern sei dir befohleu,
auch diese stiicke nehmeu zu lasseu.' 'ziirue nicht, dafs
ich weiter frage: wenn sie auch mit deu hosen tliun
woUen wie mit den iibrigeu?' 'danu hasi du deiue
demut hiulauglich bewieseu , denn iu ansehung der
hosen kaun ich dir uicht befehleu dafs du sie ihnen
lassesl.'
WALTriARTUS. 109
Hlerjnit war Wallher zufricden , gleng hinaus und
fragle die kloslerleule, 'ob liier ein pferd wnre, aiif
dem er Ini nolhfall eineii kampf wagen diirfe?' * es
sind gule, slarke karrngaule da', antNVOrtelen jene.
schnell liefs cr sie vorfiihren , bcsliog einen und spornle
ihn, hernach einen zwcilen, verwaif aber beide und gab
ilire felder an. dann erijinerfe er sich semes allen ros-
ses, das er einst mit ins kloster gebracht halte , und
fraglc, *ob es nocli ani leben %vare ? ' 'jaherr, es lebt,
ist aber ganz all luid diciit bei dcn beckcrn , denen es
taglich korn zur miihle triigt und wieder hoh.' Wal-
llier sprach : 'fiihrt es niir vor, damit icli es selbcr sehe.'
Als es hcrbei gebraclit ^vurde und er darauf gestiegen
war, rief er aus: 'o dies ros hat der lehren noch nicht
vcrgessen , 'die ich ilim in meinen iungen jahrcn gab.*'
Hicrauf beurlauble er sich von dcm abt und den brii-
dern und eillc, nur zwei oder drei knechte niilneh-
inend, zu den raubcrn hin , die er freundlich griifste
und ermahnfe von dem golles dienern zugcfiigten un-
rccht abzuslehn. Sie aber wurden dcsto zorniger und
aufgeblasner , luul zwangen AYallhern das kleid auszu-
ziehen , wekhes er trng. geduldig litt er alles , und
sagte, dafs ilim so befohlen worden sei. Nachdem sie
ihu entkleidet halten , fiengen sie an auch seine schuhe
luid schicnen zu Ibsen ; als sie an die hosen kamen,
sp*rach Wallher, 'das sei ihm nicht befohlen.' sie aber
versetzten, Svas die monche befohlcji halten , sei ihneji
eiuerlci.' Walllier hingegen sagte , 'auch mir steht es
nicht liiuger an', und da sie gewalt brauchen wollten,
niachte er unvemierkt seinen steigbiigel los und traf ei-
nen kerl, dafs er fiir todt nieder sank, ergrif dessen
walTeu uud schlug damit rechts und links um sich.
Dann schaute er, und sah ncben sich eiu kalbaufdem
grase weiden , sprang zu , rifs ihm ein schulterblatt aus
110 WA I.TFIARIUS.
iiiul scliliig (liUJiit *) auf die feiiule los, welclie er (liirclis
gaiize fekl liiulrieb. Einige erzahleii, (leniienigen der
sicli ain frechslen zeigte iind gerade biickle , iliin die
schube abzubinden , habe Wallher einen solcheu sfreicli
iiber den hals verselzt, dafs ihin das zerbrochne hals-
bein sogleich in den schlund gefallen sei. AIs er nun
viele erschlagen liatle, gaben die iibrigen die flucht und
liefseu alles ini slicli. \Yalllier aber beinachtigte sich
nicht nur des eignen , sondern auch des fremden guts,
und kehrte init reiclier beute beladen ins kloster. Der
abt enipfieng ihn seufzend und schalt heflig. Wallher
liefs sich eine bufse auferlegen, damit er sich niclit
leiblich einer Ihat freue, die seiner seele verderblich
Avar. Er soll indessen dreimal , ^vie einige versichern,
gegen die einbrechenden heiden gekampft und sie
schimpilich von den gefllden des klosters zuriickgelrie-
ben haben.
Zu einer andern zeit soll er , als er die rosse des
ktinigs Desideiius auf einer kloslerwiese, genannt jMollis
(spiiter INlolard), weiden und das gras verwiisteu fand, die
hiiler verjagl und ilirer viele erschlagen liaben. Auf dem
riickwege, Yor freude iiber diesen sieg, schlug er mit
geballter faust zweimal an eine steinseule, dafs das
grofste stiick davon los brach und zur erde fiel. da-
selbst heifst es bis auf den heuligen tag noch 'perciissiu
oder \feiiia TFalthani.'
Dieser beriihmte held graf Wallher stnrb alt aii
tagen ini kloster, nachdem er sich selbst noch seiu
grab auf einem nahen berggipfel sorgfallig gehauen
hatte. er vvar Aveise und klug, schon von leib iind
anllilz, ein eifriger bewahrer der klosterregel. nach
s-einein ableben wurde er in jenein grabe beslatlet, das
*) wie er mit dem el)ersknoclien wirlt (vorliiii s. 104.)
WALTHARIUS. 111
zuglelch seinen enkel Raihald aiifiiahm. Rathald war
sohn Raihers , des sohnes von Wallher und Hilde-
gund. Rathalds haupt hatle einst eine frau , dle hetens
halber zur grabslalte gegangen war, lieimllcli niltge-
nonimen iind auf ilire burg gebracht. als eines tags
feuer in dieser burg ausbracli , erinnerle sie sich des
liauptes, zog es hervor und hielt es den llanimen ent-
gegen. alsobakl erlosch die hrunst. Nacli deni lelzlen
elnbrucli der helden luid bcvor der heilige orl ^vieder
erbaut wurde , wuste keiner von den einwohnern mehr,
\vo Walthers grab war. Dazumal lehte in der stadt
Segusium Pelronilla, eine alte >vil\ve, die gebiickt am
slabe elnher schritt und wenig mclir mil ihren a\igen
sah. dleser hallen dle lielden iluen solin , INIaurinus,
vveggefiihrt, vnid iiber dreifsig iahre nuisfe er ilinen
dlenen ; endllch erlangte er dle freiheit u?id wanderle
in seine heimal zuriick, er fand seine mutlcr von aller
belnahe verzehrl : sie pllegte sich tiiglich auf einem fel-
sen zu sonnen; und die leute giengeu oft zu ihr und
fraglen nath dcn .-ilterlliiimern. sie wuste manclierlel
zu ei'zalilen , zumal vom klosler ]NovaIesa, unerhorte
dinge , die sie ihells noch geschn , thells von ihron el-
tern vernommen hatle. eines tags liefs sle sich wie-
derum von einigen maunern herumfiihren , denen wies
aie Wallhcrs grab, das man niclit niehr kannte , so wie
«ie (lie slelle von ihren vorfahren her gcmerkt halle,
wiewol ehnials keine frau gewagt halle die slatte zu
betreten. auch verzahlte sie wie vlel brunnen ehmals
hier gewesen. die uachbarsleule behauptelen , gedaclite
frau sei beiuahc zweihundert jahre all geworden.
In diesen iiberlieferungen ist das ende des helden
nocli an einen beslimmten ort fest gekniipft und aus
der hunischgothischeu zeit an die jiiiigere langobardl-
schegeschoben. kunigDesiderlus falll Insachle jh,. und
112 WALTHARIUS.
Novalesa ward ersl 750 gegriindet. Das geislUcIie le-
bensemle beriilimter lielden sclieint aber in langobardi-
schen sagen besonders beliebt ; so nuinchen sich Berker
iind Rolher, dessen namen an jenen Ratlier anklingt ;
noch bekannter ist Wolfdielerichs monchlhum. iiuter
den iibrigen sagen aber Iiat Wilhehn des heiligen ende
und Heimes kloslerleben (Vilk. saga 387-391) ent-
schiedne beriihrung mit dem Wallhers. es sind hiib-
sche auswiiclise der fabel, die an mehr -als eiueni ort,
friilier oder spater, sichlbar werdeu.
Am verworreusten aber hat sich die grundlage des
Waltharius einer poluischen sage des dreizelinten jh.
eingewebt. *) -svdaly Tf^algerzs (Walther der starke), ein
graf aus Popels kouiglichem stamm entsprossen und zu
Tyniez bei Cracau angesessen , halt sich eine zeitlaug
am hofe des kouigs von Frauken auf, dessen tochter
die schcine Helgunda ist. ein alemannischer konigssohn
(sein name wird uicht genannt) liebt sie und wird auch
von ihr begiiustigt. Walgerzs aber besticlit den thurm-
Avachler, dafs er ihn eines nachts auf die zinnen der
burg sleigen lafst , und siugt siifse weiseu. Helgunda
aus dem schlaf erwachend lauscht. friihmorgens forscht
sie bei dem wiichter nach des sangers nameu vergeb-
lich. iu beideu folgeuden nachten wiederholt sich der
gesang , und zuletzt briugen drohungen den wachter
dahin Walgerzs zu nenuen. Helgunda entbreuut von
liebe uud lafst den heldeu zn sich. Ziiruend kehrt der
Alemauue iu sein vaterland uud bewacht alle Rhein-
zolle. Bald darauf entflieheu Walgerzs uud Helgunda,
sie nahen dem Rheiu uud verlaugeu iiberfahrt, und
zahlen eine mark goldes dafiir. die schiffer zogern,
da besteigt der jiiugling sein ros , heifst Helgundeu liin-
*) Dogupliali (f 1253) chronicon Poloniae, bei SommersI)erg
6ciipt. rer. siles, 2, 37-.^9.
WALTIJARILS. 113
ten aursilzen und in den strom sprengend selzl pfeil-
schnell iiber. am andern ufer scliallt hinter den ilie-
liendeu die stimnie des Alemannen : 'halt an, treuloser,
du flohst mit der konigslochler heimlich , und ohne den
zoll zu entrichten selzest du viber den Rhein ; zwei-
kampf entsclieide zwlschen uns , und dem sieger falle
ros imd walTen des besieglen , sammt Helgunda, zu ! '
'die mark goldes zahlle icli , und die konigstocliter folgt
mir aus freien sliicken,' verselzt "VYalgerzs. Ein hefli-
ger kampf beginnt, und weil der Alemanne lielgunden
im auge hat, ermutigt ihn ihr anblick so, dafs er Wal-
gerzs zum weichen bringt, bis dieser zuriickschreitend
sie nun auch aiiblickt. alsbald verdoppelt sich seine
kraft , er dringl auf den gegner unwiderstehlich ein,
und erschlagt ihn. IVlit der beute des rosses, der waf-
fen und mit Helgunda sclzt er die reise forl, und langt
gliicklich in seiner burg Tynicz an.
f^Jn dieser erzahlung isl \A'allhers kampf mit Hagen
nlrlii zu verkennen, auch die Rheiniiberfahrt stimmt.
mir hat sicli der weg unigekehrt , die liebenden kom-
meu aus Frankreich uud lllehen nachxOSten, wiihrend
in der rechlen sage sie aus Ungern gen westen eilen,
Das werben nacli der jungfrau diirch naclitliche lieder
gemahnt an Horant in Gudrun, und entdeckt uns viel-
leicht elnen alten echlen zug, der in den iibrigen aiif-
fassungen verloren gegangen ist. auch dle vom anblick
der gelieblen ausgehende sleigerung dcr heldenkraft be-
gegnet anderwiirls.
Nun aber schieilct dle sage fort und scheint ganz
in eine slavische , der dentschen dlchtung fremde und
sie slorende iiberlleferung auszuweichen , dle icli dalier
blofs kurz andeute. Walgerzs beslegt Wlslaw dcn
schunen , herrn von \^isHcz, und legt ihn in seiner
8
Ji4 WALTdARIUS.
burg gefangen. mlt illesem eiilspinnt Helgunda eiiieii
liebeshandel, lijst iha aus den banden und begibl sich
auf die flucht, wUlirend ihr gemahl abwesend war.
die treulose weifs hernach Walgerzs in Wislaws ge-
walt zu locken und der held wird an die waud des
speisesaals festgeschlossen , von wo er "VN islaw und Hel-
gundea taglich anschauen niufs. selne besondere be-
wachung ist Wislaws hafslicher schwester anverlraut ;
diese voa liebe zu ihm geriihrt schaft ihm eiues nachts
ihres bruders scliwert, mit welchem W^algerzs selne
fesseln lost, Wislaw und Helgundeu iiberfallt und beide,
in ein^m streich todtet. Noch zeigt man auf der burg
Wislicz Helgundens bild in steiu gehauen. *)
W^ir haben hiermit den weilen umfang elner lange
jahrhunderte lebendigen , und nach verschiednen seilen
eiugedrungnea dichtung kennen gelernt, und nur zu
beklagen , dafs sie nicht in der einheimischen alten dar-
slellung erhalten worden ist, sie [wiirde, wie schon
grundlage und entfaltung der begebenheiten erwarlen
lassen , unter den epen unserer allen poesie bemerkbar
hervorgeragt haben.
Auch das lafst ihre volle kraft und bedeutsamkeit
ahnen, dafs sie gerade in den edelstea stamm altdeut-
scher heldensage eingreift. Hagene , eine hauptgestalt
des Nibelungenlieds, ist zugleich wesentllcher bestand-
theil der dichtung von W^alther, uiid seineu cliaracter
erganzen und erliiutera sich beide werke. Walthers
erwahnung, obgleich er in jenem liede selbst nicht auf-
tritt, kann uicht darin vermieden werden. Gilnthery eia
•) aucli Procosll chronicon slavosarmaticam Vars. 1827 p.
109. 129 weifs von Waigierz wdaly uod Heliguiida.
WALTriARTUS. 115
lield nur zweiten ranges in den Nlbelnngen , ist auch
niclil mehr im Wallharius; aber sein feindlicher ein-
flufs auf diesen , ein hebel des ganzen gedichts, macht,
dafs er hier viel herber und ungiinstiger ausgepragt
erscheint als dort.
Der verfasser des lateinlschen gedichls mufs, we-
nigsfens aus seiner deutschen quelle , mit einem weiteren
umfang und inhalt der alten lieldensage vertraut gewe-
sen sein. Atlilas luid der Hunen gegensalz zu den ein-
heimischen volkern wird ganz wie in den iibrlgeu lie-
dern gefalst; deu beinamen der frankischen Nibelunge
flnden wir latlnisiert in Franci iSehuhnes 555 , mit ei-
nem in Walthers munde treiFenden nebensinn. es ist
dies das jilteste vorkommen der beriihmten benennung
in beslimmtem bezug auf die sage. Eben so deutlich
welst dle wielandia fahrica 965 auf den weitbekannten
schmied.
Giinthers *) vater Gihicho vvlrd blofs belliiufig er-
wahnt 14. 116. 471 ; auch sein name stimmt zu deu jiin-
geren Iledern. Dafs unter den zwolf dienstmannen des
Frankenkonigs , Hagano ausgenommen , fast lauter der
spiiteren sage unbekannte namen **) vorkommen , darf
nicht aulfallen. denn , von Hagano abgesehn , erliegen
alle eilf iibrigen helden gerade W^althern und verlieren
ihr leben, der vorgang fallt in Giinlhers und Hagens
*) Giinther heifst zwar tellure poteiis 562 , regum fortissi-
vnis 519 gewohalicli aber rex supcrbus 628. 720. 1153. 1293;
satrapa superhus 573 ; einmal demens 754. in den Kib. der vil
riche 1742, 2; der edele 2273, 2. 2289, 4. 2293, 3; der kiinic
her 1941, 1. satrapa gleichbedeiitig mitrex, auch von Attiia 170.
") iiber die zwtilfzahl bei den Nibelungen vgl. Lachm. zu
Nib. 11 ; iiber die zwolf hiiter im Rosengarten mcines bruders
bucli s. IX-XII.
8 *
116 WALTHARIUS.
friilie zeit, bei den naclilierigen kiinipfen niiissen also
andere auflreten. daruni brauchte jedoch ihre erwiih-
iiung nicht untergegangen zu sein , und konnle wenig-
slens iu slamnisagen oder sonst gelegenllich angekniipft
>verdeu; auch fehlt es uicht ganz an solchen spuren.
Ich will diese nanien naher betrachten, in der
reihe uach welcher sie das gedicht auffiihrt. Cameh
Camaloy Kamelo, Gamelo ist eine adjeclivisclie benennung,
welche deu siun gibt: der alte. niiher bezeichnet ilin
die stadt, iiber welche er voni konig gesetzt war, Ca-
melo von Metz. da in den spatereu dichtungen ein
Ortwiu von Metzen (Hagens schwestersohn Nib. 118, 2)
ausdriicklich mit dem beisatz 'der junge' erscheiut (hel-
dens. 130), so darf geschlossen werden, dafs jeuerKa-
malo eigentllch Ortwin, Ortmn geheifsen habe. ja, Bit.
6004 ist Yon ihm gesagt : 'der starp ze fruo in sinea
tagen,' uud seiner witwe geschieht 2482 meldung. Auch
der zweite held fiihrt doppelteu namen , Camelous bru-
dersohu und riiclier: Kimo Scaramund. auf fratris 6S7
zieheu lalst sich Kimo kaum, weil dann IS.imouis slehn
"wiirde. Goldasts uamenverzeichnifs hat Gimo. es wird
■wol Kimo , Gimo zu sclireiben sein, was sich etwan
aus dem altn. guna, gimi, schweiz. gymen (spalt, rifs)
erliiutert. weder Rimo, noch der nebenname Scara-
mund isl der iibrigen heldensage aufserdem bewust.
Tferinhardus 725 habe ich aus den verderbten lesarten
lierzustellen gesuclit, es scheint wie Werinher , VVern-
her gebildet, im ersten theil also Warin, \Yarn zu ent-
halten ; aucli dieser heldeuname ist sonst fremd. Die
belden folgenden Ekevrid und Hadaivart sind (heldeus.
116 anm.) mit Irnfiit und Hawarl zusammengestellt
worden. Hawart ist unverkeunbar aus Hadawarl ver-
kiirzt, aber mehrere helden konneu so geheifseu ha-
WALTHARIUS. 117
beii; (ler iii den liederu des 13 und 14 jli. aunieleude
Hawart, vogt von Tenemarke, steht auf Etzels selte,
und kann uicht der liier ani Rhein gefallene dienst-
mann Giiutliers seiii. uoch weniger fallen Ekefrit und
Irufrit (Irmeufrit) , dem uameu uud den ereignissen
uach zusanmieu. obwol beide flLichlig, ist jeuer ein
Sachse, dieser eiu Diiriug. Patavrid , Hageus schwe-
slersohu *846 , ist soust iiberall verscholleu , auch Kcr-
wic, Genvic , welches ich dem Gerwit, Gerwitus vorge-
zogen habe. /Jantio//^ beriihrt sich mit Randolt , eiueui
uameu der jiiiigeren lieder (heldens. 145.193), aucli
lieifst iu dpr thiersage der hirsch so (Reinh. 1633. 1653.
1953. 1963.) Der ueuiite held wird geuanut Ilelmnod,
Avelches wie Gernut, Eckeuut u. a. gebildet ist ; ein
Helmnut Iritt unter Dieterichs heldeu auf (heldeus. 102.
228. 239. 292), der unsere fuhrt uoch den nameu Eleu-
ther 1008. 1017, wms uach dem griech. i?.ev3iQ0S die
gelehrle iiberlraguug eiues deulscheu wortes sein mufs,
das ich nicht sicher rathe, Frilials ? Fristalt? aucli
Eleutherus erscheiut anderwarls, uud in der altfriinki-
schen geschichle uicht selten Eleulherius als eigeuname,
uicht aber nach drilter decl. Eleuther, acc. Eleulhrim,
wie hier. Trogus scheiut uiir die versuchte laleiuische
form ''') eiues deutschen nameus Druogo, Drogo, der iu
alteu deukmaleru ofler, nicht aber mehr in der Iielden-
sage zu finden ist ; auch die benenuuug des sperlings iu
der altfranzosischeu thierfabel kuuule daher entspriu-
gen. Troguut, Trogduut mugen blofs aus dem acc.
Trogum enlslellt sein. lu Tanastus diirfte die bedeu-
tuug piui ramus gesuchl werdeu, schwerlich ein au-
•) mau deiike aii Trogus Potnpejus.
118 WALTUARIUS.
klang an den flursnamen Danaster, Danastrus, Dana-
slus (Dniesler.) dle frankische gescliichte des 6 jh. bie-
tet aucli den frauennamen Tenestina (lochter des Ilari-
garlus und der Truda) an hand (Bouquel 3, 427. 4,
619.) der spateren heldensage bleibt Tanast unbekannt.
Diese beiden letzten nanien werden durch die sladle
Slrafshurg uud Speier genauer bestimmt.
Der sinn des namens Hagano *) ist dem dlchler
noch durchsichtig: er sagt 'Hagano spinosus' 1421'*'*) und
^Paliure^ vires foliis , ut pungere possis' 1351, weil ha-
gan spina , rliamnus, paliurus ^*"*") ausdriickt und von
diesem subst. jener name abgeleitet ist. wahrscheinlicli
spielte aber schon das deutsche lied an : du breilest
griines laub um deine stechendeu dorner , d, i. du ver-
liiillst dlch in listen , damit du verlelzen kounest. Fiir
Hagens valer ist 629 die lesart yfgaci, acc. Agacien,
aus C behalten, weil Laclmianu dies Agazi mit Agez
und elnem urkundlichen namen Acazi zusammengestellt
hat. -f) die varlanten von A und B sind wenlger zu
deuten , etwa beslaligen sie, wie aus TH ein Z wird ;
vielleicht llefse slch der altn. elgenname Agdhi und
Egdhir verglelchen? kaum der griech, Agathias. dfe,
*) bei folgendem vocal , wenn niclit elidiert werden soll Ha~
ganon 1313; die flexion gescliieht untadelliaft : Haganonis, Haga-
noni, Haganonem 123. '129 (oder Haganona 1322), Haganone.
niclit anders Camalo, Camalonis u. s. w.
*') Hagano wird sonst bezeichnet armipotens 1328; in den
Nib. der ubermuete Hagne 1T2I, 1. 1972, 4; der kiiene 1760, 2.
1976, 1.
'**) spinis paliuriis acutis Virg. ecl. .'i, 39; vgl anch 1156.
f) critik der sage von den Niljeliiiigen 157 (345); *gl. deut-
sche mythol. 147.
WALTHARIUS. 119
spateren lieder nenneu Hagens vater (und selbst solin)
Aldridn , Adridn.
Eigenthiimlich heifst Atlilas gemahlin Ospirin 123.369
was 'gottliche barin' bedeutet, (myth. 385) und in alid. rei-
ner form Anspirin lauten sollte. der name ist echt, all und
auch sonst vorhauden , konnte aber doch niit dem jiin-
gern Helche sich beriihren , falls dieses aus 'JLXiy.r^, dcr
constellation iirsa niajor, der himlischen barin erklart
Nvorden ware. lialle nun das altdeulsche lied schon
Helihha, uud legte es der sangaller nionch gelelu't aus,
den jeiiem griech. wort entsprechenden andern deut-
schen namen brauchend ? aber in beiden versen vviire
aucli Helicha passend gewcsen; und wie , wenn der
de.ulsche iirlext gleichfalls Ospirin geboten halte und
die verwandlschaft der namen teuschung ware ? ent-
springt Helche aus Herche, Herkja? es entgehl uns
gar zu viel durch den verlusl der deutscheii gedichte,
selbsl der spiilercn.
In des liauplhelden geschlechl herschl die namen-
bildung mit hari, lieri, here : er selbsl nennt sich JValt-
here, seiu vater Alphcre, sein sohn Ruthere *), die latei-
*) Waltliers episclie beiwijrter sirid : /leros 305. 561. 632.
829. 893; celcherrimus lieros 682. "07; laudcihilis heros i27 ;
iiiaxiinus heros 1027, \^\^^ fortissiinus heros 6i9 ; heros magna-
jiimus 292. 589; caatissimus heros 1320; uir magnaniinus 489;
vir fortis 895; vir illustris 959; (■//• celer 920; vir sapiens 240;
jupenis 653. 780. 843 ; jurenis fv/lis.^^imus 881 ; sapiens satelles
1135; est sapiens Iicifst es aiicli 580. zumal merkwurdig aber
ist, Hafs in unsern texten nie das durcli die verse 1383-85 be-
deutsame epilliet manu fortis getroffen wird, das die casus sancti
Galii (oben s. 57) habcn; war es vom iiltern Eckeliard gebrauclit,
vou den nacliarbeitern getilgt? oder iinigekeliit voiii \ierten
Eckeliard eingefiilirt? dessen correcturen uiis daiin zu entgeliii
fedieinen. das polii, wdaly (s. 112) iiberlriigt nielir torlis , lobu-
120 W A L T 11 A R I U S.
uiscLe form klingt noch iinuingela\ilet Wallhaiius , wie
Guntharius; daneben verwendet tler dicliter sclion Al-
pliere, Wallhare 1433; auch in AJpharldes (Alpheres
barn) 898. 909. 1408 bleibt der voUe vocal, vgl. Pan-
darides 737. die spatei^e unorganische verlangerung des
Gunthere (Nib. 4, 2) in Gunther, gen. Gunlheres (Nib.
7, 3. 61, 53), dat. Gunthere (Nib. 81, 4), des Volkhere
in Volker, gleicht der des Ortwin , Wolfwin in Orl-
win , Wolfwin. Giselher und Walther bleiben (iu deii
Nib.) unverliingert.
Attilas laud heifst Pannonia , 4. 59. 378 oder iin
pl. Pannoniae 96. 117. 136. 203.. 337. 373; die leute
aber nicht Pannonii, sondern Huni (mit langem u) oder
Avares. im adj. gilt pannonicus 266. 429 oder avarensis
1404 , nicht hunicus. ich habe anderswo bemerkt, wie
beide begrilFe , Hun iind Avar, in die bedeutung des
rlesenhaften iibergiengen *). unser dichler scheint noch
iiichts davon zu wissen.
Aquitanus iibertragt vollkommen gul den volksna-
men JVasco, der ohne zweifel im deulsclien liede stand.
Aquitania ist bei allen schriftslellern des achten und
neunten jh. Wasconolant (gh wessobr. 74, Graff 1, 1082),
Wasconia, Guasgonla, Gascogne; der name hangt mit
dem uralten der J ascones (heute Basquen) an den Py-
renaen zwlschen Frankreich und Spanien genau zu-
sammen. die ausdehnung von W^asconia und Aquila-
nia schwankt aber nach den zeiten , bahl versland man
darunter deu gauzen raum zwischeu der Loire, dem
stiis als nianu fortis. Im Bilerolf: der degan mxre, 618; der
wigant 3044. 5087 ; der kiiene degen 7660 ; der degen Iier
10411.
*) deutsclie mytii. 300, 700.
WALTEIARIUS. 121
meer uikI den Pyrenaen , bald nnterscliietl nian z\\[~
sclien Wascoiiien iind Aqiiitanlen. Da slcli iii jene ge-
genden des siidlichen Frankreiclis und nordlidien Spa-
niens Gothen ergossen und lange beliauptet hallen , da
Aquitani gleichbedeulend mit Gothi vorkoninit *) ; so
mag sicli die alte sage unter Wascon wirklich und wol-
befugt Gothen gedacht haben , und es ist ganz in der
ordnung , dafs das lied von Wallhari ihn und Alphari
mit echtdeutschen namen begabt. diese Wasken er-
scheinen also nicht cellisch und frenid, sondern Bur-
gunden und Franken volksverwandf, durch verniuhlun-
gen eng verbunden. uin so weniger durfte die cellica
lingua 765 auf Walther bezogen werden. Unbedenk-
lich aber tauschte das altere Waskenland In den ISibe-
lungen und im Bilerolf nut Spdne, SpJnijelant , ander-
■wiirts sogar mit Kerlingen (s. 103.) nah liegt der niis-
verstand , auf welchem in nordischer sage Valtari af
Vaskasteini beruht, wie gleich nachher iioch bespro-
chen werden soll.
Zwischen den Wasken und Franken wohnlen Bur-
gunden , Hiklgund **) ist tochler des burgundischen ko-
nlgs Herncus , Heriricus, Hariiih , nach frankischer
schreibung und aussprache Chariricus, Carirlcus. kein
solcher tritt In der uns erhaltnen bnrgundischen ge-
schichle auf. auch die spateren erwahniingen unserer
fabel iibergehn ihn, wie sie Hildgund darum nicht
') Eckard fr. or. I, 381,
") virgo 235. 248, 287, 426, 504 ; virguncula 256 ; 7;«^//«
457. 891. 1177. 1208. 1183; sponsa 571, 1174; mulier 542.
1205; foemina 341 ; dilecla mulier 324; virgumula chira 1225;
timida ptiella 1107; Herrici Jilia 1416. diu minneeliche Hilde-
guiit Bif. 6855.
122 WALTHARIUS.
niehr als burgundisclie bezeicliuen, %Yeil sie diesea
Yolksnameu den Franken selbsl zu theil Yverden lassen.
Denn wahrend der laleiuische dicliter Burgunden
imd (uebulouisclie) Franken sondert , und lelzlere von
Wornis aus herschen lalst , heifsen die wormser kOuige
des Nibehingeulieds im erslen tlieil grade Burguuden,
im zweilen theil Nibehingen . in der klage Avie im Bi-
terolf neben Burgunden Franken uud Rlieiufrauken *).
eiunial ver\vendet der nionclj den zu seiner zeit uur
noch gelehrlen namen Sicamher 1435, der melir den
Frankeu des niedern als des obern Rheins gerecht ist.
Lud aufser der hauj^^tstadt JVorms vverdeu blofs zwei
audre oberrheiuische stadle Speier uud Strafshurg (1009.
lOlO) namhaft gemacht , aus Lothringen Metz (582);
keiu niederrheinischer ort. bei Hagano gedeukt das ge-
diclit seiner trojauischen abkunft (28), Aveder des Tro-
nie im Elsafs (Lachm. zu Nib. 9, l), noch Meniger des
niederrheiuischen Xanten.
"VYelche .stelle ist aber unter dem zufluchtsorle
Walthers im T^usagus gemeiut, den die verse 490-497
schildern ? der held gelangte abends an den Rheiu,
vvurde iibergefahren und setzle alsobald die flucht wei-
ter fort. erst am folgeuden tag bei der mahlzeit ^vird
durch die fremden fische der konig aufmerksam , und
lafst seineu meisterkoch '•'*) , dauu deu fiihrmaiiu rufeu.
nach empfanguer auskuuft bcschliefst Giinther die ver-
folgung , uud man niuis glauben , dafs er noch deusel-
*) dciitsclie Iieldensage Q6. 67.
*') (ier 438. niclit genannt ist, vielleiclit Ritmolt , den wir aus
den Nib, und dem Parz. kenne.i? der ganze zug niit den fisclien
ist vollig miirclienliaft; die Donau zeiclinete sich durcli karpfen,
der Rliein durcli salnieii aus: destiuet carpam Danubius, a Rlieuo
\cniat ancoiago. Cassiodor. vnr. 12, 4.
WALTHARIUS. 123
ben nachmlltag niit seinen dlenstniannen liinter Wal-
theru jagte, der indessen den vorspruug einer uaclit
iind eiues lags gewonnen hatle. den zwelten abeud
also war Walther im Vosagus angelangt und ersah sich
jene felsenburg zum ruheplatz. am niorgeu des drllteu
tags kounten ihu hier die leichter beritlenen Franken
ereilen. mau hat den ort nilndestens elne sehr slarke
tagreise vou Worms entferut anzuuehmen *).
Ueberhangeude felsen bildelen elne annuilige hole
(494), deren wiiude sicheru aufenthalt, weile ausslcht
in die gegend, und rlngsum weide gras gewalirlen.
der dlchter bedient slch davon der ausdriicke castriim,
castra (499. 891. 1136), caslnim arclum (1118), late-
brae (1230), angukis (497), statio. (496. 560. 572), pro-
pugnacula muri (813); blofs ein schmaler pfad fiihrte
dahin, semita (957), via arcta (1135), angusla cal-
lis (916), durch den die reisenden musteu, daher
porla (561.) es war ein schlujifwlnkel, iu dem rauber
auf wegfahrende laueru konuteu (496.)
AUe diese orllichkelteu weisen auf deu hochslen
punct der Vogesen , welclier zwischeu Elsafs und Lo-
thringen scheide blldet, und noch heute Framont (d. i.
nions fractus, ruptus) helfst, sechs stunden von Mols-
heim (Molzen) , drei von der ablei Senones gelegen,
zu deren gebiet er elidem gehorle. unwelt davou ent-
spriugt das fliifsclieu Plaine, am fufse des berges zieht
die alte heerstrafse vou Deutschlaud nach Lothriiigeu.
auf diesem felsen soll der sage zufolge Pharamunds
*) keinen einwand hiergegen bildet Waltliers furclit (1143),
dafs Guntlier uber naclit in dic stadt ziiriickkeliren uiid verstar-
kung lioien werde. der kiJnig liatte das wirkiicii getlian , wenn
eben zeit dazu geweseii wiiie.
124 VVALTHARrUS.
grab liegen'^), und wahrsclieinlich sammelten sicli nni
ihn noch nianche andere iiberlieferungen. das ist der
Wasgenstein des Nibehingenlieds 2281, 2, beriilimt durch
Wahhers kiihnen kampf mit den Franken. Wasgen-
slein, weil er in dem grofsen waldgebirge , dem Vosa-
gus (490. 769. 823), liegt, nicht weil hier ein JVaske
focht. zwar die nordische fassung nennt Walthern *af
Vaskasteini,' \vas aus der namenahnlichkeit leicht ent-
springen kounte ; oder hatte die ganze iiberlieferung
wirkhch den siegreichen held deshalb zum Wasken,
d. i. Aquitanler gemacht, weil er im Wasgen^vald ge-
stritten liatte? auf die sclireibung Wasgenstein , wah-
rend Wasko, Waske ein R hat, soll niclits dabei an-
kommen, da andere lesarten auch Waskenstein darbie-
ten. nur der sahus Vosagus , schon auf der peutinger-
schen tafel und sonst in alten urkiuiden oft genannt,
liat kaum etwas gemein mit dem volksnamen Vasco-
nes, in diesen formen uuterscheiden sich vocale und
consonanlen **).
Vernuitlicli kannte der dichter die lebhaft be-
schriebne lage des Waskensteins aus eigner anschauung,
und war etwa von Strafsburg her nach Lolhringen ge-
reist. fiir einen Lolhring oder Elsafser braucht er dar-
') vgl, iiber Framont Don Calmet 1, 270 iind hpsonrlers Ma-
billoii in den mem. de Tacad. des inscr. et belles iettres 2, 686
(Paris 1717) aus dessen abhandlung ich nocli folgende scliilde-
rung des steilen abliangs hersctireibe : il se presente une espece
de ravelin soutenu de part et d'autre par deux demihastions na-
turels, au dessus il y a un terrain d'environ cent pieds de lar-
geur, qui s'etendant en longueur plus de quatre cents pas vers
rorient se termine a un auti^e rociier encore plus eleve que le
premier. a cent pas de celui-ci on voit les restes d'un batiment,
dont 011 trouve encore tout le contour.
**) Vosagus wird franz. zii Vosges, Voges, Vasco zu Gascon.
WALTHARIUS. 125
iim niclit zu gellen , er kann als Alemanne nilt dle-
sen oberrlieinischen landstrichen \ertraut gewesen sein.
alemannische helden einziillechlen gab ihni die iiberlie-
feriing der sage keinen anlals; der sachsische iliichlh'ug,
>venn ich dessen 'welsclie nuiudart' recht ausgelegt
habe, erschien ihm fremdartig. Dafs iii der diclilung
gerade drei deutsche slamme auflrelen , \Yasken (Go-
llieu), Burgunden uud Frauken , -vvie in andern ker-
linglschen liedern "*"), beweist noch nicht fiir die eul-
steliung des werks im lieferen Frankreich.
Aus der hcklensage in die gultersage das gediclit
zu schrauben kouule man zulelzt wol verleitet wer-
den: aber es bleibt gefiihrlich. Hagens unvermeidh'che
eiuauglgkeit ist schon mylii. 220 der des Wuotan ver-
glichen, uud Odius schlafdorn stlcht wie Ilagen , dcr
paliurus. Als Sigamber uud Franke tritt Ilageu iu
die altfrankische genealogie des Sigi uud Wuolan ;
der nordisclie Ilugui war unmlltelbar Gunnars bru-
der. ^Valthers elnhaudigkeit gcmaliut selir an die des
Ziu , nord. 'lyr, obwol die weise gaiiz anders ist, auf
welche dieser seiue haud , Odiu seiu auge einbiifsen,
des verschliige wenlg, doch miiste die golterlehre von
einem ausbreclienden uud versuhuten zwiespalt und
slreit der beiden siegesgoller , des Ziu (Mars) und
Wuotau (Mercur) wisseu. Wallher treibt die rosse-
beute weg, und Ziu scheint thieropfer, pferdeopfer
zu lieben (myth. 588.) der Waskeustein kunute daun
doch mit Y\'asko zu verbludeu, und ein heidnischer
Ziesberg, Sigtj^sberg sein (myth. 133), auf den dle
sage auch ein heriihmtes kouigsgrab verlcgt. Beide
*) Romer (Westgothen), Franzosen iind Burgundier. Mones
niederlandische volksllteratur s. 50,
126 WAL rriARius.
tlieile ilires namens verrathen an riiklgiuul etwas
guttliches , eine walchurie und siegsjungfrau (niylli.
237.) Bezug auf einen verdunkellen alten braucli
scheint der gebratne eber , und das daniit ausgeworfne
auge zu haben ; Ospirin klingt bedeutungsvoll. Meine
erklarung des anfiigens der haupler an die riinipfe
(1157. 1158) fehlt wol nicht, allein der heidnische
hergang konnte grausanier , ich meine ein aufheften
der erleglen haupter auf baumstaniine, gleichsam eln
opfer , gewesen sein , vgl. die truncis antefixa ora
(myth. 28.) der dichter verbindet aber mit truncus
nicht den sinn eines baumslanims, sondern lelchnams.
R U O D L I E B
R U O D L 1 R B fi nsiii. I. 129
I.
ilultlani prosapia vir progenitiis generosa monnc.
jMoribus iugenitain decorabat nobililateni, fol. 2a.
Qui dominos plures habuisse dalur locupletes,
Sfcpius ad libilum quibus is famulans, et honor[uni]
5 Nil deservisse potuit, putat ut meruisse.
Quicquid et illorum sibi quis comniisit lieroriim,
Aut ulciscendum causaeque suae peragendum,
Non prolongabal , quam slrennuiler peragebat.
Saepius iu morleni se pro doniinis dat eisdeni
10 Seu bello seu venatu, seu quolibel actu.
Nil sibi fortuna prohibenle dabant niale lida.
Seniper promiltunt promissaque dissinuilabant.
Asl iniinicilias liorum causa sibi naclas
Cum superare nequit, super lioc quid agat neque dic[at],
15 Niisquam secure se sperans vivere posse,
Piebus disposilis cunclis matrlque subactis
Tandem de patria pergens petit extera reg[na].
Nullus et luinc alius scquitur iiisi scutifer e[ius],
Qui vehat enthecam rebus variis oneratam,
20 A puero sibi quem docuit suiferre labore[m].
Balenam dextrim, parmain vehit atque sinistri[m].
Dextra lanceolam sub scuto fertque pliarelr[amj,
Anuonae saccum modicum sub se satis aptu[ni].
Ast loricatus dominus super et tunicatus
25 [In] mitra galeani rutilam gestat chalybinam, fo). 2b.
ictus gladio compto capulotenus aiu'0,
23 fiir annonae stnnd erst ad fodruiu.
130 RUODLIEB f.agm. I.
rPenldet et a niveo sibimet giipis iingnla collo,
[IJnJgula uon tola, niedii cubiti niodo longa,
[Qu]ae post ad laUini vel prajdecoratur ad arluni
30 [Objryzo niundo , cervino cinclaffue loro,
I Non] ut nix alba , lanien ul translucida gemnia,
[Qu]an) dum perlla!)at, luba cjuani melius reboabat.
[llljllme dans nialri domuique vale simul omni.
[Stjat iiiger ut corvus equus et ceu smigmale lotus
35 [Unjdique punclalus hac subnigrodine tolus.
[Ad] laevam colli complexa juba jacet illi,
[Qui] faleratus erat, ceu summum quemque decebat,
[Adl cujus sellam nil cernilur esse ligalum,
[E] corio sutum nisl vas niastice perunctum,
40 [Du]lcius iit sapiat potus qui fusiis in id sit,
[Exjostro factum vel cervical modicellum.
[Qu]em super ut saluit, equus altius ipse salivit,
[Ceu gaudens] domino residenti fortiter illo.
[PrJBSjilit hiuic post mox canis in cnrsu bene velox
45 [ln]vestigator , quo non melior fuit alter,
[Prae] quo bestiola vel gvandis sive minula
fol. 3». Non abscoudere quit se, quin hanc mox reperire[l].
Ullime faudo 'vale' malri, famulisque 'valele,'
Perfusa lacrimis facle dabat oscula cunclis.
50 Arrepto freno, monito calcare poledro,
Cursltat iu campo cita ceu volltaret hirundo.
Ast per cancellos posl liunc pascebat ocellos
Mater, at iu sepes couscendens ejus omnis plebs
Post hunc prospiciunt, singultant, flendo gem[iscunt].
55 Cum plusnou cernunt hunc, planctum multipllcarunt,
Detersis lacrlmis qui tunc lotis faciebus
Cousolaturi dominam subeunt clto cuncll,
Quae simulando spem premlt altum corde dolorem.
Consolatur eos, male duni se ceruit habere.
RUODLIEB fiagm. I. 131
60 Non niinor interea nalum premit utlque cura,
Inque via secum perpendit plurima rerum.
Deservire donii quod nil valet emolumenli
Et propler faidas sibi nuiltas undique naclas
A patria dulci quod debuit exiliari.
65 Secum volvebat, se sicubi vile clientet,
Si fortuna velus infestaretur ei plus,
Esse novercales oinnes inibi sibi fralres,
Non meliorasse res , sed pejus reperisse.
Inlinie suspirans rogat obnixe dominum, flens,
70 Ut non deseruisset se, nolilve peiire, fol. 3^.
Sed sibi succurrat, ferumnas quo superaret.
J-ntranti regnum nHJcrfnll slc allcnum
Yenator regis subilo tunc fit comes ejus,
Isque salutat eum resalutaturque per ipsum.
75 Exul erat fortis membris facieque virilis
Voceque grandiloquus , in responso seriosus.
Quem rogat indigena quis et unde sll, ire velit quo?
Quo sibi non diclo, dedignanterque sileto,
Inqulsisse piget, velut est res, menteque tractat: —
80 Est si legatus, minor est ejus comilatus,
Dum venit ad curtem ; quis munera, quis gerit ensem?
Pauperis est posse reor, aut virlutls opima?. —
Duni salis obticuit, demum sibi denuo dixit :
'Non irascaris , de me si plus roglteris,
85 Nam tibi prodesse volo, si possum, nec obesse.
Venator regis sibi carus sumque fidelis,
Nec solet audire quemquam clementius ac me.
Pro faida grandi patrlam si deserulsli,
Vis et in liac terra mihi ceu tibimet peregrina
90 Quid deservire, causasque tuas superare,
Utile consilium tibi tunc do non renuendum.
Usum veuandi quo bene si didicistl .
9 *
132 RUODLIBB fiaam. I.
0 qiiam felicis liuc oniinis exiliaris !
Dillgit lianc arleni rex liac et in arle periluni.
fol. 43. 95 Quisquis habet, dare quit, [qui iion habel hic dare,
dic , quid?]
Si non collidie , tanicn assidue dabit ille.
Numquam sollicitus \iclus fueris vel amictus.
Cum donanlur ei pulchri celeresque caballi,
Nobis praistantur, cursu quo more probentur,
100 Qui celer et facilis est uec gyrando rebellis.
Est cui maxime tunc opus, illi donat et illum.
Propler etannouam numquam nummum dabisununi;
Nam sine mensura dabitur tibi, dum cupis, illa.
Ad mensam comiles superexaltans locupletes,
105 Dum convivatur nobiscum fando jocalur.
Appositum quicquid melioris erit sibi, mittit,
Id faciens uobis, plus quam mercedis, houoris.
Si libeat cum me te fidum foedus inire,
Dando fidem nostras jungamus foedere dextras,
ItO Separet ut nll nos dumtaxat amara nisi mors.
Sinuis ubicumcpie, res alterutrius uterque
Sic agat ut proprias , mellus siquid queat illas.'
iiixul, tum demum fidens sibi, dixit ad ilhuu:
Sat mihi, domne, tuum declaras velle benignum,
115 Consiliumque luum non a^stimo transgredieudum ;
Namque meas causas , ut sunt, tu coniciebas.
Hinc pactum fidei placet inter nos stabiliri.'
Dando sibi dextras ibi flunt moxque sodales,
foI.4b.
120 Oscula ........ statuuntur amici,
Alterutris dominis famulantes cordibus unis.
vor 95 scheint ein vers oben abgesclinitten.
116 bei conjiciebas aui rand hinzugeschrieben : rat.
R U O D L I E B frasni. I. II. 1 33
Dum satis inler se de rebus cilsposuere;
Regni inetropoli cocperunt appropiari,
In qua rex genli legem dedit advenienti.
125 Caslris ingrcssis , pueris et equis stabulatis,
In siinul ad curlem properabant visere regeni.
Ut venatorem rex vidit, dlxit ad illum:
'Unde venis, quid rumorls fers, dicilo nobis.
Invesligasli, per sllvam quando measti,
130 Ursum sive suem , llbcat nos pergere post quem?'
Qiii non iit domino, sed ccu respondit amico :
'Illorum neulrum , sed corundem domitorem
Invesligavi, reperi, mecum til)i duxi,
Scilicet bunc juvenem llbimct servire decentem,
135 Arle satis calum, venandi satque beatum,
Ut reor, utque suo mihi cernltur in comitatu.
Et cum dignaris , illum satis ipse probabis.
Is sua ferl dona tibi parva nec abicienda,
Inque cllentelam ([uo susclplas, cupit, illum.'
140 Qui pra>cursorem lawa tenult blcolorem,
Cul fuit aurata coUo connexa calena.
II.
^unc est conslllo nobls opus inveniendo, fol. 5».
Qualller illius plelatl gratificemus,
Non solls verbis quorum satis inveniemus,
Sed quid donorum millamus ei variorum,
5 Est ut equis frenis, auro comple faleratis,
Pellicils crisis, varicosls, sive crusenuis.
Ad quod , c[uo mihi quis dicat , velit auxiliari.'
Respondent pariter, quod agant id valde libenler.
Grates egit eis rex et post haec ait illis :
10 'Quid respondendum sll niissls , dJcile prlnuim.'
Est ibi pliiiosophus cunclls sapienlior iinus,
134 RUODLIEB fragm. II.
Quem lituor aiit anior a recto diverlere quoqiio
Nou iu judicio faciendo prKvalel uUo.
Dicere quem pro se dicunt dcbere petuntque
15 In regis velle qul dicens maxime stare,
Ejus consilium sohim monel csse sequenduni.
Rex : 'milii consillum quoniam sinilis tribuendum,
Reslal ut hnc venlant legati dictaque dlcant,
Utque sciatis ab hls , si credere neve velills.'
20 Post lios direxll. Veniunt quando, sibi dixit :
'En regis vcslri doniini nostri vcl aniici
Dulcia narravi JGdei legamlna plena,
Quam pie tractavit merlto c[uos jierdere quivit.
Reddere vel sanos niilii contra se nece dignos !
25 Quod deservire communiter hos decet et me.
Clementer nobis demandavlt sat honorls,
Sis ic persolvet per vos vehit ipse spopondit.'
Dixit legatus: 'non est sic morigeratus,
Ut c{uid verborum soleat mutare suorum.
30 Est quod alt verum , dictum sibl vult fore verum.'
Rex ait: 'id quando vel ubi fore possit, ai tu.'
'Hoc,' ait, 'est vestri juris, rex, iuduciari.'
fol.5^.^ 'Tu tamen incjue locum, c[uo conveniamus in uuum,
Ut pax inter nos firmelur mille per annos.'
35 INIissus alt: 'sl vls el dominis si placet istis,
Non tam nosco locum vestrls couventibus aplum,
Campus ut est ille, quo uos pugnavimus ante,
Inter clausuras nostri veslrique gemellas,
Sunt ut ubi victi vestri nostrique redempti
40 Dimittuutur ibi nobiscum pacificati.'
Omnibus ille locus est vlsus ad hoc satis aptus,
Reglbus ambobus conventuris spaliosus;
Induciasque trium laudant ad id ebdomadarum,
Post haec rex surgit, sic conciliumque diremit.
45 Inque caminalam cum paucis it requielum.
R U O D L I E B fragm. II. 135
Missis valde bona dantur i-egalia dona,
Qui regeni repetunt dignas gratesque sibi dant.
Quis niiscere jubel suniuii vini quod liabebat.
Legali surgunt, deturque licentia , poscunt.
50 Kex ait : 'audite niihi dileclique notate
Quae Yobis dico, quae dicite nou ut aniico,
Sed veluli patri iiieliora nialis referenti:
'•Qualis es in corde , te talein prodis in ore,
Quae nobis venit tua quod legalio pandit,
55 Quae spondendo reis veniani , speni dando salulis
iNliruni velle salis docet ultroneae pietatis,
Conlra quae grates non sulficimus dare dignas;
Sed tibi subjecti sunuis , in pugnando subacti,
Seniper et oninigeni serviminis inlime prompti.
60 Ut deniandasli, quo vis sunius ije parali.
Est quod laudatiim ternaruin septimanarum
Ad spatium vestris est visum sic uti nostris,
In canipo, prinius es quo tu consiliatus."
Oblitus si quid suni, veslra fides at id implet.' fol, 6i.
65 Respondent pariter: 'meruisti sufficienter
Nos servire tibi, semper cum corde fideli.'
Tunc incllnabaut , cum rile 'valete' receduut,
Inde petunt summum, velut est dignum, vicedoninum ;
A quo donati sunt valde 'vale' benefacti.
70 Ex jussu regis provisorem dedit illis,
Qui procuraret , quod opus sit eis , ut haberent.
Quod studio sunimo complevit cordeque fido,
Donec pacifice , vel eos perduxit honeste
Extra clausuram fines regni dirimentein.
75 Quem bene donatum vel verbis gratificatnn»
Poscunt, inclinet regi, 'faciam' quibus inquit.
A se divisi suiit ad patriamque reversi.
Utque donuini redeunt regem properando revisuut.
Ut primum videt, bene quos suscepit, et inquit:
136 R U O D L 1 E B fragm. II.
80 'Dicile, ruiuoris luiiic quid iiobis rereralis '?
Respondit niissus : 'quia clcniens esl libi Clirislus;
Quod reges alii nisi grandi non superant vi,
Dat deus id sponte tibi cleniens absque labore,
Nain per conligua libi, quae sunt undique, regua
85 Crederis esse leo vigilanli seniper occllo,
Quin agnellina pielale tuaque sophia
Tu vincis inelius, gladius quani vincat alius.
Nainque deo lesle, quo niiltebar modo de te,
Nescio, plus ab cis adanieiis, seu vcrearis.
90 Cuin rex audisset, suinnia tum grex et adesset,
Quae deinandasli sibi vel plebi siinul omni,
Prlmo servimen, posl lidi cordis amorem,
Sublaia cydare surgens inclinat honeste.
fol. 6^ Tunc residens tacuit, douec rcm pleniter audit,
95 Quantum noslrates disceplabautqiie suates,
Atque sui nostros ollendeutes inopinos
Occidunt, spoliant, captivatosquc cremabant;
Qualitcr el nostri sunt illorum dominati,
Captivos redlmunt, caplivantesque llgabant;
100 Quos tibi cum referunt, perlturos seque pularent,
Quam clementer els adimendo metum misereris,
Illos absolvens, consolans et bene traclans,
Prajsulibus, ducibus, locuplellbus
Ipsos servandum dederis, vel equos ad alendum,
105 Non ut sunt meriti, sub caixere compedis aut vi,
Nec tractent illos, deceat quarn regis amicos,
Ut, dum reddantur, super liis ne forte queranlur.
Quin ipsum comitem scelus hoc immane patranteni
NuIIi conmlsit, super hunc nulli bene lidit ;
103 (iie letzten worte ausradlert, der verf. wollte elwas an-
deres setzen.
109-112 commisif, fidit, servit, portat aiiacolutli filr comniise-
ris , fideria , servleris , portaveris.
RUODLIEB fragm. II. 137
110 Seil siblriiet servit , gladiuin persaepeqiie portal,
Ut millus uoceat, qiiein rex sic glorificabat.
NoUe recordari le, sed poslc|iiani sibi dixi,
Dedecus ininensum vel inedicibile danunnn,
Quod libi fecerunt , sub jure tuo modo qui suut,
115 Quos inpunitos, quamvis ineritos, inimicos
Reddere laudares in iiulla re nicliilatos,
Si velit in plebe pax ul reparetur ulrinque. —
Sic dicens silui, vel rege jubente resedi.
In cras induciat , Iiis ut lespousa rependat.
120 lu sumnio mane curlem cuncli petiere,
Plures runiorls cupidl, quain regis houoris.
Intromilluntur (pii quld prodesse vldeiilui-
Regi consilium pro lali re liibuendum.
Valvae clauduntur, ncscllur cjuld loquerentur. fol, 7».
125 Est breve colloquiuin pro consensu sapientum.
Nobis interea data prandia sunt sal opima.
Dum pranderemus et adhuc vinum blberemus,
Millllur el jiost nos tres, omues ut veiilanius.
Fecimus ut jusslt, cum ])rae se venlmus, inqull:
130 ^'0 noslri doniini missi summique patroni,
Si respondere beue sciremus vel Iioneste
Demandaminibus clementibus alc|ue paternls,
Est ut promeritus uimluin , promple faceremus.
Dicile nuuc illi de ine, de plebe vel omui,
135 De summis, medlls, imis milil jure subaclls,
Fidum vel |)roinpluiu sul)jectoruin fainulameii.
Vlrtus mlra tua , pietas, tua magna sopliia
Intus ut adimplent te , sic foris undique comuiit.
Scinuis inaequales re mililibusque tibi uos,
140 Si velles, posse uos pro merilis ulchilasse,
Reddere pro pravis bona stat salls ultio graiidis ;
Nam quo rescliur faciens plus inde llmetur,
J42 bei liinelur ain raiici von gleiclier haud ueretur.
138 R U O D L I E B frasm. II.
Graude luum posse vel inaequiparabile velle
Sunt llbi pro nuiro per luillum deiciendo,
145 Laesum laedenli , veniani miserendo precari.
Nonne deizare nobis merito videare
Indulgens sponte peccanlibus absque peteute?
Econlra nil nos siniile praebere valemus,
Relribuat sed ut is rex post, quem sic imitaris,
150 jNos exorare debemus corde vel ore ;
Utque dum vivas, valeas, regnes et abundes,
Nobis et cunctis affmibus undique regnis
Est exoplandum connnuniler atque precandum.
Nam columeu nostri tu solus es in vice Christi,
155 Atque superstite te bene possumus imperilare
Sub vestrae fidei scuto diulissime tuti.
iol. 7b. l<;t nunc, o domine , nou dedlgnare venire
Ad loca laudata , quando sunt iuduciala.
Vobis congredimur de uoslrls ac fanuilamur."
160 SIc ait et donis dilavlt nos sat oj>imIs,
Pelliclis vel equis faleralls, sive cliruseunis,
Post poscit viuum, Gerdrudls amore, quod haustum
Parlicipat uos tres , postremo basia figens,
Quaudo vale dixlt post nos gemit et benedixit.
165 Hlnc rediebamus, vicedomnum poslque videmus,
Qui nos condouans provisorem slnuil et dans
Oscula fert more , graudi uos liqult amore,
Tam tlbi devolum maudans, ut hero, famulalum.
SIc datur a cuuctis sat amica llcenlla nobis.
170 Disclpliuate uoster ductor vel honeste
Servivit uobis in slmplicitateque cordls,
Hujus dum regni coufinia vidinuis ampli.'
X alis rumoris rex, talls ovans et houoris
Subridens modicum nil protulit ore superbum.
175 Susspicieus laudat domiuuni, quo danle triuniphal,
RUODLIEB frajrm. II. 139
Ml reputando sibi , secl ei dans oninia dixii:
'Induciae quo siut laudatae quandove, dic, suntl"
'Ebdomadae tum praelereunt tres, induciae sunt
Hac in planilie , cjua concertavinuis ante,
180 Solventes nostros in vincla redegimus liostes,
Sunt ubi tristali quo liant laetificati.
Sic de te regi nunc induciando spopondi.'
Rex ail: 'hoc laudo [)romissorum neque fraudo.
Dum fueras at ibi, quid agendum, dic, liabuisli?
185 Respondit : 'summus milii clemens fit vicedomnus
Procurans multum, defeclum ne. palerer queni.
Scachorum ludo teniplat nie vincere crebro,
Nec potuit, ludo ni sponle dalo sibi solo. fol. ^^-
Quinque dies sic me non siverat anle venirc,
190 txplorare cupit , meus advcnlus cjuid eo sit.
Invesligare nulla quod dum valet arle,
Post me rex misit, sibi quae dixi salis audlt
In cras responso, dixi velut, iuducialo.
Rex poscens tabulam jubet oppoiii sibi sellam
195 Et me coatra se jubel in fuleliro residere,
TJt secum ludam, quod ego nimium renuebam
Dicens : "terribile miserum conludere rege."
Et dum me vidi sibi non audere renili;
Ludere laudavi, cupiens ab eo superari,
200 "Vinci de rege," dicens, ''quid obest miserum me?
Sed limco, domine, quod niox irasceris in me,
Si forluna juvet, mihi quod victoria constet." —
Rex subridendo dixitvelut atque jocando:
"Non opus est , care , super liac re quid vereare ;
205 Si numquam vincam , conmotior liaut ego fiam.
Sed quam districte noscas, ludas volo cum me,
Nam cfuos ignolos facies volo discere traclus." —
Slatim rex et ego sludiose traxinuis ambo,
Et fiibi gratia sit, mihi ter vicloria cessit,
140 RUODLIEB fragm. II.
210 IMullis princlpibus nlmis id niirantlbus ejus.
Is niilii deponlt, sihl nie deponere nil vult,
Et dat quac posulf, [plsa quod nonjuna reinanslt.
Plures succedunl, liunc ulclsci voluerunt.
Pignora praebentes, nica pignora desplcientes,
215 Perdere nil ceiti, dublae fisi bene sorll.
Allerulrumque juvant, nimlumqne juvando nocebant.
Pracpedicbantur , varie dum consiliantur,
Inter litlgium cito vincebam rpiod eorum
Hoc trlbus et viclbus, volui nam ludere non plus.
220 Quae deponebant, nulii mox donare volebant.
fol. 8^. Piimo respueram, villosum namque putabam
SIc nie dltari, vel eos per me tenuarl.
Dixi: "non suevi quicquani ludendo lucrari."
Dicunt: ''inler nos dum sis , tu vive vclut nos.
225 Quando domum venias, ibi vivere cpiis veluti vis."
Cum sat lorifregi , c(uae porrexere recepi
Commoda cuin laude milii forluna tribuente.' —
Rex ait : 'hunc ludum tibi censeo semper amanduni,
Quo sunt sarcila tua tani bene calciameuta ;
230 Nuuc grates liabeas, causas quod agls bene noslras.' —
Misit et ad quosque, qui capllvos babuere,
Hos ut vestirejit, ad lionoreni vel sibi reddant,
Ipsis cpios pedites misit, reddant ut ecjueslres,
Insuper armatos velut ad nova bella paratos.
235 plumque sinuil ....
Vestivit comitem velut ex sununatibus unum
Biuis pellicils pretiosis totc|ue cbrusennis,
Coccineam tunicam gemmis aurocjue micanlem
224 diesen vers setzt der verfasser an deii rand fiir den im
text gescliriebnen; Donec inter nos sis, fac vel vive veliit nos.
226 bei lorifregi am rand zttgilprec/io/o (— ota?)
RUODLIEB fiagm. III. 141
Uat sibi ; qua regi praeberet pocula viiii.
240 Dat vel equuni fortein, celereni nimis requipedantem,
Auratum freuum pulthram faleranic|ue gerentem,
Et dat loricani , lulus valeat fore per cpiain
In cjuovis bello coniiuuni sive duello.
Ensem vel galeam sibi lanceolani dnt acutam.
245 Qui famulantur ei, donantur ulrique clieuti
Vestes valde bouae semjierque domi sibi rarae.
Insuper ad bella sibi congrua praeslitit arma.
Misit praecoues salrapas coniilesque vocaudos,
Ad curlem veuiant quo regis, quam optime possiut,
250 Et secum ferrent sibi quae vel equls opus essent
Ad tres ebdomadas secum seu plus remanendas.
IIIuc poulifices invitanlur sapieutes,
Abbatesque pii scioli beue cousiliari.
III.
1 [Congrjegiuni lala curlis fuit ampliipreliensa, foj. ga.
Quie niedio vacua, scenls foris uudique septa,
Qua cum praesulibus abbalibus et duodenis
Posset praudere coenareve sat spatiose.
5 Curli conliguum slat tentorium salis amplum
Solis ad exorlum, de cpio posuere podismum,
Cujus ad exlremum fixerunt papilionem,
lu quo slans nieusa veslita fuit velut ara,
Quam super est posita regis crux et diadema,
10 Qua missae regi solet officium celebrari
Matuliualis et vespertiua syuaxis
Cursibus iumixtis aliis de more diuruis.
6 bei pocUsmuni am rand die glosse gong. 11 bei synaxim
die glosse cursus vel hora.
142 RUODLIEB fragm. III.
Qiio duni rcx venit niissani properanlius audit
Et per legaluni regi deniaudat eundeni,
15 Qui fueral reruni prius inlernuntlus liarum,
Priinitus ut videant, sese, quani praiulia sumant.
Quem rex , ut vidit, bcne subridendo recepit,
Oscula datque sibi, 'quid narras?' post ait illi
'Onine bouuni dici tibi de me sat meruisti.' —
20 'Ad te me niisil rex' et tibi me dicere jussit,
Ne prandere velis prius , illum quam tuearls.
Obvius ad ponlem venit is libi nos dirimentem,
Pax ibi firnialur, res omnis et adbreviatur, ,
Capli reddunlur caplos se neve quevuntur,
25 Nani meliorati redeunt, non altenuati.' —
Rex , 'ita fiat,' ait; ad licvum missus remeavit.
Dum conveneruut reges ubi consliUierunt,
Nil penitus dicunt sibi, quam prius oscula figunt.
Noster pontifices, ut idem facerent , jubet omnes,
30 Et post abbates ex ordine basiat omnes;
Ejus praesulibus tunc pracbilus est amor ipsus. —
Reges , pontifices, abbates, clerus et omnis
fol. 9b, Assumptis ducibus cum summis alterutrius
Dum resident pariter, rex major ait sapienter:
35 '0 niinium nobis rex dilectlssime cunctls,
Slcut laudavi tibi demandausque spopondi,
Ouicquid stultitlae plebs nostra patiavit utrlnque,
Hoc dimittamus et eosdem pacificemus,
Ut sint inter se concordantes sine fraude.
40 Nemo recordetur adversi quld palerelur,
Obllvlscatur, uklsci nec medltelur.
Nam mala malo bono quain reddere vincere pravo.'
Alter rex surgens liuic digiias dlcere grates
A nostro vetltus residet ; tamen est ila fatus:
45* Tro tot vel tanlls impensis nos benefactis
Reddere condignas nou sufficimus tibi grales.
RUODLIEB fragm. III. 143
In riijiis parnia vlclricla lu gerls arnia,
llle libi laiulis sat pi-aesfat et oninls lionoris.
Non opns est liinc te laudare vel aniplificare.
50 Virlus et pietas nlmis et tua larga volunlas
Oninibus invills cunuilant tlbi pracniia laudis.
Ipsemet atqiie niei libl debenuis fanuilari
Ut bello vlcli vexilloque subacli.' —
Rex ail: 'boc absit, ego dum vlvam, neque fiet,
55 Ut tibl quid juris aut adniinuatur honoris.
Es rex slcut ego, tibl mc praeponere nolo.
Eiusdem juris es, cujus sum, vel bonorls.
Ob quod venlmus huc modo , perficiamus Id Istlc.
Tuque tuos recipe , sed non slue quovls lionore.'
60 SIc dicens comltem regali vesle nitenlem
Reddidlt armatum veluli bellare paralum,
[Sicut caplorum nuUum] reddebal eorum,
Qulu foret arnialus, vel veste decenter amlctus.
Post ait: 'lii, rex, sunt quos vlvere fata slnebant, fol, loa.
65 Qui non humane, duni Jiobis praevalueie,
Nos traclant igne, praeda vel caede niah'gne;
Qualiler econlra traclarem quos vlce versa,
Praeclpe, quo dlcant tibi, quando domum remearint.
Nunc se concordent ct sint , vehit anle fuerunt,
70 Firmi compalres posthac fidique sodales.'
Quo faclo ncmpe pax firmabatur iilrlmque
Per juramenlum neulrlm penllus temeraudum.
Tunc ambo reges redeunt ad papIHones,
Cumque suis prandent. Ibi grandla gaudla fiunt.
75 Gaudet qulsque, suus salvus redlit quod amlcus.
IMensa sublata disponunt phirlma dona,
Quae regi dentur vel els, hunc qui comllentur.
Auri qulngenta regi donanda talenln,
Insuper argentum multum vel palha cenlum,
80 Centum loricae, totidem galeae chalybiuae,
144 R U O D L I E D fi agm. 111.
Inler equos imili decapeiila bis falerali
Et bis qiiiiKleiii onagri lolidenique canieli
x\lque leopardi gemini binique leones,
Et j)ariles ursi qiii fralres sunl iiterini,
85 Onuiino nivei ganibis pedibusque nigelli,
Qiii vas tolle])aiit, iit homo, bipedesqiie gerebant.
IVlimi quando fides digitis tangunt modulantes,
Illi sallabant, neiimas pedibus variabant.
Interdum saliunt scscque super iaciebant.
90 AUerutrum dorso se porlabant residendo
Amplexando se , luctando deiciunt se.
Cum plebs altisonam fecit gyrando cboream,
Accurrunt et se mulieribus applicuere,
Qn-ae gracili voce cecinerunt deliciose,
foI.lOb. 95 Insertisque siiis liarum manibus speciosis
Erccti calcant pedetemptim , murmure trinsant,
Ut mirarentur, ibi circum cjui graderentur,
Non irascuntur, quicquid niali paterenlur.
Insuper et lyncum de vulpe lupocjue creatuni
100 Addiderat donls, expers quod non sit lionoris,
Ejus ab urina quia crescit lucida gemma,
Ardens ligurius , ca^bunculus iit pretiosus.
Qualiter is liat, libeat qucm discere, discat.
iiix ferro clavos tibi fac fabricare cjualernos,
105 In lata butina quos fige , bis in loca bina
Fortiter inpellens, evellere quis queat haut quos,
lu medio butinae terebello facque foramen,
In quam pone feram, licet invitamve rcbellem,
Ad clavosque pedes vincire sibi bene cures,
110 Et circa colliim nexam siispende catenam,
81, 82. 83 vorher staiid iru acciijativ mulos, ouagros, came--
los , leojiardos etc.
RUODLIEB fragm. III. 145
Incluiando caput, ne vincula solvere posslt.
Ad inanducanduin sibi sat da sive bibendum,
Quod bibat at vinum valde sit dulce bibendum.
Ebrius exinde,- dum vult, ne queat retinere,
115 Exeat urina scd ut ignorante retenla,
Et lluat iu pelvini cilo per butinam lerebralam,
Quam dum non poterit dispergere, vivere claudit.
Si uon emitlat tamen lianc moriensque retentet,
Abstracta pelle vel aperto cautius alvo
120 Tollito vesicam vel acu transpunge minullm,
Et sic urinam nimis in puram preme pelvim,
Inque modum pisae per cuprea vascula funde,
Majorisque nucis ad grossum fundito vasis.
SulTodiens teri'a quae vasa dies decapenta
125 Esse sinas, post elFodiens exinde resumas,
Gullas iu gemmas concretas ceruis et omnes,
Quae similes prunis lucent caligine noctis.
Quas decet imponi reginaruni digitali.
Regis at impone magnas aplando coronae. —
130 Adduntur donis, licet illis nil sit lionoris, fal. lll>.
Simia nare brevi, nate nuda murcaque cauda,
Voceque mllwna, cule crlsa catta marina,
In quibus ambabus nil cernilur ulllitatis.
Ex genealogia uobili regalia dona
135 Auxit cum psitachis binls corvisque gemellls,
Monedulis, slurnis doclis garrire loquells,
Quicquid et audlerlnt [imilari quij studuerunt.
Pontifici cuique sua munera donat honeste.
Loricis, galeis ducibus, scutis .. . alatis,
140 INIunerat atque tubis auro prae post decoralls,
Praesidlbus pulchris madris crlsisque poledris,
Militibus summls seu pelliciisve chruseunis.
His ita disposltis modlcum requlescere vult is.
Explorare jubet aher rex, quando resurgat.
10
14« RUODLIBB frasm. HI.
145 Post vigllans siirglt, miiliim falerarcque jiiseit,
Ciiniqiie qiiibiis voluit ad regeni liinc eqiiitavil.
Pliires occiirrnnt ct cl servire sliitlebant.
Quem bene susce|)il rex atqiie sedere rogavlt.
Qui dixlt: 'donilne, inecuni dignare venire,
150 Et non abniiito qnae munera parca libi do,
Oiiicquld sumniatum slt et liic venlant rogo lecuin.'
Rex ait : 'id fiat.' Rex alter doma revisal.
Convocat Isle suos suniinates convenlendos.
155 Qui dum convenlunt vel coram rege sederunt,
Ut mos ejus erat semper , rogitando jubebat,
Quo suus esset lionor cuivis, quam munera major,
Et niliU acclperet, sibi si quae rex dare vellet;
'Ne sit opus census [nobis, vldeatur] ut ejus.
160 Mecum nunc ite , quod ego faciam, facitote.'
Ibaut cum rege suscepti sunt el lionesle.
Dum consederunt, ter iniscendoque biberiint,
fol. llb. Rex regem duxit secum, cjuos Ireque jussit
In curtem lalam . . . . is amphipreliensam,
165 In c|ua stanl mensae vario censu cumulatae,
In qua stant et equl, decet ul regem faleratl,
Staut etlam mull, stant enorniesque cameb*,
Stant et ter deni mltes onagri domilique,
Stant et terrlbiles leopardi sive leones,
170 Stas et Inaurata conncxus , lynce, catena,
Slmia ciiin catta slat ibi([ue marlna ligata.
Stant ursl gemini multo varlamlne ludi. "
Quin ibi sunt et aves homlnum sermone fruentes,
Psitaclius et corvus, monedula, plcave slurnus.
175 Tuuc ait: 'liaec dona tua sint, rex optime, cuncta.
151 scheiiit absiclitlicli getilgt vom verfasser seibst.
1T4 iiber vwnedula die glosse lctha.
RUODLIEB fr.ngm. in. U7
Praesiilibiis -eint liacc, horvmique fidellbus islaec.
Auri lcr denas U!ii placuit dare libras
Inque caj^ellanos qniuquagiula Iribueuda»
Argenli libras, lolidenique per officiales,
180 Inter sculiferos vilesqiie ministerialcs
Viginti libras nummoruni distribuendas.
Nec superexaltat lixas, quin hos quoque doiiet,
Inter eos denas dispergendas quoque libras
Det duodcnorum lanlundcm ciiivis eorum.
185 Posl ducibus galeas, loricas donet et enses,
Auratas parmas, lituos ad bella canoros,
Inque suos libras sexaglnla tribuendas.
Et post praesldibus det equos faleris redimilos,
Atque suis denas cunclls libras Iribuendas.
100 Poslremo cunclis abbalibus his duodenis
S. . det nioramen spondendo suum famulamen,
lllorum cuiyis confratribus hosque secutis,
Libras triginta, puerorum cuivis el unam.
Mittat et ad clauslra monachis llbras decapenta.
195 Regls slmnisiis aliisque fidelibus ejus, fol. 12».
Kjus servillo qui sunt in coUidiano,
Qui veluti glandes semper flanl regis ad aures,
Et pro mercedis succurrunt pondere cuivis,
Bona dat eximia census ad mille talenta.
200 Jnter quos illum venatorem peregrinum
Munerat uberlus, slc collegam facit ejus,
Missi qui fuerant ad se pacemque palrabant.
Munera, dum vidit ea rcx multumque probavlt,
Dlxit ad aequlvocum : 'lua nnmera sunt bona nuiltum ;
205 Ne tamen a uobis tantum donando graveris,
Pro donis votum decernimus acclpiendum.
Tam bene ludentes ursos hos tollo gemellos,
Atque meae nalae picam sturnumque do de te,
Et grates habeas tanlas, ceu cuncla dedisses.
10*
148 RUODLIEB fragm. III.
210 Nec volo praesiilibus, duclbiis, qiiicl praesidibus des.
Quod coenobilis dabis aut abbatibus islis,
Non conlra dico, quia redditur id tibi vero:
Hi sunt assidui faniulantes omnipotentl,
Orant et pro te sludiose nocte dieque,
215 Et quod das illis, pariet tibi gaudia lucis.
Inter summates nolo plus nuinerls ut des.'
Gratls an oblitus reticeret is officiales,
Hi bene donantur, secretim sive beantur.
Hoc super edictum non aiisus est dare cuiquam
220 Grande vel exlguum, nec desiderat quls eorum, —
Reges inler se quando dixere valete,
Oscula dando sibi placet his patrlando reverti.
fol.l2b. Cumque domum redeunt, juris proprilque fiebant,
Rodlieb dllectae matris cernens inoplne
225 Ad sese mlssum quendam bene susclplt Illum.
Ad quem sic dixit: 'mea mater sospes, al, sit?'
Respondit: Wlvit, valet et bene, vel tibi misit
Istas lltterulas, mellus quibus ac njllil credas.'
Susceptaque dlce sciolum facll hanc recitare.
230 Quam super ut leglt, alt: 'arbllror haec brevis Inqult:
Ergo tul domlni cuncti tibl valde benignl,
Ut redeas, petlmus, nam te carulsse doleinus
Temporlbus tantis , propter quos exIHarls,
Et faidas In te non cessabas cumulare,
235 Donec e patria fuglens petls extera regna,
Scimus ubi mullos te sustinulsse labores.
Quod lamentamur nos, quandocumque gregamur
Ad placitum vel ad inducias quacunque siatutas.
Tunc in consilio dando par est tibi nenio,
240 Qui vel tam juste jus dicat tam vel honeste,
Et qui sic viduas defendat slve puplllos,
Propter avarlllam cum damnabantur Iniquam,
Quilamentantur nimiun), [cum] quando premunlur.
R U O D L I E B fragm. III. 149
Ergo tui cuncti cuni sunt hostes nihilatl,
245 Parlim defuucti, partim membris mutilati,
Illorum luilli tibi c|uid plus suut nociluri.
Kare , redi cilius, quia quo venias inhiamus,
Inprimis ut nos bene tecum pacificemus,
Praestita dando tibi saepissime quae meruisli
250 Non parcens proprlae pro nobis denique vitae.'
Ast In line brevis hujus [stal] epistola matris: fol. 13^.
']\Ii fili care, . . . miserae matris memorare,
Quam sicut
Inconsolatam bona
255 In genitore luo . . . nale secundo
Dum mecum f ueras , mala cuncla mihi relevabas,
Cum discessisti , gemitus mihi nudliplicasti.
Sed tamen utcumque decernebam tolerare,
Secure miseram dum posses ducere vitam
260 Prae tot tam validis , tibi tam diris inimicis.
Qui quia sunt cuncti mutilali sive perempti,
Fili kare, redi, luctus fiuem dato matrl,
Adventuque tuo consanguiueos hilarato
Non solumque tuos, sed omnes compatriotas.' —
265 Omnibus auditis miles nimis est hilaratus,
Pro sola matre lacrimis perfunditur ore.
Id resciscente populi rumore sodale,
Ultra credibile niniium fit mentis acerbae ;
Illeque uon solum , quin quod fuit apparitorum,
270 Stant ubi vel resident, simul inliiue coudoluerunt.
Dicunt, quod uunquam vidissent huic similem quem
Moris honestate fidei vel iu integritate ;
Quod uec obcst ulli, sed, ubi quit, profuit omui.
At qui servimen ejus novere diurnum,
275 Dicunt: 'quid mirum, sibi si non est onerosum
250 deiiique am ran<J, statt dcs friilieren utique.
150 RUODLIKB fragm. III.
Nil deservisse, ni jKuiper vivere posse,
Vicliini vel vesteni , milhini plus eniohunenluni,
Hujus cum regni cohimcn specialis sit oninis.' —
Qui sibi dileclunx secuni suniendo sodalem
280 Ad regem gradilur, prae cpio sic fando precalur:
Si, rex , audereni, libi vel forc non grave scireni,
Quod niniis angil nie, tibi vellem nohllcare.'
Rex ait: 'eloquere, clcmenle poliris ad id me.'
lUe pedes regis amplectilur oscnla dans liis.
fol. 13^.285 Postque resurgendo vix prolulil isla gemendo:
*Quid milii causae sit, nielius rex ipse videbit.'
Sic ait inque njauiis dat liltcrulas sibi niissas.
Piex ait liis lectis : 'nunc conipatior satis islis.
Quae libi proniiltunl doniini, si sic ea solvunt,
290 Consilior videas , venias quin neve relinqiias;
Atque tuae matris inv.ns est legalio suavis.
Hinc omuino tibi nioclo nolo reconsilfari.
Quin vadas ad cam vcl consoleris eandem,
Contribulesque tuos visendi te sat avaros.
295 Quando velis, ito; nobiscum sed tamen esto
Istius ebdomadae spatiuni. ISoh prius ire,
Quam pertraclemus quid mercedis tibi demus.
Nobis servisti cjuam dcvolissime scisli.
Non oblivisci decet id nos, sed reminisci,
300 Et tibi prodesse, te saepe neci tribuisse
Pro nie pro populo pro cuncto denique regno.'
Exul at iuclinat regem memiiiisseque gaudet
Ejus servitii, paucis respondet et^illi:
'Quod tibi servivi, mihi quam bene relribuisti.
305 Huc postquam veni , pie rex, tibi meque subegi,
Pascha fuit tecum mihi semper cottidianum,
Semper habens multum vel honorum sive bonorum
A te non solum, sed ab unoquoque tuorum.' —
Rex jubet interea Cant argeutea vasa,
RUODLIBB IVagm. III. 151
310 Ul grandes lauces pcr circuitdiii cubilales,
Nou nisi bis bina, duo plana, tot alque profuiida,
Quando coaptentur, ceu paues sinl videantin",
Exlra spellina si siul perfusa farina.
Quoruiu vasoruni rex uiuini denarioruni
315 Keplet, bvzantes quos dicunl aurilicanles,
El sic ronjunclini , suppingere quod uequil uiiuni
PIus [cuni martejllo, ne clangaut forle niovendo.
Quaudo douuMii vinial, rcs iude suas nicl[ioret],fol.l4a.
Alque suos doniinos faciat sibi dando benignos,
320 Ut sibi proniisfca deut praeslila mcnte benigua.
Allcra dividitur lanx iu duo, sictpie replelur:
Ex una parte lancis nummos posuere
Ex auro factos et in igne sat examiualos,
A pole Byzanto quibus agnonien tribuere,
325 Est quibus insculpla graece circum litulala
Iftlac majestas, illac regisque potestas,
Inpouendo nianuni stans queiu signat beued[ictuni],
Quos det dileclis consanguineis et amicis
Ad congaudendum,mos est velut, hunc foresa[IvumJ
330 Exilioque gravi non illum degencrasse,
Sed perfecisse vel lionore domuin rediisse.
Citra mazeriam lancis nummis ita farlam
Bis sex armillas inq)ouil rex operosas,
Ex quibus octouae solidae, non sunt recavatae
335 Plumbo repletae , ceu serpentes capitalae,
Oscula cjuae sibi daut, sic se nec aniando noce£baut]
Quarum quaeque meri grave pondus gesserat auri
Bis geminae reliquae gyrando fuere recurvae
Quaequelibrans marcam velul epaticam sper[ulatau)];
340 Non in iis decori plus, quam studet utilitali.
Et super additur liis reginae fibula graudis,
In limo fusa, uou malleolis fabricala,
Fabrili uullo compactave machiuameuto,
152
R U O D L I E B ftarrm. IIT.
Per lotiiin solida , non omniuoque dolata,
345 In inedio cujus aquilae stat imago Yolantis,
Ejus et in rostro pila stat cryslallina summo,
In qua niotari visuntur tres volucelli,
Essent ceu vivi, gestire volare[que prompti].
fol. 14B, [Aureu]s hanc aqu[ilam] per gyrum circulus ambit,
350 [Quae t]am lata fuit , sibi pectus quod bene texit.
. . . merito sic auri fusa talenlo
. . . . . in pensando leviores
. . et [in qua]rum gemmarum mulligenarum
erat [varius] velut inspiceres ibi sydus.
355 . . . quaequG librae quadrantem ponderat aeque
. . di boga gracili pendendo catena
. . liis modicam cj[uam praetendendo diatim
. . am cum qiia coufigat, ue stet aperla
ne possint cerni majuscula si sint.
360 . . . o lunam solidam super addidit unam
[Pensan]tem libram , faber in qua prolulit artem
uatura sunt inque recircuilura
. . lapides generosi cuncticolores
[Collectis] cocleis in majo mense marinis
365 . . . imixtis auro de more reclusis
[pl]anitie graciles sperulae variatae
, . itur vitro, vilruni discernitur auro
. . nens uodos vel folia vel volucellos
. , hjirsuta primo fiuut tuberosa
370 . . . o vel aqua poliuntur cote scabrosa
[Id gejnus electrum fabrile vocatur honestum
, . dente post gemmas margine lunae
. iillae dulcem se conlidendo fragorem
, . jam lanci caute rex praecipit addi
375 . . . octonas in lancem ponit iuaures.
[Quatt]uor ex illis comptae fulsere lapillis
. bus] variis amelhyslis atque berillis.
RUODLIEB fragm. III. 153
[Quatljuor ast allae non sunt genimis redimltae
. - . clel . . . [mlris no]dis variatl
380 Slcut plncillo quis vilrum pingeret au[ro] fol. 15«.
Bullae cum bacis clangunt cum se movet auris.
Tandem ter denos fabricare jubet digit[ales]
Ex auro puro, reperitur non mcllus quo.
In quorum cpiemque jubet includendo locare
385 Ligurium vel iacinclum pulchrumve berillum
Quorum tres sponsae daiidl sunt acclplendae,
Nou grandes, graciles, quos ferre decet n)[ulieres].
Lanclbus implelis bis donis imperiosis
Atque coaptalis clavis firme capltatis
390 Has jubet obduci rex glutlne valde lena[ci]
Polline commixto mullo Iribulamine . . . .,
Ut non abradi nec acpia cjueat hoc aboleri.
^uando dles venlt, ad cpiam rex inducl[avit],
Quod deberet ei ple respondere clienli,
395 Dixlt principlbus : 'nosler miles peregriiius
Vult remeare domum carta rcvocalus li[erorum],
Pro cjuorum causa palria caret ul patet ipsa.
En liic est carta, nunc vos audile cpiid illa
Dicat.' SIc Incjuit, et eam sciolus recllavit.
400 Carta perlecta fiunt ibi tristia corda,
Compare tam fido tam nilll tamcpie ben[igno],
Tali tyrone regem sesecpie carere.
Et regl suadent, luinc vl prece seu reti[neret],
Uxorem sibi det et honorlbus hunc locupl[etel],
405 Dicentes dlgnum comilatu quovis eund[em].
Rex ait: 'abslt ut is de me tribuletur [In islis],
A quo sum numc|uam mlnimam commotus in [iram],
Quln irascentem rne mitem reddit ut ag[num].
Totlus fidei plenum se praebet in onuii.
410 [Jani nimis ejxilli gravis est sibi sarcina longl fol. 15^.
. . n quocfuam non hoc senllre valebam.
154
RUODLIEB fVajrm. m.
. mittamus ct eum palriare sinamus.
. . les si post sua sic veniat i-es
mi queat luic bone posse i-everti
415 . . . eteres ut apud nos commoclilales.'
vtrum jubet , acl se quo vocel iUum.
. s vocat bunc ; ad rcgem \enil is illuc.
. siluit, clementer rex sibi dixil:
'. . inlvile, mi kare , reliquero de me
420 . [promlptus eras et in omni morigerebas.
eo grates tibi, dilectissime, grandes.
es nulli sed plebi karus es omni.
. . i, dic verum, karissime ciuictigenorum,
ibi peccunna malisne sopbia?'
425 ris volvejns mente sibi quid respondeal apte
. o quod , ait , conponderat usiis bonori
. . t multos ubi noscitur insidianles
. . ros cogit plures fore fures
s parit invidlam vel amicos
430 . . . stimulat Cdei quo foedera runqjat.
[Est meliujs censu careat quis quam c^uoque sensu
Et quicumc|ue] pia satagit llorere sopbia
. . argejnti senqier sat babebit et auri.
. . expuguat, quia telis intus abuudat
435 . . . multos vidisse creberriuie stultos
s per stubitiam uicliilatis
opes vitlose degencrantes
se sed opes patuit iiocuisse
fol. 16a. Unde poles facile me verbu[m] ta[le] docere,
440 Quod si servabo, quod id ipsum non t[emjeiabo,
Tam karum c^uod eril, ceu poudo decem milii quis det.
Nemo mihi rapit id, inimicaturve nec odit,
Propler id et latro me non occidet iu arto.
In camera regis census decet ut sit opimus,
445 Pauper homo sat habet, si vi valel arteque pollet.
RUODLIEB fragm. III. 155
ISon volo pecciiniam , silio gustare sophiani.'
■ IIoc rex audito : 'niecuru', surgens ait , 'ito.'
lu peuelralque pedaul luilluui secumque siuebanl.
Rex residens pro se tiuic exule staute cliente
450 Dixerat iu priniis: 'nuuc audi cordis ab iniis,
Quae tibi praedico ceu vcrus amicus aniico :
1) Non tibi sit rufus unquani specialis aniicus.
Si fil is iratus, nou cst fidei nienioratus;
Nam vehemens dira sibi stal durabilis ira.
455 Tani bonus liaut fuerit, aliqua fraus quiu in eo sit,
Quani vitare uequis, quin ex hac conimaculcris;
Nam tangendo picem vix expurgarls ad ungucni. —
2) Quanivis coeuosa j)er villam sit via liila,
Nuniquam devilcs callcm , quo per sala pcrgas,
460 Ne male tracteris careasque luis ibi freuis
Correptus pcr quem responsum daudo superbum. —
3) Quo videas, juvenem quod habet senior mulierem,
Ilospitium tribui tibi nou poscas iteranti;
lu le nam magnam facis iusous suspiciouem.
465 Hic timet, haec spcral, fors intcr eos ita vcrsat.
Ast ubi vir viduam juveuis leneal velerauam,
Hospitium poscc; non hic timet, hacc nec amat te,
Tu[que] ibi secure dormis sine suspicione. —
4) Poscit ad occandum si te couclvis agellum fy|. iGb.
470 Ut praesletur equa geuerandi tempore focta,
Noli praestare, ni vis hanc degenerarc,
Nam perdet pullum si planificabit agellum. —
5) Nou libi tam karus sit contribulis tuus ullus,
Quatiuus huuc saepe soleas visendo gravare,
475 Plusque solet rarum quam continuum fore karum,
Nam cito vilescit homini quodcumque frequens fit. —
6) Aucillam proprlam quamvis uimium speciosaui
Non velut uxorem facias tibi consotialem,
Ne contemuat te tibi respondeudo superbe,
156 RUODLIEB fiagm. III.
480 Neve realur se domul debere praeesse,
Si pernoctabll, ad niensam slve sedebit.
Tecum manducans, pernox tecum repausans
Continuo domina cunctorum vult fore summa.
Talia famosum faciunt iguominiosum. —
485 7) Si libet uxorem traducere nobiliorem,
Causa karorum generandorum libcrorum,
Tunc cognoscibilem conquire tibi niulierem,
Et uusquam mater tibi ni quo consilietur,
Quam dum quaesieris, docet omnimodis ut lionores,
490 Tractes clementer , illi tamen esto magisler,
Liligium cum te ne quod praesumat babere :
]Nam vilium uuUum majus valet esse virorum,
Quam si subjecli sint queis debeut dominari.
Et licet in cuuclis bene concordet tibi rebus,
495 Numquam velle tuum debes sibi paudere tolum,
A te correpta si post pro re vitiosa
Improperare velit, ut nil tibi dicere possit,
Unde pudor vel amor inter vos quid minuatur. —
foI.lTa. 8) Nulla repentina libi tam gravis mgruat ira,
500 Quin pernoctare vindictam perpeliare,
IMaxime cum dubia res est, non ut tibi dicta,
Forsan cras gaudes, auiml quod frena tenebas. —
9) Nunquam cum domino tibi lis sit slve magistro;
Namque poteslate, si non juste, superant te.
505 Nec quid eis praestes, veraciter Id quia pei^des.
Cum rogat ut praestes, est tunc melius, sibl quo des ;
Inveniet culpam quia tantundem tibi per quam
Tollat, utrumque perlt, nec grates nec bona reddet.
Grates, dlcet, habe, cum despoliaberis a se,
510 Tunc luclinabis, dominum laudans, quod abibls
Sanus cum vita, nihili pensaus lua damna. —
10) Et numquam sit Iter quoquam tibi tam properanter,
Ut praetermittas, quln,, ecclesias ubi cernas.
R U O D L I E B fragm. III. 157
Sanctis commillas illis te, vel benedlcas.'
515 Sic iibi pulsetur , aut si quo niissa canalur,
Descendas ab equo cuirens velocius illo,
Katlliolicae paci quo possis participari.
Hoc iter Iiaiil longat, penitus tibi quin breviabit
Tutius ct vadis, hosleni minus alque timebis. —
520 1 1) Abnuilo nunjquam, si te cogens liomo quisc|uani
Oret amore pii jejunia frangere Cliristi,
Non ea nam frangis, sua sed mandata replebis. —
12) Si tibi sint segetes prope plateas generales,
Non facias fossas , progressus ulleriores
525 In sata ne fiant, nam fossas circueundo
Strala fit ulrimque per siccum gente meante;
Si non fodisses, damnum minus liinc liabuisses.' —
Dum rex conticuit sapientia verbaque faiit, fol. 17b.
Ambo prodibant, rex inque tlirono residebat,
530 Et laudat cunctis virtutem militis ejus.
Econtra murmur laudantum multij^licalur.
Qui grates regi populo referebat et omni.
Rex ait : 'ito domum cunctorum plenus lionorum,
Atque vide matrem totamque tuam pariter rem,
535 Si potes in patria tamen esse tua velut ista,
Solvere sique velint domini quae poUicili sunt.
Qui si fallant te , decet nt fallantur el a te,
Nec famuleris eis totiens dflusus ab illis.
Nulli servito parco nimis aut inhonesto.
540 Si tibi contingat, animus tuus unde vacillet,
Taedeat ut patriae propriae te , si repelis me,
Ejusdem velle conlra te repperies me,
Quo nunc te lincpio : dubium non hujus habeto.'
Post nuerat digito prae se stanti paranympho,
545 Et sibi secretim de more susurrat in aurem,
Illuc ut peras canierarius afTerat illas,
In quibus hi panes fuerant intus locupletes,
158 R U O D L I E B ft affm. IIT.
Polllne perfusi forls, Iiilus pecuniosi.
Allalls pei-is rex inquit : 'mi bone , sodes,
550 Hos geniinos panes, nuniqunm karissime, frangap,
Priniitus ad nialrem venias quam lani tibi karam,
Cuius in aspectu solius fi-angc minoreni:
Cum sedeas nuplum cum sponsa, frange secuiuluni.
ITinc et dilectis quantum vls detur amicis,
555 Ut sapiant, qualis noster soleat fore panis.'
Atque valedicens rex oscula ter sibi figens,
Cuni gemitu liquit. INHles lacrimando recessit,
Cumque valedicunt, sibi flenles oscula figuut.
Qucm sequitur cunclus ad equum populus gemebunduSj
fol.isa. 560 Inde recedenle , solo comitante sodali,
Scutifer, entliecam qui vexit eo modicel[lani],
Traxit sagmarium variis opibus oneralum.
Inter dilectos fit niagna querela sodales,
Tam breve tunc tenipus quod ovarent alterut[rius],
565 Nam nou ni triduo simul ibant sermocin[ando].
Ad noclom niediam prolougant sumere coen[am].
Post mensam demptis ambobus calciamen[tis].
Poslquam dormitum decernunt visere lecl[um],
Aversi flebant taciti , lacrimando ge[mebant].
570 Ilt puer , ille magis flet se quatiendo soda[Hs],
A sibi tam fido quod disjungendus aniic[o].
Nescit, an Iiunc uniquajn fuerit visurus In [aevum].
Pervigil insomnem vellet flens ducere uoct[em],
Ni citius somnus cor moerens opprimit ejus.
575 Cumque diescebat, ambo simul evlgilab[ant],
Surgunt, induerant se , prandent et fa[lerant se],
Insimul et pergunt, donec confinia cern[unt]
Alterius regui , qua sunt postremo dire[mpti].
Exul et, ut potuit prae fletu vix, sibi dix[it]:
580 'Kare, meo domiiio de vero corde ve[rendo]
Dic, precor, oramen vel devotum famula[nien]
R U O D L I E B fragm. III. 159
Omnibus alque suis nilhi ceu coi' seniper am[andis].'
Basia dum sibl dant anibo nimis inti[mi amici];
Alterutrinque vale. dlcebalur sat abun^^de].
585 Disceduiit a se sic in sua moeslus u[tcrque].
Ulque su.ie palriae jani coopit re[)ropi[are]
Piufus euni vidif ac currcns se sibi j[uugit,]
Quando salulavil hunc [quave via rogilavit]
Ire ve quo vellcl? [n)I!es .... fcrebat]
590 Sat dedignanler, respoiidcl ei saplenler:
'[Est viaj communis, quo vullis, pergere quills.' fol.lgb,
[Rufus] parabolas iiicepll dicere niultas,
[Quamvls res]pousum de millle non capll ullum.
[Increscen]le dle cum ferre suam nefpiit in se
595 [Miles tum po]st se cajjpam solet ille llgare.
[Fiufus, ut ajcquirat lianc, tola mente volutat.
[. . . u]t venlunt ad aquam vel equos adaquabant,
[Vertendo] tergum ceu delergendo caballimi
LRufus cor]rigiam (urtim rapit indeque cappam
600 [Ilancque s]ub ascclla tenet nsque recessit ab unda,
[Exsilien]s ab equo cilat hanc iutrudere sacco
arelur jiost hunc velut experiatur
pedum clavos an haberet eoruni
[. . . . accjurrit et adulando sibi dixit
605 [. . . no]nne, bone , mihi cernebaris habere
[Post lergum cajppam miror quod non video quam.'
. . . . dlxit: 'est mirum m[ihi], sed ubi sit
. . . . sub aqua quid nescio diffluitabat
[. . ub]i |)0lamu8, ibi forsan perdideramus.
610 [. . rev[erlamur, hanc si reperire queamus.'
['Absit'] miles ait, simulans sibi ceu nihili sit.
LVespere tunc] villae coeperunt appropiarc.
Per illam pl]atea vadit sal iata lutosa
160
RUODLIEB frasm. III. IV.
615
620
. ffiio qnlvis valel lils exire lacunis
tranjslre via prope sepeni tani lutulenla
. dans posset [ui pons] arlissinnis esset
t lenipiando sepeniqne nianu retinendo
. tarct [in coenuni nani] cecidisset
tus e cainpo per sata trilus
calleni Piufus suadebat eundem
illuvie coeni non posse niearc
. ullani tam cauosam vel aquosam
IV.
fol. 19^. Aostliac cimi peccas , ndceas cui, n[on maledlcas],
Est quia valde grave duplex [damnum
Perderequemque suum superhocquepalimaledlctum.'
E reglone mluas Rufus satls eglt iuanes,
5 Noa pernoclarl dicens quam sint mutilati
. . . . os qula vult . . . dere ....
INIIIes subrlslt, slbi quld pejus fore nam scit.
Ad villam propiant ubl pernoctare volebant.
Sol petit oceanum monet hospillumque pelen^dum].
10 Rufus pastorem vocat unum conveuiend[um],
IUuc qul veult, quem Rufus mox rogitavlt :
*Dic vicinorum mihi uomina praecipiiorum,
Est hlc c[uls dlves, uoslri fore qul" queat hospes?'
Paslor alt: 'multi sunt hic, quos ik)u stupellerfl]
15 Sat scio, si ceutum scutis comes appetat [unumj,
Quln his servlre posslnt omni sub honore.
Esset homo pauper, uequeat qui sufficienter
Vobls servire, veslros et eqiios stabulare.
Multi sint solili llcet hospitlbus fanniLlari],
20 Inter eos omnes non suscipit advenienles
RUODLIEB fragm. IV. 161
Tam bene ceu juvenis, vel uti vetus [uxor ejus].
Rufus ait: 'viduam quid habet juvenis veteranam?
Vir vetus uxorem deberet habere veternam.'
Pastor ait : 'nusquam melius nupsisset ad [ullam].
25 Pauper erat nimium, prius is quam duxerat [islam].
Nunc dominatur ei , servivil cui [prius ipsi,]
[Ac] vehiti dignus, est nam pius atque benignus.
Gratia sitque deo, qui sic niiseretur e[geno].'
Tunc dixit miles: ^quae te rogo, dic mihi, sodes,
30 QiJ^lif^r acciderit, inopi locuples [muh'er sit?]
. . .s domine, dic audieris mihi , nonne ful. I9b
[Omnis ovi]s cupide vas Hngit saUs amore
'[Quem] prius [haec] habuit secum laetissime vixit
35 parciis rarissime laetus
vide jocantem
. . porcorum vel apum fuerlt vel equorum
. . numerum nescit quantum cujusque sibi sit.
[Neve] tamen carnis propriae saturatur utervis,
40 [Cas]eolos comedunt duros serumque biberunt,
Quicquid habent, vendunt,pretium cauteque recondunt.
[Tunc] is huc veniens juvenis nudus vel egenus
-[Curr]it ad hunc , primo panem mendicat ab illo.
[Qui] eibi buccellam sigalinam vix dedit unam
45 [Hi]c dum suscepit, reverenter stabat et edit.
Mensa sublata properat sustollere vasa,
[Ne in]ingat catta caluhisve coinquinet illa,
[Sed]ulus ac lavit, post in toreuma reponit.
[Cocl]ear in disco curat servare magistro,
50 [Ut] sibi praeponat, cum praudit quandove coenet,
[App]osito cullro cum saleve cum cocleari,
[Si be]ue conditum quid non sit , condiat hinc id,
. . sil holus seu sorbicium seu quidque ciborum.
[Haec] notat in corde senior, si uon ait ore.
11
162 RUODLIEB Iragm. IV.
55 [Nil] praetennisit jiivenis (juod opns foie \i(lil.
[Bov]es sicut dves udaquat , ])orcosve capellas.
[Apjporlal fccnuni quibus aunonal j)ai'afredis.
[Onine] fecit sponle sibi neinine praecij)ienle.
[Si quidj alius eiat oj)us, id studiosius egit.
60 [Et cuni] j)er triduuni niansisset sic apud illuin,
Is n]isi buccellam sibi nil dedit ad coniedendum
i"u!.i203. Cumcjue diutius esuriem sulFerre nequiret,
Inclinabat ei cuj)iens alio j)]'oflcisci.
llle sibi dixit , hunc cum secedere vidil:
65 Nunc Lic esto dies binos tantununodo vel Ires,
Alterutrum nostros mores donec videamus.
Conseuslt juvenis, niox augelur sibi j)auis,
Quadrans mane datur sibi , sero dabatur et aller.
Inlerea rogat huuc, si quam cognoverit arlem?
70 '•'Artem , quanx j)ossem cognoscere , dic , ineliorem,
Ouanr quod uosco cibos lautos conGngere pl[ures]
Yilibus ex causis, ex lierbis sive farinis,
Ad quae nil uisi lac posco modicumve sagi[men]
Et tantum salis, delur irt dulcedo sapori.
75 Est aliud, domiiie , nobis omnino necesse,
Quod non irasci debes de me libi dici."
*Dic,' ait , 'id quid sit, non irascor.' Puerinquit:
*'Eu vehit es, cunclis dives satis esse videris,
Et tuus est panis solaminis omnis iuanis,
80 Furfuribus pleuus, fuscus, lolio vel amarus.
Si praesentare mihi vis cujusque farinae
Vel modium vel diinidium [ad] panes faciendum,
Tot bene cribratos praesentabo tibi paues,
Semine condilos apii vel sale respersos,
85 Et uras aliquas lardo superunclas,
Atque coronellas .... uti nienchns.
Haec facieus merum . . . libi
Quicquid et ex cribr
R U O D L I B B fiagm. IV. m
Arqiie tiiis piiUis dabo sive strepentibus [aucis]
90 In pueros panem si fiegero dislribuendum,
Non ita ut eis lenis videaris
Haec faciendo donuini totani tibi proniptificabo
. . . cuncta praesens sla nitere furca." rol.20i>
'[Esset quod] juvenis niulhini sapiens, bonio cernens,
95 [Janique rege]iida sua cominisit ei bona cuiicln,
[Res ut pro]videat pueros(jue suos , uti vellet.
[Tali caujtela facit hoc, lali quo([ue cura,
[Ut domijno nil deficeret nullive suorum.
[Ultra prae]bendani sibi nil tulit ille statutam ,
100 [Ipse l]aborabat, quo se ves'ire valeret,
[Ac fam]ulando fide domiuo suninia, sine fraude
[Tenipus] nescio quod. Postbacc morilur scelus iiliid.
[Sordidio]r nemo vixit vel amarior illo.
[A paucis] llelur propriorum , dum tumulatur.
105 [Quis dubit]at vidua iuveiii tunc fiat amica.
[Protijnus sed ad ecclesiain simul ire videmus,
[Ad niejnsam resident simul, ad lectum simul ibunt.
[llleque] jam dominam vocat lianc, ast luinc ea ualum.
Mox famuli, famulae patrem suescunt vocitare,
110 [IUe su]os liberos econtra noininat illos.
[Nunquam] majoreiii nos cernebanuis aniorem,
[Nec] conteclales sibi tam bene convenieiites.
[Janua] , quae viduis prius est et clausa pupillis,
[Hdec nimc] divitibus semper patet atque misellis.
115 [Illic] hospitium, si vullis, babebilis aplum;
[Est et] in ingressu villae grandis donnis horurn.'
\_ L unc a]it et Rufus vanus nimiumque superbus :
'[Est vet]us hic aliquis, cui sit pulcherrimaconjunx?'
llle ai]l: 'est senior, multum bona cui fuit uxor;
120 [Proh djolor, ah moriiur. Is nupsit denuo nuper
Et duxit juvenenj stultam nimiumque procacem.
11 *
164 RUODLIEB fragm. IV. V.
[Censens] pro nihilo conteninit eum , niale crebro
[Cum moechis] stultis ludens inhonestius illis.
V.
fol.2l3. 1 Jranes ille secat et in illos distribuebat,
Caruis de seuis discis quod et decidit illis.
His consolatis laetis ad donia reversis
Hospes item dixit: 'cum Christus quem niihi mittit,
5 Tunc est pascha meum nilhi velque meis celebratum,
Sicut in hac nocte, dum laetificabimur a te.
Est niihi quod veuit de te , deus ut mihi mittat.'
Cui niox de scapula partem mittit quoque sura,
In phires ofFas quam concidendo minutas
10 Pro sacramentis pueros partitur in omnes.
Post haec sat cocti domiuo, sat ponitur assi,
Potus at in patera summi tuberis nucerina
Praecipui vini piperati sive medonis,
In qua bis bina sunt aurea flumina sculpta;
15 Dextra dei fundo paterae confixa stat imo,
Quam, dum pernoctat ibi, quidam summus ei dat.
Numquam gustavit tamen ex hac", ni sibi mittit
Cui servitur in hac, iu opus servalur at istud.
Finita cceua, poslquam que datur sibi lympha,
20 Fertur ei vinum, de quo bibit et slbi misit,
Qui dederat dominae prius , et post ebibit ipse.
De mensa surgit niiles modicumque [resedilj,
Sicque jacens tractat , liominem qui gratificar[at].
Tandem matronae dederat sua pallia prompte,
25 Possit ut ecclesiam sic compta revisere sanctam.
Interea Rufus quid agat non praetereamus.
RUODLIEB fragm. V. 165
Miles iit intravlt, iibi tot bona repperiebat,
Rufus, cur subeat, vetus est ubi simia? dixit.
Miles ait: 'velles mecum' post forsan ovares.
30 'Quod volui reperi, sed quod tu quaeris habebis.'
Asstantes mulli Rufo suut consiliati,
Deserat haut comitem
[Ast dedig]nanter discessit ab hoc properanter, fol.21b.
[Jam praeler] neptem nil naclurus nisi mortem.
35 [Irruit in] portam senioris sepe seratam.
[Is stetit in] curte, liberique sui duo prae se,
[Tunc Rufus] pulsat qualiens portam nimis inquit:
. , . aperi, vel me praelinquere noli.'
[Cumque senex] *quis sit per sepem prospice,' dixit,
40 ['Jam ven]it el franglt portam,' currens puer inquit,
Rufus ait: 'pande, rogilas quasi nescieris me.'
[Tunc sunt i]rali juvenes nimis hinc slomachati.
. . . . endo niali iubet illi tunc aperiri.
[Rufus pro]terve, nimis incursando superbe
45 [De capitej niitram non deponebat , et ensem,
[Desilijens ab equo, freni loro sude jacto,
[Stringens], insanus prae se stetit utque profaiuis.
^: Sed Rufus tandem rediens ait ad seniorem :
*[Si vos n]oscatis me miror, quod reticetis.'
50 '[Nescio quijs sitis,' ait is, 'stuUe satis itis ,'
'[Nescio quijs sitis , uunc uobis quidve velitis.
'[Est uxor vest]ra mea neptis valde propinqua
Hanc ut conveniam solus permittite solam.';
'[Permitto] , facite,' jubet lianc ad eumque venire.
55 [Quam , simulac vi]dit, ardens in corde cupivit,
[Gauden]s arrisit, ea congaudens sibi risit.
. . . lun genitor tibi mandat vel tua maler
. . . solus ubivis et quicquid alius.'
[Isti ambo] tunc slanl ad sepem seque recHnant.
60 Rufus ait: 'primo quae dico, corde notato,
166 RUODLIRB JVaKm. V
[Noslrmn col]loqulum nam non debel fore longuni,
Non fle , non ride, le conlineas scriose,
[Ni velijs iile canis sapiat nostram rationem,
[Si mihi] consentis, ab co cilius redimeris.
65 [Est liic najm juvenis, salur omnigeiiae probitalis,
[Haut b]revis haul longus, sed staturae mediocris.
tol. 22i. Est similagineus lolus ac genis rubicundus,
In toto mundo non est speciosior illo,
Qul dum rescisset , tu quam speciosa fuisses,
70 Et quas aeruinnas patereris cottidianas,
Corde tenus doluit, gemobundus vel mihi dixit :
"Umquam si fueris milii fidus , kare sodalis,
Ito , dic illi mulieri martirizatae,
Si velit, ut redimam se, vel de carcere tollam,
75 Audierit gracilem cras quando lubam reboanteni,
Ut dicens uulli sibi tam fidae mulieri
Exeat e curle, platea slans inopino,
Donec accuiTam cum pluribus hanc rapiendam.
Posthac haec liera sit, agat et sibi quodque placcljil."
80 Nunc sibi demanda quod vis , nej)lis mea cara.'
Discipiinate stans hoc aiulivit ut omne,
Interius gaudens , tamen inquit ci quasi moerens:
'Cuncla libens facio , sis cerlior, atque fidem do.'
Accepta dexlra Rufus dubitans nihil ullra :
85 'Ter mihi succumbas in mercedem, volo laudes.'
'Si decies possis , fac ,' inquit,' 'vel quoliens vis.'
'Sicut abire velim, facio , quod tu proliibelo.'
Adque senem rediil 'mihi jjraecipiloteque' dixil.
lile libens faceret, si prae muliere valeret.
90 Illa rogat mullum , discedere ne sinat illum.
'Si velil, liic maneal, quod nobis sit, sibiiuel sil.'
I)ei 83 stelit R(«fiis) , hei 86 N(e|)tis) . Ijei 87 R^ijfiis), den
wcolisel (tes gespiiiclis zh bezeicliiicn.
RUODLIBB fragm. V. 167
Duxerat in stabuhim properanlius il!a caballuin;
Non ea nec Rufus reminiscuntur magis ejus,
Manducet, si quid ibi graniiiiis Is reperisset.
9,5 Infrantemque domuni noptis bene suscipit il!um,
Insimul assidunt sat sermocinandoque ludunt,
Insertos slringunt digilos , sibi basia ligunt.
ingredilur senior, quo non seriosior allor, lbl.22'\
Hispidus in facie, polerat cjuod nemo videre,
100 Ejus quid vullus fuerat, (piia valde pilosus,
Ni solus nasus curviis fuit et varicosus.
Stant oculi gemiiii velut elFossi teuebrosi,
Hosque relorlorum superunibrat silva pllorum;
Neve foramen ubi sit iu os , quit quis([ue videre,
105 Sic se barbicia praetendunl longave spissa.
Ille pararo lamcn pueros jussit sat edendum.
Istorum nimiiis cum displicuit sibi liidus,
Inter eos residct , natibus disjunxit et ipsos,
i\d modicum roticsnl [sej inlersessosque dolcbant.
110 Prae se curvando faiilur per plura jocando.
Cum perlaedel)at , mcnsam velare jubebal,
Dixit et uxori: •salis e?t , jam paice pudori.
Non debet mulier sic essc procax neque sed vir,
Et praesenle viro hulat decet liaut alieno.
115 Sic dicens surgit ad laliinain veliit iret,
Ilespiciebat eo terebelli percjue foramen.
Rufus et in solium salit infeiiciter ipsum.
Una manus mammas traclabat et altora gambas,
Quod celabat ea , super expandendo, crusenna.
120 Hoc lotum ceu fur rimans senior speculatur.
Quando redit, sibi nou cedit, nam nou ea sivit.
Tuncque sedens solio nimis indignando supremo,
J06 liir jussit sat friilier praecepil.
115 fiir latriiiaiu staiid friiher secretuni.
168 RUODLIBB fragm. V. VI.
Saepe monet donunau), qiio iiraecipiat darecoenam;
Quae subsanuando coenam difFert joculando.
125 Is rogitat, 'ccena,' pueros, 'essetne parata?'
'Quam cito YOS vultis,' dicunt, 'coenare valelis.'
*Nunc liera coenenuis, requiescendunique meemus
Pauset et est tempus ut vester karus araicus,
Satque fatigastis huuc, nunc pausare sinalis.'
VI.
iol.23a. 1 Venlt is*) atquefidem sibi'''*) vultpraediceresanclam,
Non valet is, 'credo' gemebundus ait; nisi crebro
Poeniteat, vel eum rogilat , mala quae faciebat ?
Nutibus et verbis se poenituisse docebat.
5 Per domini corpus fil ab omni crimine mundus.
Exlialans animam domino commiserat illam
Dicens: 'Chrisle pie mihi valde reo miserere,
His et dimitte , mihi vlvere qui rapuere,
Inspiresque meis, ut idem faciant, rogo , natis.'
10 Sic dicens siluit, cito post haec vivere clausit.
Aurorante dle popuhis convenit ubique,
Ante fit ecclesiam muhus conventus et ipsam
Et vicinorum majorum sive minorum.
Rector eo venit, scehis ut miserabile rescit.
15 TJtque resederunt ibi quos residere decebat,
*Hic,' ait, 'est,' rector , 'miserabihs utique rumor,
Quod sil perciissus quo non meHor fuit ullus.'
Flentes dicebant omnes , ibi qui residebant:
'Ulciscatur, ni rescimus par iterari.'
20 Misit post liberos, posl mordritas slmul ipsos.
') der priester. '^*^) dem sterbenden alteii.
R D O D L I E B IVagm. VI. 1 69
Qui dum venerunt, corani rectore sleteruuf,
Rufus rldendo, terram rea consplclendo.
Rector, dum vldit, quod rlsit, 'pessime', dixit,
'Rides, cum cunclos liic, flentes cum videas nos.
25 Qmd succensebas, quod eutn sic marlirizabas ?'
Rufus ait : 'dentes mlhl dempserat anterlores
Ob nullam causam, nisi quod sedi prope neplini.'
Dixlt et : 'ancilla tua neptls si fuit illa,
Cur hanc stuprabas , scelerl scelus adiciebas ?'
30 Rufus alt: 'cur me [mulier] attraxerat ad se?
[Cur nl peteret me].'
Quae tantum llevlt, rivus lacrimis Ibi quod lit. fol.23h.
Ex oculls sanguls posthaec fluxit sibi grandis.
Poslquam convaluil, quod quid farl valet, Inquil :
35 *0 iiimls Infide, cur sic mentire super me?
Exemplarls Adam, qul culpam verlit In Evam.
Non post te misl, non te prius , impie, vldi.
Me cum promissis mendosis decipiebas.
Non ego defendo quod feci, sed mage damno
40 Quod tu feclstl, me conslliante patrastl.
Non ego , confiteor, ulcisci me super opto.
Judlcium, reclor, fierl dllTerlo parumper,
Donec accusem memet, donec quoque daniiiem.
En, mea judex sto, quia valde libens tolerabo.
45 Si me suspendi vullis super arbore grandi,
Radile caesaiiem, iii longam plectite funcm,
Stranguler ut per eam, per quam rea saepe fiebam.
Sed rogo , post Iriduum corpus tollatis ut ipsum
Et comburatis, in aquam cinerem jaclatis,
50 Ne jubar abscondat sol aut aer neget imbrem,
Ne per me grando dlcatur laedere miiudo.
Inclusain vase vultis submergere sl me,
Deforis in vase , quod feci, notificate,
Inveniant qui me, ne praesumaut sepelire;
170 RUODLIEB iracrm. M. '
55 Tanlum vas riimpant, iii aquam vel reiciaiit iiie
Pisclbiis iit ciluis vorer aiit diris cocodrillis.
Vijllis in ignitiun famosam trudere furnum,
Ingrediar sponte, quo nou creiner igne gehennae.
Ut caream vila, si vultis, inersa cioaca,
60 Sum nimis iininunda, tali dignissima poeiia.
Incidero prompte quia tali gaudeo fine,
Tartareus foetor mihi post ne perpetuetur.
Qnicquid supplicii [reperitis adliuc gravioris^,
Onine libciis paliar, iiuilto inajora inerebar.'
fol 24a. 65 Qiiae duni coMlicuit, reclor miserans ita dixit :
•Judicat haec semet, vos dicile, »i sat in hoc sil:"
Oinnes ploranles, nimium sibi compatienles
Dicunt: "non opus est, rector rogilet super hoc plus.'
Dicunt causidici: 'vilam decerninuis illi
'70 Donari tantum, si poeniteat male factum.'
Ejus privigni mausuefacti velut agni
Volvuntur pedibus rectoris daiido precalus,
Ut vitam, veniam sibi concedalque salutem,
Esse domus dominam, velut ante fuit, siuat illain.
75 Quod dum promisit clemeuter, id illa recusat:
'A modo non dominam , sed me dicant homicidani,
Vivere si vullis me , istud tamen , oro , salutis
Ut mihi tollatis , quo me noii deljiiitalis.
JNares truiicate, quidquid sit et oris utrimquc,
80 Ut stent horribiles omni sine tegmine dentes,
Ut nullum libeat, posthac mihi basia cjuo det,
In crucis atque modum me coniburalis in allum
Fer geminas buccas rosa ceu lenus hac rulilantes,
iSovei-it ut quisquam propter scelus hoc niihi factuui,
85 Et dicat : tibi vae, meruisli lale (juid in tel*
57 die liaii(i»cIiriFt fuiiiosaiii.
77 'lie liandsclirift hat : sed tanieii.
R U O D L I E B li agm. VI. 171
Ne grandis ciilpa peuilus ine sic slel imilfa.'
Tunc rector liberis liunc commisit senioris,
IVIater et ut domina sit eis, nec, ut ante, novcrca.
Quae vestes pulchras, ornalus abicit omnes,
90 Induitur tunica velut ex fuligine tincla.
Caesariem rasit, liinc resliculos ea pleclit,
Cum quibiis el teneras cofislrinxerat illa njaniillas,
Restes \i mordent carnes, donec putrefiunl.
Tegmen pannosum caput omne legebat el ipsum ;
9.') Sic nil xii nares oculi cerniintur et ejus.^
Psallerium discii, animae senis idque cauebal.
Non manducahal, iiisi sleilnm (juando debat fi'l-24 ,
Tunc siccum paiiem comedens, alrum, cinerosuin,
V[cl bi]bit ex limpha tanlnm coclearia leriia.
100 Ambulat haec pedibus iiudis per frigiis et ae&lus,
Dormit et in leclo niliilo jialea nisi slralo,
Et pro plumacio posito lanlummodo ligno.
Ante diem surgit scnis ad tumulum veniavif,
Donec sudavit , donec plus slare nequi\il.
105 Tunc ruit in faciem, dum fonlem llens ibi fecil.
Ningeret aut plueret, seu sol lorrondo cremaret,
Venit ad ecclesiam , mox ut pulsalur, ad ij)sani,
}'A non inde redit , dum circuiiiqua((ue diescif.
Ad breve tiinc rediit , donec faciein sibi lavit,
110 I*resbiler ad missam vel pulsabat cclebrandani.
Tunc rediit, nonain post haec ibi maiisit ad horam.
Nilque polestatis sibi vendicat, lianc sinit illis.
Quod sibidant, habuit, quod non dant, uon eaquaerit.
llaec uunquam risit, cum nemiiie poslea lusit.
115 Cum rident alii, llelus dulcis luit illi.
Haiic iiascentem, rixantem, luxuriantem
Ncmo videbat eam, dum vitam deseril islam.
ll!
a commissa nalis ab eisque recepla
172 RUODLIEB fragm. VI. VII.
Rector ait populo : 'quid agamus, diclte , Rufo,
120 Quiscelushocgemimim patratinternosgemebunduni?'
Rufus judicii certus necis 'obsecro' dixit,
Hic liabeo comitem, prius huuc curate vocandum.
Quam quid in his culpis ulciscendum rogitetis,
Qui, cujus generis sim, qnit sat dicere vobis.'
125 Mittere dum post hunc ejus cupidi voluerunt,
Militls hospes ait: 'quem vos vuhis cltus asstat.
Hac mecum nocle mansit, quod non fuil iste.*
Quem dun» perduxit, stanleni rector rogitavit:
'Dic , niiles sumnie, socius tuus iste vir est nei"
VII.
fol.25i«. V"^
Farcere quae nesclt pariter cunctos do
Femina, quae hinae par est in flore juv[entae],
Par vetulae simiae fit post aetate senectae,
5 Rugis sulcata frons , quae fuit antea plana,
Ante cohnnbinl slbi stant oculi [vitulluij ;
Deguttat nasus sordes nlmium muculentus.
Dependent buccae quondam pinguedine [teusae].
Dentes oblongi nioti stant ut ruituri,
10 Per quos llngua foras pellit locitura fa^bellas],
Et verbum profert, plenum ceu poUinls o[viun].
Os et rlslbile , quod plures alHcit In se,
Stat seniper patuhim , popuhun terrere, vel [antrum].
Utque recurvatum resupinum stat sibi [mentum].
15 Stat collum graclle dephunatae quasi p[icae],
Extantes mammae, jam ceu trochi tuberosae,
Molles ut fungi succi pendent vacuatl.
Et prius usque nates slbi crlnes aurIcolore[s]
Pendent discretlm dorsum vohindo pil[osumJ,
20 Extant horribiles terrentes inspicientes
RUODLIEB fragm. VII.
173
Per sepem capiit ut annuatlm sit sibi t[onsum].
Inclinata caput hunieris extantibus [it nunc],
Ut tardus vultur ubi scit jacuisse cadaver.
Et quae discincta consueverat ire juventa,
25 Alle succingil tunicam, ne sordifica[rit]
Calcatura fabas vel ut pultem coquitu[ra].
Calciamenta sua, quae jam fuerant nim[is arcta],
Cum soccis laxa, liga ceu, slant, ante sup[erba],
Sustollunt luti nimium calcando limo^si].
30 Et graciles digili, quondam pinguedine pl[eni],
Nunc super ossa cutem succo vel carne carentem,
Sordent rugosis nimis ex fuligine nodis,
Unguibus incisis , longis, squalore nigellis.
35
40
45
50
Sic
ilem juvenem senium domat ut mulierem.
8 sibi celsior est ubi tellus
pon]at quis crus eellam super ipsani
m suspendat se socialem
n]ec girans si sella vacillet
etum fuerit si forte jumentum
duni latum saliens super amnem
b]acuIo sese sustollere crebro
n post multa levamina tandem
s post se transit tussi quatiente
eas cernit girare choreas
us juvenis fugitabit amarus
bunt cuncli vel ei maledicunt
vel in his juvenilis ovabat
idit quid cautent aure notabit
vit digitls neumas agitabit
meros huc huc vertens hilarescens
cunct]os ad sese respicientes
r]es optant rediisse priores
fieri si posset eundem
fol. 25i>
174
R U O D L I B B fra<rm. VII. VIII.
5.^
60
65
70
. . . lel cliim sponie iihens obiisset
do suspirans inlime fleiulo
., uni dicens saepissinie seciim:
'[Mors liumanoruni] finis lu sola iiialurum
[Cur tam serja venis? ciir uon me carcere solvis';'
li languore , doloro
. . . sti] licet id sibi vlvere niors sit
. . . jubet deus, ejus spirllus exit.
. . . nat omne, quodest, volet, aml)ulet, aiU iiet
. . . habet, non quodam fine carebit.
. . ter Rollieb minilare frequenter
. . set et id eifugilare nequisset
. et alius nil habuerunt
. quicquam tractare suaruni
. ... . . fili, tua niagua soi)liIa.'
e phis c|uani claresc . . . . J.
! meni-
liraii.
Iloriaii.
lol. 1'.
VIII *).
1 J. iiric sibimet comedunt [///ae] et pullis tribueruut.
Cum per apeiiuras in domate quis sibi micas
] Praebet , mox illo concurrebant adhiando,
Captantes avide quid quit contingere cuique.
5 Sic consuefactae sunt post modicum cilo cunctae,
Quin post , ostiolum sibi cum fieret patefactum,
In manibus rcsident, quod eis datum accipiebant,
J}umc/ue sunt saturae leniendo manuque politae
Doma sua sponte certatim mox subierunt,
10 Et componendo losiris pennas , residendo,
Sic gaudendo, diem quod non sihiere per omnem,
Oblectamentum fit herili deUciosum,
Cum nirnis insuaoe senibus sit tale quid omne.
') das aciite fragment ist ia der hand^clirift von S. Fiorian.
RUODLIEB fiagni.Vni. 175
Palmla Tuil/igena, vel aqua statit in domicella XXXV 1
1 5 Stiirnoruni, scd eos duxere fame domitandos,
Ut per aperturas poscant escas sibi dandas.
Quod primo oetcres nimium renuere parentes.
(Jum pullis Jton dant , has illi deseruerunt ;
Quae digiiuin prael/ent, Jiis illi mox adhiahant.
20 E/igitur sciola supcr hos doctura mogistra. XXXVH
Xostratim fari, ^Pater' et 'nosier' recitare
Usque 'qui es in coelis' h's h's h's iriplicatis,
Staza soror, 'canite canite' doceat geminare ;
Quod pulli discuut, oeteres quam discere pos.smt.
25 Interea miles consanguineus simul ejus XXXVIII
CAim domina vadunt harpatores ubi hidunt.
Miles ut audioil male quam rithmum modulaoit
Inter eos summus illius artis alumnus,
Ad dominam dixit ibi si plus harpa fuisset.
30 'Est, ait, hic harpa, melior qua non erit ulla, XXXIX
In qua, duin vixit, meus heros symphonicwit,
Cujus clangore viea niens languescit amore,
Quam nemo tetigit, is postquam iwere finit,
In qua, si vultis, rithmos modulare \>aletis.''
3.5 Quam jubct afferri sibi, quani citat is moderari
. digitis geminis, modo dextra [(!or.
Tangenda chordas dulcis reddit nimis odas, *"'• "'"l
Multum distincte faciens oariamina quaeque,
Quod pede saltandi, manibus neumas i>el ageudi
40 Ncscius omnino cilus Jiaec perdisceret ambo.
Qui priiis audacter chordas pulsant joculanier
Auscultant illi taciti modulare nec ausi.
Sic tribus insolitis actis dulcissime rithmis
Quartum poscit hera faceret, petit et sua nata, XL
45 Ejus contribulis quem saltaret ce/ herilis.
Quem, per sistema sii'e diastema dando responsa,
Durn mirabiliter operaretuive decenter,
176 RUODLIEB fragm. VIII.
Surrexit jwenis, quu cuntra surgit herilis.
Ille i>elut falchu se girai et haec ut hirundo ;
50 Ast uhi comeniunt, citius se praeteriehant.
r\s se moi>isse, sed cernitur illa natasse.
Neutrum, saltasse, neumas manihus variasse,
Nemo corrigere quo posset, si voluisset.
Tunc ignum dederant , ihi multi quud duluerunt^
55 Deponendo manus finilus sit quia riihmus.
Insimul et resident et in alterutrum nimis ardenl
Lege maritali cupienies consociari,
Illius id matre fieri nimium cupiente,
Atque facultante , quod i>ellent sermocinare.
60 Hunc dominella rogat, quo secum tessere ludai, XLl
Annulus ut vicii duneiur ter superanti.
Tunc is, 'qui ludum, quem ludamus mudu primum,
Acquirat,' dixit, ''digitalis uterque suus sit.'
Haec ea Iaudai>it, ludens et eum superOi^it,
65 Gratls perdente jui>ene, gratis sihi dante.
Quae nimium laeta se sic hahuisse truphaeOf XLII
Ludendu pruprium citu perdehat digitalem,
Quem trahit a digito, jaciehat eique rotandoy
In cujus medio nodus fuerat cams iniro^
80 Hunc nisi laxaret, digilo non inposuissei.
IX.
fol. 26a. 1 ^Niinc, hera, clrca matreni, quani proxime videris[ipsam],
Dic mihi, si valeat, si tranquille sua res stet,
Quandoque commaler fieret tua, si mihi fraler
Ex illa sit, quem de fonte levaveris, inque ;
5 Anne tuam nalam de fonte levaverit ill[am]?'
Obstupefacta nimis dictis hera militis ist[is] :
*Ah, quid dixisti, quod eam nupsisse putasti,
Cui tuerat sine te uon ipsum vivere dulce;
RUODLIEB fragm. IX. 177
Nam flenclo visum post le jam perdidit ipsum.
10 Illa meam natam de foute levaverat istam,
Et pro natabus propriis nos post habet amb[as,]
Saepeque nos visit vel nobis lunc aliquid fert.'
Audit ut hoc miles , matri compassus ait fleus:
*An queo septimana revenire domum vel in isla?.'
15 'Cras,' ait, 'ad seram malrem quis ceruere karan) ;
Sed panem missi penes lianc volo prima mereri.'
Est divulgatum commatris eum fore natum,
InterJPftancipia fit laelilia cito magna;
Congaudent matri reditu pro sospite natl.
20 Tunc hera direxit missum, quem dicere jussit
Commatri natum praesente die rediturum.
Inlcrea juvenis pariter luduut et herills.
Hunc ea ter vicit, hanc is totiens superavit,
Allerutrim vicli gaudentes omine pacti,
25 Virginis is quod erat, juvenis quod virgo manebat,
Non se vicisse, sed viclos succubuisse.
Haec suus, ille sua vocitabantur vice versa,
Mutato sexu soloecismi scheniate faclo.
Nec jam celarunt se quin ardeuler amarenl,
30 JMaler si siueret , vel in ipsa nocte coirent.
Illa lamen sineret, sibi si non dedecus essel.
Ut praesloletur tuuc virgo vjx superatur.
lus non dominelur fol.^Gt».
qua] velit ire siualur
35 domino dominaeque placebat
um domini faciendum
s resident quibus illi
m] ulta viando loqueules.
. . . . famuljos videt a matre mlssos
40 . oninibus oscula praebel
matris amorem
12
178 RUODLIEB fragm. IX
tini prius inluealur
deus utque remitlat
debemus famulari
45 rediisse. videmus
• • . . . . . lio]noribus amplificatum
tes vobis et liabebo
alri bouilatis
rje spondent el ovanter
50 s accuset apud le
Ui debueramus nK
et ante non uti servos
.' ius adhaec famulari?
r non venere nisi tres
55 etant here noslri
- . . . endum facientes
dans oscula dixit
. . . ..... s grandis fit in illis
ibi fuit atque bibebant
60 herum comitaulur ovautque
m cum reliqua re
qualiter omuia starent
diceret omnia slare
d nocuisse suorum
65 tus jacuisset agrorum
rat omnipolentem
cerasiorum
Sederat hinc speculans prae se pendeiitia speruens
rantia morn.
70 Nuutiet ut primus dominus cum venerit ejus
. . . monedula supra.
Exploraus quid agat, cur cerasiis ila parcat
hoc ea prodal.
IUe magis dominum cupit ut videat equitanfeni
75 Rodlieb her]e curre venique
RUODLIBB Aagm. IX. X. 179
Idque monedula discit et ad doininam revolavit
precor audi.
Quae dixit, loquere : Tiodiieb here, curre veuique.'
gementem.
80 Omnes risere voluirem quid tale notare
. . . . er ..... sedeas ubi supra.
Quod dicatque nota, si clamet, tu quoque clama.'
monedula verba
Ipsius pueri Rodlieb venientis avari
85 quando veniret.
Prospicit e silva socios emergere densa
jujxta quem scutifer ejus.
Postremo dominus meat olficialis et ejus
quaeque suarum.
90 Tunc puer exclaniat : 'dominus gaudele, propinqnal.'
X.
1 .... quia non pilus uuus ibi fit. fol.27a,
Quod lam nemo vafer sit , qui discernere possit,
Clericus, an mulier, inberbis an esset alumnus,
Est tam jocundae lam virgineae faciei.
5 Duni se tondebant sordes limphaque lavabant^
Exierant butinam. Lavacralem mox sibi laenam
Scutifer imposuit, qua lectum teclus adivit,
Donec siccetur aestusque sibi minuatur.
Post modicum surgit, sua calceamenta requlrit.
10 Sic pedat ad mensam comes [mem-
bran.
Aora tamen in solio voluit residere siipremo, Florian.
Sed subjeciii>e matris dexirim, ^>elut hospes, fol. 2a.
monac.
Atque lihens iotum sibi permisit dominatum. fQj.
27b. •]
') der munchner codex Iiat blofs ' die mit stehender sclirift
gedruckten stellen.
12 *
ISO R U O D L I t; B fraff
m.
Haec quod ei dederai , re\>erenler suscipiehat.
15 Incidens panem turbam parlitur in ornnem,
Transmisit cuivis discum specialihus escis,
Cum vino pateram, mittens aJiquando medonem,
Rotlieh contrihulis conciva fuit sociaUs,
Ex uno pane cumedunt una quoque lance,
20 Ex uno cyatho hiherant cowmuniter amho.
Matri comwa solet esse monedula soJa,
Cui pilulam micae cum dat , capit illa, superbe
Perspatians, mensam transversam transilit omnem.
Fercula post multa post pocula totque secuta
25 Tunc hera poscit aquam, camerarius attulit illam.
Ad mensas quasque summo juhet hanc dare cuique.
Post hinc pincernae passim potum tribuere.
Mensis amotis- mensalihus atque plicatis
Laeti consurguni dominae gratesque dederunt,
30 Dicunt gaudere Rbtlieh sanum rediisse,
Quo consuletur inatrem , ne plus Ivibuletury
Primitus ut saepe, dolei illo cum caruisse.
Est dimlgatum cito per totam regionem LXVIII
Rotlieb venisse Iocup\etatum sat abunde.
35 Dum sibi post placuit dum secretumque sibi fit,
Intrat conclave cum t?ilecta sibi matre,
Scutiferumque juhei enthecam quo sibi ferret.
De qua multiplices ea;traxit opes pretiosas
In chrusinis, iu pelliciis, census ei alius,
40 Exul quae denis nanciscebatur in annis.
Post poscit peras, quas scutifer attulit amb[as'\. LXIX
Extrahat ut panesjubet hunc factos aput Afros.
Quos dum produxit, maXri joculanter is inquit:
'Hos desenwi, tenus hac, mater, uhi mansi.
45 Hos mihi rex dederat n . . . .
21 iiber monedula die glosse taha.
R U O D L I E B fragm. X. 181
Quani bene sint sapidl \idcani panes africaui. oh
puto quo soU videamus
F.duceus cultruni, quo panem dissec^et unuin^
50 [Pe/ripit avg^enlum lancis, suh quu fuit aurum,
PoHen ut abrasit, jubar argenticfue reluxit
\disjun\cios cernens tria per loca lances
Coniminuens lima cilo clai'orum capitella
Recludens] lances, videt aurcolos ihi nummos
55 Hdim s\v\c\im)\\nc\os, quod suppinginequitunus. LXK
at , domino grates et agehat
. ^] parilem manihus sustollere lancem
. p^ollen clavos Jiniando minutim
am vario censuque replelam
60 . . . . stupuit nimium sua mater ooaoit.
dens in mente sat ast hilarescens.
[Laciimans] ocuhs grates Christo dat in altis,
Quod filium kar\im dederat sihi tamipte heatuni
se terram premit oreque saepe.
65 . . . . regis pedihus domini daret ejus.
. rans faciem lacrimandoque tingens
. ine num par tihi quis valet esse
iUum viiscrum dignaris homuUum
aere vel Jionorihus amplificare,
70 . . . . reminiscere quod paiereris
[Condones d]omine, quo non moriar, precor, anle
[Quam rursus v\ideam, quem pauper egensque peteham,
[Qui dona^nte te clementer suscipiens me
[Fecit tantar\um consoriem deliciarum,
75 [Me miserum d]enos secum retincndo per annos
t me, queo quod posthac sat honeste
[Vivere fildenter, haec si tracto sapienicr.' LXXI
. . . m~\atre dum sat gaudent super Jiac re
. . dunt cautissime quam valuerunt
182 R U O D L I E B fragm. XI. XII.
80 ... . sus secum ferli qwtquid alius.
. . . . plures proprii seivi juniores LXXII
XL
fol.28a. 1 L/bviat omDiaque
Quae cum tempus erit tibi dicere cuucta licebit.
Nunc plialerare tibi jubeas unique clieuti
Nam ...... compatriotae
5 Quando videbuut le , devitabuut peuitus me.
Debes ire domum, si sit tua gratia mecum.'
Cui cor mox bylarat, prae laetitia quoque flebat.
*Desiue , miles ait, ......
Sculiferum vocat
10 Ambo scutiferi
Qui mox ascen
Sculiferos dico
Cursu veloci re
Quidve voluu
15 Ne . . . . ser
XII.
fol.28i>, l tisl ibi secrele prope secessus ....
lu quo sunt clavi plures in pariete fixi,
Queis suspendere res potuisseut quasque viautes,
Ne uoceaut mures, cum uon timeaut ibi fures.
5 Cum domiuis domina pedat ad solaria celsa,
Qua dicebat eis: 'multum beue uuuc veuiatis!'
Dum grales referunt, rogat illos ut residereut
Atque jocarentur di ..... .
Et sibi quo8 velleut pis ....
R U O D L I B B fi agm. XH. XIU. 183
10 Moles multlgenae p
Tantum tres desunt ... . .
Miles ait nunc piscari
Pulvere buglossae q
Est iu aqua cymba
15 Assumuut virgam
Donec venerunt pisce ......
Quas qui gustabant
XIII.
1 Quos miles virga perterrens cogit ad arva. foi. 29',
Miratur domiua domlcellarumque caterva,
Contribulisque suus ovat in virtutibus ejus.
Fit nimius risus , manuum plaususve cachinnus,
5 Accurruntque coci, lollunt, properantque parare.
Egressus lintre cuncto populo comltante
Ad dominam repedat , ea quem bene suscipiebat.
Tiscator talis est nusquam , vos velut estis.'
Tunc jubet exponi pisces in gramine molli,
10 Ut diversos quot, videat, lacus is generaret.
Tunc sunt expositi quolquot fuerant ibi capti:
Lucius et Rufus, qui sunt in piscibus hirpus,
Pisces nanique vorant, illos ubi prendere possunt,
Prahsina, Lahs, Charpho, Tinco, Barbatulus, Orvo,
15 Alnt, Naso, qui bini nimis intus sunt acerosi,
Rubeta fundicola , Truta digena, rilfa vel alba,
In capile grandis Capito , post degener alis,
Labilis anguilla vel per caput horrida Walsa,
Asco, Rinauch, ambo dulces uimis in comedendo,
20 Ast Agapuz ut acus in dorso pungit acutus,
Praelerea multi pisces mihi non bene noli.
His visis tolli, citius jubet illa parari.
Mensa parabalur lotis similis cumulalur.
184 RUODLIEB f.ajrm. XIII.
25
Mlttit et interea, cllo ((uo venlal sua uala,
Post quani mox aglles plures saluere tyrones,
Texult ex aiiro quae bina liganilna sponso,
Post, quenicunique sibi tribuat clementia Clirisll.
30 Quae duni procedit, ceu lucida luna reluxit,
Quani sollers esset, nenio discernere posset,
Au volet, an naret, an se quocumque nioveret
levabat
35 ... . m, c[uam sumere jussit herllem.
Et post hospltibus dalur, ultlme sed slbi post hos
II nt insimul ambae.
]Ma)or majori , junlor consedit herlll.
. ^ jubet apte.
40 Ejus cojitribulls couviva fiebat herills.
datur uua,
Prae qulbus ille cauis slat furti prodllor omuis.
faciemque reverteus
Cauda blaudltur, quld el, monet, ut tribuatur.
45 at ille receplt
Excldlt at slbi quld casu non id repetlvlt.
. - lioc homo coxlt,
Nunquam gustavit aut gustatum revllmebat (retinebal).
calcjarla tollit
50 Poslea scutellas dapifer ciim posceret illas,
Porrigat lias sibi mox, cuuctis lixis velut est mos
canijs inspatiens male crebro,
Inslluit tandem lacerando trahit sibi veslem,
fol.29b. Atque momordisset, ul scutifer eripuisset.
24. 25 sclieiiien vom >erf. selbst {iii.«ge.scliabt , er nollle sie
wol diircli aiidere ersetzen.
RUODLIEB fragm. XIII. 185
55 Miles ridebat, plebs cetera cuncta stiipebat.
Timc dixit doniina : *res cernitur haec niilii uiira.'
Miles ait: 'furti canis est liic conscius isli.
Quod furabaris, nisi reddideris, niorieris !
Vade, fer^in medium quod fecisti cito furtuni.'
60 Currens absque mora retulit calcaria bina,
'Haec,' ait: 'a sella denodavi modo vestra,
Tunc ibi nenio fuit viventum nemoque vidit,
Neve canis sciret, a daenione ni didicisset.
]Miles ait: 'sibi da, cernas cui praebeat illa.'
65 Quae sibi dum jecit, cujus fuerant ea reddit.
Hic dixilque cani : 'nunc illa referto sodali.'
Quae dat scutifero caudam persaepe movendo,
'Ante pedes cadile furis, veniamque rogate.'
Qui se prostravit, caput inque pedes sibi ponit,
70 Et veluti fleret , veniam poscens ululavit.
'Nunc tu dic: "surge vel amici simus ut anle."
Quod curn dixisset, surgens canis exhilarescit,
Nunc liunc, nunc domiuos, nunc gratificat residentcs.
Miles ait: 'vestrum sibi quis captando capillum,
75 Accipiat baculum , vehit ulciscendo reatum.'
Quod duo dum faciunt 'cur furabaris?' et ajunt,
lusiliebat eos caiiis, hunc ab eisque redeniit,
IMordeus iu suras illos nimium doHturos,
Sic se hisisse cum quo praepacificiat se. ■
80 Quidam ridebant, quidam nimis inde stupebaut.
Prandia cum coena sic sat fiunt opulenla.
Feixula post muha , post pocula tam numerosa
Limpha datur; modicum residetur dum biberetur.
Tempus pomorum non tunc fuit ulHgenorum,
85 Ni pueri veniunt, de silva fraga ferebant
Quaedam pars vasis, pars coiiicibus coriUnis,
Quae singillatim legerunt undique passim.
His esis niensa removetur, sumilur aqua^
186 RUODLIEB fragm. XIII. XIV.
90
. . . . it se discaligandum.
llle ligainiuibus de Lukka crura coemptis
. . ' cca sibi fluitaret.
Atque super pedules se calceolos sericatos
95 inxit sericosis.
Coutribulis rubeos soccos sub curduanellis
gestans operosis.
Ambo ligaturis conjunxit crura geniellis >
. . " sunt margiue cunctae
100 A quibus et multae dependeut uudique bullae
luerat varicosum.
Prae vel post fissum vel circuniquaque gulatum
iuam poueudo profuudam
Fibro limbatam lato uimis atque uigello
105 douavit digitalem
Ad miuimum digitum beue vix lum conveuieutem
iuterulam male lotam
INIantel mardriuum senio sudoreque fuscuQi
. . . . ox ad domiuas repedabaut.
Quas ad cancellos iuveuerunt speculaiUes
XIV.
fol.oOa. 1 ' credo veuire
Quidam karorum uostri cousauguiueorum,
Qui c|uando veuiant, hfec dum firmeulur, ibi sint.
Ad vos uuuc illam vos iuvitate puellam,
5 Vestri commuues veniant utrimque fideles.'
Qui cum veuisseut , liauc hi circumque slelissent,
Curtis amicorum cilo pleua fit adveuieutum.
Quos Rodlieb beue suscepit, quibus oscula praebet,
R U O D L I E B fragm. XIV. 187
Et prandere rogat, satls illis et tribuebat.
10 Amotis meusis, dominabus et inde reversis
Ad sua secreta, praecedit eas ea uata.
Posl illasque pedant, sibi qui plumatia porlaut,
Et plures alii comitantes his famulari.
His vinum ferri jubet illo pro famulari;
15 Dumque bibit quisque, sibi vicino dedit, usque
Pincernae paleram reddebant evacuatam.
Inclinant, abeunt, Rodlieb dominosque revisunt.
Tunc Rodlieb dixil : 'quia vos deus liuc glomeravit,
Nunc audile, mihi cupite vel auxiliari,
20 Connubium quoddam quo fiat nunc stabilitum,
Est quod laudatum sic , ad nos induciatnm,
Ad quod praesentes mihi vos cupio fore testes.
Contigit, ut juvenis meus iste nepos et herilis
INIutuo diligerent sese , dum tessere luduut,
25 Lege maritali cupientes consociari.'
Dicunt: 'hoc cuncli debemus consillari,
Indolis ut tantae vir, tam virtutis oplmae,
Non dehonestetur, citius sed ut erlpiatur
A scorto turpl digno satis Igne cremari.'
30 Et laudant dominum, quod in hoc cosmo fult usquam
Femlna, quae maglcam de se divelleret ipsam.
Tunc surgit juvenls, grates dabat omnibus illis,
Quod tam clementes sibi sunt communiter omnes,
luqult el 'horrere penitus se seque pudere
35 SIc dehonestatum per id execrablle scortum.
Nunc opus uxore nimium mlhl ceruitis esse,
Quam quoniam facile nuuc possumus hic reperlre,
Hanc desponsarl desldero vel mihi jungi,
Ut siiis testes et ad hoc mlhl, qiiaeso, libentes,
40 Alterutros cum nos dolablmus est veluti mos.'
.31 viclleictit niagnam
188 RUODLIEB ftagm.XIV.
Qui diciinl: 'promple tibi subveniemus in liac re.'
Rodlieb post dominas pariter direxit eas tres,
Quae cito venere nata praeeunte mo[deste].
Contra quas agmen surrexit eis ad honorem.
45 Cuncti dum resident, spalium breye conticuerunt,
Tunc Rodlieb surgit et ut auscultent sibi poscit.
His post contribulis pactum dixit vel amicis
4 . quod et . . rveret in allerutrius amorem.
si vellet
fol.30b.50 . . . . ,
lllum si vellet, rogitant, parum quoque ridet,
Post ait: 'an servum uolim ludo superatum,
Tessere quem vici sub talis foenore pacti,
Seu vincat, seu succunibat, soli mihi nubat.
55 Serviat obnixe, volo, quo mihi nocte dieque,
Quod tauto melius facit, est tanto mihi karus.'
Tuuc risus magnus fit ab omnibus atque cachinnus,
Tam praesumplive loquitur quod tam vel amice.
Ejus at ut matrem cernunt haec nou renuentem,
60 Et genus amborum par posseque divitiarum,
Discutiunt caute beue conveniant quod utrimque,
Hanc despousari sibi censent lege jugali.
Sponsus at extraxit eusemve piramide tersit.
Auulus iu capulo fixus fuit aureus ipso,
65 Affei't quem sponsae sponsus, dicebat et ad se,
'Anuhis ut digitum circum capit undique totum,
Sic tibi stringo fidem firmam vel perpetualem,
Hauc servare mihi debes aut decapitari.'
Quae satis astute juveni respondet et apte:
70 Judicium parile decet ut patiatur uterque.
Cur servare fidem tibi debeo , dic, meliorem,
Quam mihi tu debes? Dic , si defendere possis,
Si licuisset Adae , moecham superaddat ut Evae,
Unam cum costam faceret deus iu mulierem,
RUODLIEB fragm. XIV. XV. 189
75 Quam de se sumpfam cum proclamaverat Adam,
Dic, ubi concessas biuas sibi legeris Evas?
Cum meretricares , essem scortum tibi velles?
Absit, ut hoc pacto tibi jungar. vade, valeto,
Et quantumcunique, scortare , velis, sine s6d me.
80 Tot sunt in mundo tibi ceu quo lam bene nubo.'
Sic dicens gladium sibi liquerat et digitalem.
Cui dixit juvenis: 'Cat , dilecta, velut vis.
Umquam si faciam, tibi quae dedero bona perdam,
Istius capitis absciudendique potens sis.'
85 Quae modicum ridens ad eum seseque revertens
Inquit: 'ea lege modo jungamur sine fraude.'
Hujus 'anien' dixit procus et sibi basla Cxit,
His ita conjunclis enesis fit maxima plebis,
Laudantes dominum canlizabant bymenaeum.
90 Rotlieb pellicium dederat bene valde gulalum
Sponso , vel crusinam limbo terrae crepitantem.
Dat et equum celerem sibi compte sat faleratum.
Munerat et sponsae consanguineo sociatae.
Huic tria dat spinlhra, quae velent pectora pulchra,
95 Atque dat armillas sibi bis binas operosas.
Et pariter sibi tres dat gemmatos digitales,
Datque supcrductam cocco crusinam migalinam.
Cetera turba sua sibi dant sponsalia magna.
Qualiter inter se concordent, quid mihi curae?
XV.
Haeres lunc valeat, si filius haut sibi fiat, foI.3la.
Si sine , dic, liberis, quld erit, fili, morieris?
De nostris rebus erit allercatio grandis.
Deficiunt vlres omnino mihi juveni[les],l
Nam denos annos, quos lu fueras apud [Afros],
190 R U O D L I E B frasm. XV.
Cotudie curls angebar in oBinibus hor[is]
Post te moerendo pro nostra reque tuenda.
Nique revertisses, citius jam coeca fuisse[m],
Sed juvenescebam cum te remeare scieb[am],
10 Coutineo nielius et me modo quam mea sit v[is].
Vellem , si velles , quo nostros congenerales
Et nobis fidos uunc conveniamus amicos,
Quorum consilio quorumque juvamiue fido
Possis ia uxorem reperire tibi muliere[m],
15 Esse parentelae quam noris talis utrimque,
Claudicet ut neutrim vestri genitura [vicisslm],
Per cujus mores tlbi Jiec miuuanlur hono[res],
Quam tibi demonslret clemens deus ac tibi j[ungat].'
Rodlieb respondit, matri placidisoime [dixit]:
20 'Cras demandenius cousanguiueis et aml[cis],
Ut nos conveniant, quam veloclsslme posslLnl].
Quod mlhl conslllum dant, si censes id ageudum,
Non praeternilllani quod vultls quln ego solv[am].'
iVllssis legatis et aniicis couglomera[tis]
25 Ad se dum veniuut bene suscepti ....
Rotlieb dlsposult sedilla, ceu beue [novit],
In quo qulsque loco sedeat slbi certificato,
Dans geminls unam mensam domluls ad h[abendam],
El matri solium fieri jubet altius un[um],
30 Ut super aspiceret cunclos ibi qui resi[derent],
Solaque manducet. hera cerni slc fore [quo quit].
Sic et honorando matrem dominam vel h[abendo]
A populls laudem, sed ab omnlpotente coronam
Atque dluturnam vltam merultve bea[tam].
fol.31b.35
. . . fores, quos observant duo fortes
[Qui non Ire slnunjt intro quem, neve foras quem
um diffinlretur Id ipsum
. . . surgens modicum slleant, rogat omnes
RUODLIEIi fragm. XV. 191
40 . . . et propter quod eos glomeraret
it, geuitrix sua ceu sibi suaslt
' in]ei consanguinei vel amici
mea mater quove labore
ulla palris atque mei viduata
45 cta. vobis in re patet ipsa
. . . defijciuut vires et membra faliscunt
valet a modo, quivit ut ante
bro narrat vel id ipse videbo
ri non cessat consiliari
50 os misi me couveniendos
. eat sibi quisque vel lioc milii dicat
mulieres sunt mihi notae
scire quo me vertam mihi fauste
super bac re quid faciatis
55 si quam reperire queatis
. . . et nostrum genus id sed inauret,
ita vel vitae nobilitate.'
[Respondent pjariler: 'id quam faciemus ovanter
e te videamus obortum
60 virlutum sive bouorum
[Quibus dita]vit te Christ et houorificayil.'
, que se spondens haec agitare
ens cui notae sunt regioues
qui fuerant ibi summi
65 unam scio quae tibi par fit
virtute ve nobilitate
deas cum videris ut fatearis
nuUam quod \idisses domiuellam
em tam strennuiter facientem
70 it, ut quemque virum decuisset.'
192 RUODLIHB fragm. XVI.
XVI.
fol 32a. 1 xVpportans palera nunc ipsamet opllma vlna
Anratis vasis dlilcorem saepe inedonis
Stans de viiginibus rogitabat compalriotiLs],
Cujus sint famae, formosae sint an honestae?
5 Subridens ille : 'scio , cjuod , niinime , rogitasme.
Nil minus intromisi me , c|uam tale notare,
Quid facerent dominae ; moreni talem sino scurr[ae].
Sicubi praetereo , dominas ubi stare videbo,
lllis inclino, c|uo mens est ire vel ibo.
10 Quid respondere Rotlieb nunc vis, liera per me?'
Dixit : 'dic illi nunc de me corde fideli
Tantundem liebes , veniat quantum modo loub[es],
Et volucrum vvunna quot sint, tot dic sibi [minnal,
Graminis et florum quantumsit, dic et lionor[um].'
15 Qui dubitans miiiime, liuic illam nubere p[osse],
Dum se ditnini petit, ut mutus subilo fit,
Et veluti stupidus loquilur vix, ut gemeb[uudus]:
'Qualiter acciderit mihi, quam male, quam viti[oseJ
Me pudet id fari; pejus non contigit uUi.
20 Nam sigillata misit tibi xenia parva.'
Pixiden e caliga traliit, in qua sunt ea d[ona].
Quam dimi suscepit, ab eo properando recedit,
Adque fenestellain stans solvit pixiden [illam],
In qua sublilem dum cernebat fore pan[numj
25 Sigillis cum bis binis suimet uigitalis
Tam bene munitum, quid sit, mirans ea [multum],
Sigillis fractis panni nodisque solutis,
Dum tam praeclarum convinclum viderat ostrum,
Id pandens , cydarim reperitve liga[miua cnirumj,
30 Quae cecidere sibi, dum clericus jungitur i[lli].
Haec cum vidisset , ubi perderet et memin[isset]
fol.32b. [Contremit] et pallet, per totum corpus et alget,
RUODLIEB fragm. XVL 193
. . . . us dubilat quin is sit qui simulabat
. . . m nimis .... agentem
35 e plebes omnes liabuere
mi coepit firmata reverti
eat si sciret, eunique requirit
. . . . . . erintquae sic signata fuerunt
in pixide cum posuisset
40 [Juravit per eum rerum] quem nil latet, haut se
it mirans cur id rogitarit
sit quod erat sibi missum
[Tunc ait illa : 'tu]o dic conlribuli vel amico :
[Usquam si nullus] vir plus foret is nisi solus,
45 [IUe vel in dotem] milii mundum si daret omnem,
. . [Nubere nolo sibi] dic tu veraciter illi.'
qui facUis tristis ab liac re
' ani deveni suspiciouem
, . . dem videns tibi solvere fraudem.'
50 ... . nunc' ait: 'absque 'vale' modo vade.'
pVuntius absced]it ad Rodlieb reproperatque.
[Is, simulac vid]it, subridens dixit ad illum:
* 8 scio tractalus saUiratus
a sint demandamina, narra
55 ... . non haesita, sunt mea doua?'
sese quatiendo cachinnat
quod amicum perderel ipsi
tunc se faceret sibi missum
Rodlieb sibi serio dixit
60 , is ea dixisset quid herilis
. . . . meum magnum narraris amorem.
Quod demandasti sibi, cum plenissime dixi, fol. 33».
Omnino siluit, mihi prandia summa paravit,
seque ,
65 Respondere tibi quid velit cumque rogavi,
Dixit : "dlc illi de me de corde fideli
13
194 RUODLIEB fragm. XVI.
Tautundem llebes, quantiim venial niodo loubes,
^ Et vohicruni wunna quot sunt, sibi clic mea mlnua,
Gramiuis et florum quantum sit, dic et lionorimi."
70 Quando licentia quo delur mibl vel rogltavl,
Obmutui subito vel ei, quid slt mlhl, dico,
Oblitum simulans, tua non sibi dona dedisse.
Quae dum suscepit, de me jubllando recessil.
Post modicum rediit nlmis indignanter et Inquit:
75. "Dic milii, si uosli , quid sint quae dona tulisti?"
Juravl per eum , qui cuncta scit omnipotentem,
Numquam vldisse, penitus quid sint ea scire,
Nam sigillatum patuit mlhi scire negatunu
Tunc ait ilia : "tuo dic contribull vel amlco,
80 Usquam si nulhis vir phis foret is nisi sohis,
IUe vel iu dotem mllii mundum sl daret omnem,
Nubere nolo sibi, dic tu veraciter ilU."
Nunc opus est aliani, reor ut, mihi poscere sponsam,
Quae non furtive quem suescat amare super me.'
85 »^ed R6dh'eb mater, quodcumque potest, operalur
In Christi mlseros , viduas, orbos, peregrinos.
Inde merebatur, quod Piudheb vahle beatur,
Namque revelat ei, veht hunc quam glorlficare.
In somuis geminos vlce quadam vlderat apros,
90 Hos grandlsque suum comilatur denle niinacum
Turba , vehit belhini cum Rodheb Inire minautum.
Ilie sed utrlque caput apro dlrlpit ense,
Quodque suuni fuerat ferientum, strage cadebat.
Post mater tiham latam videt et nimis aham,
95 lu cujus summo residere cacumiue fulchro
fol,33f>. Rodlieb cernebat , circa quem phirlnia stabal
lu raniis turba vehill bellare parata.
Posl modicum nivea venit speciosa cohimba,
RUODLIBB fragm.XVI. 195
Rostro genunatani preciosam ferlque corouani,
100 Inponens cnplli Piodlieb niox assidet illi
Suavia figendo recipilque non renuendo.
In visu niater liaec cernens praemeditatur,
Quid qiieal" lioc onine, quod vidit, signlficare.
Et cjuamvis sciret, quod honoreni praetilularet,
105 Inde superbior liaut ea fit, scd liumilllma mansit,
Nil sibi, sed domini dans gratullae pietali,
Ouicquid tantorum Fiodlieb concedat honorum.
Post trlduum narrat , deus illi quaeque revelat,
De suibus, capita cjuibus abscidit truculenta,
110 Et de strage suum geminos apros comitantuni,
Qualiter in tiliae sununo videt hunc residere,
In ramlsque suos sub se vidisset alumnos,
Quodque columba sibi ferat advolitaudo coronanl,
In mauibusque sedeus sibi dulcia suavla praebeus.
11.5 'Ilaec dum cernebain , subllo mox evigilabam
Atque pigebat me nimium , sic evigllasse.
Id vigilare scio, .c[uia signat me morlturam
Esse prius', rerum veniat c|uam fuiis earum.
Nate recordare quam saepe sua bonitate
120 Te deus adjuvlt et ab ipsa morle redemit,
Et quod in exilio mullum libl subvenlendo
Sospes \el locuples patrlam dat cpjod repetebas. •
Nunc scio , majores nacturus eris cjuod houores,
Et timeo valde , dominitm sic retribuisse
125 Nobls ambobiis, umquam slquld faceremus
Quod placuisset ei, caveas quod dlcere, fili;
Nam quid possemus, qui nll,nisi quod dat, habemus?
Sed bene seu male contingat tibi, da sibi grales.'
1(M. 114 steht savia.
13*
196 R U O D L I E B fragm. XVII.
XVII.
fol,34a. 1 liixilieus el abire voleiis salit iindique clamaus,
Duni lassus cecidit, vix spirameuque recepit.
Cui vigor ut rediit , ad Rodlieb huniiliime dixit :
Tarce mihi misero , scio qnod gratum tibi dico.
5 Si me non octideris atque mauus mihi solves,
INIoustro tibi censum binorum denique regujn,
Et patris et nati , qui tecum praeliaturi.
Nomen habet genitor Immunch , sed fiiius Harlunch.
A te vincentur et ambo per te perimeutur.
10 Filia sed regis haeres tuuc sola supersles
Regni totius Heriburg, pulcheriima virgo,
Est libi lucrauda, sed non sine sauguine magno,
Ni quod consiliar, facias, ego quando resolvar.'
Rodlieb ait nauo : 'non occideudus es a me.
15 Te cito solvissem, tibi si coufidere possem.
Si me uou fallis, a me sauus remeabis.
Quando poleus fucris tuimel, uil post mihi dices.*
'Absit , ut inter uos umquam regnaverit haec fraus;
Non tam longaevi tunc essenuis ueque saui.
20 luler vos uemo loquitur, nisi corde doloso.
Hiuc uec ad aetatem maturam pervenietis:
Pro cujusque fide suut ejus tempora vilae.
Non aliler loquimur, uisi sicut corde tenemus,
Neve cibos varios edimus morbos generantes,
25 Longius iucolumes hiuc nos durabimus ac vos.
Non mihi diffidas, faciam , mihi quod beue credas.
Si mihi diffidas, mea conjunx sit tamen obses.'
Hanc vocat ex antro, quae mox processerat illo.
Parva, nimis pulchra , sed et auro vesleque compta.
30 Quae ruit ante pedes Rodlieb, fundeudo querelas:
'Optime cuuctorum , vinclis mihi solve maritum,
INIeque tene pro se, donec persolverit omne.'
R U O D L I E B fragm. XVIII. 197
XVIII. *)
a) 1 fol.34b.
Exuat ut vestes , lassos ut frigeret arlus.
Tu cape me virgo veutum slans assiduando
Maxime quo sit opus studeas minileris ut ictus,
Ne noceat musca mordendo cuiix neque vespa.
b) 1 rlas vini plenas tecum deferlo lagenas.
Propler dulcorem si malis ferlo medonem.
Seu sis veuatu seu sis alio comitatu,
Vim lenirc sitis si vis, prandere valebis,
5 Ibis et ad curtem si forte potenlis herilem
Si pincerna libens tvinc est tibi saepe propinans.
Quando domum remeas, forsan repleverit illas,
Cauponae nummum cupidae quod uon dabis unum.
c) 1 xlaec pari venatum lia dum vadas , velie tecum.
Cum mitis inmitem cervus reslinguet ad amnem,
Tu intus exlingue succensus litis ab igne,
IIoc quod veneris ul eo citius domineris.
5 Et si vectabis , quid obest quocumque meabis
Prandens in pratis quod poles , est tibi gralis,
Quin ad mercipolim venles si nummivoracem,
Nil das cauponae quod Irudal in ijna crumenae,
d) 1 \^ui tot efilatas ocreas desiderel istas,
Nunquam vendendos melius denos dato nummos.
e) 1 vJ vassalle bone, tibi quam bene congruo crure,
Hinc operatori dato quod tibi vel placet illi.
f) 1 JVlilitis ad gambas operali nos sumus ambas,
Algor ut immensus non se laedat neque ventus.
') alles Iiier itn XVIII. fragment gedruckte ist von gleiclier
hand , wie das vorliergeliende , gesclirieben ; der inhalt lafst aber
zwelfelliaft , ob es nocb zu Ruodlieb gehorc.
198 R U O D L I E B fragm. XVIII. XIX.
M
g) Tiibalcain invenit cytliaram et organa , Piihagoras
testudinem i. Larpam, Davld psalteriuni triangulum
i. roltam , Boecius monochordum.
1 Juin isti, quales repererunl sensibus arles
Ad consolaudos iu curis nioeslificatos
"Quiddam coeleste uam quaevis continet in se,
Leuiri diras illis scimus daemonis iras.
XIX.
fol. V\ i mirabilior famulalus
virtus dinoscitur esse per actus
fallls ullum vel stigma sit oris
tanlus gelidus, diem flavero, venlus
ardorem velat insudando Iluorem?
Die]tmaro virlulibus undique claro
, suis dapibus cuni deliciosis
. \ictu procurat eos et amictu
evenses] liostes contra niniis enses
10 [Servio cot]lidie Dietmaro sat studiose
. t]errendo culices, vespas abigendo.
pro]que meo famulamine nil mage posco
[Quam lioc], ut pulclire, decet utque, reserver houeste.
ostiolo binis effeclibus uno
oppositas visum depromere causas.
6 den worteu virtutlbus unHique claro wird als besserung von
gleiclier liand beigesclirieben: niniis liostibus ejus amaro. sie er-
innern an den zusatz des schreibers beim schlufs des Waltliarius.
RUODLIEB. 199
i-iin paar ahe pergamentblatter, kiinimerliche reste
eines ganzen, das weiland iinler der schei'e und dem
kleister eines buchbinders zu grunde gegangen ist, ver-
fiihren zu dem undankbaren versuche, von ihnen, iiber
sie und iiber jenes ganze melir erfaliren zu wollen,
als sie vielleicht zu sagen im stande sind. Bereits ini
jahre 1807 erwahnte B. F. Docen in seinen mlscella-
neen zur gescliichte der deutschen literatur I, 69 eines
von ihm entdeckten fragmenls aus eincm lateinischen
rittergedicht in leoninisclien versen, in welchem die
namen Pvuodlieb und Immunch , und des crslern kampf
mil einem zwerge vorkomme. AIs , am 9. april 1829,
Docens lilerarischer naclilafs versleigert wurde, fandeu
sich in einem mir zugesclilagnen handexcmplar des mu-
seums fiir altdeulsche literatur, initer einer menge ein-
gelegter papiere von des seligeii hand, auch einzelne mit
lateiuischen versen beschriebene blatter und slreifen per-
gamenls, auf deren einigeu sogleich der name Piuodlieb
auffiel. Dafs diese pergamenle aus der miinchner bib-
liothek herriihrten, davoa konnte ich niich, bald nach-
her bei dieser auslalt an Docens stelle getreten , leicht
iiberzeugen. Es fanden sich allmalich noch mehrere,
im ganzen, mit jenen ersteu , 34 octav, oder beslimm-
ter 17 in octavform gebogene und beschriebene quart-
blatter, und stiicke von solcheu ; dafs sie vorher auf
die innere seite von holzdeckeln und zwar tegernseei-
scher handschriften geklebt waren, ergab sich theils aus
der zweimal vorkomnienden aufsclnnft 'allinet Tegern-
see,' theils aus der vergleichuug solcher deckel, auf de-
nen sich spuren der schrift verkehrt abgedruckt halten.
200 R U O D L 1 E B.
Unter Docens fiir die bibliolhek selbst ersleigerleri pa-
pieren lagen auch ein paar bogen, auf wolclien er einen
theil der niitunter schwer zu lesenden niembranen
abzusclireiben und zu ordnen angefangen. Er scheint
aber dieses vorhaben bald wieder aufgegeben und, ver-
mutlich in der hofnung, noch niehrere stiicke uud
dadurch deuth'chern zusamnienliang zu finden , auf spa-
tere zeit verschoben zu haben.
Auch ich konnte nacli wiederholter ansicht dieser
fragmente nicht umhin , des vorgangers verfahren zu
billigen , und so behielt ich mir eine wiederaufnahme
der sache fiir den zeitpunkt vor, in welchem nach deni
vorgestecklen gang bibliotliekarischer arbeiten eine ge-
nauere beschreibung auch der tegernseer handschriften
(liber tausend stiicke) an die reihe gekommen und vol-
lendet sein wiirde. Nichts scheint da, wo es noch dar-
auf ankommt garben zu bindeu , unverzeihlicher ver-
loren, als die zeit, die auf das heraussuchen einzelner
ahren verwendet wird. Dazu kam, dafs ich mich durch
die beschaffenheit dieser fragmente lauge zeit fiir be-
rechtigt hielt , iu ihnen nicht viel melu" zu sehen , als
das maunigfach corrigierte exercitium eines tegernseei-
scheu meisters oder schiilers in der kunst lateinische
verse zu reimen, welcher, bei der kostbarkeit des ma-
terials, jeden streifen benutzt habe , seine augenblick-
lichen eingebungen , oft ganz iiber kreuz und quer,
nieder zu schreiben. Inzwischen ward mir zu nicht
geringer iiberraschung im april 1834 durch einen von
Wien iiber Sanctflorian bei Liuz zuriickreisenden freund
(hofrath von Martius) vom dortigen cliorherrn und ar-
chivar Jodok Stiilz die abschrift eines fragments keines
andern als eben dieses gedichts mitgetheilf, welches der
herr canonicus im jahr 1830 auf der zum umschlag
eines verzeichnisses mehrerer traditionen dieses sliftes
RUODLIEB. 201
aus dem 13. jalirli. verwendelen, im 11. jabrh. in vier
oclavcolumnen beschrlebenen membrane enldeckt hatle.
INIeine anfaugliche besorgnis , dies mOchte denu doch
nnr ein einzehies nach Sanclflorian verschlagenes blatt
des tegernseeiochen , als erster aufsalz eiuzig gebliebe-
nen, exemplars sein , -wurde bald angenehm beseitigt
durch die iiberzeugung , dafs hier nicht blos liicken der
miinchner fragmentenreilie ausgefiillt , sondern auch
mehrere stellen, welche bereits in diesen vorkommen,
enthahen sind. Die sancinorianisclie membran wies sich
als iiberbleibsel einer weilern abscbrift des tegernseer
aufsalzes aus, welche ehmals vorlianden gewesen sein
mufs. Noch mehr. herr professor lloffmann aus Bres-
lau , welcher auf einer lilerariscben reise bald darauf
Sanctflorian ebenfalls bcriibrte, brachte ein klcines fac-
simile mit, aus welcliem sich ergibt, dafs jener wei-
land ganze codex eine fleifsige und zierliclie reinscbrift
und sogar durch rotb beigesetzte romisclie zahlen
formUcli in abscluiille eingelheilt war. Da nun gleich
im juli darauf jenes eine sanclflorianerblatt in Moriz
Haupis 'exempla poesis latinae medii aevi ' Wien 1834
abgedruckt erschienen und bei dieser gelegenheit das,
was etvva auch in JMiinchen dazu vorliege, neuerdings
offenllicli in frage gebracht worden war, glaubte ich
nicht liinger saumen zu diirfen, vorlaufig weuigstens
eine elwas niibere uachrichl von der beschaffenheil und
anzahl der miinchner blatter, von dem was sie enthal-
ten und was sie erratheu lassen zu geeigneter offeilt-
licher mittheilung in bereitschaft zu setzen. Ich ge-
stehe, es hatte fiir mich aufser dem dringenden zu-
spruch mitlebender , welche nach Docens fliichtiger uo-
tiz aus diesem fund aufschliisse iiber sage und mytho-
logie der Deutschen erwarteten , auch noch jenes aner-
keuntuisses von seite der zeitgeuossen des alten dich-
202 R U O D L l E B.
ters uncl c1es vorkoinnieiis seiner prodiiclion aufserlialb
Tegernsees bedurft, iini dcrselben in ilirer ganzlieit
einen werlli zuzulranen, den sie in ilen bis jelzt vor-
liegenden 18 zerstreuleu blatlern kauni sclion anspre-
clien zu diirfen scbien. Ranicn auf 68 niiiiicbner oc-
tavcolumncn fortlaufend die nummern der absiilze vor,
wie dies aiif deu 4 sancldorianiscben der fall ist, so
ware damit von selbst die ordnung gegeben , in wel-
cher diese fragnienle aufeinander folgen miissen , uud
leicht wiirde, wenigstens im alJgenieinen, der gang der
fabel angedeulet werden kunnen. AUein es war an-
fangs niclit blos in bezug auf die cjuarlmembranen iiber-
haupt, sondern aucli bei ilnen 34 octavhalften , ja so-
gar oft bei den einzehien seiten niancher der letztern
ungewis welclie vor, und welche nacli gehen niiisse.
Allmalich zeigte der zusamnienhang ini texte , welche
membranen m^spriinglich zu amben und ternen u. s. w.,
in einandcr gelegt und so beschrieben worden sein
muslen , aber auch , dals da, wo eine liicke erschien,
diese voni abgang nicht blos einzelner blatter. sonderu
ganzer amben und lernen herriihren konne. Nach viel-
fachen yersuchen, die verschiedenen auf solche weise ge-
wouueueu partien iu cinige, wenigslens deni geretteten
texte nirgeuds widerstrebende ordnung zu bringen, was
ich mir bei deu letzten 14 bliittern am wenigsten zu
dauke machen konnte, blieb ich endlich, iiin doch ein-
mal abzuschliefsen, bei gegenwiirtiger eintheilung und be-
zeichnung der verschiedenen bruchstiicke slehen. iFiir
leser die eine audere anordnung wiinschenswerth Iinden
imd yersucheu soIUeu, bemerke ich , dafs je zu einem
quartstiicke pergament geiiuren die ocfavbliitler (folia):
lu.4. 5u.8. 9U.12. 13U.18. 19 u. 24. 25 u. 30. 31u.34.
2u.3. 6U.7.10U. 11. I4u. 17. 20u.23. 26u.29. 32u.33.
15u. 16. 21U.22. 27U.28.
RUODLIEB. 203
Ubrigens siuil bei 'der liier erscbeineuden ausgabe die
florianer bruclisliicke von den muuclmcru durch cursi-
ven druck unterscliieden , ergauzungsversuclie der ab-
gescluiittnen iind unleserlichen \\urter iu klammcrn auf-
genommen worden.
Eine genaue inhallsanzeige ist zur rechtrerllgung
des eingeschlagnen vcrfahrens und fiir den gaiig der
weiter beizufiigenden beinerkungen hier noch uneut-
behrlidier als beim Wallharius.
lliin edler held, dieuslmaun mehrcrer grofscn her-
ren, erschupft fiir sie leib und leben auf ihren gejai-
den, in ihren fehden. Sie lohnen schleciil, vcrsprechen
inimer, liallen nie. Zulelzt weifs er sich auch der
feinde, die er sich ihrelwcgen zugezogen , nicht niehr
zu erwehren. Er iibergibl haus und hof der nuitter
und nur vom treuen knappen und einem bracken be-
gleitet, fahrt er wol geriislet aus, iu fremden reichen
besseres gliick zu suchen. AYeineud sieht die muller
mit den ihrigen deui sohu nach. Er selbst reitet in
tiefen sorgen und gedanken iiber die grenze. Da ge-
seilt sich zu ihm ein waidinann, der liebliug eiues
benachbarten kcinigs, und ihut neugierige fragen. so
kurz augebunden der held antworlet, wird er docli als
eln geiibter kunstgenosse erkannt uud von jenem be-
redet in dcn dieust seines herrn zu trelen. Beide
schliefsen freundschaft und reiten der hauptsladt zu.
Der waidmann stellt dem kunig den angeworbneu jagd-
gesellen vor. Nun die ersle und vielleicht die gruisle
liicke, da sie , wie sich aus dem folgenden zweilen
fragmeute ergibt, einen zeitraum von fast zelin jahren
umfafst, in welchen unser held seineu ueuen herrn,
der iibrigens nirgends mit namen genannt ist, und uur
einmal zum unterschicd eines auderu kouigs^. seines
204 R U O D L I E B.
weitern naclibars, der grofse (rex niajor), sein reicli
aber Africa Iieifst, durcli ratli iind that, nanienllich im
kriege gegen jenen naclibar, die wichllgsten dienste lei-
stet. Mit dem eingang des zweilen fragmentes jfindet
sich der held als abgesandter des grofsen kcjnigs selb-
dritter am hollager jenes andern, Avelchen wir als deu
kleinen bezeichnen woUen.
Es hatten leiite dieses letztern , iinler anfiihriuig
eines ungenannten grafen (conies), leute des erstern un-
vermutet angefallen, theils erschlagen , theils zu gefan-
genen geniacht und veibrannt. Hierauf ein krieg oder
doch eine schlacht zwischen den beiden volkern , nacli
welcher jene angreifer samt ilirem fiihrer, dem gra-
fen, ihrerseits als gefangene vor den grofsen konig wa-
ren gebracht worden. Statt gleiches mit gleichem zu
vergelten , hatte dieser sie iinter seine grofseu und pra-
lateu zii sorgfiiltiger pflege vertheilt , ja sogar den gra-
fen In personliche obliut genommen. Und nun lud er
durch seinen gesandten ihren konig ein , auf dernselben
platz , wo die schlacht war geschlagen worden, mit ihm
zusammenzulreten , da sollten samtliche gefangene zu-
riickgegeben , und beide volker auf ewig miteinauder
versohnt werden. Der dichter hat fast alles in reden
elngekleidet, die der kleine von des grofsen grofsmut gar
sehr geriihrle konig au seine versammelten riilhe, dann
an des grofsen konigs gesandten, uud in solclie, die der
gesandte theils an jenen, theils nach der heimkunft be-
richt erstattend an seinen eignen konig richtet. Diesem,
der auch wissen will , Avie sein abgeordneter am fremden
hofe die zeit sonst zugebracht, erziihlt er auf ergetzliche
weise, wie er mlt dem kleinen kiinig, obschou aufangs
nlcht ohue ehrfurchtsvolles striiuben (lorifrangere, zugil-
prechon) schach gespielt und, mit wahrem herzeleid, ihni
und nachher den hofleulen ihr geld abgeuommeu habe*
RUODLIEB. 205
Gegen den sclilufs dieser parlie trHTi der grofse ko-
nig mit den seinigen *) anstalt zu der mit dem kleinen
verabredeten zusammenkunft j auch die gefangenen, na-
nientllcli jener felndselige comes, sollen wolgenahrt und
geriislet mltgebraclit worden. Im drltten fragnient slnd
beide konige, der eine diessells, der andere jenseits der
grenzbriicke, mit ihrem hofstaat gelagert. Nachdem der
grofse konig in eile (properantius) messe geliort, liidt
er den andern durch unsern helden zur zusammen-
kunft dn der briicke eln. Ilier wird frlede und freund-
schaft gcschlossen und Averden dle gefangenen, nament-
lich jener graf, stattlich geschmiickt, zuriickgegeben,
Hierauf halt jeder mit den seinigen mittag. Es folgt
eine beschreibung der geschenke, die der kleine fiir den
grofsen, und dessen gefolge, ziuual unsern lielden
als friedensslifler hereit hult. Gold und silber und
pfelle (pallla), panzer, lielme, pferde, maulthierc, wald-
esel , kameele, zwci leoparden, zwei Iciwen , ein paar
kunstreiche tanzbaren , ein lyncus, aus desseu harn
man den edlen stein ligurius bereilet , ^vozu das ver-
fahren weitliiufig angegeben wird, ein aiTe , eine meer-
kalze, zwel sittiche , endlich nicht zu vergessen ge-
lehrte und gelehrsame dohlen und staare. Der kleine
konig begibt slch zum grofsen und ladt ihn eln, die
geschenke zu empfangen. Dieser, nachdem er vorher
die seinigen gebelen, zu thuu, wie er selber tliuu
"werde, kommt mit ihnen dahin, wo die geschenkelhrer
warten. Fiir sich uimmt er von allem nichts, als das
barenpaar, eine elster und elnen staar fiir seine toch-
ter. Auch wlll er nicht, dafs den seinlgen etwas ge-
schenkt werde , aufser den zwiilf ablen, denn von die-
sen werde es ja reichlich vergolten dcirch fleifsiges be-
*) Satrapae comitesque . . . pontifices, abbates duodeni.
206 RUODLIEB.
ten bei tag uiul bei iiaclit. Die koiiige zielien, in frie-
clen , jeder -sviecler nach liause. Kauin lieimgekelirt, er-
liaUHuodlieb (Lier koninit in deu gerellelen bruclistiicken
des lielden name zuerst vor), durcli einen boten seiuer
mutler eiuen brief der friiliern lierren , die ihn billen,
da seine dorligen feiude seildem alle todt oder auiser
sfaud zu schaden seicn uud da sie selbst sein ver-
dieust niui besser zu schalzen Aviifsten, ^vleder heimzu-
kehreu. Dem briefe der herren folgt eine zuschrift der
multer, AVelche dieselbe bille noch eiudringlichcr wie-
derholt.
Er goht mlt seinem freunde zum kunig, umfafst
dessen kule und zelgt ihm deu empfangneu brief. Gnii-
dlg, obschon ungerne , Avliligt dleser ein , ihu zlehen
zu lasseu : uoch elne woche moge er deu abschled ver-
schieben. Unterdessen liifst der konig aus silber vier
schiissehi schmieden , deren je zwei so verbiuiden wer-
deu , dafs sie, vou aufsen mit speltmehl iiberkleistert,
■\vie brot aussehen. Das elne dleser brote Ist ganz dlcht
mit besanten (goldstiicken aus Byzanz) augefiillt, das
andre grcifsere nlmmt blos iu elner abtheiluiig gold-
sliicke auf, iu dle andere aber werden zwolf kostliche
armringe, und von seiteu der konigin elue kunstreiche
brustspange, acht olirrluge, und drelfslg kustllclie finger-
riuge gelegt. Der koulg versanimelt seiue mauuen und
lafst auch den fremden rltter vor slch bescheideu. Nach
einstimmigeu lobspriichen wlrd Ihm dle frage gestellt:
was er vorzlelie zum abscliledsgeschenk, gold und geld
oder lehren der w elshelt ? der rllter bittet sicli von
letzteru aus. Hlerauf fiihrt ihu der kunig ganz allein
iu selu gemach und glbt ihm ZiVoIf goklene lehren. Man soll
orstens keinem rothen traueu ;
zweitens nle einen obwol schmulzlgen dorfweg verlas-
sen , um dafiir iiber das saalfeld zu reiteu ;
RUODLIEB. 207
drilteus bei keinem gaslfreimd iiberiiaclilen, der alt isf,
uud eiu junges weib Lat; hingegeu da zusprechen,
■Nvo der mauu jung, die frau bejalirt ist;
viertens dem nachbar, der zum egeu seiues ackers eiue
triichlige slute leiheu \vi!l , sie nicht gewalu-eu;
fiinftens verwaudte nicht zu oft durch besuche be-
lastigeu ;
sechstens eine magd (aucilhim propriam, eigon thiu)
wie schon sie auch sei, nicht allzu verlrant wer-
deu lassen ;
siebeuteus bei der wahl eiuer ebeubiirtigeu frau, sich
vou der mutler uicht eiureden , auch die gewahlte
genossin sodaun uicht alles wissen lassen ;
achlens jede raclie iiber naclit verscliieben ;
neuulcus sich mit deui herru oder meister uie iu slreit
oder widcrspruch eiulasseu ;
zehhtens keiuer kirche, wie eih*g auch die reise sei, vor-
bei reileu , ohue sich ihrem heiligeu zu euipfehlen
und z»i seguen; iusouderheit wo zur niesse gelautet
wird absteigen und sie mit auhoren;
eilfteus uicht widerslreben , wenu mau vou jemaud um
Christi willeu eingeladen wird, die fasteu zu brecheu ;
zwulfteus an saalfeldern, die uebeu der heerstrafse lie-
geu keiue grabeu ziehen.
Diese seltsam durch einauder gemeugteu rathschliige
lasseu uus ahudeu , wie viel von der dichtuug verloreu
ist, denu ohue zweifel musseu sie im verlauf der abeu-
teuer samtlich ziu' auweudung gelangeu. Es ist ein ur-
alter zug; wer deukt dabei Jiicht der lehreu, dle der
auszieheude Parzifal von seiuer multer uud dauu von
dem allen ritter empfaugt, au die -lehreu des Winsbeke,
im castoiement d'un pere a sou fils, iu Catos distlchen?
Besouders iiberrascht dle einslininiuug altnordischer sage,
in der edda werdeu astradh (S;cm. 196^), von Niall
208 RUODLIEB.
heilraedhi (Nialss. 55) ertheilt, am alleruachsten liegen
die acht rdihe des weisen Hofundr an Heidhrek (Her-
vararsaga cap. 8. fornakl. sog. 1, 447.) imser fiinfter
ralh ist fast ganz Hufuuds driller. der iibermiilige
Heidhrekr geht aber inimer darauf aus, seines vaters
leiiren zu vereiteln (at unj^ta i-adh fodhur sius, p. 449.
459.) Einzelnes findet sich in marclien und andern
dichtungen zerstreut \vieder, so wird im 57 kinder-
marchen vor galgenfleisch und brunnenrand gewarnf,
iind oft Ivelirt die lehre, sicli vor dem rothliaar in acht
zu nelimen (Reinh. XXX. Facetus 75); aucli das be-
gegnet oft, dafs ein frommer vor der capelle absteigt
und dadurch der gefahr entrinnt. *) die zwolfle lehre
gemahnt an IMoroIf 658. Ich nehme den faden des
gedichls wieder auf. Nach ertheilten rathschlagen tritt
der kunig mit Rudlieb wieder heraus in die versamm-
lung, und iibergibt ihm die beiden brote mit dem auf-
trag, sie nicht eher als bei der mutter angelangt in ih-
rer gegeuwart das kleinere, das gi"6fsei'& aber erst
wann er nebeu seiner braut sitzen werde anzusclineiden.
Den nachsten morgenreitet Rudlieb mit seinem knap-
pen, bis an die grenze vom freunde begleitet, der liei-
mat zu. Alsobald beginnt aucli die anwendung der gol-
denen lehren. Noch diesseits der grenze erhalt Rod-
lieb einen rothkopf, der vielleicht schon friiher in den
verloruen membranen vorgekommen und naher bespro-
*) dem lieben gotte weicli niclit aus,
findst du ilin auf dem weg ! —
das spriclit er ist kein aufenthalt,
was fordert himmelac.
Schiliers gang nach dem eisenhammer.
in einer neugriechischen legende ist Theophilus eingedenk des be-
fehls seines sterbenden vaters , nie vor einer offenen kirche vor-
beizugehn, ohne darin zu beten.
RUODLIEB. 209
chen ist, zum imwillkommeneu gefahrteu. Das erst«
abenteuer, welches R. mit ihm besteht, ist nicht sou-
derlich klar, da auf fol. 18^ die verse von vorne ver-
stiimmelt siud. Sie reilen, scheint es, um die pferde
zu triinken, in ein wasser, -Nvobei der rotlie geselle den
ritter um den reisemantel (cappa), den er hinter sich
aufs pferd gebunden bat, entweder bringt oder doch
zu briugen versucht. Bald darauf gelangen sie in die
nahe eines dorfes bei welchem der weg sehr schmutzig
wird. die hier hCchst unlesbare slelle am ende dieses
fragments zeigt blofs soviel, dafs dabei auch von eiuem
reiten durch das saatfeld , als, wie es scheiut, eineni
rath, den der rothe erlheilt und befolgt, die rede ist.
Im fragm. IV, desseu seclis erste verse, uach einer liicke
vou einem blalt , sich uoch auf das reiten des rolh-
kopfes durch das saatfeld zu beziehen scheinen , nahern
sich unsre beiden wanderer einem dorfe, wo sie iiber-
nachten wollen. Der rothe befragt einen hirleu , bei
welchem der einwohner sie die beste herberge ervvar-
ten diirften? Unter allen, sagt der hirt, wvirde keiner
sie so gut bewirlen , als ein gauz junger mann, der
unlangst eine betagte witwe zur ehe genommen habe,
und vorher ein gauz armer wicht gewesen sei. Auf
die frage des ritters, wie dieses gekommen , wird sehr
idyllisch des mannes friihere geschichte zum beslen ge-
geben , wie er, zum vorigen gemahl der frau als nack-
ter betleljunge um eiu sltick brot ins liaus gekommen,
durch allerhand kleiue dienste , anstelligkeit uud ver-
lassigkeit nach und nach das vertrauen des knauserigen
alteu iu dem mafse gewonneu habe , dafs ihm eudlicli
die aufsichl iiber die ganze wirtschaft , luid nach dem
tode desselben sogar die haud der wilwe zu theil ge-
worden sei, er verdiene aber auch alles gliick durch
seine gasllichkeit uud niilde gegeu reiche uud arme.
14
210 RUODLIEB.
Der rolhe, der den jiiugen Nvirt niit elner alten ehe-
Ijjilfte nicht nach seinem geschniacke findet , fragt
ilen redseligen hirten, ob denn unter den be^-voh-
nern nicbt irgend ein alter sei , der eine junge schone
frau habe? der hirt nennt ihm einen solchen , der,
ein witwer, ein junges thcirichtes, leichtfcrtiges dirnlein
geheiratet habe , die ihm nun auf gar iirgerliche weise
mitspiele.
Hier schliefst das , am ende selbst nur zum theil
lesbare blatl 20 und es Irilt eine liicke vermutlich vou
blofs einem blatte ein.
Zu anfang des fragments V finden wir deu ritter
auf der nacbtlierberge im hause jenes jungen gcmahls
einer ehrenwertlien matrone aufs allerbeste uud freund-
lichste bewirtet. Sein begleiter, der rothkopf, hinge-
gen hat sich an den allen mann der jungen frau ge-
macht, die er, sogleicli von ilir verstandeu , als ulclite
behandelt und durch das verspreclien , ihr zur flucht
mit einem stattlichen jungen manne, den sie liebe, zu
verhelfen , daliin bringt, dafs sie ihm selbst, fast unter
den augen des gramlichen ungeslalten eheherru zu wil-
len wlrd. Fragm. VI folgt auf eine liicke, in welcher
die darstellung dessen was die nacht iiber zwischeu dem
rolhen , der leichlfertigeu frau uud ihrem alten weiter
vorgegangen war, und aus dem folgendeu zu schlielsen
tragischer art gewesen sein mufs, vorauszuselzeu ist.
Der vom rothen auf den tod mishandelte alte hcirt un-
ter dem beislande eines pi'Iesters zu leben auf. Am
friihen morgen versammelt sich alles volk vor der kix'-
che. Auch der richler (reclor) , vom verbrechen imter-
richtet, begibt sich dahiu. Er sitzt, da mlt denen es
zukommt, zu gerlcht. Des todten kinder, und die
beiden schuldigen (mordritae) werden licrbei geliolf.
Lachend schiebt der rothc die schuld auf den alten, dcr
RUODLIEB. 211
ihm die zahne eingeschlagen , iind auf das weib , das
ihn ihrerseits an sich gezogen habe. Sie aber ist ganz
zerknirscht iiber ihren antheil an dem verbrechen , iind
selbst gibt sie als wohl verdieut die harlesten strafen
an. Das gerlcht beschliefst der reulgen das leben zu
schenken. Sie wird den bitlenden kinderu zuriickgege-
ben , denen sie forlan nujtler, nicht was sie friiher war,
stiefmutter seiu soll. Streng aber ist die bufse, die sie
selbst sich auferlegt bis an des lebens ende. Da nun
das gericht sich an den rothen wendet, fordert dieser,
dafs, ehe man etwas bescliliefse, sein gefahrte vorgerufen
werde , es geschieht durch Rudliebs wirt , der in der
versammlung anwesend ist. Der richter fragt den her-
beigekonimeuen : hoher ritter, ist dieser mann dein ge-
fahrte odev ist ers nicht? . . .
Der ausgang des verlaufs steht leider auf einer der
noch nicht wiedergefundenen membranen. Hatten, wie
man annehmeu darf, auch die iibngen jener lehren
auf ahnlichc weise an die reihe zu kommen, so waren
fortan etwa die vierte (deren anwendung auf Rudlieb
selbst freilich schwer zu begreifen ist) und fiinfte zu
erwarten. Es scheinen aber diese stellen verloren , da
wenigstens das niichste oder fragmentVII nichts der art
bietet. Das sehr beschnittene fol. 25 enlhalt vielmehr
auf der einen seile eine ins einzelne gehende (vielleicht
mit fragment XVIII zu vergleichende) darziihlung der
xmsicherheiten , in welche nach dem lauf der dinge die
reize auch der schonsten schonen iibergehen. Den
versen der andern seite dieses blattes, denen durchweg
die vordere hiilfte fehlt, ist kein bestimmter sinn abzu-
gewinnen. Es kommt darin cin rilt, gesang und tanz,
aber auch todtende sehnsucht vor. Hierauf trifft, so
scheint es , wenn schon wieder nicht ohne liicke, als
fragm. VIII das vordere stiilzische oder st. florianische
14 *
212 RUODLIEB.
blalt nilt (lein 35sten absclinill. Dafs alles vorange-
liende aus deren 34 beslanden liaben muls , wurde nur
dann bebauplet werden diirfen, \venn nian wiiste, dafs
das gauze nicbt aucb grofsere abtlieiliuigen (biicber,
gesange luid dergl.) gebabt babe. AVir finden unserii
lielden niit eineni jungen neffen (consanguineus, con-
Iribulis, juvenis, nepos), dessen beslinunte bekannt-
scbafl wir bier zuersl niacben, im bause nocb imnier
nicbl seiner niutler, sondern vorerst blols einer witwe
(doniina , liera , coninialer), die ein tocbterlein liat,
an ^Yelclieni Rudliebs mutter patbenstelle verlreten.
Gleicb zu anfang dieses blattes (XXXV-XXXVII nacb
sl. Ilorianiscber eintbeilung) wird gar idjlliscb erzalilt
von wuiulersam znbmen vogeln, au denen das tochler-
lein seine fieude liat , besonders an jungen slaaren,
welcbe von der kliigen scbwester Siaza gelebrl werden,
Noslralim *) fari •Patei-' et 'noster'' recitare
Usqiie 'ijiii es in coelisy lis , lis, lis triplicatis.
Wenig erbaut von dem spiele einiger barfner, die sich
horen lassen, greift iinser lield, ein zweiter Volker,
selbst iii eliie Iiarfe , welcbe ihm , als weiland die ihres
geliebten ebeNYirls, von der bausfrau dargebolen wird.
Er spielt drei kuiistreicbe tanzweisen, inid , auf ver-
langen von nuitler und tocbtor, eine vierle, unter wel-
cber der iiingling und das fraulein mit nicht minder
kunstreicben bevvegiingen der hiinde als der fiifse **)
elnen dux-cb gegenseilige neigung belebten reigen tanzen.
Darauf ladt das fraiilein den jiingling ziim wurfgabel-
gpiel ein* Sie will , wer dreimal, er, wer auch nur
*) also wol (leutsoli , etwa : Fater iinser dii dir pist in himele,
**) /leinnas agitarc (ii;;ilis, variare niaiiibiis ■ variare pedilms.
RUODLIEB. 213
eiiinial gesiegt, soll des andern ring haben. BaUl und
gerne hat jedes ein spiel und seinen ring verloren.
Hier bricht das erste sanctllorianische blalt ab.
Folgl ohne zweifel das niiinchner n^. 26 mit fragnient
IX, wo des frauleius nuiUer niit R. im gespracli iiber
ilire gevatterin, seine mutler, begi-iffeu ist luid dersel-
ben die frohe bolschaft sendet, dafs ilir sohn den folgen-
den abeud eudlich in ihren armen sein werde.
Unterdessen hat das piirchen das anziehende spiel
um ring und herz iind hand fortgesetzt, und dreiuial ist
sie ihm , dreimal er ilir verfallen.
Die auf der riickseite iu gev^ohnlichen wagrechten
zeilen gescliriebenen verse blelen nur noch ilire zwei-
ten lialften dar. Es sclielnt, dafs R. auf dem wege
dienern begegnet, dle die mutter ihni entgegen scliickt.
Auch von den ersten der auf den leergebliebeuen
raum je zu zweien nach der quer gescliriebenen ver-
sen ist nur noch das ende iibrig. Sie versetzen uns iu
^udliebs mutterhaus, wo eln junger diener niit einer
dohle, die er die worle Ruodlleb liere, curre, venique
sagen gelelirt hat, auf der warte sleht, und endllch
die ankunft des mit selnen begleltern aus dem wald
hervortauchenden gebleters freudig verkiindigt. Fol.27.
vou welchem , wie von fol. 28 , nach oben zu mehr
als zwei drittel weggeschnltten siud , bildet , nilt dem
zweiten stiiUischen blatte theils zusammenfallend , theils
es ergiinzend, das fragment X. Auf ein bad, das Rud-
lieb nilt dem jugendlichen neffen genommen, gehen sie
im hause der mutter, deren tiscligenossln sonst nur
dohle ist, zur tafel. Nach dem niahle tritt R. mit der
mutter in ihr gemach. Er lafst den relsesack mlt
pelzwerk und kiissen , die er in den zehn jaliren sei-
ner fremde erworbeu , dann die beiden brote bringen,
die ilini der konig gegcbeukl habe , damlt auch dle
214 RUODLIEB.
imiller selieu konne, \vie giil africanisclie brole sclinie-
cken. Als er das eine ansclineiden will , widerslelit es
dem niesser, er schabt den nieliliiberzug "weg, und es
zeigt sich den staunenden das helle silber, und, nach-
dem er die nagel abgefeilt, die fugen geoffnet, der schatz
von glanzendem golde. Rudlieb bricht in worte des dan-
kes gegen deu koniglichen geber aus. FragmeutXI, aus
dem drittelsblatte 28 mit meist imganzen theils horizon-
tal, theiis vertical geschriebenen versen besfehend, so
wie das fragment XII gewahrt keinen l)efriedigenden
sinn. Rudlieb ist, scheint es, mit dem neffen wieder
bei jener gevatterin und ihrer tochter. Die erwahnung
des kahiies und fischfauges am schkisse lafst zusammen-
hang mit dem folgenden fragment XIII voraussetzen.
Im fragmeut XIII legt zur verwunderung der wirtin
und der vom soller herab zuschauenden jungfraulein,
zur freude des uefTeu und der herbei eilenden koche,
Rudlieb proben seiner kunst, fischezu fangen ab, indem
er dieselben mit seiner ruthe (virga), die, wie aus dem
vorigen fragmeut zu vermulen, etwa durch das pulver
der buglossa diese kraft erhielt, nur so leichthin aus
dem see an das laud jagt. Nun kommt eine auch fiir
die altdeutsche philologie interessante stelle, welche zu-
gleich auf die zeit und den ort des dichters, die frei-
lich auch aus andern umstanden zu erratheu siud, be-
statigende andeutuugen gewahrt. Es ist die aufzahlung
der ausgelegten [fische, griifsten theils unter deutschen,
noch ganz das geprage des zehnten jahrhunderts tra-
genden namen , wie sie auch dermalen im Tegern und
audern unsrer oberlandischen seen vorkommen. Hier-
auf liifst denn die wirtin ihre schone tochter zur tafel
lierabholen , an welcher Rudliebs nefTe ihr zur seite
sitzl. Zur grofseji verwuuderung und ergetzung der
gesellschaft wurden die kiinste eiuei huudes, nament-
RUODLIEB. 215
Ilch die , ^vo irgeiul etwas enlwendet worden , sogleich
den dieb zu erkennen , auf die probe gestellt. Nach
dem mahle werfen sich rilter und neife in fesllichen an-
zug, wobei dieser des jiingst gewonnenen ringes nicht
vergifst. x\uf fragment XIV, welcliem eine melir oder
minder bedeuteade liicke vorangeht, hat endlich nach
formlicher zustimmung und in gegenwart aller deshalb
von Rudheb, zusammeu gebetenen beiderseitigen freimde
iind verwandteu, deuen es, wie ihm, darum zu thuu
ist, dafs der edle jiingling den arnien der schandHcIien,
auf uuseru fragmenteu uirgends uaher besproclieneu
buhlerin gerissen werde — die feierliche verlobung des
letzteru mit der gevatteriu scliunem tochterlein statt Es
werden dabei zwischeu braul luid brautigam, der ihr
den trauring am schwerlhefte '"'') darreicht, heitere
scherzreden , vou ihrer seite nicht ohne uaive spitze,
gewechselt. Nachdem der dichter uoch die von Rud-
lieb dem parcheu gemacliteu gescheuke aufgezahit,
iiberlafst ers seinem weiteru schicksal — qualiter inter
se concordent, quid mihi curae?
Es sclieint, dafs das friihere verlialtuis des jiiug-
lings mit der angedeuteten buhleriu , desseu darsteUung
leider verloren gegangeu ist, sich auf die sechste un-
ter deu zwolf lehreu bezogen habe. Dem gemais wiire
nuu deuu die reilie au der sieljenteu. lin fragmeut XV
fiudeu wir nach eiuer liicke vou weuigstens einem
biatte Rudiieb wieder iin hause der multer, die ilim
vorstellt, wie sie uun ait uud schwacli werde, utid wie
sehr sie wiiusclie , dafs aucli er uiclit ohne eineu er-
ben bleibe ; dafs er sofort die vervvandten und freunde
versammelu und nach ilirem ratli sicli eiue ebenbiirlige
*) 'daz viiigeriin an di liilzen' cod. lal. nioaac. 2. lol. 28b
Watkeniageis leseburli I, 128 '°.
216 RUODLIEB.
gallhi ^vahlen nioge. Er willfiilirt. Unter deni vorsilz
der nuitter hat eine solclie versamnilung slatt und es
Avird (nicht klar ist, ob von der niutter oder von wem
aonst, denn hier sind die verse -Nvieder verstiimmell)
auf eine dominella hingewiesen, die durch adel und
hohe tugend vor allen werth sei, des helden genossin
zu werden. Das nun folgeude abganglge blatt niiiste zei-
gen, ob wirklich liier wieder eine anwendung, und zwar
der siebenten unter den zwolf lehren, eingeflochten sei.
Nach spaterem scheiut es, dafs Rudlieb jene, von der
niulter und den freunden geriihmte trefFliclie seinestheils
bereits besser kennt, und, um sich folgsam zu zeigen,
einen verlrauten absendet, der die schone um ihre hand
angehen, zu gleicher zeit aber, iiud ohne dafs ers selbsl
80 recht weifs, zum entschiedensten von ihr ausgehen-
den nein bestimmen soU. Im fragment XVI, auf fol.
32 und 33 nemlich, erfahren wir den verlauf und er-
folg dieser sendung , eiumal, iind in zum theil ver-
stiimmellen versen, vom erziihlenden dichter, und dann
nochmal und vollslandlger als bericht, den der abge-
sandle an Rudlieb erstatlet. Die schone hat ihn ganz
freundlich empfangen und ihm nach allerlei fragen iiber
seine landsmanninnen fiir Rudlleb wegen der auch hier
wieder eingemischten altdeutschen worte uniibersetzba-
ren bescheid gegeben:
dic illi uunc de me corde fideli,
tantundem liehes , veniat quantum modo louhes,
et volugrum wurma quot sint, tot dic sibi minna,
graminis el florum quantum sit, dic et honorum.
Auf diese worte, diealsjagellen konnen, nimmt er abschied,
bleibt aber eine weile wie in gedanken steheu , und klagt
sich an, dafs er ein kleines vou seiten Rudliebs fiir sie mltge-
brachtes geschenk zu iiberreichen vergessen habe. Freu-
dig empfangt sie ein ladchen (pyxidem), das er aus der
RUODLIBB. 217
tasche (e caliga) zlelit, mid eilt es zu ofnen ans feuster.
Darin findel sie , wol eingewickelt und vierfach versie-
gelt, gewisse bander, die ihr bei dein (vermutlich auch
auf einem der verlornen fragmente erzahlten) aben-
teuer mit einem clericus entfallen waren , (cidarim, das
schapel, el ligamina ....). Wiilend geht sie auf dea
bolen zu , und nachdem er hoch und theuer geschwo-
ren , dafs ev nicht gewust, was das versiegelle gebiinde
enthalten, spricht sie: 'sag deinem freunde, gab es v. ei-
ler keinen mann als ihn , brachl' er mir die ganze ivelt
zum brautscliatz, ihn niihni' ich nimmermelir.
Nun werd ich wol, sagt Rudlieb, da er den be-
richt vernommen , eiae braut mir wahlen niiissen , die
nicht im stillen eiuen andern liebt.
BIs hieher triigl alles, selbst die ruthe, die Rudlleb
beim fischen braucht, und den hund , der jeden dieb
erkennt, kaum ausgenommen, so sehr dle naturfarbe
des moglichen , zum theil des gewohnllchen, dafs man
sich iiber nlchts als iiber die unermiidete idyllisch didac-
tische breite des versillcators wundern niochte. AUein
von nun an und zwar leider erst in niitle dieses frag-
ments und so am ende der geretteten liberbleibsel, scheint
unser gedlcht einen ganz andern neuen schwung nlcht
blofs, wie elwa das vom herzog Ernst, hiniiber ius aben-
teuerliche iiberhaupt , sondern sogar , was denkbarer
zusammenhange wegen fiir luis viel bedeutsamer ist,
bis in die nebelhohen der germanischen heldensage zu
nehmen. Rudliebs mutter wirkt (fol. 33*. v. 83) so vlel
chrlslliche werke der milde gegen arme und witwen
und waisen und pilger, dafs golt ihren sohn begliicken
will vor vielen, vuid ilir dies im traume andeutet. Sle
sleht, wie der sohn zween wllde eber , dle an der
spitze einer lieerde wilder bachen ihn anfallen, mil sei-
218 RUODLIEB.
iiein sclivverl ei'legl. Hierauf sieht sle ihn silzen auf
dem glpfel einer hohen linde, um ihn her auf den aslen
seine slreitgenossen. tlber ein kleines fliegt eine schnee-
weifse taube herbei, eine koslliclie krone im schnabel.
Sie legt die krone ihm aufs haupt und setzt sich, kiisse
gebend und empfangeud, auf seine hand. Dieses, jelzt
das vorletzte blatt, bricht ab mit der erofnung, die die
mutter, wolbedachtlich erst drei tage nacli dem traum,
dei.- sohne macht iiber die hohen seiner -Nvartenden ge-
schicke. "Wie viele blalter nach diesem fehlen mogen,
isl schwer zu errathen. Doch scheint auch auf dem
jetzt letzleu die neue sagenhafte folge von begebnissen
erst noch im beginnen zu seiu, Es liegt nemlich ini
fragment XVII foL 34'^. eines der mylliisclien wesen ;
deren in unserer heldensage unter bcslinuiiten uamen
mehrere ihre roUen spielen, ein zwerg, vermullich nach
schwerem kampfe, gebunden zu Piudliebs fiifsen. ''Tod-
test du mich nicht,' spricht er, 'und losest mir die
liaude , so zeig ich dir zweier konige horl, die mit dir
kampfen werden, Immunchs und seines solines Hartunchs.
Beide wirst du erschhngeu. Des reiches dann ein-
zige erbin , Herihurg die schone maid, wirst du erwer-
ben , aber niclit ohue viel des bhiles, thust du nicht,
was ich, so du mich losgebunden , dir rathen werde.'
Nicht zu verkennen ist hier eine, mit dem trauni von
deu beiden ebern und der weifsen taube iibereinstim-
mende, noch deutlicher, und in namen , ausgesprochene
darlegung dessen , was im Aveitern verfolg unsers wer-
kes vorkommen muste , leider aber, falls es iiberhaupt
volleudet worden, verloren gegangen scheint. Denn
nun folgt nur noch, wie Rudlieb den zwerg nicht los-
binden will, weil er worlbriichigkeit bcsorgt, worauf
dieser antwortet , nicht wie das geschlecht der meu-
schen gehe das der zwerge mit betrug um uud des-
RUODLiBB. 219
halb sei es vou sleclilhuni frei und so langes lebeus.
Endllch bietet er, bis zu voller erfiillung seine gatlin,
eiu anniutiges , zierliclies weibchen, das er aus der
hole lierbeiruft, dem zweifeluden als gelsel au. Was
als fragment XVIII fol. 34^ nun noch folgt, slnd lui-
zusammenhangende, vom dlchler vielleicht zu anderm
zwecke oder im voraus gearbeitete uud schon friiher-
liin auf dieser pergamenlselle nledergeschriebene slellen.
Unter anderm \vlrd elne jungfrau als iliegen verscheu-
chende warterln aufgeslellt und (wem?, vou wem?)
eln paar wie es scheint lederner vvelnllaschen (lagenae),
dle, wol scherzweise, auch sliefel (ocreae) genannt wer-
den *), lobprelsend dargebolen. Dafs indessen dlese
verse dennoch auch ziu" ^orllegenden dlchtuug gchoren
niochten, ist dadurch wahrscheinllch, dafs auf der riick-
seite von fol. 1, leider von der scheere sehr iibel zu-
gerichtet, mehrere hexameter, hler als fragment XIX
aufgefiihrt vorkommen, iu welchen ebenfalls von elner
fliegen abwehrenden, und, was bedeulsamer, von einem
'Dietmaro viiiuiihus undique claro^ niit iibergeschriebener
verbesserung , ^nitnis hostihus ejus amaro'' dle rede ist.
Ware der dlchter mit eigenen namen seiner hel-
den und heldlnnen **) nlcht so sparsam lungegangen,
so wiirde slcli eine etwalge beriihrung mit andern sa-
gen uud dichtungen der vorzelt leichter herausfinden
lassen. So aber sind die namen RaoiUieh , Immunch,
Ilartunch, Herihurg , Staza, wozu vlellelcht auch Dietmar
genommen werden darf, sodann Jfrica, die einzlgen.
*•) In der romanisclien sprache bedeutet botta , bota, boUe
— woraus botiglia , boteila , bouteiile , eins wie das andere.
''"^) waren sie etwa nls bestimmte niclit in seiner walil lie-
gende deutsclie ins lateinisciie versniafs gar zu unbequem ?
220 R U O D L I E B.
die in deii blsher bekannleii fragmenten zum vorschein
kommen. Was Ruodlieb die hauplgeslalt des gedichts
betrift, so erscheint im Eggenlied (str. 82 p. 30 bei
Lafsberg) ein kunig Ruotliep, da wo die geschichte des
beriihmten schwertes Eckesachs beriihrt wird. Vou die-
sem seinem schwert sagt Ecke ruhmredig dem zum
zweikampf.aufgesuchten Dietrich dem Berner, nachdem er
erzahlt hat, dafs es dem ersten besitzer von einem >vil-
den gezwerg aus dem berge gestohlen ^vorden vvar:
Dem kiinge RuotUehe
Dem wart ez sit ze lianden braht,
Der kund ez wol behallen.
Er hatz der siten sin gedaht.
Der wart ez nie verschalfen,
Uuz daz sin sun wuohs zeineni man,
Der wart damit ze ritter,
Des manger not gewan,
Sus wuohs her Port ze einem man,
Sin tiurlich sahs er au sich nan,
Er was ein degen kuene,
Darmit er Hugeholden sluoc *).
«
Dieser lier Port oder lieber Herbort scheint also Ruot-
liebs sohn? lu der, aus deulschen d. h. in Deutsch-
land geschriebeuen quellen zusammengestellten Wilkina
saga wird cap. XL bei derselben gelegenheit von Ekki-
sax gesagt, dafs es Alfrikur (Alberich) der zwerg sel-
nem vater im berg gestohlen und es dann dem konig
RozehiJ (in einlgen codd. Roseleif, Rutseleif) gegeben liabe,
der es bewahrte, bis der junge Rozeleif es trug, und
jnanchen niann damit erschlug. Die ideulitiil zwischen
Rozeleif und Ruotliep, vvelchem ein alteres Hrodleif, Hrod-
•) die dresHner lis. des Eckenlieds (T4, v. d. Hagen 87) niadit
aus Ruotliep einea weigant (lielden) von Yban.
RUODLIBB. 221
laibs zu gruiule llegen wii'd, ist bei gleicliheit aller iibri-
gen umslande \\o\ kauni zu bezweifeln. Nur scliade,
dafs weder in der AYilkiua saga noch in den bisher wie-
der zu tage gekonmienen deutsclien dichtungen jener
zeit VOH dieseni heldeu niehr zu finden ist. In unserm
gedicht niiisle deni heldcn , der nacli der voraussage
spaterhin zuni kunig wird , das wundersame schwert
erst nocli zu theil werden, wozu das abenleuer mil dem
zwerg, der daun wol kein andrer als jener aus deu
ISibelungen bekannle Alherich "ware, den anfang zu nia-
clien scheint. Der konige Itnmunch imd seines sohnes
Hariunch , welclie Ruodlieb erschlagen, so wie ihrer er-
bin , der schonen Ilerilurg, die er zur braut gewinnen
soU , linde ich sonst , wenigstens unler ahnlichen be-
ziehungen, nirgends erwiilinung gelhan. Denn es ist
wol weder der unter den helden des rosengartens *)
genannle Hartung von Riuzen, noch die in der Gudrun
vorkommende hunische kiinigin Herhurg , nocli die in
der Wilkina saga (cap. 221. 223) als geniahlin des kii-
nigs Salomon von Frankenland aufgefiihrte Herburg
oder ihre gleichnamige tochter, um welche Apollonius,
ktinig Artus sohn wirbt, in anschlag zu bringen. Staza
scheint die verkiirzung eines zweisilbigen frauennaniens,
den ich nicht erralhe. Gehorl aber der name Dielmar
in uiiser gedicht, so kunnle , insofcrn iii der alten sage
iiberhaupt von chronologie die rede seiii mag, gar wol
Dielmar nach der ATilkina saga ein sohn kunig Sani-
sons von Salern , oheim AVallhers von Aquitanien, er-
bauer von Bern (Verona), und vater des iiber alle
gefeierlen Dielrichs von Bern , oder, wenn hislori-
sche anlehnung erlaubt isl, Tlicudumir einer der drei
•) deulsche lieldensage p, 247. 339. Roseiigarten p. XV. XXII.
vgl. deutsclie mytli. 140. 206
222 RUODLIEB.
solnie Amalimgs, der valer des grofsen Theodoriks, ge-
nieint sein. Sellsam klingt yljrica fiir das land , nacli
dessen liauptstadt Ruodlieb aus seiner Iieimat fortreitet,
ohne dafs er iiber ein wasser zu selzen brauclil. man
darf deni lateinisch gebildeten dichter vvol zulrauen,
dafs ihm hier irgend ein andrer passenderer namebeige-
fallen sein wiirde , hiitle er nicht einer bestimmten aus
dem leben genonimenen sage folgen wollen. Jener name
konnle vor den kreuzziigen , -Nvenn nicht noch von
Genserich , doch von den Mauren , den besiegern der
spanischen Gothen her, in die germanische sage gera-
then sein. Spatere dichtuugen, z. b. die Blomsturvalla
saga, verlegen unbedenklich ihren schauplatz nach Africa.
In der larl Magussaga erscheint cap. 72 ein konig von
Serkland und Africa. Sogar die recken Hildebrant luid
Herebrant werden in einem altfranzosischen gedicht
(altd. museiun II, 312. 314) Africaner genannt, und nach
Tristan 5772 hatte eines konigs sohn von Africa Ir-
land erobert.
xch kann iiberhaupt nicht umhin , wenigstens an
dem in vorliegenden fragmenten enlhaltenen ersten theil
unsers gedichts eine gewisse ahnlichkeit zu finden mit
dem von herzog Ernst , und zwar sowol was die fabel,
als was die form belrift. Auch Ernst entflieht aus dem
vaterland, auch er kommt nach Africa, auch er wird
von seiner mutter, der kaiserin Adelheid, zuriickgeru-
fen. Und dafs auch die sage von herzogErnst in ahn-
lichen freilich schon vcillig gereimten laleinischen hexa-
metern bearbeitet worden, darf nian wol aus den ein-
zelnen stellen schliefsen , welche in der spatern lateini-
schen prosaischen erzahlung der miinchner(st. ulrichischen)
deutschen hs. 572 daraus beibehallen sind. z. b. fol. 3.
Unum speravi, melius c|uod nie meruisse putavi,
RUODLIEB. 223
At comes Henricus sine re nobis ininiicus
Haud impune feret, licet Luic rex fautor adliaeret,
fol.4. Is rumpendo moras cilo deveniebat in oras.
Dafs endlich diese laleinische bearbeirung des Ernst
auch ins eilfte, \vo nicht schon zelinte jahrli. falle, er-
gibt sich , scheint es , aus der form der altdeutschen
worter, vvelclie bei aufzahlung des kriegs und schilfs-
apparates fol. 7, gerade wie andre hie und da auf un-
sern vorliegenden fragmenlen als glossen beigeschrieben
sind. Hingegen die zweite, in dieseu fragmenten blofs
angefangene , zur heldensage gehorige parlie unsers ge-
dichles schlagt mehr in die art des X^Sallliarius ein. Es
niufs liberhaupt in dieser noch nicht durcli die kreuz-
ziige aufgereglen luid erfiillleu zeit unter den lateiniscli
gebildeten , also zuniichst geisllichen , besondere lust
geherscht haben , sicli in poetischer darstellung llieils
wirkitclier ereignisse, iheils aherer volkssagen, die sicli
wol als solche von jeher nur sellen schriftlicher auf-
zeichnung erfreute , zu versuchen. Denn von wel-
cheu der spaterhin in der laiensprache verfafsten,
nichl von westeu lier entlehnlen giofsern dichtungcn
ware nicht ausdriicklich gesagt, dafs sie friiher in latei-
nischer zunge geschrieben war?, Aber wie viele jener
lateinischcn , besonders der mehr profanen, exercitien
und compositionen, aus klosteilicher bescheidenheit und
bei der koslbarkeit des schreibmaterials vielleicht nie
oder nur das eine und andere nial abgeschrieben , mo-
gen eben so bald wieder verloren gegangen sein !
Was wiisten wir selbst von des noch ziemlich in
dieselbe epoche (1060) fallenden Tegei-nseers Metellus
durchaus frommen Quirinalien, hiitte nicht Canisius das
damals noch vorhandene einzige exemplar in seinen an-
tiquae lecliones abdrucken lassen?
224 RUODLIEB.
Es Ist >vol kauni zu verkennen, dafs die vorliegen-
den fragmenle ein ersler aufsatz von der hand des dich-
lers selbst sind. Dafiir sprechen , weun nicht schon
die sparsame art, nach welcher die hie und da aus klei-
neru slvicken zusannnengeleimten pergamenlblalter an
mehrern platzen iiber kreuz uud quer benulzt werden, und
wenn nicht die an verschiedenheit der dinte und an
der ungleich gut gesclmitteneu feder, als zwischen man-
cherlei unterbrechungen niedergeschrieben erkeunbaren
stellen , doch gewifs die an nicht wenig orteu ausge-
slricheneu, und durch bessere ersetzteu sowol einzehien
ausdriicke als ganzeu verszeileu. Dafs der dicliter ei-
ner der briider am Tegernsee gevveseu ware freilich aus
dem lobe der geistlicheu leule, das er (fragm. 111, 211)
dem eiuen kOnig iu den muud legt, oder aus der um-
sti-iudliclieu beschreibung kunstreicher metallarbeiten, auf
welcha man sich damals zu Tegernsee so wol verstand,
oder aus der aufzaliluug und den uocli jetzt im dia-
lect geheuden deutscheu namen der fische, die Rudlieb,
auch iu eiuem see, gefangen, nicht sehr sicher zu schlie-
fsen; weun man nicht den umstaud, dafs die niembra-
nen , die deu ersteu aufsatz des gediclites enthalteu, spii-
ter zum biudeu von gerade tegeruseeischen handschrif-
ten gedient haben , ja dals sie zum theil urspriinglich
aus leergebliebeueu bliittern tegeruseeischer handsclirif-
teu bestaudeu zu haben scheinen, fiir entscheidend gellen
lasseu will. Geniigt, bis vielleiclit eiumal gewisheit her-
gestellt werdeu kanu , die wahrscheiulicbkeit, dafs uu-
ser dicliler iu Tegernsee zu suchen, so fiihrt vorerst die
form der im text oder als glosseu vorkommeudeii deut-
schen ausdriicke auf kein jiiugeres zeitalter desselben,
als hochsteus deu anfang des zweiteu jahrlausends. Die-
selbe zeit wird aucli durch die schriftziige sowol unsrer
als der st. florianer fragmeute nachgewicsen. In die wahl
R U O D L I E B. 225
kann folglich uiiter deti bislier als dichtern bekannt gc-
■NvordenenTegernseern sicliernichtmehr der ini jahr 1197
abgeschiedene verfasser des schatzbaren deutschen ge-
dichtes auf die jungfrau INIaria, Wernher, uud kauui
der verfasser der um 1060 geschriebenen Bucolica Qui-
rinalia, IMetellus , koninien. Aber vieles vereinigt sich
um auf Froumunt ralhen zu lassen , von welcljcni
wir im cod. teg. 1008 noch ein biichlein besitzen , iti
welches er vierzig selner kleinern gedichte und ver-
schiedene von ilim oder von bekannten geschriebene briefe
eingetragen hat ' ). Auch cod. teg. 1021 isl von ihin zu
schreiben angefangen, und von seinen scluilern vollcndct.
Schon iii einem a°. 990 geschriebenen briefe (cod. pag.
11) erbiltet er sich vom abte Gozpert 'ad utiliialeiu
spiritualis el temporalis exercitii aliquas membranas.
Nam , ut scitis , libenter interdum scriptitalionis immo-
ror studio. Sed nunc facultatem scribendi pergamenis
deficlentibus non habeo , nisi vestrae manus largitione
tribuatur.' Von dleser pergamentnoth geben unsre frag-
mente das anschaulicliste bild. Da ihm erst nach 1017
abt Ellinger, der ihn als ehemaligen lehrer begriifst, /.u
der endlich angenommenen priesterNviirde gliick wiinscht
(cod. p. 143), so muls er mindestcns 20 jahre lang als
laie **) oder doch aus wah blols mit den minderu vvei-
') von weiclien briefen und gedicliten die meisten bei Mahillon
(analecta), Meichelbeck liist. Fris. und Petz ('tlies. anecd.) abge-
druckt sind. Er sagt zu anfang seines biicliieins:
Quae milii dictanti concessit gratia Christi
Versibus aut kartis, in corpus vertere scriptiim
Decrevi, quotiens lioc possum ferre peraptnm.
Quin scribatur enira quicquid non miltitur igni,
Aut cnrsu celeri transportet nuiicius orbi?
*') 'Fronmundus soio vestitu monacliica vi(a adlitulatns . . .
15
226 a U O D L l B B.
hen imkloster gelebl liabei),iiii(l theilsadiiiinistrator, thells
scliolaslicus (magisler clericoriun iler dainals bliihenden
tegernseer schule) geweseu sein *), Seine correspondenz
liifst ausgebreitele verbindungen **) und bedeulende gel-
lung seines naniens vernuiten. Seine gediclite, darun-
ter eines auf seine verstorbene niutter llisa ( — oo),
sind mitunter eingebungen der heilersten laune, mauche
in sehr kuustlichen formen , mebrere iu hexamelern,
welche wie im E.udlieb die letzle silbe auf die casi.i'-
silbe reimen, yerfafst. INIanche stelle mahnt lebhaft an
enlsprechende unsers gedichtes, z. b. an fragm. XVI, 67
der anfang eincs grufses an Liutold, den bischof zu
Augsburg, (cod. p. 57)
Fraler Froumundus Liutoldo mille salules
Et quot nunc lerris emergunt iloscula cunclis ■,
an die seltsame trennung des wortes parilia fragm.
XVin. c. 1 die stelle (cod. p. 64):
Te Tegrin somno suscilat ipse seu.
Lusimus omnigenis cautibus et studiis sagt er (ced. p.
82) iu den dislichen an kaiser Ileinrich und desseu
bruder Bruno. W^enu in dem genannten sanuuelbuch
nicht aucli das gedicht Piudlieb vorkommt , so kann
man denken, entweder, dafs es schou au sich zu um-
fangreich geschienen , oder dafs es ein vielleicht uicht
portarius monasterii' sagt er voii sicli in einem brief an biscliof
Gotascalc zu Freising (cod. p. 91).
•) vertrautlieit mit deutscher sage verrjitli aucli seine liistoria
monasterii tegernseensis (Reinti. fuclis XLIX-LI.)
*') in einer fiirstl. wallersteinisciien liandsclirift des Boettiiiis
de cons. pliilos. 4o ist nacli Kolilers handscliriftl. catalog auf dem
dritten blalte zu lesen:
Hunc ego Frouinundus librum ecce Colonie scripsi
At^ue huc devexi tibi, sancte Quirine. . .
R U 0 D L I E B. 227
cinmal vollendeler versncli jiingerer jalire gew^esen, auf
den der altere, ernslere presbyter etwa aucli sonsi
niclit gerne zuriick kam *).
In der that sind die hcxameter unsers dichlers
ziemlich leicht gebaut; die riicksicht auf den sogenann-
len leoninischen reim , eine niclit unbedeutende fessel,
hat ihn hie uud da iiber die sonst notliwendige laiige
der casursilbe wegsehen lassen, wie denn auch nach
dem metrischen bediirfnis einzehie worter umgemodeU,
z. b. peccunna III, 424. 446 strennuUer I, 8. XY, 6'J.
tessereWW, 60. XIV, 24, 54.; die relalivpronomina und
conjuuctionen wie al , et , ne ^ nem , (juando , quani , ijuo
cjuod, scd, si, ut u. s. f. vom anfange des satzes, deii
sie einleiten soUen , in die miile oder gar ans ende ge-
riickt, prapositionen von ilirem casuswort getrennt, vel
meist fiir et gebraucht, andere parlikehi , wie ceu , nec^
neque , fjue, sive , i>e , velut entweder versetzt oder unuo-
tliig eingeilickt sind.
Das reflexive pronomen sibi , se wird fiir dnt. uml
acc. des pronomens der drilten persou iiberhaupt also
fiir ei, eis , eum, eam , eos, eas genommen (z. b. II, 14.
77.129.196 u. s. f. I, 6. 11. 83. 113. II, 20, 91. 110.
112. 192. 194 u. s. f.) fore wird fiir ^55^ (z. b. III, 32'J.
555. IV, 55. IX, 17. XV, 31. XVI, 24), posse , i^elle,
i>ivere werden als subslanlive gebraucht.
Der positiv fiir comparativ: tanto (quanto) melius
tanto karus^W, 57, fiir superlativ: quam strennuiter I, 8,
quam districte II , 206 , quam bene III , 304. (cf. quani
familiariter beiTerentius) wie sich denn wol fiir die mei-
sten dieser freiheilen aucli aus friilierer lalinitat belege
') vgl. Walthftriiis obeii s. 62. 65.
15
228 R l) O D L I E B.
fnulen lielsen. Die tenipora werden, fast wie iin Wall-
liarius, auf deutsche weise gesetzt, praes. und fut. ne-
beneinander, z. b. resident, ibunt IV, 107; vincunlur,
perinientur XVII, 19; perf. luul pluscj. deseruisset, nolit
1, 70. surgunt, iiuluerant 111, 576. constrinxerat VI, 92
fiir constrinxit. aucli der inf. praet. posses nicliilasse II^
140; scit jacuisse VII, 23, verearis II, 89 passiviscli, wie
freilich scliou bei Gellius 15, 13: ubi maluut nietui quam
vereri se ab suis. Der lebendige iibergang iu die aurede
(VValtharius s. 67) konunt hier III, 170 vor.
INIehrcre siitze werden blofs durch verdrelite stellung
ihrer theile fiir den ersteu anlauf etwas dunkel. ein
paar beispiele :
3 2 1
I , 32 tuba quam melius.
2 14 3.
II, 20 Veniunt quando sibi (illis) dixit.
1 2
36 Non tam nosco locum vestris conventibus aptum
Campus ut est ille.
5 6 7 12 3 4
112 Noli recordari te sed postquam sibi (eij dixi.
123465 7 8
42 Nam mala malo bono quam reddere vincere pravo.
13 2 4
VII, 31 nunc super ossa cutem.
125 3 786 4
XV, 2 Si siue dic liberis quid erit fili morieris,
13 2 4 5
XVI, 5 Scio quod miuime rogitas me.
2 7 4 6 5 13
70 Quando licentia quo delur milii vel rogilavi
(et quando rogilavi ut mihi delur licenlia).
R U O D L I E B. 229
llbrlgens wird das, was uns laleinlsche dlcliter vom be-
giun des zweilen jahrtausends iinsrer zeilrechnung eai-
pfehlen kann, am allerlelzten der bau ihrer verse seln.
es wlrd niclit in den worlen uud formen elner blos
augescluilten sprache beslehen. \Yas wir vor allem
suchen , sind sachen , aufschliisse iiber intiere iind
iiufsere zustande der damah'gen , in wlssen und meineu,
in slnnen und trachten , in kunst und art und sltle von
unsrer heutigen gar sehr verschledenen biirgerliclien ge-
sellscliaft. tJnd an solchen aufschliissen lafst uns auch
unser .Ruodlieb, schon in den vorllegenden fragmenten,
nicht leer ausgehen. Denn die geslalteu und farben,
umgebungen und gesinnungen , die der dlchler selnen
lielden verlelht, kann er zum grofsten thell nur aus
dem, was er selbst erfahren luid mlt angescliaut, enl-
nommen haben. INIan verglelche iiber kleldung II, 93.
V, 45, XIII, 91 ff., riistung I, 18 it, kunstwerke Ilf,
309 IT., miinze III, 323, spiele II, 187 If. VIII, 60,
niusik, tanz VII, 25 if. wirtschaft IV. 15 If., lisch-
sltte V, 1 ff. X, 10 ff. XIII, 81 ff., hochzeilgebraiiche
XIII, 28. XIV, 38 ff., rechtsiibung VI, 14 ff. Dafs
elne composilion , dle slch nlcht blofs auf dem gehalle-
nern hlstorlsclien oder rellgiosen und ascellschen gebiete
bewegt , aucli manches fiir dle medla latinitas werde ^
gewinnen lassen , ist khir. Sollte slch fast alles bei
Ducange finden, so werde n doch neue belege wlll- ^
kommen seln. es schien der miihe werlh die auffal-
lendern ausdriicke zusammenzustellen.
aenesis XIV, 88 laudatio, asseiisio.
aequipedara II, 240 vom pferde.
ylfri X, 42. X\', 5.
africanus X, 47.
am]'/iiprehftisus 111, 1. 164 cirrumdatn*.
230 RUODLIEB.
(innuno IV, 57 |jabuluin praebeo , iiiit dcni dat, wie nilid. deii ros-
seii fuotern gr. 4, 692.
(ippropio 111, G12 appropinquo.
arlus, arctus.
in arto 11 1, 443 im engpafs?
ad artuin 1, 29.
[auca'] IV, S9 gans.
aurificantes byznMtes 111, 315.
auroro VI, II. aurorante die.
hrdtna 1, 21 konimt bei Ducange iu einer steiie so \or, dafs e»
ein gefiifs fiir (liissiglieiten bedeuten kann.
das lat. baiaena ist etwas anderes.
boga 111, 3.56, nrmilla, torques?
brevis III, 230. 251 epistola, brief.
bulla XIII, 100. Waltliarius s. 76.
hul^ina 111, 105. 107. 116. X, 6 labrum , biifte,
hyzantes 111, 315 nummi alias hjzanlii, hesantes appellati. ('in
igne evamiiiati' /'J perpyra , hyperpera?)
liyzanluTn polis III, 324.
lahiainentuiii 11, 229. sarcire calciamenta geld gewinnen.
tainerarius X, 25,
caniinata II, 45 cubiculiun.
cancelli 1, 52. XUl, 110 balkoii , feiister, lineherga.
cape XVllI, a. 3. kaum von capio. etwa an das alts[>aiiisciie
cahe hei zu denken.
capellanus III, 78.
cappa, 595. 599. 606 art mantel.
catla IV, 47. katze, catla marina 111, 132 meerkatze. coerula
V catta maris, ecb. 654.
causa 1, 90. 116. IV, 72 ital. cosa, fr. cliose.
liclaris II, 93. XVI, 29, fiir liiit, den man wol aus Iiofliclikcit ab-
iiinimt.
clerieus srlieiiit X, 3. XVI, 30 clericus sc/iolaris (scliiiler, studeiit.)
iibngens waren alle zu dieser zeit die kloster Beiiedictbeuern
iind Sclilelidorf bewolinenden dcrici wol wirkliclie priester und als
seculares etwa den monacliis gegeniiber gestellt. Dafs dcr magi-
R U O D L I E B. 231
ster clericoruai zu Benedictbeiiern Ricliolfus, vater von neuu tocli-
tern, wie sein naclifolger Reginbertus , beweibt war, wird niclits
dagegen versciilagen, s. Meiilielb. Iiiot. fris. I. 1. 203.
lUens IJ, 245. XI, 3 knappe.
cUenlare se I, 65, sicli in einen dienst begeben.
comjafriota III, 26i. XVI, 3. vgl. Reinli. LXVI.
congaudeo 111, 329. V, 56. 9, 19 vgl. "Waltliarius s. 72.
congeneraUs XV, 1 1 cognatus , consanguinens.
conglomero XV, 24 congrego.
congregium 111, l congregatio.
contectdles IV, 112 coiijuges.
contrihuUs Vlll, 45. X, 18. XUI, 3. 96. XIV, 48. XVI, 43. con-
sanguineus.
coroneUa IV, 86 forma panis.
cosmus XIV, 30 mundus.
cottidianus III, 306 quotidianus.
crisus 11, 6. III, 132. 141, griseus (?)
crusenna, clirusuia II, 6. 161. 237. III, 142. V, 119, X, 3}>.
XIV, 92. 98, mastruca, die kursen,
cnncticolor III, 3G3,
cunctigenus
curduaneUi (oder - a) Xlll, 96 calceoli ex pelle de Cordulia (coi-
duaii) confecti?
cursus III, 12 iibliclie gottesdieustliclie verriclitung, gesange, ge-
bete,
decapenta 111, 81. 124, 194. fiinfzelwi.
deizo II, 146 gott aliiilicli Iiandeln.
demandamen II, 132. XVl, 54 petitio,
depouo im spiele setzen II, 211. 220.
desertio I, 5, C2. 90. 11, 25. 111, 276. X, 44. niereri , ver.lieneM.
diastema \Ill, 45 intervalluiii. cf. sysLema.
diatini 111, 357 (juotidie.
dice vel dicis 111, 229 alias dica , cliarta , scliedula.
digenus Xlll, 16 duplicis geiieris.
digitaUs 111, 382. VIII, 63. 67 tingerriiig , ring.
disvidigare se Xlll, 91.
232 R U O D L I B B.
fUscifU/iote V, 81 zilclitiglkli.
(lo 1, 3. qiii dciftir habuisse fur traciitur, fertur. vgl. Reinli. XC.
<loma 111, 133. V, 3. VIll , 2. 9 domus, liaus. domicella Vlll,
14. Iiausclien.
(lomicella Xlll, 2 fraulein.
domhiella VIII, 60 XV, 68. fraulein.
enesis s. aenesis.
entheca 1,19. 111,561. VIII, 37. reisesack , m!iiiteL-ack. eii-
tliecam suppellectilem gl. Jun. 382.
epatica 111, 339 vielleicht hepatica?
exemplor VI, 36 imitor.
faida I, 63. 88. III, 231 inimicitia,
falera II, 241, III, 188 phalerae.
falero ], 37. II, 5. 61. III, 145. 166. 576. XI, 3. XIV, 93 plialero.
famulameu II, 136. III, 191. 581. XIX, 12, famulatus.
famularis XIV, 14 familiaris, dilectus?
fodrum 1, 23 futter.
gamba III, 85. V, 118. XVIII f. 1 crus.
Gerdrudis 11, 162. Gerdrudis amore vinum haurire (deutsclie
mjth. 37. 38)
glomero XI V^, 18. XV, 10 congrego.
gripis ungula wird I, 27 wie es scheint als eine art blnsinstrn-
mentes, hifthorn, genommen. in AVolframs "Willehalm 356,
28 dient ein grifen kld als schneide einer lanze. in
Schilters glossar 415 kommen becher aus greifenklauen,
im "NVigalois 6155 gar ein schild von eines grfjen kld vor,
grossus 111, 123, ad grossum, in der grofse.
gulatus XIII, 102. XIV, 91 gulis i. e. pelliculis pretiosis rubri-
catis (gall. gueules) ornatus,
harpa VIH, 29, 30.
harpator VIII, 26.
herilis \\\\ , 12. 45. 48. IX, 22. XIII, 35. 38. XIV, 23. XVI,
60 fraulein.
hcros VIII, 31 &o nennt die witwe den verlornen gattcn.
hirpus Xlll, 12 lupus (Servius in Aeneid. IX, 785).
Iiomullus X, 68. vgl. Waltharius s, 67.
R U O D L I E B. 2:]:i
/mperiosus 111, 388 lierrlicli.
induciae II, 178 actio de pace, verliandlung.
inducio, inducior 11, 32. 119. 1.58. 182, 111, 393. XIV, 21 fest-
setzen; verliandeln, iibereinkommen.
iteror VI, 19 erwiedere , vergeite.
laudo 11, 43. 61. 116. 158 177. 183. 199. 111, 36. V, 85. Vlll,
64. XIV^, 21 gelobe, sage zu.
legamen II, 22 botsciiaft.
liga VII, 28 liarke, fiir ligo?
ligamen Xlll, 28. 92. XVI, 29 knieband?
J.ii^urius lapis (fiir Lyncurius) 111, 102. 385. vgl. Marbod §. 24.
lincHS vide lyncus.
lorifrango II, 226 sich .strauben, zieren.
Lukka Xlll, 92 ligamina de J.ukka coempta , ein Alderspaclier
(cottonpapier-) codex des Xlll jli. no. 44 fol. llOb sagt:
nota quod cendalicutn de Luk, quod est optimum , ponderat
duas marcas ponderis coloniensis, deinde a liud VII fertones.
l)nrus 111, 99. 170.
madrus 111, 141 marder. cf. mardriiius.
[magica] XIV, 31 wenn niclit magna zu lesen.
mancipium IX, 18.
mantel XIII, 108.
mardrinus XIII, 108 voni marder.
medo IV, 13. X, 17. XVI, 2. XVIII, b. 2 metli.
memla IV, 86 i/wA/J , liier forma panis. die lesart niclit ganz
siclier; vielleiclit mentla f. mentula?
tiiensale X, 28 tisclilaken.
nieicipolis XVlll, c. 7 kramer.
niiitinus 111, 132 sclirillend.
niitra 1, 25. V, 45.
modicellus I, 41. III, 561 vgl. "WaUliar s. 71.
nioestifico XVllI, g. 2.
niordrita VI, 20 morder.
niorigeratus sic 11, 28 so gesiltet , gesinnt.
niultigeiius lil, 353.
iia.so XIII. 14. art tisrh.
234 R U O D L I E B.
nata XIV, 11. filia, puella, virgo,
natus IX, 17 fiiius.
neuma 111, 88, VII, 50, VIII, 39. 52 modulatio musica, numerus,
rliyflimus musicus, Pertz 2, 101, alid. niumo (Graff 2,
1089. 1090.) neumas agere , agitare variare digitis, ma-
nlbus , pedibus,
nlchilo II, 116. 140, III, 244. 436 riclite zu grunde.
nimis III, 121, 265. 268 selir, admodum, valde.
obrjzum I, 30 aurnm , ad obrussam (o^-J^hs^ probierstein) exami-
natum, probatum,
ofnciaiis III, 179. 216. IX, 88 minister.
oramen III, 581 bitte,
ostrum I, 41. XVI, 28.
pauis missi IX, 16 botenbrot, ahd. botiu prot, petinbrot Notk. ps.
29. 10.
papilio III, 7. 73 gezelt,
parabola III, 592 rede, gerede , parola.
parafredus IV, 57 pferd.
paranjmplius III, 544 vertrauter dieuer des kouigs, edelknabe?
pasclia III, 306. V, 5 fest, festmalil , gastmalil.
patrio II, 222. 412 gelie lieim,
pedo X, 10, XI, 5 gelie.
pedules XIll, 94 art fufsbekleidung.
pcllicium II, 6. 161. 237. III, 142. X, 39. XIV, 91 pelz.
penitus A'I, 86 pro penes praepos. ?
plialera vide falera.
pincillus III, 380 peniciilus, pliise!.
pisa II, 212 art miinze, wo niclit eine gewisse summe geldes statt
j>esa, pensa (zu vergl. die spaiiisclie pesela nuiuzstuck 4
leale wertli.)
plumatium \'l, 102. XIV, 12 federkissen.
podiimus III, 6 gang wie die glosse sagt.
poledrus lll, 141, crisi poledri sclieinen liier niclit ebcii fiillen.
polis m, 32 1 urhs.
posse I, 82. II, 113. XIV, 61 vermogcn , maclit.
post I, 130. Ji, 20. 128. 192. VI, 2o. 37. 125, XIV, 42. XV, 7
R U O D L 1 E B. 235
bei mittere, dirigere, nioerere wie das deutsclie uacli bei
seiulen, sicii seiinen u. dgi.
|)Ost , prae I, 29. III, 140. Xlll, 102 liiiiten und vorn
praecipio V, 88 praecipitote niilii ! hufliclie formei beiin abscliied-
nelimen , gleiciisam : liabt ilir mir auftriige mitzugeben, so
gebt sie. vgl. das nilid. gebietet, ob ir gebietet (gramni.
4, 849.)
primitus 111, 16. 551 jirimitus quaiii fiir juius quam.
promptifico IV^ 92.
propio IV, 8 propinquo, ^gl. appropio.
proprius servus, proprin aiicilla X, 81
pro\isor 11, 70. 166 art reisemarscliall dem gaste vom konig bei-
gegeben.
pulso III, r^l5. VI, lOr. 110 lante.
pyraniis XIV, 64 tergere ensem pjramide docli wol niclit mit deui
feuer(wetz)staiil streiclien ?
quam \11I, 24 ante quam.
111, 28 quam j^rius fiir priusquam.
2 1
X, 79 cautissinie quam valuerunt.
(|iiis ((|uil)us) 11, 48.
.|iio 1, 99. 92. 139. 11, 7. 181. 111, 68. 247. 488. 506. V, 123,
VI, 78. 81. VUl, 37. XIV, 56. XV, 31 ut, damit, dafs.
reclor VI, 14. 16. 21. 42. 65. 68. 72. 87. 119. 128. vorstelier
der ortsgemeinde, ricliter.
rcpiopio 111, 586 cf. propio et appropio.
rotta XVlll, g.
rufus Xlll, 12 art fiscli.
rumor I, 128. II, 80. 121. 173 maere, iiiumaere.
sacramentum V, 10.
sagimen IV, 73 sclinialz.
sarcio 11, 229 vgl. calciiinicntum.
savium XVI, 101. 114 suaviuni.
scaclii II, 187 scluuli.
scelus IV, l()2 voii eiuer person gesagl , wic ini deutsclien iaster,
liaufig bei Plautiis und Terenz,
sciolus IJ, 253. Mll, 20 kundig , gescliickt.
236 RUODLIBB.
111, 229. 399 sclireiber, secretarius. Aucli bei Ducange
ein Seguinus sciolus (notarius).
secretum V, 115. X, 35. XIV, 11 ad sua secreta ire, an siu ge-
niacli gan.
sera IX, 15 vespera.
sericosus Xlll, 95 seiden.
servimen II, 59. 29. III, 274 servitium.
signo III, 327 segne.
simila lota Xlll, 23 semmelbrot.
simiiagineus V, 67.
simnista III, 195 vertrauter, rathgeber , vide synmysta.
socialis VII, 38.
sopliia 11, 86. 137. III, 424. 432. 446. VI, 79 sapientia, prudetitia,
speruia III, 366 spliaerula, globuius.
sperulatus 111, 339.
strennuiter I, 8. XV, 69.
subjective X, 12.
summates III, 152. 154. 214.
superexsulto III, 181 springe iiber, vergesse.
sjmplionio VIII, 31 spiele auf der liarfe.
synaxis III, 11 die collecta iu der litnrgie.
synmysta 111, 195 miteingeweiliter , ax'nnvaxij<;.
systema VIII, 46 vgl. diastema in der musik.
tinco Xlll, 14 tinca , ein fiscli.
toreuma IV, 48 sclirank , belialter fiir gescliirre.
tralio II, 207. 208 zielie im scliaclispiel.
tribulamen III, 391.
trinso Ilf, 96 bnimme wie der bar, vgl. trensen "bair. wb. I, 496.
truta Xlll, 16 forelle, franz. truite.
tyro III, 402. XIII, 27.
vafer X, 2 klug , gesclieid.
vale, valete I, 33. 48. II, 67. 69. 111, 221. X\ I, 50.
variamen VIII, 38.
varicosus 11, 6. XIll, 101 geslreifl ?
vassalius XVllI, e. 1; vgl. vassiis AVallli. s. 71.
\t\o V, 111. veinre niensani den tiscli decken.
R U O D L I E B. 237
velle I, 114. II, 13. 143. III, 495. 542, voluntas. Waltharius s. 69.
venio VI, 103, veiiias i. e. genuilexiones facere, nilid. venie falicn.
vio IX, 38. Xll, 3 gehe.
vicedomnus II, 68. 165. 185.
vile I, 65 adv.
vivere VI, 10. IX, 8 vita.
ulligenus XIII, 84.
INIan sielit dafs der dlcliter fiir seine worlcr iri
keiner verlegenheit war. wo der lateinische ausdnick
etwa niclit ins niafs pafste, wurde oline bedenken nacli
einem griechischen gegiiifen. beispiele : aenesis, amphi-
prehensus , cosmus, decapenla , donia, enlheca, para-
nymphus, podisnuis , polis , pyramis, synmysta, sophia,
symplioniare , synaxis u. dergl, Das latein , diese lin-
gua franca des millelahers, wurde so ziemlich wie eine
lebeude noch bildsame sprache behandelt. So inaclile
niau sich, falls sie nicht dennoch sciion von friilierer
zeit herkommlicli wareu , ohne ansland bequeme verba
wie aurorare , clientare , deizare , exemplari, induciare,
nihilare , patriare , pedare , propiare , veniare ; ver-
balia auf - amen, - imen : demandamen, famulamen, le-
gamen , oramen , servimen , tribulamen , variameu *) u.
dergl. m. Erst spaterhin kam der fiir neueres wissen
eiumal viel zu enge gewordene ciceronianische scliul-
mantel wieder zu ehren und ausschliefsendem ansehen.
Durch jene lingua franca wurden viele aus den einzel-
uen vulgarspracheu besonders deu deutscheu entlehnte
ausdriicke mehr oder mindcr zuni europaischeu gemein-
gut : boga , bulina , cappa , calta , cruseuua, faida , fo-
drum , medo , mordrita u. dergl.
•) vgl. oben s. 71 und narramen Isengr. 523; decoramen Au-
sonii Mosella 320 u. s. w.
238 R U O D L I F B.
IManche niugen (irtlicli gel)lleben sein, wle z. b. ilas
tjem ileiitsclien nacligebilJete lorifrangere , das panis misai,
lota Jides , vielleiclit aucli post (aliqueni niillere , suspi-
rare) iinsers dichters. Deser^ire entspricht deni verdie-
nen, laudare deni gehhen. der inf. bei cito gleicht dem
deutschen bei ilu (granini. 4, 98): citat intrudere Ilf,
601; citat moderari Vllf, 35. Manclies glaubt niaii ge-
rade zu iibersetzt , z. b. III, 290 venias quin neve re-
relinquas: unde ne lazes du ne quenies III, 570; Ilere ut
puer, weinen ^vie ein kind. Deni Deutschen sind viel-
leicht auch die als substanliva behandelten iniinitive
posse, velle , vivere zuzurechnen.
SoUle crisus slalt grisus, niadrus stalt mardrus den
Baier kund geben? ihn verrathen auch unter den
ganz deulschen iheils in den tcxl geflochtnen, theils als
glossen beigesetzlen wortern XIII, 14-20 die Gschnamen:
agapuz (bair. worterb. I, 88 apeiJJ, wol hesser appciuji)
alDl (b. w. I, 52 alt)
asco (b. w'. I, 22 asch)
charplio
lahs
naso (b. w. II, 705 nasen)
orvo (b. w. I, 105 orfen)
prahsina (b. w. I, 250 hrachsen)
rinancli (b. w. III, 102 renk)
rubeta (b. w. III, 118. 170 ruppen, rutten)
walsa.
Audere deutsche worler sind :
gang podisnuis III, 6.
liep, liebes XVI, 12. 67.
loup , loubes, daselbst.
manlel XIII, 108.
RUODLIEB. 289
niiuna XVI, 13. 68.
lat I, 116.
taha mouedula III, 174. X, 21. isl das nlid. dolilc
blofs fortbildung — tahala?
wuuna XVI, 13. 68
zugilprechon lorifrangere II, 226 slch strauberi selzt
eln suhst. zugilpreclio voraus, das bei JNilhart (Ben. 351),
vorkomnit : jd hut vil daz Markevelt solher ziigelbreclien.
Hieher gehort denn auch nebst denelgennamen Diet-
mar, (XIX, 6, lO) llartunch (XVII, 8) Herehurg (XVII,
11) Immunch (XVII, 8) Slaza (VIII, 23) der des lielden
Rhdlieb (19 mal — III, 224. XIV, 8. 17. 18.42. 47. 91.
XV, 19. XVI, 51. 58. 95. 87. 91. 96. 100. 107. XVII,
3. 14. 30 — also, 3 mal — VII, 65. X, 18. XV, 26 —
Rhtlieh geschrieben). Er bleibt auch in den obliqucn
casus unverandert und.eein zweiter buchstabe ist ini-
Mier das o mit dariiber gesetzlem v. So wenig hat sich
der autor unlerslanden dem vvorlG volllg laleinische
form zu geben.
Zum schlufs d^rf wol ausgesprochen werden, dafs
unser gedicht, wenu aucli nur jugendarbeit Froumiinds
oder eines zeitgenossen in oder aufser Tegernsee schon
allein selnes hohen alters wegen in der llterargeschlchle
des bahischen luid deulschen niiUelallers eine gute slelie
verdient. Es zeigt durch reichlhum au erfindung, kunst-
reiche verkeltung der begebenlieilen , und mitunter er-
greifende, wahrhaft poelische darslellung, dafs man auch
ums jahr 1000 so ziemlich wuste, niciit blofs was er-
baulich, sondern auch was schciu und unterhaltend sei.
Selt dem jahr 1835, in welchem diese bemerkungen
niedergeschrleben wurden , hat sich wirklich noch die
240 R U O D L I E B.
eingeschaltete wertlivolle ergaiizung der bliilter 19, 20,
23 iind 24 vorgefunden, aber alle Lofnung, auf der
liiesigen bibliolhek selbst niehr von dem gedicht zu
eutdecken, sehr herabgestimmt.
Miiuchen 1. october 1837.
I. A. S.
E C B A S I S.
16
ECBASTS. 243
ECBASIS CUJUSDAM CAPTIVI PER TRO-
POLOGIAJM *).
'^uin ine respicio, transaclaqiie teinpora volvo,
De niullis niiror, puerilis quae veliit error;
Nil cogilans sanuni, tenipnens consortia fratrum^
Neclebar neniis, nugis quia tolus in illis.
5 Tenipore discendi periit cautela niagislri,
Hoias dictandi superavit cura vagandi ;
Nam quia sic vixi , possedi nomen aselli,
Cujus raucisonum quaerens vitare ruditum,
Quamquam sit serum , nieditabor scindere saccum,
10 Ut juga torporis pellant rudimenta laboris,
Incipiens versus, quos rarus denegat usus.
Pellilur his sompnus, frenatur potus et esus,
Saepe caput scabitur, vivus conrodilur unguis,
Tundilur atque stilus grandi medilamine striclus.
15 Talia qui versat, pigrilandi jura recusat,
Hic sua devilat, dum pulchra pocmata cantat.
Sunt eteuim quidam , si me depingere quiddam
Audierint falsi, cerlabunl legibus aequi,
Ac mea transniisso transfigent carmina telo.
20 Consuescunt nuilli, quamquam sunt carniiue docli;
Lougos accenlus per miros verlere flexus.
Nam pede composito certans insistere metro,
Sillabicos cursus cum sim discernere tardus,
Tempora temporibus aeque conjungere coecus,
25 Rectius hoc faciam, linguam si pressero Waesam.
♦) es stelit TOPOLOGIAM.
8 ciipieiis B. 21 flectere fletus B.
16
244 E C B A S I S.
Scribltur el legilur, prlsconim carmlne scitur,
Per campos , silvas, fluvios properare Camenas,
Qno pede pervolitent, vel quae sibi carmiua diclent,
Exitus et redilus quarum per maxima caulus
30 Commonet insulsum, ne fimo polluat aurum,
Increpat indoctum de coelis scribere versum,
Arguit invalidum per .fortia tendere gressum.
Territus liisce niinis nieditor desistere coeptis.
Rerum gestarum viguit mos tempore palrum,
35 Nullus ut auderel conscribere quae sibi vellet,
Ni prius auditor certus foret ille notator,
Disceret aut visu quid commemorabile scriptu ;
Pagina sic cerla valuit sub testibus acta.
Haec ego dissolvam , raram si pono fabellam,
40 Confiteor culpani, inendosani profero carlani:
Sunt tamen ulilia quae multa notantur in illa;
Si recitas totam, panis mercabere torlam.
Denique nonprodest, sed obest, ut saepeprobatuni est,
Uua re quemcumque suain consuinere curam,
45 Sed varias artes ediscant quique scolares.
Sit scola discendi, succedat cura docendi,
Sub specie cerli nascetur quaeslio scripli.
Ad quid coepissem? sed talia cur replicassem?
Ad quod solvendum scribetur quod r-eferendum.
50 Namque die quadam consueto more sedebam,
Inspexi quosdam generalem sumere curam,
Grandia triticeum cumulare per horrea fructum ;
Illos post segetes dilectas visere vites,
lllos colleclis sollertes esse veliendis,
55 Non solis monachis, qui servant mistica legis,
W
28 ut<iue sibi B. 29 qnoium A. 30 commovet B. 33 Terri-
tur .4B. 36 ceris foret B. 37 quod comni. scripto B. 40 prae-
fero B. 43 si oli est B. 45 Si varias a. e. quisaue B. 38 seu
talia cum B.
ECBASIS. 245
Immo peregrinis, meiidicis alque pupiUis
Per sibi commissas reliquas discurrei^e curas.
]Mi vero vacuo , claustrali carcere seplo
Acrem mordebant atiimum monimenla priorum,
60 Flebilibusque vagas conlingens vocibus auras
Moesli fel cordis reparabam more medentis,
Parlim cauterio, parlim medicamine puro,
Imperiosa prius dellens solamiua slulta;
Dicere non poleram, tauta qiiod meule coquebam,
65 Ceu truncus sterilis lignis aequabar aduslis,
Ac misero vilulo, sudibus quam saepe ligato,
Uli consimiiis patrum frenabar habenis,
Cujus et liistoriam non simplo slamine texani.
■t^ost octingentos domini, post ter qualer annos,
70 Aprili mense pascliae bis septima luna,
Sic vixit vilulus Vosaginis parlibus altus,
Ut legitur scriptis in praecedentibus iUis,
Annuus existcns redeunte tempore veris.
Pastores ovium multi tai'dique subulci
75 Cum grege foetoso satagunt exire gregatim,
Custodesque boum nec non servator equoruni.
Cura pervigili dum luslrant pascua campi,
Claudilur ille domi , lugens sibi colla ligari,
Gaudia nulla foris, intus pressura doloris,
80 Et quod plus istis, absunt consortia matris.
Trisle sat ingemuit, cordis suspiria traxit,
Erigit ad coelum facies atque invocat lesum,
Couclamat lacrimis binis pariterque vicenis,
Ut custos stabuli solvat sibi viucula colli :
85 Ubere de matris quoque gustet gaudia lactis.
Haec duo suspirat, quae per contraria tornat,
Cumque negatur iter, distentum tollitur uber.
58 me vero A. fiT frenatiir A.
246 E C B A S I S.
Nililiir arle fugae, qiio possit currere late,
INIastical, lingit, tandem sic ora resolvit,
90 Prosilit et plaiidit, tenero terram pede tundit,
Mugitum repriiuit , \ernanlia prata revisit.
Concessa est pecori libertas laxior illi,
Scandere seu laevo malit seu tramile dextro,
Sumere seu requiem seu conlinuare laboreni.
95 Cursitat iile strepens, paribus concurrei-e gaudens,
Haec cum fastidit, silvae tutaniina quaerit.
XTujus in occursum forslrarius elicil jniinim,
Moris ut est mouacliis longo de calle reversis :
'Sit salvus, Christe, servus, qui mittilur ad me,
100 Te fisus domino laclelur semet in ipso.
Hic habet hospitium noctis sub pace quietum,
Has nostras post cras sacrabit tempore mensas;
Qui peccare valet, valet et succumbere poenae.'
Moxque cavernosos jussus penetrare recessus
105 Ducitur ad lustra multo foetore referla.
X unc lupus, ad libitum sese satiare gavisus,
Extulit hunc versum cuncta pietate perustum:
'Dicito quid venias, qua nos ratioue revisas?
Tu mihi nunc , sodes , optatus diceris hospes.
110 Laudes dic superis, silvae novus incola surgis,
Tu recreare venis tenuatum corpus ab escis:
Tertius est mensis, quod frustror uectare carnis,
Nec biberam cratum pecudis de sanguine tiuctum.
Cum prorepserunt primis animalia terris,
115 Mutum et pingue pecus nobis fabricaveral usus.
Ordinis est virtus, placetur sanguine divus.'
Xncipit haec vitulus singultim , pauca loquutus,
Infans namque pudor prohibebat plura profari.
vitulus secum.
'Jupiter, iugentes qui das adimisque labores,
120 Peccatis uoctem, quin fraudibus obice nubem.
E C B A S I S. 247
Si redeani gratis , grales exolvero cllvis,
Hisce pro meritis dabitur caper oninibiis aris.'
responsio ejusdem publica.
'Jam dudum ausculto, sed dicere plura retardo,
Inberbis juvenis, tuUensis discoius urbis,
125 Peccatum fateor, juvenilis me gravat error,
Hoc reus existo. nolens parere magistro
Sensu quo sensi dissolvi vincula colli,
Huncce locum petii, mortem mihi forte paravi,
Hanc noxam dona, rellquam si fecero macta.
130 Non facias longum, magnorum maxime regum,
Pacis palma detur, donec cras missa canatur.
Helnrici placitls cepi moderamina pacls,
Ut sunt scripta patrum , ploret transgresslo fra-
truni,
In levibus modlcus, per fortia forllor ictus.'
135 Tum domlnus caveae 'mlsere cupls' inquld 'abire,
Ut vult Ipse deus, optatum sll tibi tempus;
lUud adluic jubeo, teniet servare memento,
corpore stes laeto, concedens oscula caro.'
vitulus. lupus.
'Quid soclum siinulas, et amica fraude salulas?'
140 'Pelllto namque famem, pransurus scandilo sede.'
lupus.
'Nec poscas vario multum dlversa palato,
Quaecunque Inmundls fervent allala poplnls,
Quae, nlsi divitibus, nequeunt contlngere mensls;
Sed potlus follis parcus vescarls acerbls.
145 In gravltate clbl cresclt dlscordla morbl.
Sunt mlhi lactucae, radlces, semlna sllvae.
Sanlor est mullum cerebro, qui potat acetum :
Ex vitio cerebri frenesls furiosa movetur.
13T meiuet A. 147 sanius est uiulto cerebrum A.
248 E C B A S I S.
Stringeris meliiis , si fliixa cucurrerit alvus.
150 Cursitat ericius, poinis revehetur onuslus,
Luter piscator properat pro piscibus emptor.
Ne plores nimium , sed pangilo carmina regum.
Poscis inane deos, inferni jure sepultus
Victima Plutouis sterneris, nil miserearis,
155 Dum licet in rebus jocuudis vive beatus.'
Xlle cubans gaudet, praelambens oinne ([uod affert,
Quid durum, quid molle foret, quid lene, quidhorrens,
Quid calidum gelidum, dominorum quid famulorum,
Continuansque dapes succinctus cursitat liospes,
160 Fungitur officiis nec non verniliter ipsis,
Multaque de magna creverunt fragmina coena,
Quae procul iustructis iuculcat habenda canislris.
Jam nox per medium gaudebat currere coelum,
Cum subito missi properant, qui munera })ortant,
165 luter quae roinbus cum multo milite barbus,
Flexilis et congrus, cum quis mugil generosus,
Gobio, sepiolae, lolligo cum capilone,
Cancri, muUi, trutla, cavedonus, hicherus , allec,
Affuit et sahuo nutritus flumiue Hreno,
170 Nec aberat douis piscosi grex Rabadonis,
Quod fundoque IMosae capitur piscis genusomne;
Profert se cesto spinx captus in amue petroso:
Squamigeros coetus punctis pellebat acutus.
Detulit liaec hiter carus placidusque miuister.
175 Optulit ericius, spinoso vellere sutus,
Rugosum piper ac costus lentumque papaver,
Porros et caules, rafanos quoque viribus acres,
MoUes castaneas domnis coenautibus aptas,
His cydonia sunt , crustumia denique mixla.
150 reveliatur A. 170 piscosiis A. 172 ceto. 173 squa-
migerosque cetus A. 176 stelit vor 174.
E C B A S I S. 249
l80 HIs ita susceptis redhibetur gralia missis.
Considunt pariler. tuni sic ait ipse niagisler :
'Sepliinus octavo propior jam praelerit annus,
Ex quo cum pomis, cum piscibus urbe pelitis
INIeusas ornavi , convivas ipse refeci;
185 Sic vixi mouachus claustralia jura seculus,
Omnia distraclis cocmens obsonia gazis.
Gralia sit vobis, quod sic milii subpeditaslis.
AlTicior senio, vobis mea cuncla relinquo,
Ericio rupem , lulio pro piscibus amnem.'
190 Prolinus arrident, coHum faciemque remulcent.
Ut me couspiciunt, confeslim talia dicunt:
'jNIirum fit iiobis, quid hic caslcllat in antris?'
lupus ad lulrum.
*Dum sprevit stabuhim, noslrum diverlit ad antrum,
Et manet insopilis, noslris addictus habcnis.
195 Jure fruor torlo, quia vivit tempore tanlo ;
IVIe tenet hujus amor, legirupis ipse vocabor,
JNIane sed oiricium faciat mihi more suoruni,
Sanguinis ex salice roret siccamina linguae,
Prohiet liic potus spurcamiiia pectoris liujus.
200 Hic fossa est ingens, liinc rupes maxima pendens:
Mergilur in Ihivium, mergens educ fugitivum,
Si scandit rupem , prosternes hunc ab eadem ;
Ne nos inplanet,- constans tua caulio curet.
Tunc milii carus eris, cuslos si providus adsis.'
luler.
205 'Hoc sequar, lioc fixo conccplum corde lenebo.'
Armiger ericius, clavata sindoue tectus,
Nec studio citharae, nec musae deditus uUi,
Fit capitale, lupi cilharizans fortia belh*,
Romani , res laetas et prospera quaeque relexens,
183 pepitis A B. 186 cfmens A. ccmen$ B.
250 E C B A S I S.
210 Mllle trlumphorum memorans ex ordlne pompas,
Duclaque per mediam spollorum fercula Komam
Omnibus ex terris, quas undique continel orbls.
Occupat ipse aditum , ne fas sil vadere captimi,
Ut canls a corlo nunquam absterrebltur unclo.
215 Nam vltulum luter reficit , cum belua stertit,
Dulcla depromit super haec horlamina fudit:
Jrellito nunc vino, nunc curam solvito somno,
Forllaque adversis opponilo pectora rebus:
Grata supervenlet, quae non sperabltur, hora,'
220 Ad mensam viluli legltur reparatlo lapsi,
Cum fult expleta , collatio dicitur ista :
'Conditor ipse poll , prudens fabricator et arvi,
Qui moestos refoves, vinctis solamina praebes,
lu te confido , clauso me solve baratro,
225 Ut te collaudem, videam geminumque parentem.'
Haec lacrimans poscit , quin completoria dixit.
Post noctem mediam , quando sunt somnia vera,
Speluncae dominus de visls obstupefactus
Quod strato vidit, enarrans fratribus, inquit :
230 'Diclte consocil, quo tendat vislo somnl?
Bruchi cum vespa , cynifes , coenomia multa
Me circumvolilabant , dente sed asperitabaut,
Bini crabrones certabant stringere fauces,
Quod mihi nulla salus mansit nec invldd virtus.
235 Adfult his vitulus, celso cum carmine mutus,
Quln etiam vulpes geminabat in aelhere voces.
Ah, si docta manus monslret modulamlna cantus!'
luter.
'Hostlbus isla tuis nihil est quod [tu] verearis,
Credas consilio viso salvabere somno,
240 Scilicet, ut vitulum patiaris abire tenellum;
214 uncta A. 2l6 orlamiiia A. 237 ac si A.
E C B A S I S. 251
Quod sl poslponis^ soli tibi damiia paiabis :
Iii grege imiscaruiii noscas spelaea ferarum,
Quae te dilanienl et lolo corpore scindent :
Nain stimuli vespae sunt vires morlis acerbae.
245 Binos crabrones ambos cognosce parentes,
Qui natum deflent, fauces tibi slipile figeut.
lu jubilo vulpis proprii cape signa moeroris.
Infelix vilulus non grata compede vinctus
Kxiet ad campuin , bellum cum veiicrit orlum.
250 Quid dabis ergo bonis? sic stat senlentia somni,
lupus.
'Heu milii! quld faciam, vel qualia verba relexam?
Quae bona dislribuam? quae mundiburdia quaerani?
Poscis pro vitulo , mitiilaris pro perituro,
Si daret Heinricus nolns percarus amicus
255 Sporcos c[uingentos, vitulos tolideni saginatos,
Non feret inpune, quod sparsit fragniina coeuae,
Viniae dulcoiem , solitum [niilii] ferre soporem.
Cur perit incassum tanlo sudore paratum ?
Quod foris excessit , nobis nullalenus liaesit,
260 Sed post ingressum sit nobis disculiendum ;
Instauret quadruplo sumptus stullus inihi slmplo.
Mane canam psalmos, si tardat sacra sacerdos.'
Arcliicapellanus , camerarius et cocus almus,
Index consilii, quin judex illius antri,
265 Extitit ericius perplexo vellere sutus,
Namque super cunclos nanus fuit iste sacerdos,
Indumenla uovis texebat plumea telis.
lupiis ericio.
*Post horam sextam capto mox tollilo vitam,
Quod petiit feci, nam vix promissa replevi.
242 spolea A. 251 iiei A. 256 fragmine A. 257 lieTse
sicb 'aucii scaiidieren soli tuni erre. 261 stultos A.
252 E C B A S I S.
270 Portlo nulla detur, sed nec per frusta secelur,
Dispice, neve cocoque foco tostetur ab ullo.
Haec caro neclarea feslivuin sit milii pasca,
Hanc tege pignientis redolcnliljus et sale pauco.
Esca multiplici ne fallas foedera disci,
275 Per varios guslus liaec fercula nostra regamus.
Lignuni poniiferum si roras jusse fabarum,
Pvadix conliiiuo siccabilur liujus ab iino,
Marcescet sucus, vanescet in arbore fructus.
Tussis sicca fabis asiuo sit gloria dulcis,
280 Sit vox scabra fabae porcello gloria pabnae.
Hisce fabis virtus vitiata est corporis bujus,
Nec possum teneram telluri alTigere plantam,
Sic periit, sob'tum dum non babet arida pastum.
Sunt haec barbaricis niandenda legumina Francis,
285 Sic erit nuUus honos. polior milii prislinus est mos,
Hunc morem repelam, ad mea prisca recurram.
Devoro nunc carnem, praeclaram persono vocem,
Sunt vituli carnes poliores quain gobiones,
Inde traham sucum crassoque humore sahitem,
290 Fit rubor in facie , pallor tabescit in ore,
Blandus corde sapor, fragrans odor, apta vohiplas,
Omnia percurram, quo limum pectore pellam.'
hUer.
'Ah, perversa vigent, legalia jura faliscunt.' _1
hipus.
'Ergo sales vestri veterani slnt sine dente?
295 Noa patiar teneas veteres, ut me duce negas.'
hiter.
'Si sapis, liaec tacito consumes verba palalo.
Utere sorte tua, doclus pietate paterna.
270 ne spes frustra A. 271 testetur A. 276 uisse A.
281 liisce fabe. 291 fla^rrans A.
E C B A S 1 S. 253
Annls jam septem deducis vltam agrestem,
Omne genus carnis vilabant iullma ventris,
300 Cunclis deliciis praeponens munera piscis,
Saepe tuae nieiisae jungens consorlia trutlae,
Nunc coniedes viluluin sanctuni spernensmonacliatura.
Non praeter soliluin cogor dissolvere luclum,
Tot mala succedent, quae te per tristia verlent.
305 Nomine tu monachus, sed dextro liinite torlus,
Crimina perlractas , sanctum subvertere certas.
Adversus niitem piceum postpone furorem
Evlgilet monachus, pergrandi compede vinctus,
Regula quaeque docel verbis, simul actibus ornet,
310 Nil fore quod proprlum, commune sed omnibus unum,
Quod sibi non fieri fialri non irroget ulli.
Sic quia non vivis, praedonis lege peribis,
Judicio canonum morieris more lalronuu).'
Haec luter caulus dicenda tacenda locutus.
lupus.
315 'Haec illi narres, qui surdas possidet aures,
Nam caudae viluli jungetur lumbus aselli;
Sic natura parens jussit dlscuiTere soles.'
luter.
'De lingua monachi volilet discretio verbi.'
lupus.
'Si tibi sum curae , frenos imponlto llnguae.'
320 Frustratur multum plceat qui vas adaqualum,
Slncerum nisi vas, quodcunque infundis acescit.
i ostera lux orltur , mullo gratissima fertur,
Cum faciem noclis pepulissent lumina solis,
Corniger armenti perlustrat ovilia vici,
325 Singula qul revocat, praesenlla quaeque regirat,
De sibi commlssis aspeclat, ne pereat quis.
321 acessit A.
254 ECBASIS.
IMiiglt vacca loqnax, quin laurus cornlbus audax,
Perdila demonstrant , nalum per singula luslranl.
Ast vosagina canis , luslrosis conscia silvis,
330 Venerat ad niediuni certuni dictura relatuni :
'Aeslimo, quod vobis referenlur gaudia moestis,
In genesi legilur, Esau cuni gesla ferunlur,
Ille sagitta doctus erat gravidacjue faretra,
Portabat cornu , fuerat qui doclus in arcu,
335 Capsidile suo gestabat in inguine dexlro,
Hic me nutrivit, per raia lalibula duxit.
Post mortem domini vobis mendica remansi.
Visis conslernor, audilis corde relundor.
Juxta est spelaeum mullo praedamiue plenum,
340 Sole sub occiduo latrans prope jam pede fesso
Audieram strepitum , certans conprendere melum;
Reddetur stabulo , si forsan quaeritur antro.'
Suscipitur sermo, quem dixerat barbarus liospes,
El praedocta canis ceu fertur odora canuni vis,
345 Non praeter centum properans praetendere gressum,
Donec pervenit, quo se conducere vovit.
Tunc equitum turmae certant pedilumque catervae,
Ne numero plures, viitule et honore minores,
ludocti stolidi simul impugnare parati.
350 Viribus editior, collecto tum grege major,
Irritat , mulcet taurus, nnigitibus implet;
Fit sonus in terris , quasi totus corruat orbis.
Exilit ille lupus somno vinoque sepultus,
Convocat armigeros pugnandi jure remotos,
355 Sperat belligeros solo torpore peritos,
Arcem contendit hostes, quo cernere possit,
Visis expavit , reparatis viribus infit:
'0 famuli fortes, animosas cernite gentes,
335 capsilide A. 337 nidica A.
B C B A S I S. 255
Uniis eis animus, quamqnain non unica virlus,
360 Perdere nos liscunt, ac morli tradere quaerunl;
Quid dalis auxilii rabiosae obsislere genti?
Non pugnant nianibus, uon arcus tendilur ullus,
INlissile non jacilur, nec funda saxa rolanlur,
Non sunt pennigei'i pugnaces insidiosi,
365 Nam neque calce lupus neque quemquam dente
pelit bos;
Absit solus aper el cornlger utique cervus,
Ilis cornu bellum cum dentis acumine saevnm,
Insislunt antro, non decidet ariete crebro,
Non patet ascensus, nec scandit ridiculus nuis.
370 Sed vereor vulpem solilum turbare bilumen,
Non solitunj potest, plures sibi jungere gaudet,
Ad me perdendiun vigilavit curu suorum;
Praevalet in quanlum cumulavit ipsa tumullum,
Si desunt vires , regnabunt undique fraudes.
375 Morlua sit vulpi versulia decipiendil'
Namque duo fan)uli nullo terrore subacli,
Libere respondent, dicto talique cohercent:
'Non simus injusti, neque talibus associati.
Culpis gestorum, quae dampnent more reoruni,
380 Ex liis nulius erit, qui nos convincere possit
Sanguine de fratris , nec non de morte parentls.
Coelibis illaesam cupientes ducere vitam
Grates factori persolvlmus omnipotenti,
Leges qui slatuit, facli moderamina jussit.
385 Quae dare non poteras, hostili jure tenebas,
Nobis jurabas, ex lioc tibi consociaras,
Annis jam septem vls non incurrere mortem,
Non ita promeriti, sic nos opponere morti,
Fraudibus in vulpis quae sit tlbi cura timoris,
377 lil>pra A,
256 E C B A S I S.
390 jNe feriant jacula, quae praesens concio vibrat,
Discere percupimus celaluni quod latet ulcus.'
lupus.
JLempore, quo reges vaduiit ad bella feroces,
Renibus in silvis torcjuetur vila leonis.
Forte fuit causa, decaniae lege recepta,
395 Altavus eligitur, camerarius ille notatur,
Exiit edictum , silvae fera currat ad anlrum,
Aegroli membris apporlet quaeque salulis.
Onuies buc properant, nullum vitale minislrant,
Quod prosit capiti, cruri, venlrique pedique.
400 Est sibi commissum , peragret consorlia fratrum ;
An quis deficiat? crebro meditamine pensat.
Absunt a leliquis caulae medicamlna vulpis.
Auribus haec regis mox infert sedulus liostls,
His pejora sonat illud quod tradere quaerat.
405 Imperat aegrolus , quicunque est fidus amicus,
XJt vulpem capiat, membralim membra resolvat.
Allavus ut uovlt, cruclatus mlra requirit:
Ai'bore de celsa vulpi crux figltur alla.
Condolult pardus confratrcm de grege solus,
410 Conprehendit cursum , regls depromere jussum.
Finitis stadlis quingentls atque vicenis,
Jam prope lassescenti occurrerat obvla vulpes,
Quae vldlt recitat, cruclatus uec quoque celat.
Ut nova suscepit, palmas utrasque tetendlt,
415 x\lfa petll slmul w, tormento solvat ab illo
Et quae vera cupit subridens irrita fingit.
Haec pardum satlat , trevirensla vina proplnat.
Ut bene sunt pransi, benedicunt omnipolenti,
Nam modicum pausant, el jussa silentia servanl
400 est Ibi A. sibi vermiite ich. 412 iassessens \.
E C B A S I S. 257
420 Post iter arrlpiunt, tlavilica carniiua premlunt,
Se simul excutiunt, montana cacumiua scandunt,
Inibi considunt , fini concepta reducunt.
Ternilnat lias laudes defessa monasllca vulpes
'Christum de coelis conlaudet splrltus omnis !'
425 INIox genu curvavlt, slnuil liaec oramina fudit
'Christe , patris fili , mihi te decet -en niisereri,
Sum menior ipse mei, satis et mea frivola novi,
Tu mihl sis galea, qui (ormas muta elementa
INIe facias reducem, fallacem subrue testem.'
430 Solvit vincla pedum , tendilque leonis ad antrum.
Cum prope pervenit: 'niiserere mei deus' in([uit.
vulpes pardo.
'Hic maneas, donec regis mollmina noscas.
Quercus adesl juxta, cui figas posleriora.'
Non tamen indecorem sua se regina reliquit,
435 Namque viae comili dodrantem contulit auri.
Nec pede composllo sese sociaverat antro,
Pectore cum trenuilo slelit antri limine primo,
Intro caput flexit, donum benedicere poscit.
Quae benedicitur a sociis, sed amen geminafur»
leo.
440 'Belua multoruin capitum visls moribundum?'
vulpes.
*Ad quld venlssem, si non medicamina ferrem?'
leo.
*A grege cur fralrum cerlas divellere gressum?
Inspice concilium, si desit quis sociarum.'
vulpes.
'Hercle jacere tuum per magna silentia pressum!'
leo.
445 'Discere persitio, quid te semoverlt antro?'
434 relinqiiit A.
17
258 E C B A S I S.
vulpes.
'Slagmini Geiipsarel ciun fiilica transvolitaret,
INIe visa rediil, de le iiiox talia pandit:
''Cara soror vnlpes, quaenani nova Irislibus alFers?
An leo convaluit, queni punclio dira gravavil?
450 Fit planclus grandis in parlibus isce mainnis.
Currilo, feslina , latel lioc niedicamine vila.
Qiiod tibi compono, compoue fideliter aegro,
Ut lias agilis, nec erres montibus istis,
Hac iter ad laevam , per quod descendifo Roiuam,
455 Burdegalo caslro cursu tendas properato,
Psllacluis occiirret, regis tentoria quaeret,
llli mox dices, quae lunc certissima scies:
Nam regi domino suplex oramina mando."
Haec dicens rediil, pacis sinuil oscula pressit.
460 Finibus italicis, fessis cum robore membris,
IMore peregrini mirans ripatica Padi,
Dum prope perveni pontatica fixa Ticiui,
Venerat immenso moerens ciconia rostro.
Fulica quae dixit, eadem gemebunda revolvit;
465 Addidit hoc solum , sanclum deposcier Aprum,
Prosperet incepta , conformet tot niilii jussa.'
leo vulpi.
De te nuilta volant, quae vitam criinine turpanl.'
vulpes.
'Circalor veniat, dictum scelus omne revolvaf;
Si dignum morti, cogar succumbere legi,
470 Judicor innocua , domini laetabor in aula.'
Totus conticuit grex , atque crucis siluit lex.
vulpes.
'Qnicquid sub terra est, in apricum proferet aefas,
Singula de uobis anni perdentur eunfes,
468 zelus A.
E C B A S I S. 259
Jam tempeslivi fundunliir verllce canl,
475 Auribiis ecce nieis inolevlt pluma senilis,
Aspera jam pellis insedit cruribus istis,
Nocte dieque gravi franguntur crura dolore,
Nou cursu superabo canem , nec viribus apruin,
Assimilor cigno, commutor corpore toto,
480 Conrugor felix velud assolet indica cornix;
Prope salute tui peragravi climata mundi.'
Atque ila menlitur, sic veris falsa reniiscet.
Primo ne medlum , medlo ne discrepet imum,
Prompta sequi tortum pollus, quam dlcere vcrum.
485 Flebllis ista feris placuit sententia vulpis,
Conclamaut omnes 'veneretur olimpica vulpes,'
Slernuulur pedibus , nec sese segregat ullus.
Poslquam labore gravi superest niiseratio vulpi,
Prlnclpis ira perit , nam vulpis gloria crescit,
490 Carmine solenni deducllur obvla regi;
Haec sceptrum i"egis tetlgit sub foedere pacls,
Tempore slc pacis fuerat mos regibus illis.
leo.
*Fulica quae misit soIIers[que] industria vexit,
Proferto ad medlum conventus silvicolarum.'
vulpes.
495 'Nolle meum dicam , medicamina jussa requiram.
Summus praeco dofhus, quamquam meus ille pa-
trlnus
Est lupus hic dlclus, pastoribus usque pero*sus,
Prae foribus curtls, ne turbet vlscera regis,
Sane ducatur , sed et unguibus excorietur.
500 Hoc faclat citius geminis cum Ilnclbus ursus.
De cerebro piscis , tuleram cjuod partlbus indis,
lUiniam dorsum , renes , sinnil ilia circum,
Fienes acgroti strlngentur pellc recentl.
Per calidum vellus spargetur morbus acutus.'
17 *
260 R C B A S I S.
leo.
505 'NIl nilhi tam belluni, carum. quani vlvere sanum/
Fleutlbus hic paucis discedit moeslus amlcls.
Jusserat ut vulpes, cerlaiil coniponere lincos,
Cum quibus est ursus , uativo niurnuire motus,
Nani caput atque pedes hi salvant excoriantes,
510 Ab humerls sursum denudant usque deorsum,
Unguitur infirmus^ praecingitur ac refovetui".
Cum resideret humi, jussit sibi pocula ferri,
Ut modicum biberat, confestim talia narrat:
vulpes.
^Heu malelida cohors, male sarlo foedere concors,
515 Quam temerc in vosmet legeni sancilis inlquani
Si volumus genli, si nobis vivere cari,
Dum licet, ac vullum servat fortuna benignum,
Legis decrelum servemus more parentum,
Indigni quocunque sumus disrumpere foedtis,
520 Haec res conservat junctos et jungit aniicos.
At vos virtutes ipsas invertltis omnes,
Non mlhl judlcium, sed vobis ponitls ipsum;
Dedecet hunc regem rationem scribere talem,
Absens damnelur, nlsi legibus ante vocetur,
525 Si sequitur legem , mercabitur undique laudeni,
Si refuglt placltum semel ac bis terc|ue petitum,
Nec premlt hunc niorbus tardatque vicarius hujus,
HIc subit et perfert cfuod quisque viriliter horret,
Nec sit lugendus, sl deperit in cruce tensus.
530 Verum nil sceleris faciat pia dextera regis,
Sensibus inlendat, legis praecepla revolvat,
Millus acclinl limido , quam corde tumenti,
Nulllus ore viri sensi nec discere quivi.
Tardius adveni, magis istls omnlbus egi,
535 Obsecro clementer mihimet mitescere regem :
Si niale cjuid dixi , reprobel grex istius anlri,
BCBASIS. 261
Si quid et utllius, caruni ferat iste senatus.'
Collaudant, venerantur, amanl et laude frequentant.
vulpes.
'Esurit aegrolus, languore lanieque gravatur,
540 Languidus in cubiluni jani se conviva reponat,
- Vescatur dominus, juonaclulis quae veliit usus,
Pane , fabis , variis Iierbis tellure crealis,
Poniis, lacle, mero, caseis, sale, nielle et olivo,
Piscibus et panis lorlls, calldisque placentis,
545 Pinguibus et ficis, bollelis, uec siue mergis ;
Piegali disco juugatur sturlo celo,
Quod voniult Jonam refugani moeslunique profetani.
Dulce saporatls oneretur dlscus Ijerllls.
Praeclpiat dominus, ut serviat blc leopardus,
550 Suggerat impensas ponto el tellure creatas,
Vel quae judaicis fragrant bene credlta capsis.'
leo vulpl.
'Tu dlspone domuni , ne quls solllcllet aegruni,
Nec quis([uani noceat cni^Ido nillii pacls, et ultra
De grege conventus non sll, qui calcitret ulliis,
555 Qui te conimovit, nielius non tangere scibit,
Verbere conlorto toto lorquebitur antro.
Colla superborum dlscent f{uae poena reorum.
Currile tranqulllum, vulpis cognoscile jussum,
Qui veneralur eum, veneretur ad onine minlstrum.'
560 Greslamen sceptrl vulpi concesserat illi.
Plus solilo major percurrit pectora terror,
Nec vox ulla valet, pompae vis nulla relucet.
Tunc Iremefactacoliors complet quod jusseral Iierus,
Assurgunl cuncli, subnulliuit coUa jubenll.
565 Innuit ille domus comes, ut properet leopardus
Accelerare, palatiuam quod condecet aulam,
541 veit A. 544 (^'^His A. 562 popeius A. 563 lieros A.
262 E C B A S I S.
Caslos paueficos , farlores ac ciuinoues;
Quis piucerua domus, dapifer, ncc prodigus ullus
(Nullus tam parcus quiu prodigus ex alieno);
570 Secreti tacitus camerarius ordiue denus,
Potio quae fiat, vel quis cristallica |)romat.
^Servator porlae sit caulus limiue linguae,
Lignifer a nemore conporlet robora silvae,
Torrida ligua vehat, ue fumi virgula surgat,
575 Quo corrumpantur dorsalia , nec vilientur
Pallia suspensa, substrata tapecia niira.
Pervigilis niulti graudis sit copia curti,
Verrere valde domum , ne quid sit quisquiliorum,
Rursus odoriferum renovetur floribus antrum,
580 Lumina largifluae slatuautur cerea mensae,
Officiis dictis uon desit aquarius istis,
Descriptis gradibus non sit qui murnuiret ullus.
Illustris monaclii captivi, nomine IMalchi,
Fortia cum vita recitentur in ordiue gesta :
585 Percipiaut animi dociles teneantque fideles ;
TJnicornis , ad haec perstrenua , conferat islaec,
Voce puellari delectet peclora cleri,
Convivas delectando pariterque mouendo.
Nam mixtum capiat languens, ne forte gravescat.
590 Exeat hinc dominus, horto nam proxima quercus,
Membra sub adversa ponat lauguentia quercu, ■
Esuriesque sitis visis reparabitur herbis,
Quas habet haec horti species et anioena venustas,
Quas lambit uitidi circumflua copia fonlis,
595 Nil luteum de fonte iluit, nec turbidus humor
Nascitur, aut primae violatur origine venae.
At nos deiicias plumarum et linea tecla
Sternimus atque cutem fulcro tenuante polimus.
fehlt eiti vers liiater 577? 390 orto A. 592 erbi» A. 593 orti A.
E C B A S I S. 263
Audiet et liricae moclulanuiia celsa puellae.
600 Non decet aegrotum laulo medicamine tectum
Tam cito se sociare loro, nec jungere disco,
At donuis haec domini pingalur tlore recenti,
Corlinis croceis per longa palalia tensis ;
Cetera formentur \elut usus regis liabetur.'
605 jNamc|ue manus vulpis sustenlat membra leonis
Ac latus aegroli ducens per lilia prati,
Nec pes ire valet, nec cervix praevalet illi.
leopardus vulpi.
Turljae condoleo, triduo jam suslinel anlro,
Esurit alque silit , jejuno corde (aliscil,
610 Pro morbo regis convenlus condolet omnis,
Nil falsi sinuilat, sed amica pace salulat,
Tu quocunc|ue jubes una sunt voce sequentes,
Diversisque modis tua curabunUii' ab islis;
Ecce casis clausis coiisedit turba fidelis.
615 Ergo fave volis, qui scrvas inlima regis,
Tu quamcunque deus libi forUinaverit liorani,
Ut ciiique est aetas, ila cjuemc|ue facelus adopla,
Quo sil amore parens, cjuo frater amaiulus el liospes,
Ruslicus urbano quid distet turpis lionesto.'
vulpes.
620 'Consilium melius proavorum non dedil ulhis,
Nec poliore cibo pavil quis tempore taiito.
Si polis est fieri , tilubet iie gratia domni,
Dum donuis excolitur generaliter esca paralur,
Qtii servire valet acri ne dcnte relardet,
625 lile cibum capiat, domino cpii' sponte minislrat.'
leopardus.
'Uncla satis spisso poneutur oluscula lardo,
Nec salis est, cara, pisces averlere mensa,
615 quae servas? vgl. cara 627, <locIi care 707 uiid eum 559.
264 E C B A S I S.
Seniesos plsces, quos IlhIus llqueiat liospes,
Insiinul acclpiaut, e quarto niuuere carpaut,
630 Quae sint cuuque dapes silliuit cousuniere fauces ;
Jejuuus raro stomacluis vulgaria teniuil.'
vulpes.
'Causa nanique lui roreulur nuiuera Bacclii,
Ut bene suut prausl, redeaut ad liuuua tenipli.'
L/oufeslini trisles leopardus currlt ad aedes
635 Exclauialque palam , couveutus deserit aulaui,
'Currite vos cilius , sic rex jubet iste secundus:
llice sub deusa stomachantia slernite membra,
Horas cantate, jeutacula parta vorate,
De(|ue cibo celeres proprias cognoscile sedes.
640 JNou strepllus vocis , nec sit mulalio sedis.
Llgua feraut ursi, comporleut suta camell,
Naai latices luter deducat, ac|uatica flber,
Sic fiat, slc slt, lioriau uatura reposcit ;
Obsequio ligrldis curetur copia pauls,
645 Piscibus aplaudis, avibus rarls plperaudis,
Escis cum reliquls, nigris soUertia barris.
Praepouor dapibus, dispouat pocula cervus,
Deute tlmeudus aper , turbatis viribus acer
Has portas servet, nobis obstanlia spectet.'
apcr.
650 *Ne venalores suffoceut uos velut hosles,
Fagus adest alta, consceudat squirlo celsa,
Hos peragret visu , percurram cetera sensu.'
leopardus.
'Liuces cum damis hi sint custodia regis,
Coerula catta marls couservet strata jacentis,
655 Tincla super lectos caudescat vestis eburnos,
Slmia deformis reparet caudelabra lichnis.
633 sint A. 638 seutacula A.
E C B A S I S. 265
luipiger erlcius, condenso vellere tectus,
Poma veliat , iniranda canat, sed amigdala poiial.
Atque niices coriii siut mensae largiter isti,
660 Squirio quaiu nobilis compilet pomula glandis.'
ericius.
'Quis tibi vel qualis? magui sum gente Calouis,
Ex atavis longo si ducis slemmala fdo,
Disces me uatum maguorum saijguine reguui ;
la me priscorum virlus defluxit avorum,
665 Stirpe recensila removebis vilia jussa.
Juxla progeuiem manda servimiuls arlem.'
leopardus.
'Convenit ecce libi lalis reverenlia fati.'
ericius.
'IIIuc vlvam reliquo despecllor ipse popello.'
leopardus.
'Tempore namque suo generis recltabitur ordo.'
ericius.
670 'Xunc sequar boc jussum , deposcens te leoparduju,
Praeclpias uunquam mihi contempliblle quicquam.
Si brevls exlslo , jmidenti regmiue regnOj
Ingenium purum , saplens, subtlle , serenum.
Vllibus in volucris latitat substantia grandls.
675 ]Marcliio sum luitulis, romauae slguifer iirbls,
Esl testudo niihi spaclosa cacumine saxl,
Tutlor illa magls , quam sint muulmiua regls,
Uuius iu funda pelluntur milla dena,
Praevalel argutas hoslis vltare saglttas.
680 Scandeutl peditl nou est vla libera soli,
VIx culix qulsquam voliians couscendet eandem,
Sic cllvus caslrl, leretis quasi sperula poml;
665 recensela A. 673 subtili A. 676 cacuniiiia A.
677 sit A, 678 uiius A.
266 E C 13 A S I S.
Alpibus italicis hic inous est altior illis,
IMillenis cubitis praeruptior alque vicenis,
685 Opida Chuonradi coguutur ad hunc famulari.
INIanna vescuntur, qui uostra curte fruuntur.
Est hoc spehieinn teutonice Slcnsile dicluni,
Aunguis est diclus vere porlarius hujus,
Et cameram lecti scias Hunsaloa vocari.
690 Ultra serviliis si me non truseris ullis,
Isla tuae soboli tradani sub clave sigiHi,
Caulio fuiiialur, conventio si slabilitur.
Tritas servilio manicas non eximo longo.'
leopardus.
'Scando si soliuni, spernam le valde superbum.
695 1 piier, alqiie meae citus hunc iaipone coquinae,
Dum toslat verua, scutelLie bahiea potet.
Potus hic est habiiis simili sub niore superbis.'
ericius.
'Quo deus et quo diira vocat forlnua sequanuu'.'
leopardus.
'Dedecus est domiuis, dum laxant debita servis,
700 Argumenlum ingens testis sentenlia prodit.
Jus est hoc modicis semet praepouere celsis,
Corpore qui parvo peragunt contraria niagno,
Quamquam forma minor, verum prudenlia major ;
Viribus imbelles, aslu tamen acre rebelles,
705 Arlibus expugnant. cum robore membra fatiscaul"'
vulpes.
'Talia coiiferre compellit siinius isle.'
leopardus.
'Consule, care, tuis, uam diclis le volo paucis,
Fac spatium socio, tibi mox paiere parabo.'
685 opjiida ciinradi B. 687 avuguis A. 693 cs staiid
exigo, uber das g isl iii corrigiert. l)ti 707 stelit lepus, was
icii iii leoparJus andere.
E C B A S I S. 267
\ulpes.
'VuU doniinus secum fralreni de pluribiis umini,
710 Qui recitet spaluios, divinos personet yniuos,
Organa spallcrii rcpelat modulaniine dulci.
Impedior lacriuiis prorumpere nomen anianlis.
Virlutes pardum corailantur amiciler islum :
Non est peijurus, neque sorclidus ac furiosus,
715 Comis el urbanus, animo pius, ore sercnus,
Consilio caulus, moileratus , pacis amicus,
Novit quid pulcium, quid turpe, quid ulile, falsuu) ;
Si foret ad pracsens, solus praecelleret omnes.'
leopardus.
'Fiat velle luum, simplex dumtaxat et unum,
720 Sit lixum cpiod vis, sit \ivax gratia nobis.
Dum lupus infestus pecori , venanlibus apri,
Frigida dum pugnant calidis, Lumentia siccis,
Dum nova crescendo rcparabit coruua Pliocbc,
Sit nobis soliduu) concoidi foedere paclum.'
725 Sic ait, et mediis iuterseril oscuia labris.
\idpes.
'Quantus amor coeli, tanta est dilcclio noslri.'
leopardus.
'luspice, si bcne sit, quod rcgia curia poscit.'
Egregie factum laudat \ulpecula totum.
vulpcs leoni.
'Hora est surgeudi, tua sinil quasi regia Croesi.'
leo.
730 'Ad mcnsam \ado , perfortia vina requiro,
Quinquennis viui sitis est citra mare nati.'
vulpes.
'Non valel id fieri , quaeras quod possit liabci i.
Ad te cuui redii, trevirensia viua probavi,
732 possis A, oder dazu liabcreY 733 irevireiilia A.
268 ECBASIS.
Ex liis sexlariiim sanxi tibi feire bibeudum,
735 Dulcius ac melius nec liabet scrutarier ullus,
Qiiod curas abigit, ,quod linguae verba mlnisti'at,
Morbos averlit, metiienda pericula pellit.
Trevirici calices quos non fecere loquaces?
Indiciis cerlis portavi dona salulis.'
leo vulpi.
740 'Tradere st cuperes, uon lanla periciila ferres,
Debitor es meriti, pro tauli pondere facti.
Crimina llngua lupi concusserat ore bilingui,
Hic crucis exilium properabat figere dirum,
Furcifer ecce jacet, non sit qui tollere curet.
745 Hanc meruit poenam , vitasti denique culpam.'
vulpes.
'Audit quod non viilt, qui pergil dicere quod vult.'
leo.
'Demiror pardum nostrum rarescere visum.'
* vulpes.
'Ne turbere pater, veniet mox advena fratej',
Cujus ad ingressum pellelur cpiodque nocivum.'
leopardus.
750 'Quod mora sit fratris, slillis perfundor acerbis;
Si forsan periit, melior se nemo remansit,
Dispar comparibus , verax psalniista probatur,
Sobrius , armipotens , caslus , moderamine pollens.
Cautior est homine, prudenlior hic Salomone.'
vulpes.
755 'Si redeat, visam decet en te poscere mensam.'
Vulpes ire parat, caudam versuta regirat,
Ut prosit pardo , signum facit haec leopardo.
Congreditur quei'cum, cui sciverat adfore parduni.
739 indiliis A. 759 wieder lepus fiir leopardiis. 758
ciiitrat A. 759 talem sclialte ich ein. proferre A.
E C B A S I S. 269
leopardiis leoni.
'Quem scio pervigilem [talem] perferre laborem ?
760 Qiiid prosit quaerit, quid delectabile poscit.'
leo.
'Non missura cutem nisi plena cruoris hirudo.
Juxta velle tiuim , velle esl, extollere pardum.
Escas non capiam , donec capit ille coronam.'
vulpes pardo.
'Ne mora sit, regi saltu transcurre celebri,
765 Regis praefeclus regno scriberis secundus.'
pardus vulpi.
'IMenlio sil primo, si vinceris liosle superbo?'
vulpis pardo.
'Decidit in laqueum, quem fx'aude lelenderat ipsum ;
Sic David cecinit, perraro haec alea fallil.'
pardus.
'Jam prope psalterium finivi carmine sacrum,
770 Incumbens veniis , ne forsan victimareris.
Psalinos explebo, cecini quos usque memento,
Psalmo finito curvabar poplile fixo.'
Concurrunt ambo , psalmos pariter recitando,
Deque tribus pueris dum laus finitur ab illis,
775 Se sociant regi, benedicunt suscipienli.
0 qui conq)lexus et gaudia quanla fueriuil!
Hic benedicendus communi sorle beandus.
Ducitur inpransi susceptus laude magistri,
Dum manet iu mediis medius permixlus amicis
780 Unguitur in regem cum fratrum post quoque laude,
In speciem regni viriiit domus aulica regis.
Tunc se proluerat, niensas ex ordine donat,
Imperital geminare cibos, ut regius est mos,
Nam vadit sessum, prae mensa ponit amicum,
T61 irodo A. 76i sis A.
270 E C B A S I S.
785 Ab speculae prlinis Jeferlur sella curulis,
Vulpes subrisit dum sculpla scabella locavit.
Fecit adoptivum vulpina aslulia pardum.
Praesulis officio vulpis grex conticet omnis,
Non murmur resonat, pacis concordia conslat.
790 Finiit unicornis ubi memorabile JMalcbi,
Vulpes consurgit, crislallica vascula promit,
Non solum vulpes, sed multo nobiliores,
Polio talis adest, quae versu dicere non est,
Quam portant regi psallentes, more precandi.
oralio.
795 'Quo sine nemo polest, qui mire condita profeii,
Qui faciem coeli depingit sidere pluri,
Huncce regem decoret, regem cum decore salvet.
Sic sua perpetuus non claudat Iun)ina somnus,
Sed sua perpetuo vegelentur membra vigore,
800 El peragat placitura per niulta decennla vitam,
Nec sibi sit medicis opus unquam, nec sibi casus
Aul morbus ulluni pariaut quandoque laborem;
Sed procul a curis et sano corpore vivat.
]\il prave cupiat, faciat, uec proferat unquam,
805 Sit vita locuples et Cliristi munere dives!'
Ut fluit oceanus fluxit potus piperatus.
Singula quid memorem? superent cum siiigula
laudem,
Nemo potest sci^iptis coeuam depingere regis.
Inter praudeudum leo scrutatur nova pardum :
810 'Cur le subtraheres paribus? volo, tu mihi narres,
Tardasti multum ; velle est, cognoscere cerlum.'
pardus.
'Somnus te fugitat , vigilantia te cruciabat,
Condolui tibi, iion parcens mibi, congrua voi:
785 stella A. B.
E C B A S I S. 2? l
Nec regina Saba Salonioni sic lulit alla,
815 rSec rex ille pares avium possedit honores.
Praeses eas clamet, blando palpamiiie tractet;
Accedat nierula colludeus cum filomena,
Organa cjuae merula miscet, luscinia nnilcet.'
Qui surgens currit, juvenilia jussa peragit,
820 Hos capit ingressus concinno carmiue primus:
'Qui rex esl avium languenlem visitet islum,
Det vilam, det opes , somnos pastusque salubres,
Erigat aegrotum, corroborel anlra ferarun»,
Prosperel luuic pardum, cjui lanluin dellet amicuin.
825 Vobis ecce canam caslam purani([uc ^lariam,
Atque Galnilielem , qiii luinlial Ilemaiuielem
Virgine nascendum , morlali carne tegeiidllm,
Ut salvet populum peccali pondere pressum.'
leo filomenae.
'Gusla tu modicuni, [ut] possis producere conlum.'
filomeua.
830 'Si quid inexpertum, nobis servetur ad imum ;
Ne tamen amolo quaeramus feria ludo,
Sit cibus ac potus Christus, c[ui dicilur unclus,
Adsit in ore meo, dulci ferat organa pleclro.'
Haec volitans poscit pardum, nolum sibi \isil,
835 Consislit a dextris repetens insignia laudis
A natalilio, quo coiicipit innuba viigo,
Usque sacrum flanicn, quo certum est adfore niissum.
Concentu parili memoratur passio Chrisli.
Passer uterque deuni caesum ilel verbere Jesum:
840 Exanimis faclus , clnudens spiramina flalus,
Commutal vocem, dum turbaut Irislia laudem,
Organa divertit, dum Christi vulnera plangil,
Solvitur in luctum recolens dominum crucifixum,
820 his A. 829 ut liinzugefiigt.
272 E C B A S I S.
Squalet se cinere, duin ferlnr molio terrae,
845 Offuscal visum meniorans soleni tenebralum.
Hil gemini trepidas pressere ad pectora palmas,
Unicus ut matrem, sic deflent hii patientem.
His avibus molis stupuit militia regis.
Turbatur pardus tam gratum perdere munus.
philomena.
850 'Nec tibi, nec islis sit controversia menlis.'
pai*dus.
'Linquere nou potui, flevl improperia Clirlsli.'
philomena.
'Singula non menioras , quae me dixisse slupebas.'
pardus.
^\udieram; sed fama fuit, penltusque recessit.'
pliilomena.
'Non tibi, care pater, debet istud fama videri,
85.5 Sed magis in cordis secreto }ure recondi,
Ut domini noscas quae sit de corde voluntas.
Ecclesiae doctor qnid dixerit an meministi?'
pardus.
'Nescio si legi , profer quae dixerit ipse.'
philomena.
'Corpus , quod morlis vitio corrumpitur , inquit,
860 Vitalem flatuni ne possit cernere virum
Aggravat, et coecis immergit saepe lenebris.
Istius exilii fleres si forle tenebras,
In quo pro primi lacrimando crimine plasti
Degenuis, mecum sentires, dum modo mundum
865 Expleri cuperes , aeternaque desiderares,
Ul felix patriam Christo duclore redires.
Sed niage quod doleo , coelestibus obice diro
Oppouis temel , nec perdita gaudia defles.'
851. 853. 854. 859 die uamen zusefiigt.
ECBASIS. 2;3
pardus.
^lNIiror quam patriam tu mandas esse petendam ?
870 Niinquid non patria est, malernis ventribus in qna
Fiisi praesenlis fruimur servimine lucis,
Affectu dulci carorum , nec ne fovemur?'
pliilomena.
'Non equidem palria est, sed carcermorlis obumbrans,
Si palriam dicis, palriam tum credilo mortis,
875 Nam vitae patriam non est fas dicere talem,
ITic morbis premimur, illic sed gaudia dantur,
Quam miser atque miser, cui talia regna uegari
Contigerit , baralri vel saevo carcere Irudi
Unusquisque gemat , capitalia crimina tergat,
880 Coniluat ad lacrimas , si vult seducere poenas.'
pardus.
*De pelo , quo plane repelas quae moesta cauebas.'
pliilomena.
Quantus in orbe furor, vobis modo testibus utor,
Dum rapit hunc judaea manus bene conscia cujus,
Cum sic astrictis incumbunt vincla lacertis,
885 Quod jubilum cordis , patitur dum conditor orbls,
Gaudiaque plebis , legitur cum passio regis.
JNIos fuit inde prius anliquis partibus orlus,
In cruce quod Christi reticescunt signa melalh',
Nec Yox ulla tubae resonat, sed nec quoque cordae;
890 Lugubre portendunt, dum moesta silentia prendunt,
Ne laus horarum consuetum transeat cursum,
Fagina signa sonant quo clerus debila solvat,
Nec vacat a ti])icis subpressa melodia vocis
Turbis belligeris, ubi funditur unda cruoris,
895 Omnis rlsus abest, cordis violentia prodest,
Affectu cordis crescit mensura doloris.
883 coiida A.
18
274 E C B A S I S.
Quis siccis rcferet oculls opprobrla niortlj:,
Quod capilur domiuus veluli niilissimus aguus,
Praesidls ad sedem vitulus ceu duclus ad aram?
900 Caedltur et alapis colafis cjuod condilor orbis,
Afficitur flagris, conslrlugilur undique loris,
Spinea cui ferlur regis pro jure coroua,
Tundltur, expultur , deludilur atque negatur,
Pocula melllti vini mox dant sitlenti,
905 Clavis confixo, perfosso cuspide Christo.
Haec sunl quae nostram perlurbant luidiquementem.'
pardus.
Tlurima sat passi tractasli vuluera Christl
Desine, cara, precor, jam desiue fundere ftetus,
Nobiscum gaude depellens tristla plaude.'
plillomeua.
910 'Nuuc precor, ut dlcas, cur me gaudere rogabas?
Unde etenim trlsti persuades parcere menti?
Suut mlhi laeta quidem, sed tanto pondere mentem
Infero lugentem , quo me uec vivere vellem,
Saepius exopto gelldo me tradere leto.'
pardus.
915 'Verum si possem , quod dicls , credere vellem,
Sed pectus lubricum quoniam gerls iujDerfectum,
Profer veracem, quem possim credere testem.'
pliilomena.
Ut quid plus referam, vel secula longa retexam?
Nontibi laeta manent quod prius ab aethere plaslus
920 Pulsus coellcolls iterum conjungltur almis;
Quae majus a uobls traclari gaudia poscis,
Quam paradlsiacae pauduntur limina porlae.'
pardus.
'Sufficlat tantas jamjam terebrare latebras.'
pliilomena.
'Desere daedalei , jam desere limina tecti.'
B C B A S I S. 27j
925 Hi lacrimis huniidi, terrae de pulvere foedi,
Cuni jussu pardi vadunt simul anine lavari
Cantores socii , Girinda Iluniiue loti,
Dum repedant, reges biuos dum visere certaiit,
Udi, jejuni, dicto de carmine fessi,
930 Voto communi conscendunt robora fagi.
Dum pennas aplant, plumas ex sole reformant,
Psitacus accurrit , regem resipiscere quaerit,
Cignus adest etiam languentis discere vitam.
Scrutanli multa respondet ayicula tanta:
935 Tasca resurgeutis celebrandum est aedibus allis
Quis bini reges resident, cum milite prandent,
Vos rogo nobiscum solvatis gaudia vocum.'
psytacus.
'Caiisa namque tui paterer discrimina belli,
Davidicae citharae, melodiam prosequar ipse.
940 Imminuentur atrae solenni carmine curae,
Tu tamen incipias, cantu superabo syrenas.'
ciguus.
'Omne genus hominum viucam clangore tubarum,
Nou juxta solitum Francorum corniferoruni,
Est miliipsalterium , quod erat David decachordum,
945 Asaph me docuit, qiii psalmos fingere juvit,
Incipe, si quid habes, pascales psallito laudes.'
pliilomela.
'Esl hinc longa via , qua perveniatur ad aiilrum,
Hinc cernes summi volitando culmina tecti.'
Flegmate detersis rostris canluque paratis,
950 Excutiunt rapidas coujuncto foedere penuas.
Nec mora conveniunt, pinnae fasligia prendunt.
Praevia fu merula, pardo offert hacc uova monslra,
Qui surgit subitus, longinqiios osciilaturus :
944 decliacorduin.
18
276 E C B A S I S.
Visis arrisit, caros sibi foedere jiinxit.
psitacus.
955 ^Oceauo posilis regis fit fania jacentis.
Est quia divinum languentis visere stratum,
Conipuncti lacrimis palniis deflevimus arlis,
Ordine confuso lustravimus aere denso,
Quo via sit nobis invidit semita nubis,
960 Donec Burdigalis opacae tempore noctis
Fit slrepitus plebis matutinos imno petentis,
Namque Severini celebrabal festa beati.
Cumque fatigati moraremur ad atria sancti,
Cum reliquo vulgo redibentes cantica Christo,
965 INIox aurora rubens maturat pellere nubes,
Inde recedentes iuvenimus hasce sorores,
Conductu quarum quaesituni invenimus aegrum.
Ergo repetamus. sis nobis fixus amicus,
Diceris a cunctis clari hix altera solis,
970 Te duce ducamur, te praeduce mox revehamur.
Haec filomela soror, uimius quam detinet ardor,
Subpeditare tibi servirec|ue corde fideli,
Nos prece blanditur, ut Christi pascha colatur,
Comprime tustrepitum, nostrum quoque dirige gressum.'
975 It, redit , attactu levi introducere coepit,
Protinus intrantes has ponunt ordine laudes:
'Salve festa dies , quam credens magnificat plebs ! '
Hoc post odecolon graecissant kirie eleison.
Fit vox omnigenum vohicrum pecudinnque ferarum,
980 Muhiplicique modo sacra cantio personat antro,
INIanes devicti lugent sua damna revolvi,
Celera gesta dei, recolit quae pagina libri,
Lingua judaica ruciant, graecaque hitina.
Ut complent apices, quos scribit virgo Johanues,
963 morarentur A. 978 kirrie
E c B A s I s. 2rr
985 Aptaut hae celeres herboso cespile sedes.
psltacus.
'Scrutor rauclsona, iiuin sil quoque fracta lagena?
Quod niihi poscenti non dantur pocula vini,
Nam neque divitibus continguut gaudia solis.'
leo psitaco.
'Appouas aliquam , si nosti forte, niedeLim.'
psitacus.
990 Nil nisi lene decet vacuis committere venis.'
leo psitaco.
'Nil ego praetulerim jucundo sanus amico.'
psitacus.
*Oderunt hilarem moesti tristemque jocosi.'
Nam leo, cum vino incahiit , mox talia dixit :
'vulpes sensata prudenter rexerat ista,
995 Meque meamque domum super omne revexit ho-
nestum,
Corpus lauguentis confoverat igne sahitis,
Seminecem membris nec cessat reddere mensis.
Haec petiit pardum post me regnare secundum,
Istius ad votum regem sacravimus istimi :
1000 Nam mea sint pardi quae pardi proxiuia vulpi.
leo pai'do.
'Vulpem versutam lateri ne depresseris uiiquam.'
Tuuc versuta dolis de tanto munere regis
Ti'islatur facie quaniquam laeletur ad omne.
pardus leoni.
'Tristior est solito, me cernit lumiue torto.'
leo pardo.
1005 'Si quid vuU proprium, verum nou celel amicuni.'
vulpes.
'Est specus in silvis celsi sub cuhniue monlis,
Hanc mihi posco dari, facti muniniiue scripti.'
Coufirmaut reges . petiit quod subdohi vulpes,
278 E C B A S I S.
Teslibus ab taiilis iiiinalur caulio vuli>is.
lupus lulio.
1010 'Haec est ista specus dala tuiic sub regibus illls;
Pro faclo scelere , quod vulpes gessit iuique
Adversus proavuni , tultum fuerat sibi castrum.'
luter.
'Successit soboles, successit tortus et heres :
Deliuquunt patres, solvuut delicta sequaces.
1015 Cetera prosequere, quae siut insiguia coenae.'
lupus.
'ToUuntur lances, longinquus vescitur hospes.'
pardus vulpi.
'Praevideas ne turpe toral, nec sordida mappa,
Sordidus aut dapifer nares conruget edentum,
Magna movet stomacho fastidia, seu puer unctis
1020 Tractavit calicem manibus, dum furta ligurrit,
Sive gravis veleri craterae limus adhaesit.
Pocula miscentem nutritum pone clientem,
Casla serenatis impone cibaria mensis,
Ponantur nuclei, corilorum robore nati,
1025 Persica cum cerasis, cjuectonia mixtaque fragis,
Poma geroldinga, quae detulit haec philomela,
Praecoqua purgetur claris iu fontibus uva ;
Ut dabis elixa, coufestim dentur et assa,
Accubet et reliquum servum pecus ad comedenduni.'
vulpes.
1030 'Insistam cunctis, quae monstrat sermo jubentis.'
Sublato disco surgens fera sistitur antro.
psitacus.
'Praecipiat dominus, licitos repetat fera cursus.'
leo.
'Accipite ergo omnes, auresque adverlite cordis,
lOVl pateres A. 1016 longiiiqviis A. 1026 gero dijjiia B.
B C B A S I S. 279
Gralia sit vobis, quod sic niihi condoluislis :
1035 Exitibus vestris nullus dominetur ut liostis
Finibiis in cunctis, latus qua tendilur orbis.'
Potio defertur, teinulenti quique vehuutur,
Pace salutantis discedit concio castris,
Nec calamus referet , quae regis jussio praebet.
1040 Tuuc vaga prosihiit frenis natura remotis,
Seque per immensas dilFundunt agmina silvas.
Mox magni parvique lupum lusere gavisi,
Accessit laetae turbae glomeratio tantae.
Exprobrat in facie , cpiae sit custodia linguae,
1045 Informat scriptis, cjuae sit caulela bilinguis:
'Dentibus iufrendis vaue tua labra voraris
Te tua culpa premit , tu dum tua navis in alto est,
Hoc age ne mutata relrorsum te vehat aura;
luspicit onuiipotens actus., qua mente reganlur,
1050 Nam semel emissimi volat irrevocabile verbum.
Haec dolis est, ininiice, luis concepta simultas!'
IMultifluisque diem verbis ducendo fatigant.
psitacus leoni.
'Non capiam quicquam rediens,nec laesero quemquam,
Dum vacat ergo tibi, sine causa vivere noli,
1055 Quod cupide poscis mature plene relinquis.
Disce miser taudem , si vis contemnere morleni,
Quod ceu ilos foeni sic omnis gloria nuuidi.
Cur tibi credis opes, cur coecos quaeris honores :*
Cur putridis mullam te nulris verniibus escani ?
1060 Hunc diligis nuuidum , proprium qui fallit aniicum.'
leo spilaco.
'Quod das concilium, quo possim prendere somnuin?
Quae mihi sunt regno, vadens hinc desero pardo.
1035 existibus A. 1044 exprobat A.
5101 Lic dolus A. 1053 lesere A.
280 B C B A S I S.
psitacus pliilonielae.
'Plectris dulcisonis curaruni seniiua pellis,
Tu cuni sis quod ego fortassis caulior uUo,
1065 Nuiic in amore niei comportes somiiia regi.'
pliilomela.
'Quotl petis Iioc peragani,causam non respuo jussam.'
Rex ubi melliti capitur dulcedine pleclri,
Obdormire parat, vulpes differre laborat.
vulpes.
'JNatuiale tibi confirmat pagina libri ,
1070 0"od dormis Iriduo, sed quid manelliospesin antro?'
pardus.
'Defessi veniant, pausent modicum atque redibunt.'
Expleto triduo rex mox discessit ab antro,
Et Suuarzuualt petiit, alemanuica rura revisit,
Divitiasque domus usurpat mox sibi pardus.
1075 Cignus Nortmannos possedit, psitacus Indos,
Pardus duxit aves ad partes occiduales.
His ita dispersis sic fil migratio vulpis,
Ad proavum teudit, probrosa epitafia scribit:
epilafium.
'CoJivenlens curtim parvam venerare coLortem,
1080 Flecte capud timidum susceptus sede potentum,
Praemeditare prius, quae [des] aenigmata cautus,
Rarus in eloquio , sollers sermone serendo,
Falsa loqui fngito, reseratis auribus esto,
Quid de quoque viro , et cui dicas , saepe videto,
1085 Saepe rogus modicus comburit culmina saltus,
Nam neglecta solent incendia sumere vires ;
Officio linguae nullum frustreris bonore,
Nam tua res agitur, paries cum proximus ardet.
Sic tibimet verae continget gratia famae.
1071 ^eiiiimt A. 10T3 smiazuualt A. B. 1081 iks zuKefugt.
ECBASlS. 281
1090 Sic sic niaguus eris, aelernum iiomen habebis,
Ipse bilinguis eras, nepti tormenta parabas,
Nec minus optali, quam facli poeua lueuda esl :
Vermibus el vespis oplabilis esca jacebis.'
lude petens castrum duxit secum leopardum,
1095 Nuucius ut regis sibi det muuimiua pacis.
i. alibus a culpis facta est expulsio vulpis.
SuiFiciat dlclis de tanto tramite vulpis.'
luler.
'Vere sufTiceret , si non fortassis abesset ;
Ast bene fecisti, quod nobis sic reserasti
1100 Tecta diu, planis nudaus archana loquells.
Esse potest ab re quod tardat concio turbae,
Conimlssus sanctls scrutabor, quid gerat liostls.
Luter adit collim , qui cingit de prope rupem,
Aspeclat vulpem pilacia scripta vehentem,
1105 Testibus apposilis fuerant quae folibus illis.
Coetus erat fortls , conclamans voclbus altls:
'Regls praeceptum nunquam fruslretur inultum,
Passeribus proslt, qui regis jussa refellit
Sublateransquemquam,nonhocsibIproderIlunquam.
1110 Si scandit fraude, mox mistica seminat ore,
Perplexos morsus resuplnat corde lupinus,
Occultans anlmum , certat subvertere justum.
INIortls hlc est annus viroso escamine tectus,
Propinat mortem dum finglt ferre salutem.
1115 Fraudem quam fecit vicinam coufore scrlblt.
Oiiod sine lege sletit, vere sine lege perlblt.
Hos repeteus ludos enutriat in cruce corvos,
Et famull nequam vincli mittautur Ylerdam.
Vestitura dati confestim reddltur illi.'
1120 Audlerat proceres istas imponere leges,
Terrltus hlsce mlnls, correptus mente furoris,
Onuiia quae vidit relegens ex ordlne pandit,
282 ECBASIS.
Hortaturque lupum coucedal abire juvencum.
lupus.
'Non honiinem vereor, nec vulpis me quatit horror.'
luter.
1125 'Consilium refugis, cervicibus imniinet eusis,
Judicio morlis ad praesens tu capieris.
Quique tui capti vincli morientur et illi.
Auxilium quaeris quaerendum tempore pacis,
Dicere et audire, et meliori credere uon vis,
,1130 Non magui pendis habitum vultumque poteutis,
Principibus placuisse viris non ultima laus est.
Gratia tantorum tultum reddet sibi castrum,
Nec magno aut parvo leti fuga nuUa erit antro.'
Luter discipulus collis de culmine lapsus
1135 Formidaus hostes, possessaque castra relinquens,
Horrens exitium iluvii se misit ad imum.
Ericio latis solito considere cellis
Abdere se silici curae fuit atque labori.
Curritur ad castra , sola lalraute licisca,
1140 luvaduut castrum franco de milite castum.
Alloquitur vulpis, seducitur atque querelis :
vulpes.
'His est aut nusquam quod quaerimus, hicilatel hostis.
Cernitis en patruum? quid agis dulcissime rerum?
lucolumi capite es, qui cauo flore reluces,
1145 Formosus facie , sura, pede, dente, lacerto,
Candidus, et talos a vertice pulcher ad imos.
Tu patre praeclaro nutritus pectore casto,
Certum est, iugenuos habeas dilesque parentes,
In regum numero reguas Cuououe secundus,
1150 Praecellis cunctos famosis partibus ortos,
Lilierulis doctus, multis et houoribus auclus.
1125 refugit A.
B C B A S I S. 283
Obiciet neuio sordes libi , quas iniiii iiuilli,
Oui tibi complaceo, qiii turpia vincis lioueslo.
Susum scande paler, niirabilur uuus et aller
1155 Arlus egregios generoso in corpore sculptos ;
Mentior at si quid , nierdis caput inquiuer albis.'
Couservus vilis, queni tardal acuta securis,
Dum lupus asceudit, objecla repagula traxil,
Sic foras exiliit, nialrem cuni palre reposcit,
1160 Ubera cum suxit matri laelatus inbaesit.
Prolulit exemplar, veri cpiod lucet ad instar,
Non seniper feriet quodcunque minabilur arcus.
At lupus a tauro truiico conligitur allo.
Yulpes liunc geniino collaudat pollice ludum,
1165 Haec pravo scri])tum praedoui perbibe aptum:
epilapbium.
'Hoc legimus scriptum, credamus et esse probatum,
Vae qui praedaris, Cjuouiam praedaberis ipse ;
JMercatur morlem , qui fraudis diligit artem,
Nec capiet i"isum , qui sic sectatur iuiquum,
1170 Inde se discat, qui juste vivere tardat.'
INlox palrios iugressa lares eliininat bostes,
Nam murum scandit, caris cum fralribus, iuquid :
'Divitis omne bouum, si non fuerit stabilitum
Consilio, ratione, modo, solet adnicliilari,
1175 Aeque neglectum pueris senibusve nocivum.
Quae major pestis , heu, quidve nocentius istis
Aspidibus, colubris , basiliscis alque cbelidris?
Et tamen bos fertur supei'are domesticus hospes.
Quid tardat sapiens, forsan si ceperit hostes,
1180 Ni liget ac cruciet, obstruso carcere damnet?
Compedibus tales num sub custode tenebit?
JMoris erat, fortassis erit, dum quiscjue vigebit,
1163 vielleicht triincus? 1170 iiite A. 1174 adiiiciiiiare A.
284 E C B A S I S.
Si prece , si prelio laxatur captio capto,
Obside suscepto, seu flrmo sit sacramento.
1185 Qui hos vocat ad cameras, piperatas porrigit escas,
Mollia strata jacit, quaeciinque taceuda resolvit,
NuUa catena premit, nec ferrea passio cogit,
Excors, follus eques, abnormis garrulus idem est,
Et perit ut hipus hic condigno £ne perhemptus;
1190 Nam muhi pereunt, quia sensu vivere uolunt.
Non jactu lapidis , nec jacto missile quovis,
Captio fit castri tanti, siue caede, peculii,
Ingenii sensus prudentum fortis et astus
INIilibus armatis citius dominatur inhermis.
1195 Credite, consocii, me visit gratia Christi.
Conservate fidem, nodosam pellite fraudem,
Subveniat frater fratri , pro posse fideli.'
Talibus hosce monens Christo mandaverat omnes.
Dum redeunt pariter, affatur taliamater:
1200 *Cur non, nate, refers, quae saevus fecerit hospes?'
vitulus.
'0, mater, peccas dum tristia metra retractas,
Taedet sacrilegas antri percnrrere curas,
Has si plus refero, fastidia magna parabo :
Dulce sonat modicum , coufert fastidia magnum.
1205 Perluleram triste , quod sic tardastis utrique,
Prorsus jucundam uoctem produximus istam,
Possedi socium_, qui fletiun fudit amarum,
Pro me saepe rogans lacrimas eduxit amaras:
Luter ridiculus famoso esl nomine dictus
1210 "Attrectans amnes, piscosi gurgilis heres."
Hisce meis oculis deterslt signa meroris
Sub noctem gelidumque foco calefactat amicum.
Nou tamen adversis insomuia duximus austris,
1210 aurectai!3 A.
E C B A S I S. 285
Me Baccho satiat , quin lenia verba propinat.
1215 Ericium vafrum servis de pluribus unum
Iiistruit Herodes vitulinas scindere carnes,
Qui dixit vitulum festivum pasca futurum,
Per se sumendum, nuUi per frusta secandum,
Ad jugulum tantum ferrum reddebat acutum,
1220 Me cupiens miserum morsu lacerare ferino.
Laus domino qui [me] salvarat d^nte lupino,
Sanus"et incolumis malernis deferor uluis.
Sit nonien sanctum Chrisli domini benedictum!'
Versus milleni cejiteni septuageni ;
1225 Verum operi longo fas est obrepere somnum,
Nimirum sapere est abjectis utile uugis,
Me tenipestivum psalmis concedere ludum ;
Iratus pariter, jejunis dentibus acer,
Sermonem claudam, verbum nou amplius addam.
1221 me z\\Re(uKt.
286 E C B A S I S.
Uies bislier unbekannle gedlclit entdeckle icli,
nach tliierfabelu begierig, im september 1834 unter deu
liandschriften der burgundischen bibJiolhek zu Briissel.
es ist doppelt da, einmal im codex 8742 bl. 187-191,
dann im cod. 7925 bh 130-134, jenen bezeichnet A,
diesen B. A "svird betitelt homiliae Salviaui, B Isido-
rus in genesim ; in A ist voruen eiugetragen -j- ms. 120%
hinten die zahl 629^, iu B vornen ms. 105, hinteu 330
vvas sich auf aUere cataloge bezieht. beide enthalteu
noch mauche audere laleinische saclieu. In A gelit der
ecbasis von gleicher haud geschrieben bl. 185. 186 vor-
aus: epitaphium JiiHani apostatg; auf die ecbasis folgen
wieder vom uemlichen schreiber : enigmata Aldhehni
epi dactilico carmine contexta. und auch in B stehen
bl. 135 fF. vou derselben hand die euigmata Aldhelmi.
aus dem anderu ist keiner der beideu texte geflossen,
beide sclieinen sich aber millelbar zuriickzufiihreu auf
eiueu jilteren codex, iu welchem schou die ecbasis deri
aldhehuischen ratlisehi vorausgieug. Icli hahe A fiir
etwas alter als B, den schrlftziigen uud gebrauchten
abkiirzuugeu nach noch aus dem eilfteu jh. ; B obgleich
weniger abkiirzeud mag aus dem zwolften seiu. A
zeigt eiuzelne ae, sehr viele g. B hat viele fehler mit
A gemeiu , nicht alle, aber auch eigue. Dafs der ur-
spruug des werks iiber die zeit beider abschriften liiu-
aufreiclie, lehrt im allgemeinen schon die fehlerhafte
besclialTenheit des textes in verschiednen stelleu (na-
mentlich z. 173. 1026), welche die copisten nicht mehr
verstanden und zu andern suchten. INIeiu abdruck ist
B C B A S I S. 287
nach A , fiir sclnvicrige verse vind aiisdnicke wurde B,
im einzelneii niclit dnrcligangig verglichen.
Da vers 1224 das gedicht selbst nur zu 1170 zei-
len anschlagt , so scheiuen , >venn nian die fiinf noch
weiter folgeuden nicht beriicksichtigt, ihrer 54 einge-
schahet. Oder darf der 49 verse fiillende prolog abge-
zogen werden iind fiir spatere zufiigung gellen ? es
trafe beinahe. Sonst aber lassen sich gerade auch ei-
nige funfzig aus Horaz eingelragne verse nachweisen ;
beruht auf ihjien die interpolation? wir wollen im ver-
folg naher zusehn.
Der klosternanie des verfassers, obwol diesen die
rubrik nur als quidam bezeichnet, niag kein andrer als
Malchiis sein. deni dichler gefallt, ihn in das werk selbst
zu verslecken : ani liofe des liiwen werdeu den tiscli-
gasten vom eiuhoru die forlia gesla ilkistris monaclii
captii>i, nomine IMalchi vorgesungeu (583-588), das me-
niorabile Malchi (790.) der monaclius caplivus ist der
cpiidam, dessen fluclil, oder ecbasis, aus dem klosler
gescliildert wird, verliiilh in die fabel von einem aus
seinem stall entrinnenden kalb. darauf deutet auch der
ausdruck 'per tropologiam ,' welclier den ausgang des
kalbs figiirlich zu nehmen riith. Wahrscheinhch floh
der verfasser uicht einmal wirklich , sondern wiinschte
sich nur ledig , entweder seiner verscliuldeten haft im
klosler, oder des kloslers iiberhaupt : er nennt sich v.
58 claustrali carcere scptum, und vergleicht sich 66.
67 dem kalb , dessen geschichle er vortragen will. iji
dieser erzahlung heifsl es v. 191 : ut me conspiciuut,
wo dem zusammenhang nach i>iliihim gefordert wird.
hieraus geht hervor, dafs der verfasser, dem dies me,
vielleicht absichtlich enlschliipft, unler dem kalb ver-
borgen liegt. ]\Ian weifs sonst das geringsle nicht voJi
den merkwiirdigen begebenheiten clnes Malchus ; die
288 E C B A S I S.
verse 583. 790 wurdeu ganz nuifsig iind unverslandlicli
in der diclilung stehn , wenn sie niclit deu vermuteten
bezug haben. Ini prolog beklagt der verfasser seine
iibel angewandte kindheit oder jiigend; er will sich
aufraifen und an diesem werk versuchen, dem er wei-
ter keiue vorziige , doch einigen nutzeu beimifst.
Meiut er sich also unter dem kalb, so geht aus
den zeilen 124-128 noch niehr iiber ihn hervor. liier
heifst er 'imberbis juvenis, Uillensis discolus xirhis.^ disco-
lus, d. i. (^VGZoXog bedeutet difficilis, morosns'*'), in der
klostersprache aber einen slraffiilligen , der sich tadel
und verweis zngezogen hat *'*). in solchem fall scheint
Malchus , als schiiler oder noviz, und darum in haft ge-
wesen zu sein.
Zugleich erfahren wir , dafs er aus Tull gebiirtig
oder dort im klosler war. Aber auch ohne das hatte
genug anderes den Lothring verrathen. v. 465 soll der
heilige Aper angerufen werden , der fiinfte bischof von
Tull, der ini anfang des sechsten jh. lebte ^, dessen fest
17 cal. oct. fiel. *'*'*) AIs die fische aufgezahlt werden,
welche die otter fiir den wolf herbeischaft, nennt der
dichter aufser dem Rhein auch die Mosa (entweder Maas,
franz. ]Meuse, oder lieber Mosel) und den 'piscosus
Rahado^ (170. 171), zwei lolhringische fliisse. dieser
Rabado ergiefsl sich in [den Vogesen durch das gebiet
*) veniet sedl dyscolus alter, Juvencus in Geo. Fabricii poet.
lat. p. 484.
'*) nocli im 18 jli. in Baiern: discola, verworfne des ordens
(Lipowskys gemalde aus dem nonnenleben p. 162.)
••') Adso in gestis episc. tullensinm cap. 135. 145. Richerii
cliron. senoniense (ans der niitte des 13 jli.) , in Dachery spicileg.
tom. 3 Parisl659. 4. p. 312. es bestand ein collegium sanctiApri,
ein Benedictinerkloster dieses namens zu Tuli (vgl. oben s. 54,
anm.) '
B C B A S I S. 289
der abtei Senones , niclit weil von der gegend, die wir
obeu s. 123 fiir den Wasgeustein ausgeniittelt haben;
walirsclieinlich ist es der bach an des wolfs wohustatte
(189. 1136.) die sliflungsurkundeu des klosters ueuuen
ihn ausdriicklich ebeuso. *) Hierzu stinunen uun der
weinbau iu des dichters lieiiuat (dilectae vites 53) und
die geriilimten trierer weiue: vina trevirensia (417. 733.
738) "^*)*, die fosaginls parles (71); die cosagina canis
(329), so dafs die liole oder burg des wolfs, in wel-
cher die hauplhaudhuig vorgeht, beslimmt in deu Was-
geuwakl gesclzt werden uuifs. Die hole des igels ist
687 Stmsile {- v v) beuaunt, und sein schlafgemach (die
kemenate) Ilunsaha ( v.) jene lafst sich nordlich
von Seuoues, ;weun man dem laufe der Saar bis uach
tiustriugen (teueslrange) folgl , im ehmals rapolsleiui-
sclien orle Steinsel odei' Stensel nachweiseu ***). viel-
leicht keunen diplonie auch uocli Hunsaloa. Beide na-
*) Cliilderici privilegium vom j. 661: 'iu pago Caivomontist
in Vosago super fluviolum Rabaduiiem.' cliarta Ottonis II. a. 949:
'monasterium quod a novo in lionore i)eatae Mariae sanctique Pe-
tri in sylva Yosago vocata, in loco Senonico dicto, prope fluvio
liabodoni construxit,' Don Calmet probat. fiist. Lotli. 1 , 258.
354. Bouquet 9, 382. auf den carten bei Don Calmet ist das
fliifschen aucli angegeben.
**) aus einer Iis. des 13 jli. Iiat Docen misc. 2, 192 folgendes
lat. lied:
Trefir metropolis,
Urbs amoenissima,
Quae Bacclium recolis,
Bacclio gratissima,
Da tuis incolis
Vina ' fortissima.
"*) es gibt eiu Niedersteinsel und Oberstelnsel. zwei urkun-
den voh 1051 baben ecclesia in Steinseila , Steinsiela (Kremers
origines nass. pars 2. \Visb. 1779. p. 125. 128.) verscliieden ist
davon der wald Steinzel im Luxenburgisclien.
19
290 E C B A S I S.
nien zeicliiiel schou der dlchler als deutsche aus, sie
kunnten steuseli (sleiusaal) und Iiunsalaha (opferwasser)
bedeulen, wenn man in aloa niclit alal» (liaus, tenipel)
sehn will. Das gedicht ist also enlweder ini kloster
Seuones oder iu dem (zehn sluudeu davou reruen) TuU
selbst enlsprungen.
Scliwerer fallt die zeilbestiinmung. zwar dle fabel
selbst geht voni aprll des jahrs 812 aus (69), was aber
hochslens darthut, dafs sie uicht friiher abgefafst sein
konne. es wlrd docli wol absichth'ch eiue langer ver-
flossene zeit, um dle begebenheit zuriick trelen zu las-
sen, gewahlt worden sein. in das neunte jh. ist gar
nicht gerecht, was ich gleich anfiihren will. v. 132.
254 begegnet der nanie Ilemricus; 685 und 1149 Chuon-
radus oder Chuono. darunler miissen deutsche konige
gemeint sein , und die frage ware nur zwlschen Con-
rad 1 und Heinrich 1, oder Conrad 2 und Helnrlch 3?
iu jenem fall ware das gedlcht vor 936, in diesem huu-
dert jahre spater vor 1056 enlstanden. ini zehnten 6o-
wol als ellften jh. machte Lothrlngen den deutsclien
konigen viel zu schaffen , Conrad 1 trat 911 und 913
in Lolhringen und im Elsafs wider konig Carl vou
Frankreich auf, den der tuller bischof Drogo begiin-
stlgte. Heinrich 3 demiiligle im j. 1044 den elirgelzi-
gen Gottfried den barligen, herzog von Lolhrlugen.
Der verfasser sclieint nlcht von der deutschen parlei,
denn Helurichen stellt er als elnen freund des wolfs
dar (254) und lafst den wolf als wiirdigen nachfolger
Chuonos preisen (1149), denkt sich also wieder einen
Heinrich darunter. der hochmutige (freilich gestrafle)
igel behauptet (685) , dafs gegen sein , wle wir sahen
in Lothringen gelegnes, Steusile Conrads burgfesten
nichls bedeuten. das vom wolf gefangen gehaltne kalb
schelnt sich auf konig Heinrlchs laudfrieden zu berufcn,
ECBASIS. 291
wenn ich 'Heinrici placitis ccpi moderamina pacis' (132)
recht verslehe. das ware niin leicht Heinrich des drit-
ten treiiga dei vom jahr 1043. *) gleichv\'ol konnten
auch Heinrich 1 siege und griindungen der inneren wol-
fart des reichs als friedensbefestigung angesehn werden.
Ich niochte aus folgenden griinden auf Conrad 1 und
Heinrich l **) in unserm gedicht angespielt sehen.
Conrad 2 und Heinrich 3 waren schwerlich unler dem
blofsen eigenuamen aufgefiilirt, da schou andere gleich-
iiann'ge konige ilmen vorauegehn ; wie hatte aber der
dichter, falls er im eilflen jh. lebte, nicht vielnielir der
Oltonen gedenken soHen , deieu nanie unter deni volk
viel grcJfser war? auch des bischofs Bruno von TuU,
der im j. 1049 unter der benennung Leo IX den pabst-
lichen stuhl beslieg , seines beriihmten landsmannes,
erwalint er nirgend.
Der hernach folgende ausziig der fabel ergibt, dafs
zwei generationen von thieren vorgestellt werden , eln
wolf und fuchs, die zur zeit des kalbs , im jahr 812,
leben, und ihre vorfahren, deren friihere abenteuer
daneben erzahlt sind. jene anspielungen auf Heinrich
gehoren der jiingeren periode , auch das Cuonone se-
cundus (1149) betrift den spaleren wolf. Conrads bur-
gen hingegen setzt herab nicht der als dieses wolfs
dienslmann auflretende ericius, sondern ein alterer eri-
cius , der mit des wolfs und fuchses grofsvalern am ko-
nigshofe zusammen auftritt. Das wird jedoch uichts
versclilagen , um hinter des dichlers Cuono beidemal
einen und denselben kiinig zu verslehn. Ob auch un-
ter dem konlg der thiere , der in seiner krankheit auf
•) Reinhart fuclis LXVII.
'*) anf deQ zweiten Heinrich deshalb schoa nicht, weil ihn ein
geistiicher wiirde geschont haben.
19*
292 E C B A S I S.
sclilaues ansliften des fiiclises, tlen parder adopliert und
zum milkoiiig erwalileii lafsl, ja cliesem zulel/.t das west-
liclie reicli iibergibt uiid sich in den Schwarzwald zu-
riickziehtj wirkliche begebenlieilen genieint seien ? be-
zvveille icli. der salische Conrad liefs zwar 1028 Hein-
rich (den dritten) zum nachfolger kronen , dies war aber
sein leiblicher sohn , und Conrad beliielt bis zum tod
(1039) die ganze reichsgewalt. jene adoplion hat, wie
niir scheint, gleicli dem siechtlium des kunigs, blols in
der fabel grund. Geliurt Malchus selbst dem zehnten
}h., so konnte er uichls vou den jiingern ereignisseu
wissen.
Meine ansicht, dafs die ecbasis caplivi der abfas-
sung des Waltharius gleielizeitig sei, vielleicht um jahr-
zehende vorhergehe, wiil ieh nun durch einiges andere
zu bcstarken suclien. Jene deutschen w^ortformen hun-
saloa , stdnseli (falls so zu lesen) , rabado klingen voU
iind all , wie sie freilicli in eigennamen auch das eilfte
)h. forterhalten kounte. den namen des pforlnersy/«n^z/w
(688) erachte ich fiir verderbt ; Graff 1, 351 fiihrt eineu
eigennamen Angisi auf. poma geroldinga (1026) habe
ich sonst nur in Carl des grofsen capitulare de villis
(a. 812)*), niclit mehr spaterhin , getroffen. die sclirei-
bung Hremis (169), nicht Rhenus, scheint alt, und fin-
det sich in vielen urkunden, z. b. zweicn von 821.824
in Schannat trad. fuld. n<> 320. 355, deutsche denkma-
ler liaben friihe schou Rin (GrafF 2, 522.) mundihurdia
(252) ist auch sonst haufig.
In dem eigentlich lateinischen ausdruck scheiut mir
folgendes hervoi-zuheben. der wolf nennt sich selljst
kgirupis (196) d. i. gesetzbrecher, ehbrecher (ahd. ewa-
brehho) ; ebenso hat eia andres gedicht des zehnten
") Pertz 3, 187.
E C B A S I S. 293
jli. *): Leglrupis en Wido Uil)is retliviva resuniil Agnnua,
nur dafs liier besser scandicrt wird -vv~, iu der ecb.
V vi ricbtiger ist legirupa , oder das adj. legiru-
pus. atiele (368) wie arjiie genoniuicn erinnert an Ab-
bos ^■''■) 'super argete' (Perlz 2, 782) vgl. Erniold
(Perlz 2, 473) und Statii Tlieb. l , 492. muncra Bacchi
(632) gemabnt au Erniold. Nigellus (Pertz 2, 510) und
Wallbar. 318 (oben s. 66), ^vieNvol wir nocb beute
sagcn: die gabcn des B. aucb potls est (622) wie ini
Wallbarius (oben s. 65) und soniiio vinoque sepultus
elimnit zur lesart von C Waltb. 358. Die wendung
'simon fortassis abesset' (1098) klingt fast so unverstand-
licb wie das s. 87 besprocbne 'forsan abesset'. iultus
fiir ablatus (1012. 1132) findet sicb iji der lex Alani.
34, in INlarculpbs fornielu 1, 28, bei Pertz 1,476 u. s. w.
Dunkel ist ihcaniae lex (394); nian konnte den vers
niit deni vorausgebenden veibinden , und die ursacbe
der krankbeit des kcinigs iu einer lex decaniae, die ver-
liafst oder goltlos gewesen, aufsucben, dann vviirde re-
cepta zu causa zu uebmcn, und soviel wie accepla seiu.
eine solcbe decaniae lex weifs icb aber uicbt zu deuten.
besser geborl also der vers zu den folgenden : da die
lcx dccaniae eingefiibrt w^ar (d. I. recepta), so fiigte es
sicb (forte fuit causa, es w ar die sacbc, gescbab), dafs
der wolf 2uni JtT««'iind Aa//////67r/- gewiiblt wurde. der
decau balle nenilicb darauf zu sebn , dafs des konigs
alle tbiere an bof rufender befebl genau erfiillt werde
iMid keins ausbleibe : est sibi commissuni, peragret con-
sorlia fratrinii , an quis deficiat? (400.) u\ einer andern
stclle beifst der canierarius aucb 'ordine denus'' (570.)
-^) iiicerti auctoris carmeii ia laudeni Bereiigarii (f 916) bei
Leibnitz 1, 249.
**) Abbo (ein dicliter aiis der zweiteii baHte des neunten jli.)
de bellis parisiensibus.
294 E C B A S 1 S.
Man welfs aus Regino, dafs damals in jede pfanei rcJ-
Hche und fromine laien angeordnet Averden soUlen,
welche, tlecani genannl, iiber kirchenbesuch und sitlen-
reinheit an jedeni orle zu waclien hatten *^. der prii-
iner abl bliihte im beginn des zehuten jl)., und diese
arl von kirchenpolizei sclieinl vorziiglich fiir es ge-
recht, wenn sie sicl» aucli liinger erlilelt. das clironi-
con senoniense hei Dachery p. 315 nennt noch vilHcos,
decanos und foreslarlos nebeu elnander.
Die 859-61 ausgehobnen worle eines klrchenva-
ters konnten zur festsetzung der zeit dienen, insofern
dieser dem zehnten jh. oder gar einem spatern gehorfe;
sind sie, was icli vernuite, iilter , so bleibt ihre anfiih-
rung gleichgiiltig. die zum grund gelegle sentenz: cor-
pus quod corrumpilur aggravat anlmam ist aus dem
buch der weishelt 9, 15 und gewis von vielen lehrern
commentlert worden **). Am wlllkommensten waren
andere lllerarische nachweisungen iiber den verfasser,
oder seine arbeit. Viellelchl liefert Richers lange er-
sehntes, der zeit und den ortlichkelten nahes gescliicht-
buch elnige mlr noch entgeliende liahpuucle. Auf nieine
aunalime fiihrt im allgenieinen nicht nur das vorhin
s. 286 bezeichnele verhaltnls der liandschriften zu deiii
werke selbst, soudern auch stil , elnkleldung und be-
sclialFenlielt des iiim zum grund liegenden stofs.
Den an sich selbst armen, niageren iuhalt der dich-
•) Regiiio de ecclesiasticls disciplinis II. 5, 69: si in una-
quaque parroecliia decani sunt per villas constituti, viri veraces et
deum timentes, qui ceteros admoneant, ut ad ecclesiam pergant
ad matutinas, missam et vesperas, et nilii! operis in diebus festis fa-
ciant, et si iiorum quisquam traiisgressus fuerit, statim presbytero
adnuntient. similiter et de luxuria et omni opere pravo.
*•) vgl. z. b. dea sermo 277 bei Augustiuus (opp. Antwerp.
1700. 5, T78b.)
ECBASIS. 295
tung verwlckelii zwei in einander gefiigle fabeln ; es
wiirde niiihe kosten , oline die beigesetzten namen der
redenden *) deni weclisel des gesprachs zu folgen. zur
iibersicht gebe ich hier einen auszug des ganzen.
Als iui friihling des jahrs 812 alle hirlen und heer-
den des Wasgaus frohlicli auf die weide auszogen , blieb
ein nocli saugendes kalb angebunden im slall daheini.
es wiire gern seiner niullcr nachges[)rungen. mil lecken
inid kauen niaclite es sich eudlich der fessel los , und
eille nun auch zuin gefilde.
Ks geraih aber in einen dichten wald , und wer
ihm begegnet ist ein geislliche lieder singender wolf.
dieser, froli solcher beute, fiihrt den gezwungnen gast
seiner hole zu. seit drei monalen hatte er kein siifses
Ileisch, keinen blutigen becher gekoslet, und den leib
kasteit durch nionchische speise: jetzt solle das opfer
fallen. Das kalb erkenut die schuld seiner flucht, neht
aber um aufschub der hinrichtung, bis morgen messe
gesungen werde ; konig Heinrich habe frieden im lande
gebotcn. Der wolf gewiihrt die frist;^ unterdessen moge
es essen , was sein monclishauslialt biete, und die aus-
gesandlen diencr heimbringen.
Beim anbrucli dcr uacht langen dlese an, die ot-
tcr mit fischen, mit geniiise und obst der Igel. da fuhrt
der wolf wieder klagen iiber seit nun bald acht jah-
ren **) genossene monchskost ; jetzt altere er und wolle
nach seinem tod den treuen dienstmannen , dem igel die
felsenhole , der oller den fischreichen bach hinterlassen.
AIs die diener das kalb gewahren, wundert sie des
•) im Ruodlieb gescliielit diese beifiigiing nur einmal s. 166;
im AValtiiarius ware den e. 86. 87 besproclinen etellen dadurcli
sehr geliolfen.
•*) 182, vgl. 298. 387; vorlier aber 112 war blofs die rede
vom dritten monat.
296 E C B A S I S.
fremden gasles. der wolf erklart seliie absiclit es iiior-
gen zu verzeliren und empfielilt ilinen waclisanikeil, dafs
es niclil entwisclie. llierauf lialt der igel den eingang
der liijle beselzt und singl ein lied von den tlialen des
■vvolfs; wabrend dieser in schlaf fallt, labt die gulniu-
tige ottcr das kalb mit speise und trostendem zusprucli.
iintcr dem esscn wird die 'reparalio lapsi' gelesen und
gebetet.
Nach mitlernaclit scbreckt den wolf ein traumge-
slcbt, das er seinen leulen erzablt: kiifer, -\vespcn, lh'e-
gen, ziimal zwei liornisse umflogen ibn, das kalb stand
daneben , und ein kiutscbreiender fucbs. dessen ge-
scbrei wiinscbt er sicb gedeutet. Sogleicb ist die olter
zur auslegimg erbolig: iiber ibm scbwebe todesgefalir,
wo er nicbt das gefangue kalb ledige, unter den iliegen
seien die wilden tbiere gemeint, uuter dem slacbel der
wespe der bittere tod , imler den bornissen die eltern
des kalbs, deren burner *) ibn durcbbobren w^erden.
der fucbs aber jubele.
Dieser traumdeutung mag der wolf nicbt folgen ;
selbst wenn ibm Heinricb, sein gonner, fiinfbundert
scbweine und ebensoviel geniastete kalber geben wolle,
diirfe das kalb nicbt ungestraft bleiben, welcbes ilun
nocli die iiberbleibsel seines niabls verlban babe. Er
beifst seinen erzcaplan , kammerer, kiicbenmeister , lat-
geber und ricbter (alle diese amler vereiuigte der igel
*n sicb) , am friiben morgen den gefangneii zu todten,
allein weder zu zersliicken nocb zu braten, er will das
siifse fleiscb ganz friscb genielsen. llierauf sctzt er in
mebrern versen die bobnen berab, durcb deren lange
kost sein leib gescbwacbt worden-sei; solcli geniiise
tauge barbariscben Franken, er wolle zur allen sitle
*) 245. 1163; fulirte das hom der riiider auf hornuz?
E C B A S I S. 297
des kraflvevleihenden fleisclres wiederkeliren , iind ge-
siinden. Vergeblicli warnt die olter vor diesem greuel
iind vor der veraclilung des lieillgen monchlliunis.
Miltlervveile ist dem rinderhirlen durch der kuh
und des ochsen gebriill die abvvesculieit des kalbs kund
gevvorden. Da nahel ein spiirhund des Vosagus mit
der niehlung, in einer rauberhule des gebirgs habe er
geslern abend liirm vernommen, dort sei zu suchen.
Alsogleich maclieu sicli haufen, an ihrcr spilze der briii-
lende stier, daliin auf, und behTgern die burg. Schlaf-
trunkcn sammelt der \\o\i seine streiter zur vertlieidi-
gung. beide dienstmannen versichern iiin iinerschiilter-
licher treue, wiinschen aber bei dieser veranlassung den
iirsprung seiner feindschaft niil dem fuchs zu vernelimen.
llir lierr, der ^volf, ist dazu bereit und erzahlt
ihnen den liergaiig der lange nach. hier beginut die
andere, den grofsten theil des gedichts (392-1095) fiil-
lende fabel, nur einmal durch vvechselrede des wolfs und
der olter (1010-1015) kurz unlerbrochen.
JJer luNve liegt krank im wald. an alle thiere er-
geht gcbot, der hole ihres konigs zu nahen uiid Iieil-
mittel zu bringen. des wolfs grofsvater, als ernaunter
kammerer, beaufsichlet, ob auch alle erscheinen, blofs
der kluge fuchs bleibt mit seiner arznei aus, und das
wird des konigs ohren nicht unvermeldet gelassen , der
ihn zu fahen und zu zerreifsen befiehlt. der vvolf sinnt
auf qualen und lafst eiiien hohen galgen errichten.
Den einzigen pardcr kiimmcrt dies vcrfahren, und
er macht sich auf, seinen mitbruder zu holen. nach
weiter reise trift er ihn , wird von dem fuchs gespeist
und niit trierischem vveine bewirlet. dann verrichten
beide ihr andiichtiges gebet und trelen den vveg nach
hof an.
Bei der hole angelangt liifst gleichvvol der fuchs
298 E C B A S I S.
den parcler unler einer nalien eiclie '■'), iind gelit selbst,
niclit ohne ziUern, iinler die aiigen des konigs. dieser
forsclite sogleicli nach der iirsaclie des ausbleibens. *als
das wasserluin ,' versetzte der fuchs , 'voni see Genesa-
rel lllegend niich erblickte , gab es niir die arznei an,
die ich nacli Bourdeaux eilend dem kranken konig hin-
terbringen sollle; als pilgrini ^vallte ich iiber Roin an
die ulor des Po , bei Pavia stiels ich auf den langge-
schnabellen storcli , der niir traurig dasselbe heihniltel
>viederholle und nur hinzufiigte, dafs aucli der beistand
des heiligen Aper angeilelit -werden niiisse.' 'iibel beriich-
tigt ist dein leben ,' ant^vorlete der kiinig, Sver niag dir
trauen?' 'deinelwegen habe ich die weile \\e\i durch-
■wandert, ich bin alt und greis, wie sollte ich teuschen?
der ganze hof urlheile iiber niich , werde ich des todes
schuldig befunden, so unteiliege ich deni recht.' Alle
pilichlelen geriihrt dieser rede bei, des liiwen zorn siinf-
tigte sich , uud zum zeichen des friedens beriihrte der
fuchs den koniglichen zepter.
Nun begehrte der lowe das heilmiltel des vrasser-
huns zu erfahren. 'icli niuis es', versetzte der fuchs,
'auch gegen nieinen vvillen oiTenbaren : der wolf , niein
pathe, werde von dem baren und beiden liichsen vor
die thiire der pfalz gefuhrt, daniit nicht erbarmen die
seele des konigs riilire , und schnell seiner liaut ent-
bloist ; dann reibe ich das nwtgebrachte gehirn eines
indischen fisches auf dem riicken und den lenden des
siechen ein und schlage die frische wolfshaut iiber; die
■warme des pelzes wird das heifse iieber herausziehen.'
Unverziiglich genehmigt der lciwe diese vorschrift, den
besliirzlen wolf fiihren bar und liichse hinaus , und
*) 431. 435 dunkel; warum verelirt hier der fuclis, deii man
doch unler regina zu verstehn liat, seiuem reisegefdlirten ueuu
scLilliiige goldes?
E C B A S I S. 299
slreifen ihm die Iiaut von der sclniller an viber den
ganzen leib ab, so dafs sie niir noch aii kopf und fiifsen
haften bleibt. Der sieche ^vird eingerieben , mit der
liaut iimgiirlet iind er\varnit.
Der arzt silzt neben deni kranken, lafst sicli einen
labelrunk reichen und ladelt dann das ungcreclite iiber
ihn gefjillle uitheil ; ^unler allen tliieren sei er zuletzt
an hof erschicnen, habe abcr auch niclir als alle ge-
leislel. Die ganze versanilung riihmt iim und erweist
ihm ehre. Der fuchs lafst den loNven zu betl brlngen
und veiordnet einfache moncliskost ; der kOnig hinge-
gen verleiht ihm den slab (geslamen sceptri 560) und
unbeschrankte liofgewalt. Alle sollen auf sein wort
gehorchen, wie auf das des konigs.
Der neue graf des kOniglichen hauses (domus co-
mes 565) iibertragt seinerseils dem leoparden, sorge auf
speise und getrank zu haben , iind den iibrigen haus-
lialt zu orduen. namentlich befiehlt er, diirres holz aus
dem walde zu holen , damit kein rauch gewander und
teppiche verderbe , die liiile zu kehren und mit \volrie-
cbeiiden blumen zu beslreuen , auch wachskerzen auf
die tisclie zu slellen. iiber tafel solle das cinhorn mit
seinem gesang die gaste erheilern , der konig aber nacli
eingenommner arznei sich an den duftenden kraulern
imd der murmelnden cjuelle des garlens ergolzen, wah-
rend haus und belle geliiflet ^verde.
Der leopard legt bille ein fiir das hungernde und
diirstende liofgesinde, worauf geslaltet wird , dafs es
sich niil wein erquicke. Vom leopard werden nun alle
ihiere zusammen berufen und jeder in sein geschiift
gewiesen : der biir soll holz, das kamel kleider, die ot-
ter brunnenwasser, der biber das iibrige wasser Iragen,
der tiger fiir brot sorgen, der schwarze elefant fiir zu-
bereilung der fiscbe und vcigel ; der leopard selbst ist
300 E C B A S 1 S.
Iruclisefs, cler liirsch schenk. der eber Ihiirhiiler. die-
ser verlangt sich dos cichhorn beigegebcn, das eine liohe
biiclie besleigen iiiid nahende feiiide erspahen soll, wie
er sie niit deni gerucli willern ^vilh hichs und genisc
liaben waclie beim honig, die nieerkalze sleht dem belt-
Avcrk vor , der aife den leuchlern ; der stachlichle igel
soll apfel hcrbeischalfen und siiiiger sein, das eichhorn
eichehi uiid niisse brechen. (IMan erinnere sich dcr an-
derwiirls uulcr die thiere ausgelheillen geschafte, Reinh.
CCXVIII. CCXCI.)
Jetzt erhebt sich heftiger wortwechsel zwischen
leopard und igel, dessen slolz sicli durch das ihm er-
tlieihe amt beleidlgt fiihlt. obschon klein sei er khig
und niachtig, er zahh ahnen und ^viirden auf und schil-
dert seine burgfesle , vvelcher Conrads schlosser niclit
das vvasser reicheu , diese burg , vvenn ihn der leopard
uicht weiter zu knechlischem dienst drauge , vvolle er
seinen (des leopards) kindern durch fdrmliche urkunde
abtreten , denu unertraglich sei ihm iu langer knecht-
schaft die ermel zu zerreifsen. Diese vvorte niiiimt der
truchsefs hochfahrend auf uiid befiehlt den igel in die
kiiche abzugeben, vvo er braten drehen und schiisselgespiil
trinkeu soll : so werde iibermiitiges gesinde zurecht gebracht.
Der igel niufs sich seiuem harten geschicke fiigeu.
Nuu gibt fuchs, vvelcher des leopards verfahren gut
geheifsen hat, vveiter zu erkenneji, der konig vviinsche
in seine gegenwart einen auserwahltea brudcr, der
psalmen und geistliche lieder zu singen wisse; hierfiir
scheiue keiner geschickter als der parder. in dieser an-
sicht stiinmt ihm unter schmeicheleieu und freundschafts-
versicheruugen der leopard vollig bei.
Nachdem sich der konig aus dem belte erhoben
hat , fordert er starken auslandischen wein ; doch wird
ilun vom fuchs nur trierischer. bewilli^t, AIs der lowe
ECBASIS. 301
nacli dern abwesenden parder fragt, riiluiicn dcssen
tugenden fuclis und leopard , uud der fuclis enlfernl
sicli , lun ihn bei der eicbe abzurufen. unler dessen
aufsert der lowe die gLinsligslc meinung von deni par-
der, den er alsbald neben sicb kronen lassen wollc.
Der fucbs begriifsl dcn parder, welcber die zeil
iiber psabnen fiir ibn gebetet liatle, dafs er den slricken
seiner felnde enlgebn nioge. beide singen xnid belen
iiocb zusammen, und begeben sicb dann an bof, wo sie
ebrenvoll empfangen werden. der parder enipfiingt ko-
niglicbe salbung und wird vom lowen adoptiert ; beide
sitzen neben einandcr zur tafel auf erliabnen sliilen, die
der fucbs lacbelnd stellt. gesang des einliorns, weiu-
trunk iHid feierlicbes gebet.
Nun fragt der konig aucli den pardcr iiber sein
langes ansbleiben. dleser gibt vor, er liabe ein niillel
fiir die scblaflosigkeit des kranken aufgesucbt und gliick-
licberweise gefunden. es sind zwei siifssingende vogel,
amsel uud nacbtigall. Sogleicb wird der fuclis (prac-
ses 816) entsandt, die vogel herzuliolen. Sic- Jangen aa
iind singen lieilige lieder, dafs der ganze liof slaunt.
Es folgt ein gespracb zwiscben nacliligall und par-
der, dem nicbt alle umstande der heiligen gescbiclile in
lebendigem gcdacblnis sind. der vogel belehrt ilin iiber
die vergaiiglicbkcit des irdisclien und iiber die hinini-
liscbe beimat. dann fiilirt die nacbtigall fort die lci-
densgescbichte zu singen (849 - 924).
Tbranenbenetzt und slaubbesprengt fliegen die
beideu sanger zur Gironde , um sicli rein zu baden ;
dann kebren sie an den hof der thiere zuriick, uud
sitzen auf einer boben bucbe nieder, sich zu souuea
uud ibre federn zu orduen.
Da nahen sicb ibnen sitticb und scbwan , nach des
krankeu kouigs belinden forschend. eingeladen, ihre
302 E C B A S I S.
stiinmen aucli vor beideii konigen horen zu lassen, slnd
sie bereit dazu, imd die anisel stellt dem parder die
neuen gaste vor. Der sittich sagt, in weiter ferne sei
kunde der krankheit erscliollen und alsogleich der v\'eg
von ihnen durch die liifte eingesclilagen worden ; da
habe eine wolke ihren pfad verhiillt, bis sie iu dunk-
ler nacht ani geriiusche des nietlengesangs zur feier des
Severinusfestes *) erkannt, dafs sie iiber Bourdeaux
geschwebt; mit tages anbruch seien sie hier auf beide
schwestern (nachtigall und amsel) gestofsen und nun am
ziel ihrer wanderung.
Alle vier vogel singen vor den konigen lieder zum
preise des osterfestes. der sittich fragt, ob die flasche
gebrochen sei , dafs ihin kein wein gereicht werde? als
der konig auch von ihin ein lieilmillel wissen will, rath
er frohliches sorgenfreies leben an. (es scheint, dafs
uun gezecht wurde, was im gedicht nicht ausge-
driickt ist.)
Vom wein erwarmt riihmt der lowe die klugen
dienstieistungen des fuchses und empfiehlt seinem ihron-
folger diesen treuen freund fest zu lialten. Das gclilaue
thier macht niedergeschlagne mienen und wird aufge-
fordert, was ihni anliege zu entdecken. 'es gibt pinp
waldhole auf eines liohen berges gipfel, die bitte ich in
fOrnilicher urkunde mir zu gewahren.' beide konige
verwilligen ihm die burg unter zuziehung von zeugen,
*Das ist,' unterbricht der wolf den faden seinep
erzahlung, 'die hole worin wir uns jelzt befinden. sie
wurde den fiichsen von unserm geschlecht genommen,
um der iibelthat willen , die jener an meinem grofsva-
ter veriibte.' Darauf fahrt er weiter fort.
Der parder gibt dem fuchs befehle iiber die be-
♦) Severinus, episcopus burdegalensis. acta sanctor. 23 oct.
ECBASIS. 303
slellung des gaslmalsj auch die knechte solleu sich zum
esseii lageni.
Nach aufgeliobner lafel eischeiuen alle thiere vor
der hole, der sillich Iragt bille um enllassuiig vor, nun
dankt ihuen der kiinig und liist die versammlung auf,
die sich in den wald zerstreut.
Da slofst die frohe schar auf den wunden vvolf,
uud spottet sein.
Der sittich weigert sich gaben des konigs anzu-
nehmen iind ertheilt ilim zu guter letzt fromme ermah-
nung iiber die nichtigkeit weltlicher giiter. Der lowe
erbillet seinen rath , wie ilim schlaf zu iheil werden
moge? das reich woUe er dem parder abtreten. jener
fordert die nachtigall auf, den ktinig in schlaf zu singen.
AIs er entschlunimert ist, urtheilt der fuchs, dieser
schlaf werde drei tage auhalten, auch die gaste mogen
der ruhe pflegen.
Nach verlauf dreier tage erwaclil der kiinig und
niacht sich auf iu den Schvvarzwaia nacli i!\l??ii»a»."ien j
seine ganze hofhaltung nimmt der parder in besiu. iibep
die Nordmannen herscht der schvvan , iiber die Inder
der sittich; die vogel (nachligall und amsel) belialt der
parder im westlichen reich.
Nun wandert auch der fuchs erst hin zum wolf,
dem er eine schimplliche grabschrift schreibt ; dann zur
burg , die ihm von dem leopard, als koniglichem b^-
voUmachtigten, formllch iibergeben wird (1095.)
xliermit schliefst der wolf seine erziihlung, und das
gedicht wendet sich wieder zur ersten fabel. Die ot-
ter besteigt eiuen hiigel , zu schauen was die belagerer
unternehmeu ; sie sieht den fuchs seiue verbriefung iiber
die burg vorvveisen und liort den haufen lautes geschrei
anstimmen : 'des konigs geheifs diirfe nicht ungerochea
verlelzt werden, der wolf gerechler strafe nicht eut-
304 E C B A S I S.
gelin !' Geschreckl diiicli diese reden kehrt dle oller
in die burg zuriick, verkiindet sie ilireni lierrn und
erniahnt ihn noclinials zur lierausgabe des kalbs.
Der wolf wcigert , iind bleibt unerschiittert. da
lafst die otter furclilsain sich voni hiigel herab und ent-
rinnt in den llufs, auch der igel birgt sich in eine
steinschlucht.
Das belagernde heer stiirnil, der fuchs aber ver-
sucht eine list , um den wolf aus der burg zu locken.
er ruft ihn schmeichelnd an, seine schonheit, tapferkeit
und herkunft preisend; kein andrer thue es ihm gleich,
iu der reihe der konige folge er auf Cuouo, er nioge
heraussteigen und seine edle gestalt zeigen !
Er liifst sich bethoren. Indem er aufstelgt, lost ein
slrafwiirdiger knecht dem gefangnen kalb deu riegel,
das sogleich heraus springt und zur geliebteu nnitter
lauft. Der wolf wlrd vom stier nieder gestofsen; froh-
lockend spricht Ihm der fuchs elne grabschrlft, nimmt
seine valerliclie biirg •vvieder In besilz, uud redet worle
der ermahnung zu seinen gefahrlen *).
Auf dem heimweg will die multer von dem kinde
horen, wle es ihm ergangen sei bel dem wiiterich?
Das kalb lehnt genauen bericht ab, riihmt aber die
freundllche otter, im gegensalz zum Igel, dem hen-
kersknecht.
^ach dleser darlegung des Inhalts wird sich eln
urtheil iiber den werth des gediclits , und zwar, was
hier hauplriicksicht sein mufs, fiir dle deutsche thierfa-
lel, ergebeu. Wenn es , wie mlr scheint , wirkllch im
zehnten jh, entspruugen ist, so hat sich In ihm dle
*) bemerkenswerth der ertheilte rath, gefangne streng zu be-
handeln (1178-1188.)
E C B A S I S. 305
alteste bearbeitung dersell)en iiberhaupt erhalleii. es
geht dem Isengrimus fast um zweihuudert jahre, dem
Reinardus um diese voUe zeit *) voraus. zwar ist es
ungefahr nur funfzig jahre friiher geschrieben, als die
iiachricht von der hofhallung des baren bei Fiomund **)
aber diese erfolgt auch ganz beilaufig und unausfiihr-
lich. Hatte der bairische mcinch, was ihm davon bekannt
war, in der weise des Ruodlieb gedichlet, wiirde man
dem lothriugischen seine arbeit gerne schenken.
Dieser hat wenigstens aus der volksiiberlieferung
eine sage aufgefafst, die schon damals einen millelpunct
iii dem thierepos bildete, auch in den folgenden jahr-
hunderlen als solcher sich behauptele: die erzahlung
von der lieihmg des kunlgs durch die wulfsliaut. Sie be-
ginnt ebenwol den lateinischen Isengrimus, ninunt im
Reinardus ihre slelle ein , entfallet sich aber im deut-
echeii Reinhart viel vollslandiger uud bedeutsamer. im
fi"anz6sischen Renart trilt sie schon zuriick , noch mehr
ini Reinaerl ''=**). Sichtbar lieben die sj)ateren dichlun-
gen eine andre , gleichgriindliche sage, den gericJilshan-
del zwischen wolf und fuchs, hervor, und des kran-
ken konigs geschieht blofs nebenbei erwahnung. es ist
dann eine friihere geschichte, die sich nicht unter den
auftretenden thieren , sondern schon unter ihreu vor-
fahren zugelragen hat. diese ansicht liifst sich selbst
beim verfasser der ecbasis nachweisen, der um die fa-
bel von dem kranken konig noch ein andres, aber
wenig anzieheudes gewebe zu ziehen sucht.
*) an den friiben ursprung des lat. Reinardus glaubt , aufser
dem lierausgeber, nieniand. wie verscliieden klingen aucli die
disticlien des zwoiften jli. von den leoninisclien versen des zelinten.
*') Reiiiliart LI, vgl. oben s.226.
"•) Reinliart CXXXI. CLllI.
20
H()« E C B A S 1 S.
Beide niillelpuncle des epos , \oni kvanken lowen
soNVol als voni gericld zivisclien tvulf luul fiichs, sclieinen
n)ir iiidculsch und iincrborgt ; liir lelzleren , gar nicht
in ausNviirtiger quelle auffindiichen , niuls es vou selbst
zugeslandeii 'Nverden. die erste sage ist iieilich iiso-
pisch *) , hat aber iu unsrer auffassung einige grund-
ziige verschiedeUj iini derenlwilleu entlehnung geleugnet
werden darf. In der griechischeu niythe bleibt der ge-
tchundne wolf lodt liegen ; dle deutsclien sagen lassen
zu deni wunden noch seine feinde lieten , deren hohu
er vernelinien niuis ; in vieleu erzahlungen koninit er
mit deni lebeu davon iind besteht neue abenteuer. liier
iu der ecbasis uaht ihni erst die heiniziehende thier-
versamlung (1042-1052), zuletzt sein hauptfeind der
fuchs (1078-1093), desseu 'vermibus et vespis optabiHs
esca jacebis' stinimt zu dem *vespae et crabroues coe-
perunt comedere carnes suas ac aculeis stimulare' einer
exlravagante. **) zumeisl ausgeliilirt sind die spottre-
deu iu dem jiiugeren gedicht vom kranken loweu. '='**)
der monch des 10 jh. erklart sich nicht deutlich genug,
ob der fuchs die huhnische grabschrift deni sterbenden
oder dem todlen selzt';* vgl. 744 jacet furcifer. Etwas an-
deres alleii erzahlungen der deutschen sage gemeinschaflli-
ches ist die ausfiihrung von der pilgrirnschaft des fuchses,
um die arznei herbeizuholen. da vverden spiiler Salerno
nnd Montpellier, ja Paris eingeschallet, wovou der alte
lateinische dichter uoch nichts vveiis, der hingegeu frenide
seevogel mit ins spiel briugt , uud den gesang der nach-
tigall und amsel fiir den schlaf des kranken einfiihrt.
Die geschilderten reisewege iiber Kom und Pavia nach
Bordeaux gemahnen an Rom, Salerno, Moriane, Lom-
bardei uud Toscaua im frauzosischeu gedicht. ***) der
*) Reiuliart CCLX. ") das. s. 426. 427,
"•) (ias. s. 439. 440.
B C B A S I S. 307
zug, dafs eine ^volke den flicgenden vogelu den -weg
verdeckt, uud sie das ziel ibrer reise erst am feierli-
chen meHeugeliiute erkeuneu, scheiut gut und echt. von
dem mijncli sind gewis eine menge der besten unislaude
unterdriickt vverdeu , die ihm allenlhalbeu die iiberlie-
ferung an haud gab.
Es ist betriibt, dafs uns diese fabel des zehnlen jh.
keineu einzigen jener characteristischen thieruamen dar-
bietet, die fiir geschichle und verbreitung der sage so
"wichtig siud, uud, wie ich es mir vorstelle , nicht nur
damals sonderu viel friilier bereils vorhandeu vvaren.
Sie hai aber auch uirgeuds andere poeiische eigenna-
men , ich glaube dafs der verfasser dergleicheu absicht-
lich zuriick wies. ein einzignial scheint er eine solche
benennung auzugebeu , weuu er gauz zuletzt uoch (1209.
1210) beibringt, dafs die otter 'famoso nomine' geheifsen
werde 'attrectans amnes' (im llufs patschend) und ^piscosi
gurgitis heres.' SoUte nicht auch den gefundnen siun
vou Reginhart bestaligen , dafs 620 die worte : 'cunsi-
lium melius proavorum non dedit ullus' in des fuclises
muud gelegt sind? er weifs es , dafs seine vorfahren
vou je rathgeber des konigs waren. Noch audere kleiue
ziige stimmen zur jiingeren thierfabel und bezeugen alte
grundiage. so ist das venvandtschaftsy er\\a.\\.ni& zwischen
wolf und fuchs, das miJnchthum **) fiir beide thiere,
schon vollig anerkannt, jener heilst patrinus (496), pa-
truus (1143), die vulpes aber neptis (1091.) der wolf
wird dargeslellt als vvaldmann , furstrarius (97), d. i.
hijlziug, silvigena (Reinh. LV), als aller greis, senex
•) Reiuhart CXXXII.
•*) die bislier friiliste spur dieser vorstelluiig im luparius (Reinli.
CXCl) wird also jetzt uni ein jalirliundert uberboten , uiid warum
sollte sie uiclit nocli alter sein? den iuparius mag Marbod (7 1123)
gediclitet liabeu (Endliclier codd. vlndob. I, 171.)
20 *
308 E C B A S I S.
(188) und vwnachus (98. 185. 302. 305. 318), darum
aucli maghter (181), wahrend seln dieiier , die olter,
discipulus {li 34) genannt ist. seine bose nalur driicken
aus kgiiupis (196), furcifer (744), pravus praedo (1165),
Herodes (1216); auf seine felsenburg bezielien sich do-
minus cai'eae (135), speluncae dominus (228.) Den fuchs
redet der lowe an : belua mulorum capitum (440) *) ; gut
lieifst es auch 'vulpes caudani versula regiral' (756.) iu
beiwortern komnit vor : vulpes sensata (994), <>ersuta
(1002), suhdoJa (1008), olympica (486), monastica (423);
einnial ist er aucli regina (434) genannt, wie der Nvolf
vom armen kalb magnorum maxlme regum ! augeredet
wird (130.) Die fabel berlchlet, dafs dem fuchs fiir
die heilung des konigs eine burg verliehen ward, in
welclier forlan sein geschleclit liaust (1006-1008.
1171); elne zeitlang aber war er durch den wolf
daraus verlrieben , sle musle belagert und wieder ein-
genommen werden. kein name der burg erhellt, sie
lag im Vosagus auf elnem berggipfel. ist es , wie man
nach V.200 und 1006 mutmafsen darf, der Im Waltharius
beschriebue Framuni (s. 123. 124), so kcinnte auch
diesem die in der spiiteren thlerfabel erhaltne beiien-
nung Ubellocli, Mauperiuis zugestanden liaben, die gleich-
wol in manche andere gegend verriickt werden niochte.
Diese spalern sagen erziihlen niclit mehr, wle der fuchs
die burg erwarb, sie lassen ihm fiir den verrath des
wolfs blofs durch ehren und hofiimter lohuen.
Als konig der thlere gill der liiwe und niclit melir,
wle bei Fromund, der bar; in Baieru war die echte
fabel weniger zuriickgetreten als In Lothringen; der
bar (der brummende , nalivo miu-mure notus? 508)
erscheiut , wie in spateren sagen, am hofe des ku-
*) brauciit Asop vom fuchs eiiimal nohiy.f^cJ.oi?
E C B A S I S. 309
nigs, bei der schindung des Nvolfs. einnial ^vird dcr
liiwe paierl angeredet (748); das ferox (392) koiuite
mau anf ilin eigenlliiiinlich ziehen , wie Isengr. II. *)
Die thierversanihiiig heifst conventiis sibkolarum (4931)
iind die wohnung des lciwen findet sich aiich hier in
einer hole (947). ]Merkwiirdig aber, dafs wiederum eiu
gegensatz durclibricht zwischcn vornehmeren , feinercn
thieren, iind roheren , vvilderen. **) letzlere verlegt
der dicliter, gleich den spatercn bearbeitern der thier-
fabel , in rauhe deulsclie gegend , nainentlich liausl der
■Nvolf im Wasgenwald und schill seinerseits die Franken
barbaren (284) ***), die vosagina canis (329) heifst barharus
liospes (343.) die pfalz des lowen liegt bei Bourdeaux
^455. 960) an der Gironde (927), im warmen Siiden
oder TVesten, wie man sicli das vorstellcn will. daruni
schon niusle der iingeschlachte biir vom konigtlium
ausgeschlosseu sein. doch als der alte kiinig abdankt,
zielit er iiber den Rlieiu iu deu Sclnvarzwald (1073),
gleichsam seiue rechte heimat, zuriick , und der junge
konig wendet sich iu partes occiduos, auf entgegenge-
setzter seite. INIan darf hier auch den iinterschicd zwi-
sclien Austrasien, Westrien und Neustrien (Neuweslrien)
fiuden; die altere tliiersage schob ilire kiinigspfalz in
das fernere Westreich , die spJitere wieder mehr ins
nordliche Frankreich , nach IMonleon ■{-) , das ihr wie
Lowenberg klang.
Eigenlhiimlich dem gedicht ist das verhaltnis des
pnrdus zum fuchs wie zum konig. bci jenem splelt er
ganz die roUe des Ireuen freundes, welche die jiinge-
♦) Reinh. CCXXXil. *•) das. LXXIX.
***) aucli sonst lieifst der Francus ferus (Pertz 2, 4T3) wie
fcrox , was wir oben s. 86 ilini \\ie dcm Sailisen beigelegt salien.
barharus Gernianicus (Pertz 1, 228, 267. 2, 3. 57. 98.)
f) Reinhart CXLII.
310 ECBASIS.
ren fabeln dem daclis anweisen: er niaclit sich aiif , deu
angeklaglen fnclis lierbeizuholen , findet ilin nnd wird
von ihm bewirtet (417), beide freunde trelen dann
iiuler gebeten die gefahrliclie hofreise an. Vielleicht
setzte der monch den nanien pardus an die stelle eines
bekannteren , einheimischen tliiers; wie sich in den lo-
wen der deutsche biir umwandelte , muste es in den
parder der dachs oder hiclis. denn ich finde in alid.
glossen luhs fiir pardus oder panthera (Diut. 2, 192.
GralT 2, 163) und der luchs ist beiden , dem fuchs und
wolf, befreundet. *) inzwischen tritt auch ein lynx am
liofe auf (507), also vom pardus unterscliieden. Deii
pardus weifs nun der fuchs mit hilfe des leopards (liin-
ter welchem wieder ein andres thier stecken nuifs) **)
dem konig als fromm und weise "*"**) so zu empfelilen,
dafs ihn dieser an sohnes statt annimmt und ilim zu-
letzt das reich iiberlafst. einzehie beweggriinde bleiben
aber dabei im dunkel, namenllich, warum der parder,
nach der ankuuft bei der eiche liegen nuifs, und warum
er vom fuchs gold erhUlt? das nahm der verfasser aus
der sage, liefs es aber unentwickelt. Beide konige,
lowe und parder, herschen eine zeitlang gemeiuschaft-
lich, die burgverleihung an den fuchs wird von beiden
ausgefertigt. INIan kbnnte hier anspieUing auf zwei ne-
beneinander regierende frankisclie konige verimiten;
icli wiisle sie so wenig als die nachher eintretende be-
schrankung des luwen auf Alemaniiien aus der geschichte
zu deuten.
*) Reinh. XXIV. XXV.
*') iii glosseii wird pardus aiicli durcli liebart verdentsclit (su-
nierlat. 12, 56. Graff 2, 80) uiid der leopard sciieint dcm tliron
gleiclifalls nalier zu stehn : 'scaiido si solium' (694.)
***') dennoch gibt der parder der naclitigall in der heiligen
geschichte Mofsen.
ECBASIS. 311
Otier und igel, iu der spatereii ihierfabel fast ver-
gessen , treten im alten gedicht ziemllch liervor. lufer
wird als getreu , fronim und gulwillig (carus, placidus
175) geschildert , ericius als stolz und busarlig (vafer
1219.) von jeiies beneniinng ^var vorliin die rede (.«.
307.) auch ridiculus ist gebraucht (1213) und discipuhis
(1138) gegeniiber dem niagisler wolf. der igel heifst
'spinoso vellere sutus (17,5), 'perplexo vellere sulus'
(265), auch einmal 'armiger, clavata sindone tectus'
(206) ; icli verslehe nicht warum von ihm gesagl wird :
indumenla novis texebat plumea teb's' (267)? er webt
neue federkleider. den hiibsclien , in der natiirge-
scliiclite gegriindeten zug , dafs er apfel aufziistacliehi
und heranzutragen versleht (658) , berichten schon die
alten. er wird als zcverg dargeslellt (nanus 266) *), aber
auch als waffentrager, meislerkocli, ricliter, priester und
sanger, kurz als faclotum des wolfs inderhole. kuiule
des gesangs scheint ihm ironisth beigelegt (658), da er
dem lied und der musik abhold scin soll (207) und
den ruhm des wolfs nur ungeschickt zu besiugen ver-
mag. Dieser igel der wolfshole kann aber blofs iinch-
komme eines alteren am hofe des kranken luwen sein,
welchen der leopard so gewallig demiiligt. er weigert
sich dort des apfelholens und sangeramts , obschon diese
geschafte nicht knechlisclier siiid als was den iibrigen
thieren aufgetragen wird , und verheifst dem truclisefs
seine feste burg *"'), wenn er ihn der schmach erlassc.
Dies liat der verfasser wieder nicht ersonnen , walir-
scheinlich aber schlecht und ungenau erzahlt. des igcls
feste legt er nach Lothringen (s. 289) und doch gihl
*) man erinnere sicli dos kinderniarclicns ' Hans mein igel'
(n. 108.)
") wie die anieise dem fiiclis ilire liuigcn Itietet (Reiiiii. 2(itil.)
312 ECBASIS.
sich das tliier fiir ilalienisclier abkunft aus (675); sollle
aiif einen welschen vornehmen angespielt sein , welchen
der deutsche kunig geslraft hatle? Thasselgart ein rau-
ber, den der salisclie Conrad im j. 1027 aufkniipfen
liefs *), ist mir aus zu junger zeit. noch ■sveniger denke
jch an Gottfried den biirtigen von Lothringen , dessen
demiitigung durch Heinricli 3 vorliin (s. 290) erwahnt
wurde. Die bosheit des igels war "damals allgemein
geglaubt: 'per ericium malitiosi designantur' gl. Jun.4O0.
Ungewohnlich scheint die vorstellung einer jung-
fraulichen unicornis (586. 599. 790), die am hofe mit
siifser stimme vorsingt. denn die physiologen des nu*t-
telalters erzalilen sonst, dafs das einhorn (unicornuus,
nionoceros , ahd. einhurno masc.) im schofs einer jung-
frau schlafend gefangen wurde (Parz. 482, 25), nicht
aber schildern sie es selbst als jungfrau.
Diesen gewinn etwa fiir auflielUing des altdeutsclien
thierepos wirft die ecbasis ab. er ist niclit ansehnh'ch,
doch immer aufhebens werlh. ich liabe mit fleifs die
ersle fabel , in deren rahmen der verfasser eine eclile
und alte iiberlieferung spannt , gar nicht in anschlag
gebracht, aufser fiir einzelne nebenziige. Denn dafs
eiu saugekalb aus dem slall seiner mutter nachlauft,
von dem wolf aufgefangen wird und gefressen werden
soll , zuletzt aber durch die einnalime der wolfsburg
seine freiheit erlangt, ist keiiie walire thierfabel , son-
dern offenbar luir von dem monch , zur figiirlichen dar-
stellung seiiier eignen gefangenschaft und flucht, schlecht
genug erfimden **). hochstens liat er das hin und wieder
mit echtem beiwerk ausgeschmiickt, wozu vielleicht der
Iraum des wolfs gehort, der in andern sagen eizahlt
') ^Vippo p. 473.
**) docli vgl. 72 die scripta praecedeiitia.
ECBASIS. 313
>verden konnte. das besle war, dafs er die erzalilung
von dem kranken lovven dainit verfloclit.
IJberliaupt, von der dichterischen gabe und dem
geschick des tuller dyscolus kann man sich luir einen
geringen begrif machen. War es bei ihm , wie zu
Sanctgallen und Tegernsee , auf metrische iibung abge-
sehn , so ist seine leistung schiilerhafter , und oft ein-
fallig; er verslaiid weder natiirlich zu erzahlen noch
sich mit gewandlheit auszudriicken , doch ist ihm ein-
zelnes besser gerathen, z. b, 661 ff. Zwischen seinen
zeilen glanzen, wie goldfaden in grober leinwand, edle
verse, die aus Horaz abgeschrieben sind, iind gegeii
deren sinn die unpassend eingeflochtenen geistlichen be -
trachtungen und gebete grell abstechen.
Ich stelle hier die lappen zusammen, vs^eil es nutzen
bringen kann, die lesart der dem interpolalor vorgeleg-
nen handschrift zu ersehn. einzelnes hat er freilich
absichtlich gerinderl.
119. Jupiter, ingenles qui das adimisque labores.
serm. II. 3, 288 wo : dolores.
120. Peccalis noctem , '^quin fraudibus obice nubem.
epist. I. 16, 62 wo : noclem p. et fraudibus.
142. Quaecunque immundis fervent allata popinis.
serm. II. 4, 62.
155. Duiu licet, in rebus jocundis vive beatus.
serm. II. 6, 96.
159. Coutinuansque dapes succinclus cuisilat hospes,
160. Fungitur ofiiciis nec non verniliter ipsis.
serm. II. 6, 107 : veluli succinclus cursitat hospes,
Conlinuatque dapes, nec non verniliter ipsis
Fungitur ofliciis.
161. IMuUaque de magna creveruut fragmi«a coena.
serm. II. 6, 104: superessent fercula coena.
162. Q)uae procul iustruclis inculcat habenda cauistris.
314 ECBASIS.
serni. II. 6, 165: exstruclis ineraut heslerna
canistris.
186. Oninia distraclis coemens obsonia gazis.
serni. I. 2, 9 : Oninia conduclis coemens obso-
nia nummis.
207. Nec sludio citharae nec musae deditus iiUi.
serm. II. 3, 105.
214. Ut canis a corio nunquam absterrebitur inicto.
serm. II, 5, 81.
218. Fortiaque adversis opponito pectora rebus.
serm. II. 2, 136.
219. Grala superveniet, quae non sperabitur hora.
epist. I. 4, 14.
227. Post noctem medlam quando sunt somnia vera.
serm. I. 10, 33 Post mediam n. visus, cum s. v.
483. Primo ne niedium, medio ne discrepet imum.
ars poet. 152.
517. Dum licet ac vultum servat fortuna benignam.
epist. I. IJ, 20.
616. . . quamcunque deus tibl forlunaverlt horam.
epist. I. 11, 22.
619. Rusticus urbano quid distet turpis honeslo.
ars poet. 213: urbano confusus.
626. Uncta satls splsso ponuntur oluscula lardo.
serm. II. 6, 64 : pingui ponentur.
632. Jejunus raro stomachus vulgaria teninit.
serm, II. 2, 38.
655. Tincta super lectos candescat veslis eburnos.
serm. II. 6, 103 : canderet.
696. I puer, atque meae citus hunc impone culinae.
serm. I. 10, 92 : I p. a. meo c. haec subscribe
libello.
738 Trevirlci callces quos non fecere loquaces?
episl. I. 5, 19: Fecundi c. queni n. f. diserlum?
E C B A S I S. 315
761. Non missiu'a cutem nisi plena cruoris luruclo.
ars poet. 476,
776. 0 qui coniplexus et gaudia quanla fuerunt.
serni. I. 5, 43.
986. Scrutor raucisona , num sit quoque fracta lageaa
987. Quod mihi poscenli non danlur pocula vinl.
serm. II. 8, 81: Quaerit de pueris, n. s.
q. f. I.
Quod sibi p. n. dentur p.
988. Nam neque divitibus continguut gaudia solls.
epist. I. 17, 9.
990. Nil nisi lene decet vacuis committere venls.
serm. II. 4, 25 : quoniam v. c. v.
Nil nisi lene decet.
992. Oderinit liilarem moesti trlstemqne jocosl.
epist. I. 18, 89 : tristes trislemque.
1017. Ne turpe toral nec sordida mappa
Sordidus aut dapifer nares conruget edentum.
epist. I. 5, 21 ne t. t. ne s. m.
Corruget nares.
1019. IMagna movet stomacho fastidia, seu puer unclis
1020. Tractavit calicem manibus, duni furla ligurrit,
1021. Sive gravis veteri craterae limus adhaesit.
serm. II. 4, 78-80.
1047. Te tua culpa premil. tu , dum tua navis in
alto est,
1048. Hoc age , ne mulala retrorsum te vehat aura.
epist. I. 18, 87. 88: fcrat aura.
1050. Nam semel emissum volat irrevocabile verbimi.
epist. I. 18, 71: Et semel.
1086. Nam neglecla solent incendia sumere vires.
episl. I. 18, 85. Et neglecla.
1088. Nam tua res agilur paries cum proximus ardet.
daselbst 84.
316 ECBASIS.
1118. Et famuli nequani vincli niillanlur Ylerdam.
episl. I. 20, 13:
Aut fugies llticam, aut vinctus mitteris Ilerdam.
1131. Principibus placuisse viris nou ultinia laus est.
epist. I. 17, 35.
1146. Candidus et lalos a vertice pulcher ad imos.
epist. II. 2, 4.
1148. Cerluin cst, ingenuos liabeas ditesque parentes.
serni. 1, 6, 91: Quod non i. liabeat clarosque p.
115 6. ]Mentior at si quid, nierdis caput inquiner albis.
serni. I. 8, 37.
1162. Non semper feriet quodcunque minabilur arcus.
ars poet. 350.
1164. Vulpes liunc geniino collaudat pollice luduin.
epist. I. 18, 66 :
Faulor iitroque tuum laudabit pollice ludum.
1225. Verum operi longo fas est obrepere somnuni.
ars poet. 360.
1228. Iratus pariter, jejunis dentibus acer.
epist. II. 2, 29.
Aufser diesen fast ganz , oder niit geringer abwel-
cbung beibelialtnen zeilen lassen sich noch andere nach-
weisen , in welchen einzelne horazische wendungen und
ausdriicke beibehallen werden , z. b.
123 jam dudum ausculto. serm. II. 7, 1.
156 praelambens omne quod afTert. II, 6, 109 praeli-
bans o. q. a.
217 Pellito nunc vino, nunc curam solvito somno.
carm. I. 7, 31 : nunc vino pellile curas.
725 Dum lupus infestus pecori.
epod. 15, 7: dum pecori lupus . . . infestus.
1029 servum pecus. epist. I. 19, 19.
1154 unus et aller. serin. II. 5, 24.
Iin ganzen 54 eutwendete verse; gerade die zahl der
ECBASIS. 317
vorhin s. 287 bezeiclinelen einschaltlinge. Hat sie niin
Malchiis, nachbessernd , hiiiziigefiigl? oder eiu andrer
iudnch? nian nuJchte sicli /ur lelzlen annahnie nei-
gen , weil der verfasser selbst doch wol den vers 1224,
vvelcher nur 1170 zeilen berechiiel , gelilgt oder abge-
andert haben vviirde : der interpolalor liefs ihn stehii,
iind riickle noch nachher 1125 iind 1228 aus Horaz *},
sanit drei andern versen zuni scldiifs ein. Habe nun
wiiklicli ein unbekannter nachgeholfen, es wird wenig
ursache vorhanden sein diese naclihilfe in ein anderes
als gleichfalls das zehnte jh. zu verlegen. Den Horaz
konnten abfasser und corrector der ecbasis , einer wie
der andere, vor augen gehabt haben **). Deni zusam«
*) diese beiden darf man stren{^gcnommen niclit zu den 1170
zahlen, um 1224 herauszubriiigen ; ich kann leicht zwei andre
dafiir uberselin iiaben.
**) es gebricht noch an genauer nacliweisiing, auf welchen
wegen sich die bekanntsciiaft mit einzelnen lateinischen classikern
in jedem jh. des mittelalters erweiterte. gewisse, wie Virgil, Te-
renz, Lucan u. a. waren von friilie an verbreitet. Horaz drang
seltiier und spater ein. der sangalier Notker Labeo ('f 1022) fiihrt
ilin nie an, so viel ich weifs, jene ofter. docli scheint nacli San-
gallen eine horazisciie handschrift um 965 gelangt (Pertz 2, 125);
bei Conradus de Fabaria, dem spateren forlsetzer der dortigen
casus, werden niehrmals 'versus Oratii' ciliert (Pertz 2, 174. 183),
freiiich ini 13 jh., wo dieser dichter schon einen umfassendereu
kreis gewonncn hatte. er mochte vorziiglich seit deni eilften jli.
haufi;,'er geiesen werden, 'viguit Horatius niagnus' heifst es in
der vita Meinwerci (bischofs von Paderborn 1009-1036) cap. 52.
aber nach der vita sancti "Walae (geschrieben um 851) war ein
Hornz sclion im neunten jli. zu Corvei (Pertz 2, 536) und der
aquitanische Ermoldus Nigellus in seinem 826 gedicliteteii werk
fiihrt 1, 17 den Flaccus uiiter andern siingern auf, uiid noch fru-
her bezog sich Alcuiiis beiiiame Flaccus eben aiif den romisclien
dichter , niit dem die angelsachsischen inonclie wahrsclieinlicli elier
bekannt waren als die deutschen. ohne scliwierigkeit konnte also
im zehuten jli. ein codex des Horaz in Lothringeu sein.
318 ECBASIS.
menhang sclieinen die eingeschobnen verse fast immer
entbehrlich; niir bei eiiizelnen horazischen aiisdriicken,
-Nvie wenu 'iiiberbis jiivenis' (124) aus ars poet. 161,
oder 'popellus' (668) aus epist. I. 7, 65 *), 'quaeque
retexens' (209) aus serni. II. 3, 2 enllehnt wird , lielse
sich das gegentheil , folglich ihre verweudung von der
ersteu hand behaupten. auch 'abuorinis garrulus (1188)
sieht nach Horaz aus. ^varuin kounte aber nicht
der naclibesserer einzelne ^vorter des textes durch ed-
lere ersetzt haben ;* Eiuigemal \verdeii andere clas-
siker gepliindert : ' odora canum vis' (344) ist deni
Virgil Aen. 4, 132, 'rugosum piper' (176) dem Persius
3, 55, das kraut 'costus' (176) dem Lucan 9, 915,
'desine' (908) deni Properz V. 11, 1, 'amiciter' (713)
fiir amice dem Plautus Pers. II. 3, 3 nachgesagt. An-
dere erborgungen (Nvie der verse 593-596. 700. 723.)
weise ich jetzt uicht nach **).
Nebeu einigen selfneren, aber guten, wortern nici-
gen folgende mittellaleinische ausgehobeu werdeu :
ad praesens, zugegen 71S. 1126; vgl. a present.
asperito , icli wetze 232.
bolietus f. boletns, ein efsbarer scliwamin 545.
camera lecti 689 ganz das aiid. petticlianiera , mhd. bettekamere,
tlialamus. N. ps. 104, 30.
capitale, was bedeutet es 208? icli denke so etwas wie biirge, burg-
schaft dafiir, dafs der gefangne niciit entrinne, vgl. 213. der
igel , den eingang der liole bewacliend und sicli durcli naclit-
lichen gesang munter lialtend (wie Volker in deu Isibeluu-
geii, Hiltgund im Walthar), steht seinem herru fiir das kaib.
*) popeilus schon bei Ermellus Nigellus (Pertz 2, 506.)
**) einzclnes wird spatern dichtern entnonimen, so vers 712
aus Venant. Fortunatus 4, 18 (ed. moguut. p. 106); ebendalier
9, 'H (p. 222) scheint 'dulce saporatis' (548); ebendaher 11, 12
(p. 271) castaneas molles (178.)
E C B A S I S. 319
diese ausleguug von 'fit capitale' verdient bestatigung. Sonst
Iiiefs capitaie was dem eigner statt der verlornen saclie er-
setzt werdCn niiiste (RA. 635) uiid gewissermafsen ist der
personlich sicli verbiirgeude aucii eiii liaftendes capitale. viel-
leiclit aber mufs man lupi nocli zu capitale nehmen , besser
als zu fortia bella.
capsidile, tasche 335. cnssidile Pertz 2, 167.
castello, ich wohne , hause 192; vgl. castellani, biirger, einwoh-
uer Pertz 1, 618.
castus, rein, frei. castrum castum de milite franco 1140, unein-
genommen. die priip. de wie unser fun bei rein, frei (gramm.
4, 880.)
causa 394 sache, vgl. Rudl. s. 230, Unibos 123, 4 und Heriger 2, 2.
cautio, rechtsgescliaft, vertrag 692. 1009.
certo oft bei infinitiven im sinn von eile, strebe: 22. 233. 306.
341. 442. 507. 928. 1112. auch bei Ermoldus Nigellus (Pertz
2, 519.)
cestus 172 korb.
chelidrus 1177 waSserschlange, ^ffV.icf^io?. Ermoldus Nigellus 4,
351 (Pertz 2, 508.)
circator, der umgeht 468.
clavatus, nagelbeschlagen. clavata sindou 206, was mhd. genegel-
ter pfeller, mit glauzenden borten besetzt, vgl. clavatum gi-
burdid gl. Jun. 406.
coenomia y.oivonx^M 231.
coUatio, sacroruni librurum lectio, quae statis horis fiebat, 221.
comporto somnia ich briiige schlaf zu wege 1065.
conduleo alicui 813. 1034, wie congaudeo (oben s. 72.)
consortia fratrum 3, 400»
coiiscius 329.
cratus fiir crater 113.
crustumia pira 179, wie sie zu Crustumerium , einem sabiuischen
ort wuchsen, Virg. Georg. 2, 88.
cydonia mala 179, sonst auch cytonia, cotonia, quitten. s. quectouia,
discolus 124 s. vorhin s. 288.
dorsalia 575, ahd. hruckilahhan.
eques fiir equus 1188 vgl. oben s. 67.
320 E C B A S I S.
escamea 1113, speise, = esca.
factor omnipotens 383, scliiipfer. "Waltliar. 1161.
faniiilor ad aliqiiem 685 , ganz der ronianisclie dat. a quelqu'un.
folibiis 1105, wie in A und B stelit, ist niir dunkel , soll mnn
follibus lesen, von follis, beutel ? dem widerspriclit sclion das
prou, illis.
follns 1188 stultus, stupidus.
forstrarius 37, forster, waldbewohner, hier der wolf, als waldein-
siedler, gewohnliclier forestarius, qul silvas curat', sclion ia
urkunden Pippins und Carl des groCsen oft.
fortia belli 208. fortia gesta 584.
frivolum 427 causa levis, futilis.
gemino amen 434. gemino cibos 783.
geroldinga poma (vorhin s. 292.)
glomeratio 1043.
graecisso 978, ich singe griechisch.
imperiosa solamina 63 stolze freuden? vgl. imperiosa dona Rudl.
3, 388.
improperium 852 dedccus.
indica cornix 480, die scliwarze , weil Indus von einem schwarz-
farbigen menschen giit.
inibi 422, sclion bei classikern gebrauclilich, seltner insimul 629.
inplano 203 decipio , ilnonXuvuofiat. ecclesiast. 15, 12.
iusopilis 194, ohne sciilaf; pupiila sopilis (gallus et vulp. 72, 2);
horis subsopilibus (Adso cap. 144.)
judaicae capsae 551.
jusse 276 scheint fiir jure gesetzt; nach falscher analogie von os,
oris und os, ossis daclite man zwischen jus, juris und jus,
jussis zu unterscheiden. dies jus, jussis kann ich aber sonst
nicht , ebenso wenig die meinung nachweisen, dafs bohnen-
briihe, absud von gekochten bolinen, obstbaumen scliade. um-
gckehri werden der bobne gute wirkungen beigelegt, nament-
lich voci prosunt fabae. Plin. XVI II. 12, 30. XXII. 24, 69.
Hraban. Maur. de inst. cler. 2, 48; Isidorus de div. off. 2, 2.
laxo debitum 699.
lisco 360 fur glisco, vehementer cupio? oder hisco?
lustrosus 329.
ECBASIS. 321
meditamen 401.
melus 341 caiitus, liier gcsclirei.
mercor fiir mereor, paro milii: panis mercabere tortam 41; lau-
dem 525; niortem 1172.
mergis 545, dat. pl. von niergus, merga , mergum? das ein efs-
bares gewaclis auszudriicken sclieiiit.
mirum fit nobis 192, es wundert uns, ahd. mili ist (wirdit) wuq-
tar (gr. 4, 242.) est niirum niilii Rudl. 3, 607.
miserere milii 426; mei, 431, milii Rudl. 6, 7; eis 2, 101.
mixtum 589 mixtur, gemisclite arznei.
monstra 952 tliiere.
motus murniure 508, impulsus? oder zu 1, notus (s. 308), vgi.
murmure triiisant Rude. 3, 96.
mundus expletur 865, die welt vergelit, erreiclit ilir ende.
munus quartum 629 , was ist das ?
nam, zu eingang des satzes, nielir verbindend, als grund angebend
419. 509. 589. 642.784.993, aucli namque50. 605. 632. 669.
nectar carnis 112; caro nectarea 272.
ooccidualis 1076, autli Prudeiitius adv. Symm. 2, 597 sagt occi-
dualis oceaiius.
odecoloii 878, im kircliengesang ein glied, absclinitt, ruliepuoct.
oramina fundo 425 ; mando 458.
organa diverto 812; misceo 818.
palma pacis 131. gloria palmae 280.
palpamen 816 beriilirung. Prudentius liamart. 302.
pascba festivum 272. 1217 fur grofse ergetzung, festmalil, wie wir
noch sagen : das soll mir ein walires fest sein, ahnlich mhd.
ostertac. vgl. Rudlieb s, 234.
passer 839. 1108 insgemein fiir einen kleinen vogel,
passio ferrea scheint gleich\iel mit dem vorausgehenden catena,
wenn man es nicht fur hartes, schweres leid nehmen will.
patrinus 496, gevatter, verschieden vom lat. patrimus.
perfortis 730, von starkem wein,
persono hymnos 710. vocem 287, transitiv : lasse erschallen,
perustus versus pietate 107; livore perustus Eugenii praef. in
Dracontium 13.
peto 415 ftir oro, im sina von bete.
21
322 ECBASIS.
pliilomeiia verscliiedentlich , besoiiders in den uberscliriften, statt
pliiloniela , wie daneben vorkommt. icli nioclite wissen, wo
diese , naclilier im franzos. niclit seltne , verderbnis im mit-
teliatein zuerst ersclieint? ein provenzalisclier roman des 12
jli. Iiiefs Philomena, was docli auch nachtigail bedeuten soll?
(Rajnouard 2, 283. 293.) In der schwerlicli ecliten grabin-
schrift einer nachtigall bei Durmann anthoi. 4, 406. Meyer n.
1459 Lusciniae Philuvieuae u. s. w. ist wol der bekannte
name 'InXoinhi] gemeint, wenn auch nicht ohne anspieluiig
auf Philomela. Aber in Lucilins Aetna 58.5 liat, statt en Phi-
lomela, die helmstadter hs. zuerst amphilonia, dann aus cor-
rectur, en philomena. die hs. 1290 der ieipziger universi-
tatsbibliothek, perganient, quart, 13 jh. , enthiilt bl. 64a-66b
excerpte aus dem 'Alexander' des Gualtherus de Castellione.
darunter bl. 64b der vers
Vocis amorifer? citharam philomena repressit.
In der casseler bibliothek wird ein schoner codex geistlicher
psalmen und gebete aufbewalirt, von der hand eines capel-
lans konig Heinrich des zweiten , namens Marcus, im j. 1020
geschrieben. die fiinfte strophe des osterlieds 'Salve festa
dies toto venerabilis aevo' *) lautete darin :
Hinc filomena sui adtemperat organa cantus,
Fitque repercusso dulcior aura nielo.
es ist aber hernach aus n ein I corrigiert. Eudlich gewah-
ren die bekannten verse 'Hic volucres caeli' (aitd. bl. 1, 348,
HofTm. gloss, XXXIL Gratf sprachsch. LXXl) die sclireibart
philomena in der zwettler hs. 293, 1 1 jh. und in der wiener
85, friiher cod. univ, 1013, 11 jli., filomena in den beiden
ndmonter hss. 106 und 476, 12 jh. Jilomena auch iii der
stuttgarter hs, theol. et philos. 219, fruher ia Zwifalten, 11
jh. , Mones anz. 1836 , 46. Mit allen diesen beispielen wird
nicht entschieden, dafs unser dichter selbst philomena gC'
schrieben habe, blofs, dafs er es kunnte.
*) von Venantius Fortunatus, Moguntiae 1603 p. 79. man
lese: suis attemperat organa cannis.
E C B A S I S. 323
pigritor 15 fur pigror. aucli in der vulg. act. 9, 38.
pipero aves 645; potum 806; escam 1185. urspriinglich vom
pfeffern , danii wiirzen der speisen und getr.iiike iiberliaupt.
vgl. Rudi. 5, 13. Reinh. s. XCVII iind Waltli. 440 pigmen-
tis condire pisces, 301 pigmentati crateres. Parz. 238, 27
werden neben einander genannt salsse, pfeffer, agraz; Mar.
160, 20 pigmente, 6le und niirre. alid. gimirroter win T.
202, 3 ; der gemyrrolo wiii N. ps. 68, 22, ganz was bci Wil-
lerani gepiuientoter win. provenz. pimeiit, Raynouard 2, 144.
314. Gregor von Tours 7, 29: vina odoramentis immixta,
vina potentiora, und 8, 31 neniit er lionig und werniut, die
deni wein eingemisclit werden.
pitacium , pittacium 1104 brief, verbriefuiig, urkunde, nmuxioi',
auch pictatium. Ducange s. v. Hoffni. sumerlaten 1.3, II.
Hrabani epist. ad Heribaiilum gieicli eingangs: 'capitula f|tiaedani
in pittatio scripta per nuntium Cuinadi comitis mihi allata sunt.'
plastus 864. 919 creatus.
pompae vi.H 562, wenn die lesart recht, ein seltsamer ausdruck,
auch wegen relucet.
pontatica 462 scheinen bruckenzolle am Po.
portarius 688, thurlifiter. in der vulg. Reg. H. 7, II.
posco = oro 226; pro aliquo, 2.^3 bitte fiir einen. Ermo^his bei
Pertz 2, 521. vgl. deposco 465.
post cras 102 iiber morgen.
praedamen 339.
praeses 899 richter, vgl. 816 und praesul 788.
prendo carmen 420; fastigium 951; soninum 1061; silentium 890.
pressura 79.
prorumpo 712 profero, effundo.
puDctio 449 fleber, acutes.
quam neben adj. : quam nobilis 660; quam miser 877; gerade
so bei Fromund (Reinhart p. Ll) quam acer. vgl. quam saepe
66 und Schm. zu Rudl. s. 227.
quectonia 1025 quitten, s. rydonia.
quin copulativ fur ett 120. 226. 264. 327. 881. 913. 1214.
quisquilia 578 statt des iiblichen quisquiline.
quo fur quod oder ut : 292. 356. 892. 91 3 \ gl. Walth. s. 70. Ruodl. s 235.
21 *
324 E C B A S I S.
regmen 672 ffir regimen.
reparatio lapsi 220.
ripatica 461.
roro 198. 276 fiir irroro , profundo, adspergo,
satago mit dera inf. : satagunt exire 75 ; flexisse sategit \^'altli.
1065. Abbo 1, 152. 320.
scies 457. scibit 555.
scindere saccuni 9, was bedeutet die redensart eigentlich?
sensatus 994 caliidus.
sereno mensa 1023, ich declie den tisch ab? gegensatz zn relo
niensam (oben s. 236.)
servator equorum 76, pferdehirt, alts. ehoward.
servimen 666. 871.
siccamen 198.
sopilis, s. insopilis.
SP fiir PS: spalmus 710 (spalmista Rolant 123, 7;) andere be-
lege hat Ducange s. v. spalmus, spalterium ; spitacus 1059.
aber auch fur P: sporcus 255. hieriier gehort eine stelle aus
Isidorus orig. XII. 1,25 'porcus quasi spurcus', wo nach Are-
valo einige liss. sporcus geben.
spelaeum 242. 339. 687. anij)Miov , spelunca.
sperula pomi 682 f, spiiaerula.
spurcamen 199.
sublatero 1109 fiir subblatero? calumnior?
susum 1154 fiir sursuni, der wolf soll aus seiner grube in die hohe
steigen ; sciiiene der sinn vorziiglicher, dafs er aus der burg
zu den belagerern herab gehe, so ware leiclit zu andern ju-
surn, was deorsum ausdriickt (Pertz 1, S81, 627); 'aut su-
sum aut jusum' (Pertz 2, 103.) es steht aber 1158 deutlich
ascendit,
tangere 555 scheint nicht das gewohnliclie lat. wort, doch aber
kaum das alte tanganare (RA, 812)?
tenebro 845 tenebras induco.
terebro latebras 923.
testudo 676, locus in aedibus fornice tectus in modum testudinis
conformatus.
toral 1017 decke.
ECBASIS. 325
torno 80. aucli Ijel Venant. Fortunatns (ed. mognnt. p. 73.) : 'nisi
solicitatus laudibus, rusticns calamus nou tornasset.'
torta panis 42. 544.
tortus 193. 305. 484. 1013.
tosto 271. 696 brate.
trado 740 f. prodo.
vcuiis iucnmbere 770, mlid, venie fallen.
virgula fumi 574. wer bat das nielir gesagt?
^ilale 398 heilraittel.
Wie iiun niehrere unler diesen wurtern eluen deutschen
verfasser ankiindigen (ad praesens, post cras, castus de,
mirum fit nobis) ; so scheint auch deutsch, dafs20l nier-
gitur, 470 judicor stehn fiir simergitur, si judicor. lin-
quere non poliii 852 (vgl. oben s. 238) ist ganz unser: ich
konnte nicht lasseu. quae dicere non est (nicht zu sa-
gen ist) 793, ^vie eiii alleres lied anliebl : de Clotharia
est canere (ist zu singen.) infinitive erscheiuen auch in die-
seni gediclit substantivisch: velle tuum 719 ; velleest (nieiii
wille ist)762, 811 ; nolle meum 495 ; pro possefidelill97 ;
lacere tuum (deln licgen , dein lager) 444 ; parere 708.
tenipora finde ich weniger vernieiigt, doch 436. 437 so-
eiaverat und sletit; 812 fugitat und cruciabat f. fugie-
bat oder fiigilabat; 613. 626 curabunlur fiir curantur,
ponentur fiir ponuntur, weil das deulsche werden zuni
fut. verfiihrt. unniiltelbar neben dem deponens prae-
daris steht 1171 ein passivisches praedaberis , was an
sich verlheidigt werden kann , weil nach Priscian 8,
799 praedo , as vorkomml. sibi = ei 400. 801. 1012.
1109. 1132; melior se = eo 751; se = eum 434 *)
*) gramni. 4, 364 wird zu viel belianptet. die unreflexive ver-
wendung zeigt sicli allerdings vorziigiicli im dat. sibi und abl. sa^
ist aber auch fiir de» acc. o,c nicht zu lengnen: Rudl. 1, 70.
a, 202, 5, 74 vgl. Schm. obeu s. 227. sciioii Ermoldus Nigel-
326 E C B A S [ S.
bemerkenswerth das sic vorvixi, vixit, vivis 7. 71. 185.
312. die versscliliisse : ab eadem (202), couscendet eari-
Jem(681) und corporis lutjus (281); vicarius hiijiis (527)',
portariiis hiijus (688); pecloris hujus (199); geniahnen an
\Yaltharius *). auch JMarbod de gemmis 487 scldiefsl :
pulveris hujus. slatt de niore (s. 69) hier blofses more:
niedentis (61); latronum (313); reorum (379) ; peregrini
(461); parentum (518). dic gewahrungsformel : sic fiat,
sic sit (643) vergleiche icli dem fiat und 5/'/ Im Unibos
141, 1. 2. Auch in uuserm gedicht viele subst. auf
-imen und -ameu (oben s. 237.) Geschmacklos wird
die in gedichlen des milleLilters beliebte weise zu zah-
lep (Reiuh. XCl) hier auf ihranen angewandt: lacrimis
binis pariterque vicenis (83); erlraglicher heifst es: sla-
diis quingeutis atque vicenis (411), millenis alque vice-
iiis cubitis (684.)
Sprichworter und eigenthiimliche redensarten, aufser
dem was Horaz herleiht, begegnen wenig. der spruch :
frustralur uiultum piceat qui vas adaquatum (320) lau-
tet Reinardus 2, 845 paterae pix cassa niadenti ; noch
einfacher im Renuer 14795: swer sie nu strafet, der
pichet naz , d. h. thut etwas vergebliches. Nicht iibel
294: sales sine dente, salz , das niclit mehr beifst, seine
scharfe verloren hat; aber dcn folgenden vers 295 be-
kenne ich nicht zu verstehn. escas non capiam , do-
nec (753) d, h. ich will es uiiverziiglich thun, bcsta-
ligt meine Reinh. s. 106 gegebne erlauterung des ver-
ses: ich eiiaz noch eutranc sit ; man vergleiche Renner
lus Iiat xibi uixl se auf solclie weise, z. b. Pertz 2, 495 v. 310.
3)1.
•) vgl. Waltliarius s. 70; Rudl. 1, 9. 3, 293. concidit /lujus
Waltli. 1361.
E C B A S I S. 327
0526 : die wiJe ich niit im tranc u. az. Was bedeulel
370: solituni turbare bilumen ? Die phrasen ; indu-
nienta pUunea novis telis texere (267) und: trilas ser-
vitio nianicas eximere (693) wurden bereils angefiibrt
(s. 311.) Auf eine unliekannle ihierfabel beziiglich
sclieint: caudae vituli jungetur lunibus aselli (316.)
Die bescliiinpfende slrafe 'scutellae bahiea potare'
(696) gleicht dem essen aus dem liundetrog (Parz. 528
28.) fiir das alle gerichtswesen ist aufser dem 'fit capi-
tale' (8.319) 524 IT. und 536-538 die schlufsformel des
urlheilenden samt der coUaudalion anzumerken. Be-
riihrung des kuiu'gh'clien zeplers wird als veraltetes frie-
denszeichen (491), tragen des slabs (5&0) als symbol
hoher hofNviirde angegeben.
Nicht ohue inleresse scheint, dals der frankischen
musik zumal horner beigelegt werden : Frauci corniferi
(343); auch im krieg erschollen ilire horner, und vor
allen beriihmt ist Rolands. Dafs an den tagen , •xvo liie
feier der passion einfiel, in den kirchen keine glotken
liiuteten (887-896), ist auch sonst genug bekannt *),
man bediente sich alsdann holzerner klappern (crepi-
tacula) und der brauch reicht in die jiiugere zeil
hinab.
Gleich Fromund hat auch INIalchus seinem gedicht
verse mit fisclinamen eingefiigt, nian kcinnte darin deu
geschmack des zehnlen jahrhunderts , selbst eine ahnlich-
keit zwischen Waltharius und Rudlieb finden: beide
helden zeigen sich des fischfangs kundig, und es vviirde
♦) ScheflTers Haltaus p. 227. Fraiiz "VVessels scliilderiing des
catliol. gottesdienstes , herausg. von Zober (Stralsund 1837) p. 7.
8: nu moste men ock mit iieiien klocken ludea vor pasclienacht,
iiien mit holteaea klappercn.
328 E C B A S I S.
gar iiiclit unepiscli gewesen sein , ^venn Gerald oder
EckeharJ der von Wallhari unterwegs gefangnen llufs-
einwohner, die hernach am Rliein zu seiner erkennung
anlafs geben (s. 122), ausfiilirlicher gedacht halle. jNininit
niau zu jenen aufzahhuigen nocli das sclion von Auso-
nius *) gelieferle verzeichnis der Moselfische , die nomina
piscium in leoninischen deutschglossierten versen, walir-
sclieinlich des eilften jh. *'') , -svas in andern glossen ^*"**),
endlich aber in deni lateiuischangelsachsisclien gespraclie
Alfriks 7) vorliegt; so -wird es nicht an niittehi zur erkla-
rung der schwierigeren ausdriicke fehlen. ganz reichen
sie nichtljin. die benennungen aus Rudl. 13, 12-20 er-
klart schon Schmeller s. 2.38 , ich finde nur noch den
*degener alis' nachzuholeu, dem sich des Ausonius alausa,
fi'anz. alose, nhd. else vergleichen lafst ; kaum ist alis abl.
pl. von ala, so dafs )ene worte den am vmterleib sclnuacli-
tigen capito bezeichneten ? agapiiz scheint eineilei niit
dem ags. aleputa oder akpfite, woneben auch myne fiir
capito vorkommt. in den versen der ccbasis sind un-
bedenklich romhus , hathus, gohio (auch 288), scpioki,
vmgil, mullus, trutia (aucli 301), sahm) aus dem Rhein) -{--{-),
*") Mosella 85 ff. wird aufgefiUirt iii zieriicheii versen : capifo,
salar, barbus, salmo, perca, mullus, lucius, tinca, alausa, fario,
gobio, alburnus.
**) neben den nomin. volucrum, ferarum und lignorum (vor-
bin s. 322.) ein abdruck aus der straf»!). Iis. des 12 jli. (altd. bl.
1, 348-350) liefert nur zwei verse mit fisclinamen, die vollstan-
dige recension zalilt ilirer dreizelm.
***) gl. Jun. 278. 380. 381. 403. sumerlat. 4,3, 1 1 , 32. 38,
TO tr. 52, 5 ff. Mones quellen 318b.
t) Thorpes analecta anglosax. p. 106.
if) vgl. oben s. 122; aucli Venant. Fortunatus 10, 12 (p. 253)
voni Riieiii redeud :
E C B A S I S. 329
allec. hlligo (= prahslna) ist clas nihd. lulecke oder lil-
leike in einem gedicht des cod. pal. 341 124*^:
so get inanec lieimzogen knabe,
als er lulecken gezzen habe.
congriis gr. y.oyyoos > hit. auch conger. hicherus vermul-
lich vy.y.rj , vy.xT^g , lat. hycca. capito wird unterschie-
den von cavedunus, ^vie siimerl. 39, 7 capilo chape von
38, 76 capedo caudin , -welcher lelzte ausdruck sicht-
bar aus cavedin, cavedon i-ervorgeht. blofse neben-
form von capito scheint capcdu , denn beide werden
durch alant verdeulscht. Den haiiplanslofs gaben v.
172. 173, die in der hs. so laulelcn :
Proferl se ceto spinx captus in amne peiroso
Squamigerosque celus punctis pellebat acutus.
was soll im sleinbacli der wallfisch? ") von diesem
ceto verschieden sein miisle aber der acc. pU cetus
des folgenden verscs. ich liabe jenes celo veiandert in
ceslo, und profert se ccslo (wird aus dcm korb ge-
lioll) schickt sich vorlreflich; in der andern zeile tilge
icli que und schreibe coetus , squamigeri coelus ist
umschreibung der fische. was fiir ein fisch sein wird
nun spinx? die spliinx , das ungeheuer, woliir wol
auch spinx geschrieben stehl, kann nicht rechl gemeint
seiu, der fisch ist, gleich fischen iusgemein , mannlich.
■\vare stinx oder tinx, zu lesen = tincus, tinca , worun-
Retibus inspicitur quo salmo fasce levatnr.
und 7, 4 (p. 163):
Si prope fluctivagi remorafur iittora Rheai,
Ut salmoiiis adeps rete traliatur aquis.
•) docli wird am koiiigiiciien liofe neben dem stor (sturio)
wirkiicli ein wailfiscli (cetus) aufgetischt (546) , wie die folgende
anspielung auf Jonas lelirt.
330 B C B A S I S.
ter sonst die sclileihe ( ahd. slio) verstanden ^vird?
Frisch 2, 236^= scheint tinca fiir den stint, slinz, stink
zu halten; iiiir zweille ich , ob auf diesen die schilde-
rung gerecht ist, dafs er niit seinen stachehi die an-
dern fisclie iu die flucht treibe. nian sollte an einen
der fisclie denken , die wir noch heute stichlinge nen-
nen, ihrer slachelichen ilofsfederu halber, auch der ca-
pito wird von Ausonius beschrieben als : niultis spinis
ventreiii sepluin habens. Juli. Sinthis expos. in Alexau-
dri granun. ed. Arg. 1487. 4° p. 49* gibt aufser den
bekaimten bedculungen auch die eines seethiers : 'spiux
est et belua ponti,' und die spinx iiu lolliringischeu
flufs zugestanden vvird ain ende der cetus bleiben niiis-
sen, nach gleich einfahiger iibertreibung. in den korb
taugt das unthier uicht.
A N H A N G E.
HEINaiCUS II. 333
IN OBITUM HEINRICI II.
1. Lamentemur nostra,
Socii, peccata,
Lamentemur, [et ploremus!]
Quare tacemus ?
Pro iniquitate
Corruimus late,
Scimus coeli hlnc offensum
Regem immensum.
Heiurico requiem rex Christe dona perheunem.
2. Non fuimus digui
Munere insigni :
^lunus disce sive donum
Heinricum bonum,
Qui ex juventute
IMagnae fuit vitae,
Procreatus regum stirpe
Rexit et ipse.
Heinrico requiem rex Christe dona perhennem.
3. Orbis erat pignus,
Regno fuil dignus
Imperator Romanorum,
Rector Francorum,
Imperavit Suevis,
Saxonibus cunctis,
2, 3. 4 munus siue donum diue H. b.
334 HEINRICUS II.
Bavaros truces[que] Sclavos
Fecit pacatos.
Helnrico requiem rex Cliriste dona perhennem.
4. Possumus niirari
De domino tali,
Res tractando laicatus
Fit litteratus,
Prudens in sermone,
Providus opere,
Viduarum tutor bonus
Orphanis pius.
Heiiuico requiem rex Christe dona perhennem.
5. Heinricus secundus,
Plangat ilhim mundus.
Fide[Ie]s servans Christianos
Pellit Paganos,
Stravit adversantes,
Pacem persequentes;
Vohintati conlradixit,
Sobrie vixit.
Heinrlco requiem rex Christe dona perhennem.
6. Quis caesar tam largus
Fuil pauperibus?
Quis tam loca subllmavit
Atque dicavit
Atria sanctorum
Ubere bonorum?
Ex propriis fecit magnum
Episcopatum.
Heinrico requieni rex Christe dona perhennem.
3, 7 truces sola uos 4, 3 Sit
5, 3 Fides, Eccard besserte Fines.
6, 7 fecit magiiauit
HEINRICUS II. HERIGER. 335
7. Plorel liunc Europa
Jam decapitala !
Advocatum Roma ploret,
Christum exoret,
Ut sibi fidelem
Praeslet senlorem,
Et cognoscat grave damnum
Ecclesiarum.
Heinrlco requiem rex Clirlste dona perhennem.
8. Dicamus Heinrico
Dominl amico,
Ut requiescat post oblium
Semper In aevum.
Dicat omnis clerus
Animac illius:
Pace Christi [re]quiescat,
Gaudla noscat.
Heinrlco requiem rex Christe dona perhennem.
HERIGER.
1. rleriger, urbis
Maguntlacensls
Antistes, quendam
Vldit prophetam,
Qui ad infernum
Se dixlt raptura.
2. Inde cum multas
Referret causas,
Subjunxit, totum
Esse Infernum
Acclnctum densls
Undique silvis.
336 HERIGER.
3. Heriger illi
Ilidens respondit:
'JMeiim subulcum
llluc ad pastuni
Volo cum niacris
Miltere porcis.'
4. Vir ait falsus :
*Fui translatus
In templum coeli,
Christumque vidi
Laetum sedenlem
Et comedentem.
5. Johannes baptista
Erat pincerna,
Alque praeclari
Pocula vini
Porrexit cunctis
Vocatis sanctis.'
6. Heriger ait:
'Prudenter egit
Cliristus Joliannem
Ponens pincernam,
Quoniam vinum
Non bibit unquam.
7. INIendax probaris,
Cum Petrum dicis
Illuc magistrum
Esse cocorum:
Est quia summi
Jauitor coeli.
3, l Herigers 4, 2 Fuit
7. Herigers antwort in bezug auf Petrus zeigt, dafs vor 6
oder 7 eiiie stroplio ausgefailen ist , in welclier der abenteurer den
Petrus ais meisterkocli des himnjels dargestellt liatte.
HERIGER. 337
8. Honore quali
Te deus coeli
Habuit ibi?
TJbi sedisti?
Volo ut iiarres
Quid nianducasses.'
9. Respondit homo;
'Angulo uno
Partem pulmonis
Furabar cocis.
Hoc manducavi
Atque recessi.'
10. Heriger illum
Jussit ad palum
Loris ligari
Scopisque caedi,
Sermone duro
Hunc arguendo:
11. 'Si te ad suum
Invitet pastum
Christus, ut secum
Capiaa cibum,
Cave, ne furtum
Facias [tetrum.]'
ALVERADAE ASINA.
1, Est unus locus
Homburh dictus,
In quo pascebat
Asinam Alverad,
Viribus forlis
Atque fidelis.
22
338 ALVPJRADAE ASINA.
2. Quae cluDi in amplum
Exirel campum,
Vidit currenlem
Lupum voracem :
Caput abscondil,
Caudani ostendit.
3. Lupus accurril,
Caiidam momordil,
Asina bina
Levavit crura,
Fecilque longum
Cum lupo bellum.
4. Cum defecisse
Vires sensissel,
Pjolidil magnam
Plangendo vocem
[Clajmausque suam
Moriendo domnam.
5. Audiens magnam
Asinae vocem
Alverad cucurril,
Sororibus dixit :
'Cito venite,
Me adjuvate.
6. Asinam caram
Misi ad erbam,
Illius maguum
Audio planctum,
Spero cunj saevo
Ut pugnet lupo.'
7. Clamor soiorum
Veuit in clauslrum
4, 1 defecisset
ALVERADAE ASINA. 339
Turbae virorimi
Ac miilierum
Assunt, cruenlum
Ut captent Uipuni.
8. Adela uamque
Soror Alveradae
Rikilam quaerit,
Agalham invenit,
Ibant ut fortem
Sternerent hoslem .
9. At ille ruptis
Asinae coslis
Sanguinis undam
Carnemque lotam
Simul voravit,
Silvam inlravit.
10. Illud videnles
Cunctae sorores
Crines scindebant,
Pectus tundebant,
Flentes iusontem
Asinae morten».
11. Denique parvum
Portabat puUum,
IUum plorabat
IVIaxime Alverad,
Sperans exinde
Prolem crevisse.
12. Adela mitis
Fritherunque dulcis
Venerunt ambae
Ut Alveradae
12, 4 Adeleitliae
22*
340 ALVERADAE A S I N A.
Cor confirniarenl
Atque sanarent.
13. 'Delinque maestas,
Soror, querelas:
Lupus aniaruni
Non curat fletuni.
Dominus allam
Dabit tibi asinani.'
SACERDOS ET LUPUS.
1. t^uibus ludus est animo
Et jocularis cantio,
Hoc adverfant ridiculum.
INarrabo nou ficlicium.
2. Sacerdos jam ruricola
Aetale sub decrepita
Vivebat amaus pecudis,
Hic enim inos esl rusticis.
3. Ad cujus tale studium
Omne partiret commodum,
Nisi foret tam proxima
Luporum altrix silvula.
4. Hi minuentes numerum
Per ejus sunimam generum
Dant impares ex paribus
Et pares ex imparibus.
5. Qui dolens sibi fieri
Detrimentum peculii,
Quia diffidit viribuSi
Vindictam quaerit arlibus.
1, 4 EuQirabo 3, 2 patiret
SACERDOS ET LUPUS. 341
6. Fossain caval non modicam
Intus ponens agniculam,
Et, ne pateret hostibus,
Superne tegit frondibus.
7. Humano datum commodo
Nil majus cst ingenio;
Lupus, dum nocte circult,
Spe praedae captus incidit.
8. Accurrlt mane presbiter,
Gaudet viclsse tallter:
Intus protento baculo
Lupi minalur oculo.
9. 'Jam' inquit, *fera pesslnia,
Tibi rependam deblta :
Aut hic frangetur bacuhis,
Aut hic crepabit oculus!'
10. Hoc dicto slmul impulit,
Verbo sed factum defult,
Nam hipus servans ocuhim
INIorsu retentat bacuhim.
11. At ille miser vetuhjs,
Dum sese trahit firmlus,
Ripa cedente corruit
Et lupo comes incldit.
12. Hinc stat hipus, hlnc presbiter,^
Timent sed disparlHter,
Kam, ut fidenter arbltror,
Lupus stabat securior.
13. Sacerdos secum mussitat,
Et septem psahnos ruminat,^
Sed revolvit frequeutius :
' INliserere mei deus I '
T, 4 spem
342 SACERDOS BT LUPUS.
14. 'Hoc' iiiqult 'inforlniiii
Dant mihi vota populi,
Quorum neglexi animas,
Quorum- comedi viclimas.'
15. Pro defuucloruni merito
Cantat 'placebo domino,'
Et pro volis viventiuni
Totum cantat psallerium.
16. Post completum psalterium
Commune perslat commodum
Sacerdolis timidilas
Atque lupi calliditas.
17. Nam cum acclivis presbiter
Perfiniret *pater noster,'
Alque clamabat domino
'Sed libera iios a malo!'
18. Hic dorsum ejus iusilit
Et saltu liber elTugit,
Et cujus arle captus est,
IUo pro scala iisus est.
19. At ille laetus nimium
Cantat 'laudate dominum,'
Et promisit pro populo
Se oraturum a modo.
20. Hinc a vicinis quaerilur
Et inventus exlraliitur,
Sed non nunquam devotius
Oravit, nec fidelius.
20, 3 das dem verse notliwendige uoii verneint, auf deutsclie
weise, mit uunquam zusammea uur einfach.
HBINRICUS — SACERDOS. 343
Uie vier erslen gediclile liat mir Kenible aus einer
lis. der canibridger bibliolheic (Gg. V. 35 blalt 437-440)
niitgellieiU. der schon seit Eccards qualernio theilweise
bekannte codex scheint uni die niitte des eilften jh. iu
Deulschland. violleiclil von eineni Angelsachseu , ge-
sclirieben. er cnlhalt dichlungeu, die unler deu Olto-
nen , Heinricli 2 und deni salischen Conrad abgefafst
wurdeu. Von deu histoiischeu wiederhole icli blofs
die ersle , weil niehreres an Kccards abdruck zu be-
richtigeu war ; eine aiisgabe des lateinischdeutscheu
leichs auf Otto I behalte ich audrer gelegenlieit vor.
den niodus Ollinc und Liebinc liabeu erst neuerlich
Kberl und Laclunanu besorgt. Die iiberschrifteu aller
vier gediclite sind vou niir zugeliigt.
Das lequieni auf Ileinrlch den zweiteu nuifs un-
niittelbar iiu j. 1024 eutsprungen sein , und verkiiudet
ilie tiauer dcr geisllichkeit. 6, 7 wird das bisthuni
Bamberg (inons Bavonis) genieint.
Lrzbischof Heriger liifirle deu stab zu Maiuz vou
912 bis 926. *) ich vvill das lied nicht grade so alt
macheu ; die halb lustige, halb derbe art, init welcher
er deu aufbinder abfiihrte **), kanu sich eine zeit laug
in der iiberlieferung umgetragen haben , eh sie latei-
uisch gesuugeu wurde. vielleicht gieng ein deutsches
volkslied voraus. Viele ziige sind noch spater uuver-
loien. Dafs Johannes baptista als hinmilisclter mundschenk
dargestellt wird , ^scheint absichlliche verwechslung mit
deiu evangelista, dessen minne gelriinkeu zu werdexi
pllegle (mytli. 37.) Gleicherweise mag der heilige /V//-«a
in marchen , deneu vom bruder Luslig uud deni lauds-
•) Pertz 1, 98. 614. 616. 2, 241.
*') aian kauu sicli kauni denken, dafs der erzbischof dca spafs-
vogel wirkiicli staupen Uefs.
344 HEINRICUS — SACERDOS.
kuecht ahnlicli , als koch des hiimucls vorgeslellt Nvordeii
seln, obschon er soust (als schliissellrager) ihiirhiiler
•\var. Der schwankmacher zeigt sich ganz in der weise
eines spaleren landskneclils, nnd die worle : 'angiilo uno
partem puhnonis furahar cocis' bewahren niir einen punct
von hochstem alterlliuni. denn auch der landsknecht
oder der Schwab liaben das leberlein heinilich geges-
sen. ATenn nun niylh. XIX. XX die volkserzahhin-
gen \on Chrislus und Pelrus den heidnischen von
Odhinn, Hoenir und Loki vergliclien werden ; so konnle
wirklich eine nur unvollslandig bewahrte liberliefernng
bestanden haben, worin erzahlt war , dafs die drei
wanderuden gcitter die gefangne ottcr oder ein andres
thier brieten und verzehrlen , Loki aber das halbge-
bratne herz fiir sich entwendete. darauf sclieint nem-
lich eine sonst iindeutliche stelle Saem. 118*' beziiglich,
dle ich schon Reinh. Lll zu einer allen , weit verbrei-
teten mythe halte, Hoenir wiirde die rolle des kochs,
Loki des landsknechts spielen ? Auf jeden fall ist uns
die bezeugung , wenn auch eines blofsen nebenzugs,
durch ein gedicht des zelinlen jh. sehr willkommen.
Die vorstellung der von diclUen ivaklern rings umgebnen
holle scheint wiederum die heidnische, denn auch nach
der edda fiihrt der weg zur unterwelt durch dunkle,
tiefe thaler (mythol. s. 463.)
Weniger bedeutend , wiewol erggtzlich ist der
scherz iiber Alveradens eselin , die der wolf frafs. Es
gibt zwei alte uonnenkloster Ilomhurg. das eine im
Elsafs, von der heiligen Odilla, angeblicli schou ini
siebeuten jh. gesiiftet *); das audere au der Unstrut in
*) Odilia griindete : in castro patris, qiiod Hoemburh appella-
tiir, claustruni sanctimonialinm, Riclierii cliron. senoniense 1. li
(<ler folioausg. 2, 609.) vgl. Konigsliofen p. 238.
HEINRICUS — SACERDOS. 345
Thurliigen. fiir letzteres entscheiclen hier die fast siich-
sischen sprachfonuen cler eigennamen Alverad , Frithe-
nin , Rikila.
Mil dem vierten gedlcht wlrd uns elue eclile ihier-
fabel geboten, die aucli in der spiileren altfranzOsi-
schen sage nicht untergegaugen ist. *) sogar die worle
4, 3. 4 'dant impares ex paribus et pares ex Iniparibus'
slininien zu Renart 7401 so -Nvie zu Reinardus 1, 1019.
Dafs der -wolf iiber des ])rieElers riicken aus der grube
springt , eriiinert an den fuchs bci Asop , der iiber dle
horner des bocks aus dein bruiinen gekingt, inid virk-
licli Ist auch hier dem ^volf dle listige natur des fuch-
ses beigelegt werden.
GALLIJS ET VULPES.
1. Otans aplo consislorio
Galhis in sterquilinio,
Cujus laetus cacuniine
Cantabat constanlissinie.
2. Vulpes ad est famelica.
Audit ingrata carmlna,
Quibus motu plausibili
GaUus fiebat pervigil.
3. Haec tarditatis conscla
Dolo parat Insidias,
Et prinuim blandis, milibus
His adulalur, vocibus :
4. 'Felicem o progeniem,
Quae genuit superstitem,
Qui sic patrizat, eminus
Ut patrem vincat cantibus!
*) zwolfte braiiclie des Renart (Reiuli. p. CXXIV.)
346 GALLUS BT V U L P E S.
5. Umini decsse video,
Qiioil iilruiu possis diibito:
Quia saltando canere
IUe solebat slrenue.
6. Nain ila sese tertio
Sallu rotabat concito,
Ul turbine wandalico
Tornum niisceret jubilo.'
7. IMox liaec gallus aggreditur,
Saltans canensque volvitur,
Et avidus gloriolae
Verbis cedit vulpeculae.
8. 'Cur ergo' iuquit 'degeuer
A patre nieo aestimer,
Cuin genitoris fornuilani
Gestu voceque referanil"
9. At vulpes e contrario:
'Benedicanius domiuo,
Quia paler iu filio
Vivus est quodam modo.
10. Jam non erat credibile,
Ut esset nostro tempore,
Qui faclis mirabilibus
Sic fieret conspicuus.
11. Sed ille doctus dexterum
Saepe claudebat oculum,
Cum concitato corpore
Saltaret in vertigine.'
12. 'Similiter et facio.'
Gallus infit continuo:
Tunc flectilur in circinum
Et dextrum premit oculum.
13. Ast vulpes astu subdolo
Supina cadit subito,
GALLUS ET VULPES. 847
Et siinulans miraciilum
Nec liabet ultra spiritum.
14. Suspiriis coucutitur,
Vix tandem denuun loquilur,
Affectu quoque debili,
Quasi fessa sit, incipit :
15. *Haec credere quis potei^it,
Nisi visu probaverit?
Hoc auris si audierit,
Ad fidem nunquam sufficit.
16. Ipsum patrem praecelleres,
Si tantum unum jungcres:
Gemellis ut luminibus
Pressis saltares altius.'
17. Huc usque gallus positus
In prosperis successibus
Jam dabit exemplaria,
Quid conferat jactantia.
18. Tunc eadem reciprocans
Quae jam monstrarat sallilans,
Ostentat dum prodigium,
Expertus est ludibrium.
19. Nam exilit in aerem
Utramque claudens aciem.
Quem vulpes cursu subiit
Et ore bians suscipit.
20. Hoc gallus iufortiuiio
Ti'isti fertur veliiculo.
Acres vicini sentiunt
Et celeres post irruunt.
21. Clamore complent nubila:
*GaIlum tollit vulpecula I
16, 3 gciia eliis.
348 GALLUS ET VULPES.
_ . j —
Succurrite quantoclns,
Ales perit egregius !'
22. Jain longe vulpes aberat,
Sequentibus spem luleraf,
Cuni gallus prae Irislitia
luit nova consilia
23. Cumque vulgarls cuneus
Instaret ululatibus,
Conversus ad vulpeculani
Hanc intulil; sententiam :
24. 'Forluna me destituit,
Insuper tibi tradidit;
Si mors non potest dirimi,
Sit certe vel laudabilis.
25. Te rustlci nunc impetunt,
Rapiuae ream arguunt,
Et nesciunl, quid inclita
Tua fecit prudentia.
26. IMeum sepulclirum asserunt
Raptrlcis fore stomachum,
Pronieruisse nequiter,
Ut bac lacuna conderer.
27. Fit causa , qua calumpnior,
Ipsa morle molestior,
Pari dum ignominia
Te laedit haec infamia.
28. INIe pone, quaeso, pauhilum,
Et sic affare popuhim,
Et quoque dicas tertio :
"JNIeum, non vestrum aufero."
29. His verbis expurgabitur
Quicquid nobis objicitur.
Hoc morlis aliquautuhun
Repperio solatium.'
GALLUS ETVULPES. 349
30. Illa confestini siibslilit,
Piillum iii terra posuit,
Conlra vulgus revertitur
El galli verba loquilur.
31. At ille surgens properat,
Et plausis alis abvolat,
Post quem vulpes accelerat,
Sed penna pedem superat.
32. Hinc indignata duriter
Fixit gradum celeriter,
Sicque niente nialivola
Intorquet imprecamina :
33. 'lucurrat lingua pustulas,
Quam possidet loquacitas,
Cum est dampnosum proloqui
Neque sic valet comprimi.'
34. *Has. incurrant et oculi,'
Gallus e contra reddidit,
*Qui sponte semet occulunt,
Cum imminet periculum !'
35. Jam iios spernamus otia
Prorsus nulli proficua.
Quibus non eget veritas,
Quae detestatur fabulas.
36. Severus judex ingruit,
Otiosa redarguit.
Haec eadem , quae scrlpsinuis,
Mutemus melioribus.
37. Sic quippe Babiloniam
Cogemus ad angariam,
Cum tollet pacis visio,
Quae peperit confusio.
35, 1 Jam non.
aaO GALLUS ET VULPUS.
38. ScripUiin de sterquilinio
Scinnis in evangelio,
Qnocl vinitor ficnlneani
Inde fecit fructiferam.
39. Securim namque dominus
Aptans illi radicitus
Succidi hanc imperilat,
Dicens : cur terram occupal ":*
40. At ille stalim impelrat,
Ne ficus adhuc corruat,
Donec aplaret sarculo
Et impinguaret cophino.
41. Unde per fimi sfercora
Signalur poenilentia,
Quibus peccator sterilis
Sese foetere couspicit.
42. Nam pravus quis , cum resipit,
Mala quae fecit aspicit,
Alque pinguescit lletibus
Ab scelerum stercoi'ibus.
43. Desuper quoruni cumulum
Componens slratum solidum
Jam priscam vitam subigit
Et altius se subrigit.
44. Et quia corde lacero
Praecessit lameutatio,
Jamjam plaudit in carmine
Hiezechielis ordine.
45. Quam ob rem non incongrue
Notavimus in capite
Stantem gallum iu stercore
Alis perciissis canere.
41, 4 sese fetore 4?, 4 percussiini
GALLUS ET VULPES. 351
46. Priusquam nxinc subjiclani
Juxla voceni proplielicanij
Quia iimuni descripsimus,
Non gallum praeleribimus.
47. Per gallum decenlissime
Doclores subintellige,
Qui voce, geslis clamitanl,
Audilores ne torpeant.
48. Se ipsum prius exejil,
Duni latus alis perculil,
Ut ipse primum sential,
Quo subditis annuntiat.
49. Edit voces produciiles
Nocte, cum stertunt Iiomines,
Nam opus est clamoribus,
Coecanlur dum erroribus.
50. Sub lucem crebro perstrepit,
Signans horam judicii,
In qua uox hujus seculi
Perhenne mane deperit,
51. Voce cum sic circumtonat,
Obsurdescentes fuhninat,
Suo monens hortaminc,
Jam nos de sonino surgere.
52. Non est res incredibilis,
Doctores posso fieri
Divinis juvaminibus
SoUitos a criminibus.
53. Ktenim post aj)Oslolos
Praedicatores inclilos
Errorum coeno felida
l^lmisit idolalria.
54. Quos sal salvator nominat
Loquela narraus lipica,
352 GALLUS ET V U L P E S.
Quod si sal evamierit,
Qiio condiatur deerit.
55. Valemus liinc perpendere,
Hos posse fatuescere,
Ut per inanem gloriam
In os ruant LeviatLan.
56. In fabula descripsimus,
Gallum ferri verticibus,
Deiu clausis luminibus
Immersum vulpis faucibus.
57. Siguatur in vulpecula
Insidialor Satlianas,
Qui, quos nequit poteutia,
Supplantat fraudulentia.
58. Hic gallo dampnatiliam
Suadet primo jactantiam,
Post per rotatus inpios
Ejus obvelat oculos.
59. 'Nani inpii,' psalmigrapluis,
*AmbuIant iu circuitu,
Et obscurantur oculi,
Ne videant,' subintulit.
60. Ecce vae, quod promisinius,
Quodammodo nunc panditur,
Nam carmen post laelificum
Homo cadit in baratrum.
61. Sed ante quam inferius
Deglutiatur penitus,
Divinam per clementiam
Exit ora Leviathan.
62. Cujus maxillam perforat
Ille qui hamo straugulat,
A cujus saevis dentibus
Pelrus nesator trahitur.
GALLUS BT VULPES. 353
63. Galluni, ut ait fabula,
Deposuit vulpecula,
Et sic dicebat populor
*]Meum, uon vestruin aufero.'
64. Gentiiitas niiserrima
Sathanae quoudam tradila
Praemagnis a doctoribus
Revocabatur vocibus.
65. Quos contra sathan substitit,
Et praedam quasi posuit,
Quando lotam seutentiam
Relorsit ad ecclesiam,
66. Se blandum illis praebuit
Lacerent[ur] ut inviti,
Adversus hanc iiifremuit
Conquei*ens, suos substrahi.
67. Hinc veVbum dei audiens
Et se ipsam discutiens
Genlilitas ingemuit,
Praedam fuisse daemonis.
68. Slatim alis perslrepuit,
Leviathan deseruit,
Volis volans ad supera,
Nativum locum vendicat.
69. Nec mirum , si per alitem
Figuram feci duplicem,
Ut nunc desiguet populum,
Et nunc doctorum cuneum.
70. Nam membra sunt ecclesiae,
Quae gaudet Christo capite,
Doctores nam cum populo
Unum corpus iu domino.
66, 2 die hs. Iiat unverstandlich : lacerent ut invitiis.
23
354 U N I B O S.
71. Sed eadein liaec fabula,
Pro parte placet ullinia,
Qua gallus et vulpecula
Utuntur vera clausula.
72. Haec linguam damuat perpete,
llle pupillam sopilem.
Sicque certa sententia
Claudltur tota fabula.
Aus der briisseler hs. 8142, worin die ecbasis stelit,
fol. 172, wahrsclieinlicli aucli im eilften jb. gedichtet.
JLs ist eine der gaugbarstcn und jilleslen thierfabehi, im
Renait und Reinhart viel friscber erziihh , als iu die-
sen lateinischen versen , in nocli aUeren hexamelern
(Reinh. 420) diirfliger, und vom wolf und hahn. am
uachslen steht die prosa einer extravagante (Reinh. 421),
iind auch die breite, mystisclie auslegung stimmt ganz
zu dem vortrag dieser letzten erz"ahkingsart. Bemer-
kenswerth die eigne redensart 'lurbine wanJalico lor-
jium miscere' (6, 3), im wirbelkreis (vertigo)? vou wan-
deln , vertere , ohne bezug auf die Vandalen.
VERSUS DE UISIBOVE.
1. Jiebus conspectis seculi
Non satiautur oculi,
Aures sunt in hominibus
Amicae novitatibus.
2. Ad mensam magni principis
Est rumor unius bovis,
Praesentalur ut fabiila
Per verba jocularia.
3. Fiunt cibis convivia,
Sed verbis exercitia.
U N I B O S. 355
In personarum tlraniate
IJno cantemus de bove.
4. Natis nalus ridicuhs
Est rusticiis de rusticls;
Natura fecit honiinem,
Sed forluna niirabilem.
5. Gravis fati conimercio
Boves emit pauper homo,
Sub exemplis agricolae
Terram laborat scindere.
6. Evenlus per horribiies
Nunquam ducit duos boves,
Nec simul pungit stimulo
Nec uno ponit sub jugo.
7. Frustra fortunam vincere
Sua certat pauperie,
Duro fatorum staniine
Boves perdit assidue.
8. Seqiiax unius fit bovis,
Excoriatis reliquis,
A vicinis deluditur:
Unus bos miser dicitur,
9. Tristis sors mugientium
Bovem rapit novissimum,
Jam res minor fit elegi
Egestate vocabuli.
10. Exinanito nomine,
Evacuato bostare,
Tergus disponit vendere
Denudato cadavere.
11. Corpus lioquit quadrivio,
Sumpto bovis amphibalo,
12, 2 pestera
23
355 U N I B () S.
Siiper jumenti selliilani
Ponit vitae fiduciani.
12. Ad foruni postlimlnii
Bovis fert pellem morlui,
Non tardat se per sanctas
Dum festinat ad uundinas.
13. Sed ut intrat emporium
Facit venale corium,
Quod putat niagni prelii
Sicul decorem pallii.
14. Parlicipes commercii
Capacitatem corii
Pedum mensurant terminis
Sutorum testimoniis.
15. Unibovem nullus juvat,
Solus pellem magnificat,
Pro nummis octo tunicam
Bovis largitur sordidam.
16. Post expletum commercium
Ascendit jumentum suum,
Distento ventre turgidum,
Retrorsum verlendo gradun».
17. Unum habens argenteum
Intrat lucum frondiferum,
Qui dum ventris purgat limum
Nummatum trahit meritum.
18. Anum dum cerlat tergere,
Herbam festinat rumpere,
Sed herbam vellens repperit
Quod gens avara diligit.
19. De uummis tres sextarios
INlox offendit absconditos,
Quos in flaccenti sacculo
Ponit mox facto turgido.
U N I B O S. 357
20. Super jumentuni coucilus
Totis inipoiiit viribus
Casu repertas vir opes,
Ad paternas redit lares.
21. Keversus saccuni disligat,
Infanteni stultus advocat,
Queni niillit pro sexlario
Praeposili justissimo.
22. Quaerit puer sextariuin,
Praeposilus orficluni,
Paiidit puer negoliuni
Nimis siinplex argenleuni.
23. Largitur vas praeposilus,
lufanli doiians ocius:
Unibovein paupei rlinuni
Stupet factum ditissimum.
24. Post terguin vadit pueri
Ferentis lancem trilici,
Massam videl argenteam,
Fumosam duiu lustrat duniain.
2.5. Nummoruni visis montibus
Dicit complosis maulbus:
'Hujus egeni gaudium
Est furlum , noii coinmercium.
26. ]Non est in musac caesaruin.
Nec corbanan poullficum
Argeuti tautum pretium,
Quantum teglt tugurium.'
27. Irritalus praeposito
Respondet valde llvido:
'Nou est lioc furlum noctium,
Sed corii comuiercium.
2T, 3 iiatlitdiebslal , RA. 637; oder zii lesea iioxiiu»?
(Jotli 6. 13S, 4.
358 UNIBOS.
28. Posl hwjus regni lernutuiiu
Sollenipne fit emporium,
Dum data bovis tunica
Argenti ridet copia.
29. Non est niercalum simile
Slcut de bovis lergore,
Exemplum de me paupere
Si vis tenere , suscipe.'
30. Post haec ministri pitblico
Conveniuut in trivio :
Villae major , praepositus,
Templi sacerdos inclilus.
31. Oeconomus attonitus
Suis refert comitibus
Famani novi conunercii,
Unius quaestum corii.
32. Tunc gavisus praeposilus
Faclus tantis rumoribus
Profunda dal suspiria.
Cum poinpa dicens talia:
33. 'Vobis dicam miracuhim,
Revehibo prodigium,
Aperiam consilium
Celandum sahibeiTimum.
34. Si vuhis esse diviles,
Si fortuuati, comites,
Quae sum facturus facile
Sequenda nunc perpendite.
35. A nostris tabernacuh's
Onuiis fortuna slerihs
Discedet per commercium
Commercioruin niaxlnuim.
36. Est mercandi feHciias,
Quam transmisil divinitas,
U N I B O S. 359
I3e vitiiloruHi coriis,
De vitiilarum spoliis.
37. Hic noster pauper unibos
Habet nuillos denarios,
Quos non niensurat nuiiiero,
Sed ferralo sextario.
38. Kst fortiinalus siil)ito
Lnius pellis pretio,
Quam vendidit in proximo,
Eventu felicissimo.
3'J. Non est opus sub inibribns
Arare nobis amplius,
Si piobatis una die
Locupletem de paiipere.
40. Sed quod naiTO coinniercium
Occultum sit per triduiim;
Si trapezelae saperent,
Argentum niinquani tuiulerenl.
41. Est facta deinonslratio
Commercii de commodo ;
Fiat deliberalio,
Quid nobis sit in aniino:*'
42. Ad liaec suspirans presbyter
Prior lespondit impiger,
Pleiuis novae laeliliae
Plusquam possit ostendere.
43. Si imitarelur unibovem,
Uxor, quam duxi nobileiii,
Pro tanti lucri spe bona
IMox carei'et pellicula. ,
44. Mox major villae tertius,
Ilabeiidi ciii non est niodus,
Quae coiicepil ex fabiila
Eructavit prodigia :
360 U N I B O S.
45. 'Per isliim jiiro baciiliiin,
Per corpiis lioc perspicuiim,
Si ruminant diluculo
JNIei boves in stabulol'
46. Dextras furlivo foedere
Vicisslni certant tangere,
Ut clam boves excerebrent,
Inlerfeclos excorient.
47. Firmati per slulliliam
Procedunt ad insaniam,
IMactant boves crudeliler,
Excoriantes acriter.
48. Suspeudunt cariies trabibus,
Pelles laxant in curribus
Quietae noctis lempore
Petunt mercalum Iransfugae.
49. Plauslra pelles vehenlia
Locant sub arrogantia
In inercali confinio
Inani pleni somnio.
50. Respectum per silenlia
Vibrant per fori stadia,
luterpretari sub prece
Sperant a niullitudiue.
51. Vulgus Iransit, vulgus redif,
Nullus sub cura consulit,
Non est qui quaerat cupide
Commercium de tergore.
52. Post intervalla temporum
Major, tenendo stimulum,
Clamat in rauco gulture
'Quis vult has pelles emere?'
53. Assunt sutorcs sordidi,
Quibus siinl septem solidi,
UNIBOS. 861
Qiiibus placel coemplio
Uno signalo corio.
54. Dicit sulor ^qiianluni dabo
Hoc pro bovino corioi"
Responclit major subilo:
'Tres libras da conlinuo!'
55. Sulor iiiquit 'es ebrius,'
JVlajor ait 'suni faluus,
De Irlbus libris niiniinuin
Non diinillam denariuiii.'
56. Tuuc inlit sutor setifcr :
'Si dicis joculariler,'
E contra niajor soinnifer
Tres libras clamat firniiter.
57. Vulgaris aniniiralio
Sonoro niox fil in foro
Est vulgus in spectaculiSf
Reliclis nieicimoniis.
58. Ira coiniiiolus presbyler
Majori dicit duriter :
'Insulse, nescis vendere
Quod praesentas liic publice.
59. Hac liasta discerno nieum
Triuni librarum coriuni ;
Solve, sutor, marsuppium,
Audisli lixuin numerum.'
60. Quam mensuram conimercii
Profert sensus presbyleri,
Sutor subinfert : 'stullior
Non est in terra vendilor.
61. De qua sint lii proviuciai'
Dicaiit Ires in praesenlia,
Qui putant boum tergora
Diviliarum niaxima.
362 U N I B O S.
62. Decem iiiimmoruni coruiin
Ad niagiium levaiit pretiuni
Nudis planlis incedite
Hujus coloni palriael'
63. Allernat ex obprobriis
Utraque pars sub jurgiis,
Sutorum congregatio
Iralo crescit animo.
64. Ducuntur a lictoribus,
Praesenlanlur judicibus,
Vendunlur exattoribus,
Corripiunlur legibus.
65. Reddunt per vadimoniuin
Convenlioiiem lergorum,
Quam posuerunt in foro
Lnibovis consilio.
66. Persolvunt legis debila,
Reverluntur ad propria,
Exbauslis in marsuppiis
Otiosis in curriculis.
67. Deyudali pecunia,
Arniati tres moeslilia,
Conanlur inlerficere
Unibovem ineridie.
68. Infra coeli tenloria
Non suiit audila talia,
Quae perpetravit unibos,
Ut sedaret stullissimos.
69. Versutus miles reildidil,
Lit tres iratos respicil,
Insaniam prudenlia.
Respoudenl per ludibriu,
69, 3 iiisauia. 70, i tiiictain
UMBOS. 363
70. Mori diiin Ireineiis .lestiinat,
Occasiouem simiilat,
INIorteni piiigens in conjuge
Tiucla suilio sanguine.
71. Uxor dolosi sub dolo
Strata jacet tugurio,
Quasi sit vere niorlua,
Occisa sponsi dextera.
72. Cadaver foeduin sanguine
Corpus apparet feniinae.
Crudeles niansuescere
Incipiunt pro criniine.
73. Qui venerant occidere,
Certant percussani plaugere,
lucrepantes uuibovem,
Flendo mactatam conjugeni.
74. Simul diciint ferociter :
'Heus, insensate compaler,
Qua causa tu durissima
Perpetrasti facinora?
75. Confusionis trux faber
Nos seduxisli nequilei-,
Ut mercatum probavimus
ISIortem tuam tractaviinus.
76. JMagnum damnum, stultissime,
Adquisisti de conjuge :
Non est culpa mediocris
Vitam fugasse conjugis.'
77. Inquil securiis uiiibos,
Magis seducens tres viros :
'Mirabile (lagitium
Perpetravi per gladium.
78. Si mecum pacem facilis,
Si cordis iram rumpitis.
364 U N r B O S.
Vivain cilo videbilis,
Interfectam qiiam cernili?.'
79. Tiat , fiat' hilariter
Diciint seducti pariter,
'Repellimus a pectore
Testes iuimicitiae.'
80. Dum sic perpendit unibos
Loqui tres adversarios,
Ad cistam currit lignearn,
Suniens salignam bucinain.
8[. Lustrat cadaver conjugis,
Sub testibus erroneis,
Bis lustrat, saepe bucinaL
Horam surgendi |5raedicat.
82. Lustralione tertia,
Tanquam virlule niistica,
Dum nomen sponsae noininat
Quiescentem resuscitat.
83. Exurgens uxor impelu
Astat deformis liabitu,
Jubetur ab unibove,
Ut se mundet a sanguine.
84. Confestim lola facie
Induta meliuscule
Apparet speciosior,
Vultu mundato pulcbrior.
85. Seducti per unibovem
INlirautur pulchritudineni
Resuscitatae feminae,
Slupentes illam plaudere.
86. Dicunt suppressis vocibus :
'JNunquam tam pulchram Niilinius
80, 3 a derstam curriit
II N I B O S 365
Isliiis forinam femiiiae,
Qiiae siirrexit in hac die.
87. Ante mortem tiirpis fuit,
De morle pulclira rediit;
Felix mors quae pulchrificat
88. Quam felix sonus bucinae,
Qua reiiovanlur velulae.
Sponsae nostrae decrepitae
Pro mullo fiunt tempore.
89. Si nos divina gratia
Honoraret hac bucina,
Occideremus conjuges,
Prae rugis execrabilcs.
90. Precemur unibovem,
Ut nobis praestet ad vicem,
Vel ut vendat hanc bucinam,
Quae turpem tollit maculam.
91. Tubam certemus emere,
Ut sponsas interficere
Uno possimus tempore
Ornandas j)ulchriludine.
92. Cum resonabit bucina
Fugabitur mors aspera,
Sicut in hoc probavimus
Examine, quod vidimus.
93. Facturi siimus alteras
De redivivis niiptias,
Offeramus pecuniam
Ut uobis vendat bucinam.'
94. Oblato magno munere
Tubam merentur emere.
92, 3 in hac. 92, 4 quam
366 U N I B O S.
Posl comparatain bucinam
Verluntiir in insaniani.
95. Duobus dicit presbyter:
'Oro , precor sollenipniter,
Ut prinius interficiam
Sponsam mihi carissimam.
96. En praesletur gratissima
IVlihi yitalis bucina.
]Minoi'abo per jugulum
Presbylerissae senium.
97. Posl me secundus bucinam
Assuniet saluberrimam,
Qui prior suam feminam
Occidet sicut vitulam.'
98. Petitiones annuunt
Sacerdotis , quem diiigunt,
Ut occidat, ut jugulet,
Ut occisam resuscitet.
99. It sacerdos cum bucina
Armatus ex insania,
INIoriturae dat basia,
Stricta coma feminea.
100. CultelUim monslrat presbyter,
Ridendo dicit mulier:
'Quid vultis, care, facere?
Nolile dure facere.'
101. Sacerdos ait letifer:
'Te jugulabo dulciter,
In juvenili corpore
Resurges voce bucinae.'
102. Solum vae! clamat femina,
Percussa jacet mortua.
Stultus paterfamilias
Exclamat deo gralias.
U N 1 B O S. 367
103. Apponit ori biicinain
Siifllat per arrogantiam ;
Diim ler jacentem circiilt,
Obscoenis verbis arguit.
104. '0 simulatrix callida,
Surge dolosa simia !
Petulca sicut aslna,
Leva caput de buclna!*
105. Audilis his clamoribus
Ameiis suam praepositus
Festinat inlerficere
Sub spe vitalis buclnae.
106. Ad orbatum presbyterum
Venlt post Iiomicidium,
Ut sibi praestet bucinam
Qua suscitet praeposltam.
107. Tandem recepta bucina
Sacerdolem de femlna
Interrogat jam mortua,
Si surrexit juveucula?
108. Interroganti dicitur :
'Hecate non vldebitur,
Donec linien ecclesiae
Tua pelet cum conjuge!'
109. Sponsaecida praepositus
Privatus nienlis sensibus
Ad domum portat proprlam
Seductionis bucinam.
110. Nunquam sacerdos alius
Moestis tubae mugltibus
Bucinavit profundius
Quam fatuus praeposltus.
107, 3 iia mortiia
368 UNIBOS.
111. Quaiituiii lubae concavitas
Tanluin prodest ventosilas;
Ut revixit presbylera
Sic surrexit praeposita.
112. INIajor villae non est ininor
In reatu , si tarcUor,
Qui sponsae vitam dissipat,
Qui bucinat, non suscitat.
113. Tres gebulae, tres niortuae
Praesentautur ecclesiae,
Orlo tristi diluculo
Cuni lugubri sjjectaculo.
114. Sponsoruni sub insania
Infossantur cadavera,
Tres occultanlur conjuges
Per threnos lamentabiles.
115. Discedentes a tumulis
In profuudis suspiriis
Ti'es susurrant ad inviceni :
'Occidamus unibovem!
116. Qui gazas nostras sustulit,
Suis verbis nos tradidit,
Dum dixit juvenescere
Anus mugitu bucinae.
117. Auctor tanti periculi
_ A nobis possit conteri,
Ejus invadat verticem
Amara mors ignobilem!'
118. Mentis commoti fluctibus
Ad arina currunt protinus,
Artificem versutiae
Occisuri durissime.
113 neben gebulae stelit ein f.
U N I B O S. 369
119. Calliditas unibovis,
Plena multis ingeniis,
Siiperavit jactantiani
Trium virorum fervitlam.
120. Ad suos currit luiibos,
Quondam pauper, denarios,
Massam de nummis accipit,
Armatos liostes decipit.
121. lu|uam traliit de stabulo,
Caudam levat plus solilo,
In nalurae foramine
Niunmos certat immergere.
122. In medio lugurio
Equae formalur statio,
]\Iox[que] jumenlo candidum
Expandit imum linteum.
123. In foribus tugurii
Adsunt tres adversarii,
Dum miuanlur unibovem
Causam vident mirabilem.
124. Tres stant in domus limine
Volentes interficere
Unibovem , sed non valent,
De novo facto dum stupent.
125. Observantes officium
Unibovis argcnteum,
Qui costas equae dum fricat,
Partum nummorum provocat.
126. Exclamant: 'quid est, unibos?
Quod jumentinn denarios.
Aperte tibi parturit
Miram causam nobis parit.'
127. Caude respondet unibos;
'Videlis hos denarios?
24
370 U N I B O S.
Fundit immnios liujiis equae
Venter pro vili stercore.
128. Per noctes equa singulas
Tales iactat pecunias,
Ops regina pecuniae
Ani sedet foramine.'
129. Repente visis talibus,
Auditis liis sern»onibns,
Hostes irani reiciunt,
Unibovi sic inquiunl:
130. 'Si de forluna gaudeas,
Vende nobis lioc animal :
Deponenuis tres odiuni,
Si comparamus turgidum.'
131. Vestilus teclinis iinibos
Ad Ires hoc dicit socios :
Non est hanc dare facile
Genitricem pecuniae.
132. Hujus sub pelle bestiae
Arca latet laetitiae;
Nou est haec vilis bestia
Quae tanta parit munera,'
133. *Si de tua subslantia
Tua laetetur anima.'
llli dicunt, 'carissime,
Ne differas hanc vendere.'
134. Versipellis unibos
Ad brufos dicit tres viros:
'Jumentum vendam nobile,
Sed non pro parvo munere.
135. Vos vidislis, quid peperit,
Cognoscitis, quid hic pluit;
128, 3 obs.
UNIBOS. 371
Si nummoruin lalibiilum
Vultis, conferle pretium,
136. Sed ut silis benivoli,
Conferle libras quiudeclm.
Plures in brevi tempore
Libras reddet pro stercore.'
137. Tres illi libras quindecim
Ut persolvunl unibovi, •
Equam ducunt ligamine
Cuslodienles cupide.
138. Feslinus inquit presbiler:
'Audile nie, sicut decet,
Jumenlum volo ducere
Ad stabulum domus ineae.
139. Quia primus ecclesia,
Sum primus in cuslodia,
Diluculo recolligam
Quam donavi pecuniam.
140. Sit prima nox presbileri,
Secunda sit praepositi,
Majoris nox sit terlia
'Sub aequilalis trulina.'
141. 'Fiat,' dixit praepositus^
'Sit,' dicit major lertius,
'Haec est iiostra concordia,
Sub mili patientia.'
142. Equam procurat presbiler
Daiis hordeum celeriter,
Per nocturnas vigilias
Equae praebet auriculas.
143. Facto tamen diluculo
Sacerdos a praesepio
Commuuem traliit besliam,
Ut deponat pecuniam.
24*
372 U N I B O S.
144. Illa piilans ad aralriim
Deduci sibi cogniliini.
Sub cauda laxat S([uibulas,
Sicut solet , foedissinias.
145. Duni slercoris (juassalio
Audilur a presbilero,
jNuinnios pulat procedere
Ex alvo brulae bestiae.
146. Claniat sacerdos: *pueri,
Abscedile, donieslici,
Solus nieani recolligani
Quani donavi pecuniani.'
147. Cuni sacerdos scruliniuni
Per Jinuini facit foetiduni,
Ununi iniinituin rcpperit,
Qiiod feslinanler accipit.
14S. Jumentuni, cuin sex niensiuin
Olini fuisset parvuluin,
Vuluus suscepit stipite
Ani tenelli limine.
149. Ibi niinulum substitit,
In cicatrice laluit,
Ecjua cum nunimos reddidit,
Quos unibos subintulit.
150. Illa scrobs illi vulneris
Invenienti profuif,
Dum commovit pecuniam
In clinus hordeaceam.
151. Est vulgare proverbium :
*Quod non prosit non est nialuni.'
Ani laesi moleslia
Presbilero dat gaudia.
152. Praepositus per studium
Sacerdolis pelit donnim,
U M B O S. 373
Ruclalricem pecuniae
Certam mane requirere.
153. 'Jimieutum praesla, presbilei-,
Ex una uocle locuples
Manebis omni tempore
Nummorum muUitutliue.'
154. 'Dedam equam, praeposite,'
Dicit sacerclos lepide,
'Intempestive reddere
Equam me cogis hodie.
155. Aurorae gallicinio
Exierunt ab utero -■
]Male cocli dcnarii^cfB"'
Recentes hordeacei.'
156. Cum inagnis poteslatibus
Equam ducit praepositus,
Idem tanien quod presbiter
Praeter minutam possidet.
157. Jumentum nocle tertja
Major claudit domo sua,
Reperlurus dihiculo
Quod ferebal in angulo
158. Comedit hordeaceum
Equa communis pabuhun,
Quae stercus foetoriferum
Horis conceplt noctium.
159. Quid sit facturus unibos
Conlra commotos aemulos,
Meditalur iu lectulo
Frequenti cum suspirio.
160. Conveniunt cum turbine
Ferraia tres in acie.
156; 1 potcntalibus.
374 UNIBOS.
Posl nocluriiani cariglneni
Adeinites unibovem.
161. Viri claniant Ires pariter:
'Exi scelesle fraudifer,
Occidende crudeliter
INIactaberis carnaliter.'
162. Rcspondet adversariis
Qui quaerilur sub stipulis:
'Praesto sum vester unibos,
Vos nieos dico dominos.
163. Si vultis interficere
Quem quaeritis durissime,
Vobis narrabo, quomodo
Perire velim subito.
164. Sunt mortis multa genera,
Unum finem dant omuia;
Ut vobis salisfaciam
Modum mortis mox ellgam.
165. Quae mors fiat amarior
Iq mundo sive tristior,
Nunquam probastis, dominJ,
Nec probetis, dulcissimi.
166. Dicam tamen pacifice,
Qua ratione perdere
Me possilis in hac die
Aul cras futuro tempore.
167. Ligate me de funibus,
Aut de contortis restibus,
In apotlieca millite,
In qua me missum claudite.
168. A doctis carpentariis
Striugatur tonna circulis;
Tonnam cum meo corpore
Ad mare magnum volvite.
U N I B O S. 375
169. Ciim tonna nie dimergile,
Ad abyssum transmitlite ;
Hac arle me confuudile.
Sic peream me judice.'
170. 'Fiat tibi,' tres inquiunt,
Hoc mentes uoslrae cupiunt,
Ut tali morte pereas,
A nobis ut sic exeas.'
171. Nectunt loris unibovem
In terra delestabilem,
Qui poslquam tonna claudifur
la ripa maris sistilur.
172. Clausus sic fatur unibos,
Magis seduceus tres viros:
'Confileor hic bodie,
Reclusus sum justissime.
173. In agone judicii
Sic constilulus ultimi,
Propler diem novissimum
Deponite nunc odium.
174. Miser nianus erigere
In boc non possum carcere,
Heu , lunibos vexant brachia
Per maledicla vincula.
175. Pietatis viatico,
Apothecae sjiiraculo
Meudacium non profero,
Caritalem pronuntio.
176. Bis seni sunl denarii
In fundo mei loculi,
Quos bibite , piissimi,
Ad honorem summi dei.'
177. Caritativus presbiler
Fatclur temporaliler:
376 UNIBOS.
'Doiicc blbanius dulciter
In touna dornii dulciter.'
178. Tres festinant ad pocula
Bibiluri prae caniina
Sedent. loquuntur ninuum^
Bibunt viuum clarissinuim.
179. Et cuni porcinis gregibus,
Sonore grunuientibus»
Subulcus transit pervius
lu pharetralis renibus.
180. Dum porcos audit unibos
Tonnae fricare circulos,
Exclamat : 'adversarii,
Ah, nou suut adhuc ebrii 1*
181. Horret subulcus de sono
Unibovis incognito,
Vas quernum tangit baculo
Dicens incluso niisero :
182. 'Pro quo clausus es crimine
In apotheca, perdite?'
Prompte respondet unibos:
'Honores nolo maximos.
183. IIujus coloni patriae
]Me compellunt cotidie,
IMe volentes eflicere
Praepositum potentiae.
184. Ergo nunquam praepositus
Ero meis aetatibus,
ISam sufTicit quod habeo
Honores regni reuuo.'
185. Subulcus inquit cupidus:
'j\le decet honor maximus;
178, -1 vielleiclit jiigitiiry 179, 2 sonoris graniiientiiim.
U N 1 B O S. 377
ligo pro te praeposilus
ElTlciar dilissimus.
186. Conipulsus sum fataliler
Apotliecam tuam , miser,
Hoc fuste meo tangere,
Certa me tonna ponere.'
187. Subulcus pellit cixxulos,
Multum laetalur uuibos.
Aperitur vas ligneum.
Fit forluuae commercium.
188. Eicilur, dissolviiur,
Festiuanter dimittitur,
Dui-is fit liber vinculis
Qui jacuit sub circulis.
189. Subulcus inlrat concavum
Vas, aplans corpus proprium,
Quasi sentiret lectulum
De Iloribus conipositum.
190. Trux vas oblurat unibos,
Slrictim repouit circulos,
Per locos transit invios
Ducens porcos pinguissimos.
191. Reversis potaloribus,
Tres, de potalionibus,
Dum volvunt tonnam in mare
Audet subulcus dicere :
192. *Fian), fiam praepositus,
Sub vestris voluntatibus,
IMaris ne jacter fluctibus
A vobis jam[jam] domitus!'
193. Plenus vino praepositus
In indignalionibus
Subulco dixit simplici :
'Xon esl baec vox dulcis milii.
378 U N I B O S.
194. Toiinani certate volvere,
0 socii , certissime :
Sit Iluctuum praepositus
Hic unibos nequissinius.'
195. In ponto salso mergilur,
Apollieca coUiditur,
Subulcus , heu, conterilur,
A cunctis obliviscilur.
196. Fatuilatis divites
Tres persolvisse compares
Existimaut novissinias
Unibovis exequias.
197. Post liaec in die lerlia,
Sollempni tamen feria,
Visitaturus faluos
Redit magistros unibos.
198. It per villae quadrivium
Tenens in dextra baculum,
Porcorum multitudinem
Deducens ante faciem.
199. Dislente prudens bucinat,
Subulci more sibilat,
Piufos cum furvis convocat,
Dente laedentes territat.
200. Qui viderant uuibovem,
Ejus dicebant similem,
De quo fama volaverat,
Quod mortuus jam fuerat.
201. Nuntiatur praeposito,
Majori cum presbitero.
Quod unibos revixerit,
In ponlo qui mersus fuit.
202. Tros illi surgunt slupidi,
Famam credcnles somnii,
UNiBOS. 379
Suis quassantcs geuibus
Subsellia poplillbus.
203. Forniani videnl unibovis
Poi'cini duclriceni gregis,
Ipsuni sed esse non putant,
Occidisse putaverant.
204. Recognoscunt uniboveni,
Vident porcorum diviteni,
Interrogant, quis dederit
Tot porcos , aut vendiderit?
205. Respondet 'sub prodigio
Maris praecipitalio ;
Ad regnuni felicissinnim
Fui per praecipilium.
206. Inde nunquam recederem,
Si non amassem conjngem,
Quam vidistis resurgere
Veracis tubae inurmure.
207. Non fuit culpa bucinae
Sed bucinantis pessime,
Omnes si vestrae feminae
Modo sterlunt sub pulvere.
208. Heu, cur in pueritia
Ble non jactaslis ad loca,
Unde felix regredior,
Revertor eruditior?
209. INIe jactastis per odium
Ad propitiatorium,
Ubi porcorum sunt greges
Per nullum numerabiles.'
210. Sub ammirationibus
Prius dicit praepositus:
'Nos pernarum spes optima
Monet temptare maria.
380 U N J B O S.
211. Me qulsquis eril slullior
Parebil' diclt stultior.
Pelunt fluctus aequoreos,
Post quos iucedit iwubos.
212. IMoUis niarini personant,
Grunnire porcos aestinmnt,
Requirunt ab unibove,
Qua sint porclnae semilaei'
213. Sed unibos periculuin
Dicens designat pessiniuni,
Ubi litus esl altius,
Ubi niare profundius.
214. 'Illuc feslini currile,
Sine melu vos mergite:
Majores porci sunt aquis,
Quam siut in terris aridis.'
215. Unibovis consiliis
Tres danl se praecipitiis,
Sub capitali frenesi
Per saltum stulte morlui.
216. Inimici consilia
Non sunl credenda subdola,
Ostendit ista fabula
Per seculorum secula.
Im briisseler cod. 8176 bl. 38^-42^, v,ie niir scheint,
von einer liand des eilften jb. ; die abschrift verdanke ich
lierrn Willems zu Gent. das gedicbt kdnnle schon im
zehnten jh. verfafst sein, ich ghiube jenseit des Rheins,
M^age aber nicht naher iiu bestinimen , ob in Lothrin-
gen, den Niederlanden , oder wesllicher in Frankreich?
certo mit deni inf. slimmt ganz zum sprachgebrauch der
ecbasis: 46. 2. 73, 2. 91, 1. 121, 4. 186, 4. 194, 1.
U N I B O S. 381
auch IMaibod de gemmis 361 liut cerlant operire. aiif-
faileud ist das haiifige suh : sub exemplis 5, 3; sub ar-
rogantia 49, 2; sub prece 50, 3; sub cura 51, 2; sub
dolo 71, 1; sub teslibus 81, 2; sub spe 105,4; siib in-
sauia 114, 1; sub trulina 140, 4; sub patientia 141, 4;
sub volunlatibus 192, 2; sub prodigio 205, 1; sub am-
miratiouibus 210, 1; sub frenesi 215, 3; vgl. simili sub
more ecb. 697. per studium (studiose) 152, 1; per odium
(209, 1.) mitlere pro sextario 21, 3, nach dem sechler
schicken , Fromund wiirde sagen : post sexlarium (oben
s. 234.) gehulae 113,1 sind todtenbaliren ; o^/r/fH/ag 142,
4 pulvinaria , olirkissen , franz. oreillers , Ducange hat
auriculare, auriculariuni statt dieses auricuki. tonna 168,2.
180, 2 fiir dolium iindet sich oft, z. b. Pertz 1, 504.
apotheca dasselbe 167, 3. 175, 2. minutum 147, 3. 149,
1 und mimtta 156, 4 eine kleine miinze. squihulae 144,
3 slercus , naviSulov i gleichviel scheiut chnus 150, 4.
hosiar 10, 2 locus ubi stant boves, bei Isidorus; x\bbo
de bell. paris. 1,636 brauchl das worf. zvvei liebraische
ausdriicke sind musac 26, 1 und corhanan 26, 2. jenesstelit
auch Ileinardus 4, 926 ; corbanon, corban 31atth. 27,, 6. JNIarc.
7, 11. kgus fiir miser 9, 3 vvird oft von Abbo gesetzt 1,
309. 367. 2, 91. 101. trapezetae wechsler 40, 3. amphihahis
11, 2 byrrhus, lodix villosus , vou ufUfi^SuXleiv.
Zeit uud ort der abfassung konnen zwei umslande
beslimmen lielfeu , eiumal , dafs eiue obrigkeitliche per-
sou auflrilt , welche major vil/ae heifst, der zum zei-
chen seiner wiirde einen stab (baculus, stimuhis 45, 1,
52, 2) fiihrt. das ist der villicus, meier oder maire RA.
758 *), verschieden voni praepositus (183, 4 praepositus
potentiae) dem sogeuanuteu bajuhis praepositus (bailli.)
Dann dafs der presbyter beweibt ist (43, 2), was auf
•) villicus major , iii eiiier iirk. von 1140 (Miraei opp. dipl.
1, 688.)
382 UNIBOS.
(las zelinle und elllfe jh. ganz besonilers pasl, vgl. oben
s. 231 und Sigebeiius genibl. ad a. 1074: 'presbyteri
conjugati,' '^uxorali sacerdotes ab officio remoti'; j)af-
feuesse, presbytera gl. Jun. 302 ; Reinh. fiiclis s. CXLI.
CXLII. der braucli erstreckte sicb freilicli bis ins zwolfte
und drelzehnte jh. Bemerkens^verth scheint , dafs der
sauhirl rtiit einem kocher an der seite, in pharetratis re-
iiibus (179, 4) vorgestellt wird, wie soust jager (ecb.
333.) auch einen stah tragt er (181, 3, 198, 2) und
pfeift die heei'de zusammeu (199, 2.)
Rumor 2, 2 driickt gerade wie Rudl. s. 235 und
Isengr. 13 aus, was ein deutscher dichter mccre ge-
nannt hatte. wirklich ist der ganze iuhalt des gedichts,
im eigentlichsten siun , volks und hausmarchen , wieder
eiu wichtiges zeuguis fiir die lange dauer dieser stolFe*
"VVie hier der Lnihos drei einfaltige bewohner seiues
dorfs , die noch dazu als priester, probst und meier
vorgeslellt werden , viermal hintereinander , durch ver-
kaufle ochsenhaute , seiue aus dem tod ins leben ge-
blasene frau, eiu pferd, das geld von sicU geben soll,
endlich den see, in welchem schvA'eiue weiden sollen,
ergOtzIich anfuhrt; das sind schwauke die noch heut-
zutage von dem hiirle, vom bauer Kihitz , von Fiuiscliki
oder unter andern namen , im eiuzelneu vermehrf, ver-
miudert und verandert umlaufen (KJNI. n°. 61) und ihr
unverwiislliches dasein behaupten. IManche ziige er-
scheinen nur in der alten erziihlung vollstandiger und
genauer ; schon der name Einochs iibertrift die spateren
ich mufs das geldmessen mit dem geliehnen sechter (21.
23. 37), in welchem nun eigeutlich eiu stiick miinze
stecken bleiben soUte, liervorheben ; das ist in melirere
sageu eingegaugen (KIM. n°. 142. Olmars harzsagen s.
236. 237.) goldlegende rosse , enten und hiiner fiihren
andere marchen ernsllich ein. Die geldverleihende kcini-
N A C H T R A G. 383
giii Ops (128, 3) hat der verfasser eulweder aus Ovid
oder Macrobiiis.
NACHTRAG.
s. 55. 56. die handschriften des Walthariiis vernielireii
sich noch uin zwei, die ich K und L bezeichne. Iv
ist gleichfalls zu JVien , aber von D verschieden, in
Endlichers codd. philol. lat. 1, 108 nur kurz so ver-
zeichnet: cod. 206 ol. 289 sec. XII. fol. 103-130
Wallliarius. inscriptio et subscriplio nulla. versus ul-
timus deest. Eine vergleichung soll gelegentlich nach-
geh'efert werden zusauuiien niit der des briisse-
ler cod.
L zvvei perganientblatler der leipziger universilals-
bibliothek, aus deni 13 jh., niitgetheilt von dr. liCy-
ser in dem bericht der deutschen gesellschaft 1837
s. 41-46. das bruchstiick enthalt die verse 143-213
iind 351-414; ich bemerke folgeude lesarten: 147
seria 161 an medio 164 retrahunt fuge precantur
165 propriam temet propriam 166 pannoniorum 175
Ut b. confortet 179 consurgens 180 numerose 185
liuc undique 190 postremo 196 tunc in 203 Pan-
noniorum 205 Deicit 206 Donec perciperet sub forle
208 recavo ductor 355 Vicos effugiunt 361 salutant
369 Ospirn hiltegundem 370 defeneqiie suelas 373
pannonicas 374 Quod dudum jam doniino 375 Ab-
stulit i. d. quam 376 veslri 379 Hiltigundemque 388
dare non permiserat 391 Et cum nox terris dep. . . .
396 surrectus 397 in urbem 406 hinc iude atque
onerarem (bei diesem vers hole ich auch aus I nach :
cjuidem hinc inde onerarem) 407 vivo 413 tunc ira-
tum presumeret
s. 30 wollte man v. 811 vorschlagen 'loquerer 5/' so
384 N A C H T R A G.
aiiderle das neuerclings den wechsel der gesprache imd
ziige andere schwierigkeiten nach sich.
s. 68. das sic sic 1404 erinnert an dcn vers dcr Hrosullh :
Sic sic nioerenlis tolo conamine cordis.
s. 75. parmas pictas Abbo 1, 119; picta scuta 1, 257.
s. 97. bei Abbo 1, 129 fragt eine normannische frau
ihren aus dem kanipf entHohnen niann :
Non tibi nunc Cererem vel aprus Bacchumque lilavi?
d. li. gab ich dir nicht brot, fleisch und wein? aper
driickt demnach das beliebte fleisch aus.
s. 101. um so eher durfte Wallher von der i^ogeUveide
anspielen auf Hildgund, da derialle hekl wahrend seiner
flucht vogel und lische fangt (421. 422.) die scharf-
sinnlge vermutung ist von Lucas (iiber den krieg von
Warlburg s. 229.) wie wenn im verlornen deutsclien
liede bei Walther wirklich der ausdruck vogehveide
vorkame und sich dann nach jener anspiehuig der
beiname des spateren siingers iiberhaupt erst gebihlet
lialle?
s. 120 wegen der formen Gisellier, Walther u. s. w.
vgl. Lachm. zu Nib. 118, 2.
s. 121 bei Hildgund ist doch die mehr historische lldico,
Atlilas gemahlin , nicht zu iibersehn.
s. 124. Ermoldus NigeUus bei Pertz 2, 517. 518 fiihrt
den JVasaciis im zweigespriich mit dem Rhein per-
sunlicli auf.
s. 126. in IliJdgund habe icli die heldnische siegsjung-
frau mlt recht anerkaunt. wer die verschleduen sa-
gen von diesen Ilildcny Ilildgunden und Hildlmrgen cr-
wiigt , gewahrt leiclit , dafs sie alle enlfiibrt , und
gegen dle verfolger im kampf behauplet werden. der
sieg ist durch sie an die geliebten lieklen im voraus
gefesselt. ])esonders gleichen Hihle und Herbort (^Vilk.
saga 211-218) unsrer Hihlgund und Waltliern, sogar
NACHTRAG. 385
das wundeiiveibindeu felilt nitlil; sonst heifst diese
Hilde aucli Hildburg (heldens. 134.) auf ihrem haupt
silzen zwei vogel, deren ausgebreitete filtiche die son-
nenstrahlen abhalten (Vilk. saga 213); selir alter-
thiinilich , und anf ein iibermenschiiclies wesen deu-
tend. Aber die altn. Hildr, welche durcli nachtliche
lieder die erschlagnen kampfer weckt (heldens. s.
328), gemahnt wieder an HiUlgund , wenn sie in der
nacht nach dem kampf wacht uud singt (Wallh.
1180. 81), und das mehrbesprochne anfiigeu der
liaupter an die leiclien konnte sich in alterer iiber-
lieferung auf eiu solches wiedererw^ecken der helden
zu erneutem streit beziehen , ob es schon jetzt Wal-
ther verrichlet, slall der jungfrau. in der thal wird
der kanipf am andern morgen fortgesetzt. der uame
Hcigni , Hagano ist beiden sagen gemein , wiewol in
abweichender bezieluing. Walthers nachtlicher ge-
sang wurde s. 113 dem des Horaut verglichen , wel-
clier gerade auch in die sage vou Hilda gehort (hel-
dens. s. 329.) *
5. 163 V. 106 ist zu erganzen [Protijnus [hosj sed ad
oder lieber [Fine te]nus sed ad
s. 170 V.57 und 77 siud beide lesarteu der hs. zu
schiitzen. fumosa kanu die verbreclioriu reclit wol
heifsen , sie ist gleichsam vorher schon angcraucht eli
sie iu den ofen geschoben wird. Die worle nach
vivere si vultis scheinen so zu verstehu : sed tamen,
quo me nou debilitetis salutis, oro, ut mihi tollatis
nares. Schm. ich hatte islud wegeu des gen. salutis
angebracht, ohne dafs mir das folgende non debili-
tatis deutlich war. steht bei debilitare der gen. der
sache (nach deutscher weise) so wiire nun der sinn
der phrase: verstiimmelt midi nicht au der scehii
heil, sondern am leib. Gr.
386 IS A C H T R A G.
8.212. tlies lis lis lis ii. s. w. eriuiiert aii Reiuardiis
1, 1167.
s. 230. iu balaena (Nvallfisch) ist die ersle silbe aucli
lang, es kouule also hier eiu aus wallfischbeiu gefer-
tigtes geralh bedeuteu?
s. 245 Y. 61 uioesti fel cordis. Hrosuilh :
Felleque phis justo cordis succensus amai^o.
s. 251 V. 262 cocus ahnus scheint beachlenswerlli , da
dies beiwort soust nur konigeu und vornehmeu herrn
erlheilt wird und fast gleichbedeuleud mif sanclus isl-
das hofamt des ineislerkochs, (legalis cocus WaUli.
438. magister cocoruiu Heriger 7, 4, coquorum prae-
posilus; lex Visigoth. II. 4, 4, altfranz, graud queu)
etand in grofsem ansehu und konutej wie hier beiin
igel, mit der wiirde eiues priesters verbuuden wer-
den, der widerspenslige igel wird sogleich iu die
kiiche zum bratspiefs entsandt. eben lese ich (gcitt.
anz. 1838, 502) dafs das koptische anire, koch , frii-
lier priester bedeutete.
s. 269 v. 780. auch Hrosuilh iu der historia Oltonum:
Ungitiir iri regem , Ciirislo praestante, poteutem.
s. 276 V. 977 fF. gemahut an Reiuardus 1, 745 iS.
s, 285 v. 1216. Herodes nach Luc. 13, 31, wo er aber
dem fuchs verglichen wird.
s. 287. man konnte eibasis auch blofs fiir digressio,
abschweifung, excurs nehiuen, und auf die ar-
beit des dichters statt auf eine wirkliche flucht
beziehen.
s. 288 itah und span. bedeulet discolo niorosus, idiota,
illiteratus , effreuis , improbus.
s. 294. N. Bth. 169 : so wio geskribeu si, corpus quod
aggravat animam opprimit sensum nudta cogitantem.
8. 300 das geschiift der biireu : ligna ferant ursi v. 641
erinnerl au das carmen de sancto Gallo 9, 5.
NACHTRAG. 387
s. 381 (Jie zuni pras. gefiigleu prat, narres (|iii(l inandu-
casses Heriger 8, 6; sperans crevisse Alverad 11. 6
wie Waltharius 8. 70 und bei Hrosuilh (vorr. s. X);
die produclion des penult. inulierum wie sonst oft
(vorr. s. XX.)
s. 381. Nilharts lieder lehren uns auch unler den osl-
reichischen bauern nieier. Ben. 377. 390. 396, 442.
444. 445.
D r u c k f e h 1 e r.
lies s. XXVl, 30 vorr.
13,
32 epulas Pustquani
15
V. 361 saluteiit
16
V. 406 Et tellnre
19
V. 48T studebaf,
29
V. 770 et niox
V. 774 silvaiuis
30
V. 797 auctor.
31
V. 835 ignavum
68
zeile 19 liiiiter zeile 20. **
123,
1 1 weidegras
125,
, 22 das
134
V. 27 Si sic
135
V. 69 bene facti.
136
V. 90 suminatum
139
V. 178 cum
142
V. 20 das zweite me zu tilgen.
145
V. 114 nequeat
156
V. 489 decet
164
V. 16 pernoctat ibi quidam sunimus.
V. 19 postquamque
165
V, 29 mecuin post
V. 30 Quod
V. 37 inquit
lies s. 171 V. 101 puUatuF ad ipsam,
176 V. 54 signum
179 V. 80 volucrem
184 V. 48 revomebat
185 V. 79 praepacificat
198 V. 3 follis ullum
V. 6 . . . [Diejtmaro ,
199, 7 B. J.
207, 9 vertraut
V. 17 keiiie kirclie
210, 19 der sie liel>e
V. 31 sitzt da
212, 28 wurfzabel
213, 32 kiirsen
223, 20 welciier
224, 13 gewesen,
225, 24 wahl
226, 30 Kolilers
227, 12 ne, neve
273 V. 881 'Te peto
279 V. 1061 consilium
281 V. 1103 coilem
282 V. 1142 Hic
289, 15 rapoltsteinisclien
318, 30 Ermoldus
321, 13 Rudl.«
330, 15 niciif.
381, 22 elegus.
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